Orpheus: To Hell and Back (Review)

Artwork zu Orpheus: To Hell and Back

Die Geschichte von Orpheus und der Nymphe Eurydike zählt zu den größeren Tragödien der griechischen Mythologie. Orpheus, seines Zeichens ein von Gott Apollon gesegneter Musiker, trauert um seine Ehefrau Eurydice. Diese stirbt nämlich eines Tages unter grausamen Umständen und landet im Hades. Orpheus reist in die Unterwelt, vorbei an Ungeheuern und anderen Monströsitäten, und schafft es mit seinem Lyra-Spiel, die Götter zu besänftigen. Er darf Eurydice mitnehmen, aber nur unter einer Bedingung. Auf dem Weg raus aus der Unterwelt darf er sich niemals umdrehen, sonst muss sie für ewig dort bleiben. Na, was glaubt ihr, passiert auf dem Heimweg? 

Die Kraft meiner Lieder bringt Steine zum Weinen

In Orpheus: To Hell and Back erleben wir diese Reise an vorderster Front mit. Wir steuern den namensgebenden Musiker auf seiner Reise in die Unterwelt hinein. Vorbei an Charon, dem Fährmann. An Kerberos, dem dreiköpfigen Hund. Bis hin zu Hades und Persephone. Inklusive letzter Szene, in der wir uns dann doch umdrehen. Und Eurydike von einer magischen Hand wieder in die Unterwelt gerissen wird.

Screenshot aus Orpheus: To Hell and Back
Aufpassen, wo du hinläufst!

Besonders auffällig dürfte in erster Linie sicherlich der Stil von Orpheus: To Hell and Back sein. Das Rätsel-Adventure orientiert sich optisch und vom Sound her an alte Klassiker von u.a. Nintendos Game Boy. Auch spielerisch gibt es ein abgespecktes Interface bestehend aus zwei Interaktionstasten sowie Bewegungsrichtungen und Pause.Wir leben in fantastischen Zeiten, wo die Spieler:innen von einst die Devs von heute sind!

Orpheus ist kein Krieger, der sich durch den Hades metzeln würde. Stattdessen gilt es in Orpheus: To Hell and Back die eigenen musikalischen Fähigkeiten auszureizen. Wir haben drei Lieder zur Auswahl. Mit dem ersten Lied werden Gegner von uns für wenige Sekunden weggescheucht. Das zweite Lied schickt sie kurz ins Land der Träume. Und mit dem letzten locken wir schwächere Wesen an. Meistens können Sänger:innen mit ihren Liedern nur eines davon, aber dafür konsistent. Chapeau also an Orpheus!

Der Klang meiner Stimme beschämt Vögel vor Neid

Diese drei Lieder sind neben auffindbaren Schlüsseln sowie verschiebbaren Steinen unsere einzigen Interaktionsmöglichkeiten mit unserer Umwelt. Orpheus: To Hell and Back kommt aber dennoch nicht komplett gewaltfrei aus. Der Hades besteht aus einem linearen Dungeon, welcher seinerseits aus einzelnen Räumen besteht. Bevölkert werden diese von Skeletten, Geistern, Satyrn und anderen Wesen der Unterwelt. Und diese wollen uns natürlich von unserem Ziel, den Herrscher der Unterwelt zu stellen, abhalten.

Jeder einzelne Raum stellt eine individuelle Rätsel-Herausforderung dar. Wo spiele ich welches Lied, um einen Gegner ohne Umschweife entweder in den Abgrund, ins Feuer oder Wasser zu schicken? Lieber fernhalten oder positioniere ich mich hinter ein paar Flammen und schicke sie ins Verderben? Die Idee wirkt durchdacht zur mythologischen Figur, schließlich hat sich Orpheus beileibe nicht mit Muskelkraft hervorgetan.

Screenshot aus Orpheus: To Hell and Back
♪♪♪ Komm her und wärm dich im Feuer! ♪♪♪

Gleichzeitig hat dieser eingeschränkte Interaktionsrahmen aber auch zur Folge, dass sich Orpheus: To Hell and Back schnell wiederholt. Und das bei gerade einmal knapp einer Stunde Spielzeit! Auch der Schwierigkeitsgrad ist aus diesen Gründen, aber natürlich auch wegen des Umfangs, dementsprechend schwach. Vielfach hatte ich das Gefühl, dass sich Orpheus: To Hell and Back nicht richtig trauen wollte, die eigene Idee auf unterschiedliche Weise auszunutzen.

Soll’n wir erfahr’n, wie laut Stille klingt

Selbst die vereinzelten Bosskämpfe haben sich meiner Ansicht nach kaum aus ihrer Komfortzone heraus getraut. Einzig Kerberos war faszinierend. Während der Höllenhund uns mit seinem eigenen Gesang angriff (also Noten als Projektile, die es auszuweichen gilt), mussten wir spawnende Gegner in seine Richtung treiben. Verfressen, wie die drei Köpfe scheinbar sind, mussten sie sich natürlich an den Skeletten vergiften. Seltsamer Kampf, indirekte Gewalt par excellence und auch nicht ganz akkurat zur Lore.

Akkurater waren da wahrscheinlich die vereinzelten Bugs, denen ich in meinen anderthalb Stunden (Orpheus: To Hell and Back wäre in dreißig Minuten durchspielbar) in die Falle gegangen bin. So klappte manchmal der Interaktionsknopf nicht und ich war hardlocked im Raum. Dann starb ein Gegner, der eigentlich durch Flammen Schaden nehmen sollte, nicht. Aber okay, in der Unterwelt wahrscheinlich! Und zu guter Letzt wurde einmal jeglicher Ton abgeschaltet. Wie in den anderen Fällen half nur ein Neustart der Software, was aufgrund eines fehlenden Speichersystems stets einen Neustart des gesamten Spiels zur Folge hatte. Na danke auch.


Wahrscheinlich bin ich von einem (Andert)Halb-Stunden Spiel noch nie so dermaßen frustriert worden. Orpheus: To Hell and Back hat eine gute Idee und der Retro-Artstyle hat mir ebenfalls ausgesprochen gut gefallen. Und das trotz Ungenauigkeiten in der Umsetzung der mythologischen Geschichte! Aber die Monotonie gepaart mit dem flachen Schwierigkeitsgrad – beides mitunter Dank des Umfangs – haben meinem Spielspaß nicht gut getan. Die technischen Defizite des Spiels waren dann einfach die Kirsche auf der Sahne.

Mich im falschen Moment auf PC umgedreht. Ein herzlicher Dank geht an Alunite, Studio Loading und Kibou Entertainment für die Bereitstellung eines Mustercodes.