Maseylia: Echoes of the Past (Review)

Artwork und Logo zu Maseylia: Echoes of the Past

Videospiele sind immer auch ein Stück Eskapismus. Eintauchen in fremde Welten oder das Kennenlernen abstrakter Kulturen gehören dabei ebenso dazu, wie der blanke Spaß an Gameplay und Leveldesign. So weit, so bekannt. Wenn mir dann all diese Dinge auf einem Streich serviert werden, bin ich in der Regel von der ersten Sekunde an mit an Bord. Nicht so bei Maseylia: Echoes of the Past. Obwohl ich mich sehr auf das 3D-Metroidvania gefreut habe, wollten die einzelnen Aspekte niemals so richtig ineinander greifen. Und ließen mich im Grunde die ganze Zeit von einem gänzlich anderen Spiel schwärmen.

Eine Welt voller Geheimnisse

Doch spulen wir die Zeit erstmal etliche Monate zurück. Da erweckte auf Bluesky ein Posting meine Aufmerksamkeit. Versteckt unter einem ganzen Haufen von Videospielnews und politischem Geschwafel war es folgende sinngemäße Aussage, die mich Maseylia länger beobachten ließ. Man habe sich von Mobius Digital inspirieren lassen. Liest dieses Review hier und ihr wisst, was dies für mich persönlich bedeutet.

Maseylia: Echoes of the Past hat aber abseits von seinem Sci-Fi-Worldbuilding wenig mit Outer Wilds gemein. Während letzteres gerne als “Metroidbrania” bezeichnet wird, hatte ich es die letzten Wochen mit einem waschechten 3D-Metroidvania zu tun. Wir erkunden eine verschachtelte Oberwelt auf der Suche nach unserem Vater, der ein antikes Geheimnis der Welt zu lüften versuchte, und entdecken dabei nicht nur Gefahren noch und nöcher, sondern auch Fertigkeiten, die uns die Erkundung der Welt weiter vereinfacht. Klassisches Metroidvania-Rezept halt.

Gerade zu Beginn hatte ich allerdings das Gefühl, dass mich das Leveldesign des Spiels vor allem durch enge Korridore scheucht. Hier und da gab es eine Kreuzung, die uns in mehrere Richtungen und Biome lenken will. Doch aufgrund des zu Beginn recht geringen Movepools stehen uns noch zu wenige Fähigkeiten und somit Wege zur Verfügung. Stattdessen folgte ich einem beinahe schon vorgegebenen Pfad. Sicherlich öffnet sich im Verlaufe des Spiel, je mehr Fähigkeiten wir finden, nichtsdestotrotz hatte ich das Gefühl, hier eine starke Lenkung zu spüren. Und kein sanftes “In die richtige Richtung”-schieben.

Der Weg ist das Ziel

Wenigstens sind die erwähnten Korridore sehr spaßig gewesen. Maseylia legt ein großes Augenmerk auf das Platforming und in dem Bereich brilliert das Leveldesign. Bereits früh müssen wir uns mit Stachelplattformen herumschlagen, die bei Sprüngen aktiviert werden. Über Eisschollen flitzen und dabei bloß nichts ins Wasser fallen – verfolgt von gewaltigen Wellen wohlgemerkt. Und dies ist erst die erste richtige Welt, die ich erkunden durfte. Spätere Abschnitte werden, bedingt durch den Zuwachs an Bewegungsfähigkeiten, zunehmend komplexer. Ideen haben die Sol Brothers definitiv.

Woran es eher hapert, war das Spielgefühl auf dem Steam Deck. Ob es das Rutschen auf dem Eis ist, das Anvisieren von Pfeil und Bogen (wichtig für das Grappling), oder getimtes Springen an und für sich, alles fühlte sich für mich unausgegoren an. Ich liebe ein straffes Movement und mag es auch sehr, mehrere Fähigkeiten in einer Kette hintereinander knüpfen zu müssen. Aber ich bekam nie das Gefühl, dass Maseylia mir in dem Bereich wirklich Anspannung oder Freude bereitete. Eher Gedanken wie »Uiuiui, und das hab ich jetzt gepackt?« oder »Spring doch endlich du doofer ***!«. Keine allzu schönen Gedanken beim Spielen, das kann ich euch sagen!

