Ich mochte die „Science Adventure“-Spiele Chaos;Head Noah und Chaos;Child, die ich in der Switchversion gespielt habe. Diese hatten wie Romance-Adventures verschiedene Routen mit stärkerem Fokus auf die jeweilige weibliche Person. Zu den ursprünglichen Releases gab es dann sogar Spinoffs mit etwas stärkerem Fokus auf Romance, die mittlerweile als Doppelpack auf Nintendo Switch portiert wurden. Chaos;Head / Chaos; Child Love Chu Chu Double Pack (Name aufgrund besserer Lesbarkeit leicht angepasst) hat allerdings nicht den Weg aus Japan heraus in den Westen geschafft. Deshalb habe ich mir das Doppelpack schließlich importiert. Hat es sich gelohnt?
Chaos;Head Love Chu Chu
Das Spinoff des ersten Teils beginnt mit einem etwas benebelten Protagonisten Takumi. Er liegt und sieht ein Mädchen auf ihm. Vage Erinnerungsfetzen zum ersten Teil blitzen auf. Er meint sich zu erinnern, dass es sich um Rimi handelt. „Rimi“ sagt, sie möchte es mit ihm machen. Aber was? Takumi weiss nicht so recht, wie er reagieren soll. Aber vielleicht wird er endlich seine Jungfräulichkeit los? Doch dann fliegt die Tür auf und Rimi erscheint bewaffnet. Das andere Mädchen ist Seira Orgel und gefährlich. Seira ist eigentlich eine fiktive Person, aber für den Otaku Takumi seine „Waifu“. Seira entschwindet mit traurigem Blick. Rimi ist froh, Takumis Jungfräulichkeit gerettet zu haben.

Takumi ist weiter verwirrt, als Rimi die Situation erklärt. Nach dem Ende des ersten Teils ist Takumi in einem tiefen Schlaf verblieben. Vermutlich hält ihn etwas aus seinem Unterbewusstsein zurück, weshalb sich Rimi mit ihm synchronisiert hat. Der Übeltäter muss wohl diese Seira sein. Wenn sie ausgelöscht wird, sollte er aus seiner Traumwelt erwachen können. Da es seine Welt ist, möchte Takumi helfen, aber allmächtig ist er in seiner Traumwelt nicht gerade. Seiras jüngere Schwester Erin taucht derweil in seinem PC-Monitor auf, aber ihre bissigen und stacheligen Kommentare sind wenig hilfreich.
Natürlich ist Rimi nicht die einzige, die in Takumis Traumwelt eindringt. Auch die anderen Mädels des Hauptspiels sind gekommen. Aber etwas ist seltsam. Sie scheinen Takumi gegenüber nahbarer zu sein. Können sie es schaffen, trotz Anziehung und Eifersucht Takumi zu retten? Und was bleibt, wenn der Traum enden sollte?

Fantasie führt zum Ziel?
Wie das Hauptspiel hat auch Chaos;Head Love Chu Chu Stellen, an denen Takumis Fantasie über den Verlauf von Szenen entscheidet. In seiner Traumwelt zumindest in realer Form. Im gemeinsamen Teil der Geschichte kann man sich mehrfach zwischen zwei Mädels entscheiden, oder die Fantasie sein lassen. Allerdings ist nur an vage zu erkennenden vorbeiziehenden Schriftzeichen abzuleiten, wer gemeint ist. Aber dafür gibt es ja Speicherstände. Um in die Charakterrouten zu gelangen, sollte man sich bei jeder Gelegenheit für die gleiche entscheiden. Dann gibt es auch noch Stellen mit „positiven“ und „negativen“ Fantasien, bei denen man sich auch richtig entscheiden sollte. Ansonsten gerät man nämlich zum schlechten Ende.
Die einzelnen Charakterrouten haben bei mir dann gemächlich jeweils rund 3 Stunden gedauert. Bei sechs Charakteren und mit dem gemeinsamen Teil kommt dann trotzdem etwas zusammen. Etwas schade fand ich aber die Überschneidungen, die aus der Gesamtgeschichte entstehen. Dadurch fühlten sich die Strukturierung und manche Konfliktpunkte etwas repetitiv an.

