Eine Walküre ist auf den ersten Blick ein etwas eigenartiger Kandidat für einen Jump & Run-Protagonisten. Die Flügel tragen eine Walküre für gewöhnlich mit kraftvollen Schwüngen durch die Luft und sorgen dafür, dass Abgründe für Walküren keine Hindernisse darstellen. Roll, die Protagonistin von Valkyrie Saga, scheint aber noch eine etwas unerfahrene Walküre zu sein und lernt erst im Laufe des Spiels, immer effektiver mit ihren Flügeln umzugehen.
Valkyrie Saga ist ein 3D Jump & Run mit einem etwas ungewöhnlichen Aufbau, denn das Spiel bietet keine Vielzahl von Levels, sondern nur eine einzelne, umfangreiche offene Welt. Diese Welt erschließt man sich nach und nach, indem man sich durch teilweise knifflige Plattformpassagen kämpft und nach und nach verschiedene Upgrades sammelt. So kann man Rolls Lebensenergie erhöhen, zusätzliche Flügelschläge – anfangs hat man nur einen einzelnen – freischalten oder aber zusätzliche Moves finden. Besonders die beiden Mobilitätsoptionen des Hochsprungs und des Weitsprungs sind essenziell, um sich in der Welt von Valkyrie Saga fortzubewegen.

Im Ergebnis hat Valkyrie Saga eine etwas ungewöhnliche Schwierigkeitskurve, denn man kann zwar von Beginn an nahezu jede Aufgabe des Spiels finden, aber zunächst viele Aufgaben noch überhaupt nicht bewältigen. Mit zunehmenden Fähigkeiten Rolls erschließen sich mehr Aufgaben, so dass man nach etwa einem Viertel der Upgrades im Grunde jede Aufgabe erledigen kann. Allerdings sind viele Aufgaben dann noch sehr schwierig und im weiteren Verlauf, wenn man weitere Upgrades sammelt, wird Roll immer stärker und kann weder im Kampf noch in Plattformaufgaben vor große Hindernisse gestellt werden.
So und so sind Lebensenergie-Upgrades im Wesentlichen unerheblich. Zwar gibt es eine Menge kleiner Gegner im Spiel zu bekämpfe, meist kann man diese aber einfach ignorieren und selbst ein wenig Kampf-affiner Spieler wie ich ist eigentlich nie ernsthaft in Gefahr, sein Leben zu lassen. Die einzige Ausnahme hiervon stellt der letzte Endgegner, ein großer Drache, dar, der allerdings selbst mit gerade einmal fünf Herzen keine große Hürde dargestellt hat. Insofern sind Mobilitäts-Items klar die wertvolleren Geheimnisse im Spiel als zusätzliche magische Angriffe und Lebensenergie.

Das Leveldesign in Valkyrie Saga ist etwas wechselhaft. Es gibt einige echt beeindruckende Konstruktionen mit intensiven Plattform-Sequenzen, die vor allem durch die geringe Frequenz an Speicherpunkten – und vollständigen Verzicht auf sonstige Checkpoints – durchaus nervenaufreibend sein können. Gleichzeitig ist die Welt enorm umfangreich und die Zugänge zu den Aufgaben im Spiel sind nicht immer offensichtlich. Besonders im ersten Spielviertel, in dem man noch oft nicht genau weiß, ob man eine Aufgabe überhaupt bewältigen kann, wächst die Erkundung der Spielwelt sich oftmals zu einer frustrierenden Erfahrung aus. Zum Glück gibt es aber die Möglichkeit, mit ZR in sehr hoher Geschwindigkeit durch die Oberwelt zu rasen.
Ein ernsthaftes Problem für Valkyrie Saga ist die technische Umsetzung, wobei ich im Einzelnen nicht sicher bin, ob die Probleme spezifisch für die Nintendo Switch 2 sind, oder auch auf dem PC auftreten. Allerdings ist die Performance auf der Switch 2 immerhin in Ordnung, so dass ich befürchte, dass die Probleme auch den PC betreffen. So kann man immer mal wieder ohne erkennbaren Grund in der Geometrie stecken bleiben – ein Problem, das in jedem Spiel mal auftreten kann, in Valkyrie Saga aber in einer außerordentlichen Frequenz auftritt. Für meinen Geschmack ist außerdem die Verwendung variablen Field of Views in dem Spiel sehr unglücklich, da die Objekte bei Drehung der Kamera teilweise äußerst deutlich verzerrt werden, was die Einschätzung der Spielwelt erschwert und für Desorientierung sorgen kann.
Ich bin in meinem Durchlauf von etwa vier Stunden mehr als 10 Mal hängen geblieben und musste mit zum letzten Speicherpunkt zurücksetzen lassen. Hinzu kommen fehlerhafte Kollisionserkennungen, die Kletteraufgaben mit knappen Aktionsmöglichkeiten ruinieren können, stark verspätetes Nachladen von korrekter Geometrie statt vereinfachter für die entfernte Perspektive und sogar gänzlich fehlende Polygone, die zu sichtbaren großen Lücken in der Geometrie führen. Insgesamt ist die technische Umsetzung von Valkyrie Saga noch nicht so schlimm, dass sie das Spiel ruinieren würde, aber fehleranfällig genug, dass der Spielspaß darunter leiden kann.

Valkyrie Saga ist ein ungewöhnliches 3D Jump & Run in einer offenen Welt, das seinen Spielfortschritt vor allem über Fähigkeitenupgrades steuert. In der Hinsicht erinnert es ein wenig an Metroidvania-Spiele. Hinzu kommen einige echt gelungene Plattformpassagen, besonders wenn es hoch hinaus geht. Die technische Umsetzung und einige Spiellängen gerade am Anfang des Spiels trüben den Spielspaß aber leider merklich.

Vielen Dank an Rawrlab Games für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf Nintendo Switch 2.