Dasselbe trifft leider auch auf die Kämpfe zu. Egal ob kleinere Käfer oder größere Golems, in den Nahkampf zu gehen fühlt sich an, als würde ich anfangen, Nebel zu boxen. Und wenn ich mit Pfeil und Bogen an die Sache gehen will, gibt es so gut wie keine Herausforderung mehr. Der große Unterschied ist allerdings, dass Kämpfe nicht der Fokus von Maseylia sind. Ich hatte nie den Eindruck, als würde das Spiel hier mehr sein wollen oder können, als es letzten Endes war. Beim Platforming sieht das anders aus. Das fabelhafte Gameplay und das schwache Spielgefühl stehen diametral zueinander. Dieser Umstand frustet mich persönlich leider sehr.

Screenshot aus Maseylia: Echoes of the Past
Wenn es nicht gerade auf Steam Deck läuft, ist es richtig hübsch!

Frust und Potenziale

Zugleich befürchte ich, dass dieser Umstand auch dem Steam Deck geschuldet ist. Ich musste zu Beginn etliche Einstellungen hin und her wechseln, um die Framerate stabil zu halten. Es ist nur eine Vermutung. Meinem Spielgefühl hat aber zuweilen auch nicht gut getan, dass die Texte zu klein waren (nach dem Rating von Steam zu urteilen erwartbar) und stellenweise enorm unscharf (wahrscheinlich wegen meiner Einstellungsspielerei). 

Es wäre aber auch zugleich vermessen, alles auf das Steam Deck zu schieben. Zuweilen hatte ich in Maseylia schon das Gefühl, dass es keine allzu stimmige Progression gibt. Immer wieder lassen sich Upgrades kaufen, seien es Teleporter, Charms oder eine größere Geldbörse, aber zu Beginn bekam ich den Eindruck, dass diese Summen nie erreicht werden könnten. Um dann mit dem ersten Zaubercharm komplett ad absurdum geführt zu werden. Und solch ein Hin und Her gab es für mich häufiger zu beobachten.

Am Ende des Tages ist Maseylia: Echoes of the Past ein Spiel geworden, welches mit Fug und Recht mein Interesse geweckt hat. Es hat verdammt gute Ideen im Leveldesign und das Worldbuilding ist solide. Auch die Non-Linearität kommt im späteren Verlauf des Spiels mehr zum Tragen. Doch vor allem zu Beginn hätte das Spiel in meinen Augen auch ein linearer Platformer sein können. Größter Kritikpunkt ist für mich allerdings, dass sich Maseylia einfach nicht gut anfühlt, egal ob es um Kämpfe oder das Platforming geht. Die Gründe hierfür habe ich diskutiert, leider sorgt das aber auch dafür, dass ich das Debüt der Sol Brothers zwar interessant fand, die einzelnen Systemiken allerdings nicht allzu gut miteinander harmonieren wollten. Sehr schade, aber nichtsdestotrotz ein solides Debüt.

Den Halt auf Steam Deck verloren. Ein herzlicher Dank geht an die Sol Brothers für die Bereitstellung eines Mustercodes.


Vergleichbare Spiel-Empfehlung

Während des Spielens von Maseylia: Echoes of the Past musste ich ständig an einen gänzlich anderen Titel denken: Blue Fire. Beide Titel haben eine Spielphilosophie im Hinterkopf (hier Metroidvania, dort eine Art Zelda/Soulslike-Hybride), haben allerdings einen starken Fokus auf das Platforming gelegt. Leveldesign ist in beiden Spielen hervorragend, Atmosphäre und Worldbuilding stimmen auch. Und beide Titel sind eher kleinerer Natur. Blue Fire schafft allerdings, was Maseylia nicht gelingt: Präzise, spaßig und über die gesamte Spielzeit hinweg auf einem hohen Niveau bleibend. (Und es läuft auf Steam Deck klasse!)