Davon abgesehen fand ich Chaos;Head Love Chu Chu aber unterhaltsam. Teilweise scheinen aber auch hier Takumis negative Charaktereigenschaften durch und er wird stellenweise in unsicheren Situationen beleidigend.
Chaos; Child Love Chu Chu
Das Spinoff des zweiten Teils hat einen etwas anderen Aufbau. Es beginnt mit der Erwähnung, die Geschichte sei im großen Umfeld vermutlich irrelevant. Aber davon ließ ich mich nicht abhalten.
Einige Zeit nach Ende von Chaos; Child beginnt das Spinoff aus der Sicht von Mio Kunosato, einem Charakter daraus. Erst mal beginnt es gemächlich und thematisiert etwas die veränderte Situation. Doch dann wird eine neue Jugendliche mit Chaos Child Syndrome entdeckt. Mio soll als Sachverständige helfen. Die in ein künstliches Koma versetzte Jugendliche habe angeblich Kraft über Ursache und Wirkung. Damit könne man womöglich die Auswirkungen des Shibuya-Erdbebens verändern, was wesentlich für die Ereignisse des Hauptspiels war. Als die Jugendliche ihre Augen öffnet, beginnt etwas…

Es geht zurück in der Zeit, als das Hauptspiel begann. Doch die Vorfälle, die dessen Protagonist Takuru für die Schulzeitung in betracht zieht, sind diesmal weniger grausam. Und somit auch nicht wirklich als Material interessant. Widerwillig lässt sich Takuru darauf ein, dass der Zeitungsclub über Mode und Treffpunkte berichtet. Ein paar Szenen dienen dazu, die verschiedenen Charaktere nochmal etwas zu beleuchten, bevor es weiter geht.
Typentest
Auch hier sind Entscheidungen im gemeinsamen Teil der Geschichte wichtig, um in verschiedene Routen zu gelangen, auch ein negatives Ende gibt es. Aber diesmal ist es nicht die Fantasie des Hauptcharakters, die entscheidet. Stattdessen gibt es zwei „Typentests“ mit Ja/Nein-Fragen, die am Ende den Typ von Partnerin ergeben soll, die zum getesteten passt. Anlass dafür ist das Magazin „Cool Cat Press“, das Takuru mehr oder weniger heimlich liest. Wenn man beim ersten Test immer „No“ wählt, kommt dort lustigerweise der Typ von Nono heraus, einer „Schwesterfigur“ von Takuru. Bei beiden Tests sollte man auf den gleichen Typ kommen.

So kommt man auf die verschiedenen Routen. Diesmal gibt es dort dann mögliche Fantasien, die im Gegensatz zum ersten Spinoff aber tatsächlich nur in Takurus Vorstellung bleiben. Auch dabei wird es mal etwas anzüglich oder…speziell. Auch für ihn demütigende Vorstellungen gibt es. Teils sind diese Möglichkeiten rein zur Unterhaltung gedacht. Manche Routen haben aber mehrere Enden. Allerdings musste ich im Internet nachforschen, als ich die Enden komplettieren wollte. Man hätte darauf kommen können, aber bei den Persönlichkeitstests ist für manche Routen wohl nicht nur das Ziel in Form des Typs wichtig, sondern auch der Weg über verschiedene Fragen dahin.
Die Routen sind schön unterschiedlich und unterhaltsam. Diesmal sind sie auch nicht an die gleiche Struktur gefesselt. Teilweise ist auch mehr Dramatik enthalten. Auch wenn Takuru teils etwas spezielle Fantasien haben kann, ist er auch hier sicher ertragbarer für manche Spieler. Er ist zwar wie Takumi teilweise etwas entfernt von durchschnittlichen Menschen und hat fragwürdige Quellen für Zwischenmenschliches. Aber seine Art, im Zweifel Informiertheit vorzutäuschen ist zweifellos sympatischer als beleidigend zu werden.

Mit jeder Charakterroute sieht man auch noch zusätzliche anschließende Szenen aus Mios Perspektive. Für die letzte Charakterroute muss man erst die anderen abgeschlossen haben. Dann kann man das „wahre Ende“ erreichen.
Eine spezielle Route für Mio gibt es daneben übrigens nicht, und auch Uki hat keine Route, obwohl beide wie die anderen in Opening Movies und Boxarts auftauchen.
Erin aus dem ersten Spinoff hat übrigens einen kurzen Gastauftritt, der aber weder thematisiert noch erklärt wird. Ein Mysterium.
Fazit
Die Spinoffs haben mich insgesamt gut unterhalten, aber ich mochte schon die Hauptspiele und Charaktere. Außerdem mag ich auch die Ausrichtung. Durch den größeren Rahmen und weniger gleiche Struktur in den Charakterrouten gefällt mir das zweite Spinoff dabei etwas mehr. Stil, Voice Acting und Musik gefallen mir wie schon in den Hauptteilen.

Chaos;Head / Chaos; Child Love Chu Chu Double Pack mag freilich nicht etwas für jeden sein, der die Haupttitel mochte, und die fehlende Lokalisation ist ein zusätzliches Hindernis. Aus meiner Sicht kreide ich es aber für einen Importtitel nicht an.

Japanische Switch-Version getestet auf Nintendo Switch 2.