#RaceDieRun (Review)

In Rennspielen geht es üblicherweise darum, schneller als seine Gegenspieler oder eine Zielzeit vom Start zum Ziel zu fahren. Das nackte Überleben hingegen ist in aller Regel überhaupt kein Problem. Ganz anders bei #racedierun (im Folgenden einfach Racedierun), wo man allein auf der Strecke ist und ein Zeitlimit nur bei Zusatzaufgaben eine Rolle spielt. Im Gegenzug ist man mit einer enorm fragilen Maschine mit hoher Geschwindigkeit unterwegs und das Leben des Fahrers hängt am seidenen Faden.

Stilistisch betrachtet ist Racedierun eng an Gleiter-Rennspiele wie F-Zero, Extreme G oder WipeOut angelehnt. Die Spielmechanik ist allerdings auf das Wesentliche beschränkt. Der Gleiter in Racedierun fliegt automatisch in hoher Geschwindigkeit geradeaus. Mit dem linken Analogstick kann man seinen Gleiter nach links und rechts steuern, sowie in der Luft nach oben und unten neigen, um länger in der Luft zu bleiben oder mit höherer Geschwindigkeit abzusinken.

Der A-Knopf ermöglicht einem, zu boosten, wobei es keinerlei Beschränkung für die Boostgeschwindigkeit gibt. Es ist nicht nur möglich, sondern wird vom Spiel sogar belohnt, durchgehend zu boosten. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, sich mit (Z)L nach links bzw (Z)R nach rechts zu rollen, um so blitzschnell Gefahren auszuweichen. Was zu Anfang noch weitgehend unnötig wirkt, wird später ein wertvolles Rettungsmanöver, das in manchen Levels nahezu unverzichtbar wirkt.

Nahezu unverzichtbar, denn ähnlich wie das Spiel belohnt, wenn man ein Level komplett durchgeboostet hat, zählt das Spiel auch die Zahl der Seitwärtsrollen („Dash“), die man in einem Level durchgeführt hat und versieht den Spieler mit einer Medaille, wenn er ein Level komplett ohne dieses Manöver durchgeführt hat. In den meisten Fällen ist das einigermaßen machbar, es gibt aber Level, in denen der Verzicht auf die Seitwärtsrolle eine unheimliche Präzisionsleistung vom Spieler verlangt. Schließlich gibt es in jedem Level noch ein auf der Abschlusszeit beruhendes Ranking – von E bis A und zusätzlich S und SS – sowie eine versteckte Disc, die man einsammeln kann. Diese vier Zusatzaufgaben je Rennen dienen dazu, die fünf Zusatzlevel je Welt freizuschalten. Insgesamt gibt es drei Welten, zu je zwanzig gewöhnlichen und fünf Zusatzlevels.

Die einzelnen Rennen dauern in der Regel ca. 10 bis 20 Sekunden, nur sehr vereinzelt kann die benötigte Zeit für ein Level mal bis zu eine Minute betragen. Das ist allerdings schon eine extreme Nervenprobe, denn Racedierun ist ein ganz außergewöhnlich intensives Spiel. Wenngleich die ersten Level noch sehr human wirken, zeiht der Schwierigkeitsgrad schnell rapide an und alsbald werden Manöver vom Spieler verlangt, die knapper kaum sein könnten. Entsprechend wichtig ist, dass Racedierun einen extrem schnellen Loop aus Versuch-Scheitern-Neustart zulässt. Man kann jederzeit durch einen einfachen Druck auf den B-Knopf das Rennen von neuem starten. Ohne Wartezeit oder Verzögerung geht es direkt von vorne los.

Das mag erst einmal etwas riskant wirken, aber bei Racedierun ist der Name Programm und ohne diese radikale Neustartfunktion wäre das Spiel vermutlich kaum zumutbar, da das Drumherum viel mehr Zeit in Anspruch nähme, als die eigentlichen, zahlreichen Versuche. In Racedierun habe ich in einigen Missionen dreistellige Versuchszahlen angesammelt, in einem Extremfall gar 700 Läufe gebraucht, bevor ich erstmals das Ziel erreicht habe. Dass Racedierun es trotz dieses hohen Präzisionsgrades schafft, immer motivierend zu bleiben, liegt einerseits an den kompakten Missionen, andererseits an der simplen Steuerung und den frischen Ideen, die das Spiel immer wieder einwirft. Selbst bis zum Ende der dritten Welt gibt es immer wieder neue Levelelemente und Konstruktionen, die das Spiel bis zum Ende frisch halten. Dass ein einzelner Versuch in nur wenigen Sekunden vom Start bis zum Neustart erledigt ist, sorgt dafür, dass Racedierun eine hohe Gameplay-Dichte hat und quasi keine Pausen aufzwingt.

Racedierun ist ein unglaublich intensives, schnelles und dennoch hochpräzises Spiel, das Rennspielfans und Geschicklichkeitsspieler auf die Probe stellt, ohne aber dabei systematisch zu überfordern. Trotz teilweise halsbrecherischer Manöver sieht man eigentlich immer die Möglichkeit, die kurzen Level zu erlernen und zu absolvieren. Eine rein reaktive Lösung im ersten Versuch ist in vielen Levels auch auf Grund teilweise erstaunlich komplexer Konstruktionen allerdings sehr unrealistisch. Racedierun ist übrigens wiederholt für nur einen Euro im eShop im Angebot und wurde sogar einmal vom Publisher in einer Jubiläumsaktion verschenkt – woher auch meine Kopie stammt. Racedierun ist aber auch ohne Frage seinen Vollpreis wert.

Getestet auf Nintendo Switch.