Teeto (Review)

Kuscheltiere kleiner Kinder können oftmals – jedenfalls in der Fantasie jener Kinder – ein erstaunliches Eigenleben entwickeln. Doch in Teeto führt ein missglücktes Experiment dazu, dass dieses Eigenleben nicht auf die Fantasie der Eigentümer beschränkt bleibt. Unzählige eigentlich unbelebte Objekte erlangen kurzerhand Bewusstsein, im Gegenzug verschwinden aber alle Menschen aus der Welt. Für den kleinen Kuschelhasen Nory ist das aber kein akzeptabler Zustand, er möchte unbedingt seine Besitzerin wieder zum Leben erwecken, selbst wenn sein eigenes Leben dadurch beendet werden sollte. Zu diesem Zweck bastelt er sich einen kräftigen Unterstützer namens Teeto und reist mit ihm gemeinsam durch vier Welten zurück in das unheilvolle Labot in dem alles begonnen hat.

Wenngleich das Spiel nur den Namen Teeto trägt, sind Teeto und der Kuschelhase durchweg gemeinsam unterwegs und tragen auch beide zum Geschehen bei. Das Springen und Rennen übernimmt zwar vorrangig Teeto, doch Nory kann im Gegenzug Attribute von Umgebungsobjekten aufsaugen und Teeto so Spezialfähigkeiten verleihen. So kann Teeto beispielsweise Feuer speien, Wasser spritzen, Buddeln, oder sich mit Pflanzenranken an geeigneten Haken durch die Gegend schwingen – abhängig davon, welche Spezialfähigkeit man gerade absorbiert hat.

Man kann allerdings stets nur eine Spezialfähigkeit auf einmal bei sich tragen, hinzu kommt lediglich die Grundform, in der Teeto, wenn er stillsteht, kleine Geschosse verschießen kann. Diese dienen allerdings nicht dem Kampf, sondern vorrangig dazu, Fahnen zu zerstören, derer man in den meisten Levels sechs finden kann. Abseits der Spezialfähigkeiten ist Teeto ein sehr klassisches 3D Jump & Run. Teeto kann laufen, springen, doppelspringen, in der Luft langsam heruntergleiten, Wandsprünge durchführen und im Nahkampf Gegner verhauen. Die Steuerung ist einfach und eingängig und die Spielphysik ist gut gelungen, so dass es Spaß macht, Teeto durch die Spielwelt zu navigieren – eine Eigenschaft, die für ein Jump & Run geradezu essenziell ist.

Der Spielablauf von Teeto ist strikt linear, auch wenn die frei begehbare Hubwelt vielleicht anderes vermuten ließe. Es gibt vier Welten zu jeweils sechs Levels, die man in ebendieser Reihenfolge absolvieren muss. Das jeweils sechste Level schließt mit einem Endgegnerkampf, alle anderen Level sind reine Platforming-Level. Auch die Level selbst sind größtenteils lineare Wege vom Start zum Ziel. Es gibt allerdings, insbesondere in der zweiten Welt, eine Hand voll Ausnahmen, in denen man sich in einem einigermaßen offenen Gebiet bewegt und den Zugang zum Ziel über Sammelaufgaben freischalten muss. Davon ab gibt es in jedem Level von Teeto eine Reihe von Sammelgegenständen. Da wären einerseits die Baby-Michaels, kleine Figuren, die am Ende des Spiels noch eine wichtige Rolle spielen, und andererseits Kristalle namens Vioniten, die nicht gänzlich optional sind, denn wenngleich man bei weitem nicht alle sammeln muss, dienen die Vioniten dazu, neue Welten freizuschalten. Das heißt, dass man jedenfalls einen Teil der Nebenaufgaben im Spiel mitnehmen sollte und nicht nur direkt zum Ziel laufen sollte.

Teeto ist allerdings im Hinblick auf die Sammelgegenstände durchaus rücksichtsvoll. Nicht nur, dass sie meistens einigermaßen offensichtlich hinter kleinen Zusatzherausforderungen am Wegesrand versteckt sind, man kann auch jederzeit auf Knopfdruck (R1 auf der PlayStation 5) einen Papierflieger erscheinen lassen, der in die Richtung des nächsten Sammelgegenstandes zeigt. In der Gesamtschau würde ich dazu raten, wenn man Teeto spielt, die Sammelgegenstände mit aufzulesen, auch deswegen, weil der Schwierigkeitsgrad des Spiels ziemlich niedrig ist und die optionalen Aufgaben der Sammelgegenstände besonders in der ersten Spielhälfte dazu beitragen, das Spiel dennoch interessant zu halten.

In der zweiten Spielhälfte zieht der Schwierigkeitsgrad hingegen deutlich an – dann gibt es vermehrt bodenlose Abgründe, zerbrechende Plattformen und Sprünge, die etwas größerer Präzision bedürfen. Das sollte jedoch keineswegs so verstanden werden, als würde Teeto ein schweres Spiel, selbst in seinen anspruchsvollsten Momenten wird Teeto nicht schwieriger als ein Super Mario-Spiel in der ersten Spielhälfte. Nachdem die zweite Welt aber für meine Begriffe etwas zu zahnlos war, ist der Schwierigkeitsanstieg in Welt 3 aber sehr willkommen gewesen und hat dafür gesorgt, dass Teeto bis zum Ende gut unterhalten konnte.

Das Leveldesign von Teeto ist kompetent, aber nicht allzu einfallsreich und nutzt spielerisch vorrangig bekannte Ideen und Konzepte, ohne den Anspruch zu entwickeln, den Spieler zu überraschen. Etwas schade ist der Umstand, dass die Verwandlungen nur sehr oberflächlich im Spiel genutzt werden. Es gibt eine einzelne Stelle, an der die Verwandlungen für kleine Rätseleinlagen genutzt wurden, ansonsten sind die Verwandlungen eher wie Schlüssel zu verstehen, die man auf offensichtliche Weise an klar markierten Stellen einsetzen muss. Im Ergebnis ist es auch etwas lästig, dass man immer nur eine Fähigkeit mit sich nehmen kann – besonders im Strandlevel, wo man immer wieder zwischen der Wasser- und der Schaufel-Fähigkeit wechseln muss.

Technisch ist Teeto, was Framerate und Optik anbelangt, sehr gut gelungen. Leider gibt es aber eine Hand voll Bugs, die insbesondere Endgegner betreffen und Neustarts erzwingen. In zwei der vier Endgegner sind essenzielle Items nach dem Tod verschwunden und es war nicht länger möglich, die Endgegner erfolgreich abzuschließen, ohne das Level neu zu starten. Das betrifft insbesondere eine Blumenverwandlung beim lang andauernden letzten Endgegner. Ob vergleichbare Probleme bei allen Endgegner bestehen, kann ich nicht sicher sagen, da ich den ersten und zweiten Endgegner ohne Lebensverlust abgeschlossen habe. Hoffentlich werden diese Fehler noch zeitnah korrigiert.

Teeto ist ein unterhaltsames 3D Jump & Run, das zwar keine neuen Ideen mitbringt, die bekannten Konzepte des Genres aber gut zusammenbringt und mit einer gelungenen Spielmechanik und solidem Leveldesign für etwa acht Stunden gute Unterhaltung bietet. Auf Grund des niedrigen Schwierigkeitsgrades und der einfachen Steuerung bietet Teeto sich auch für Anfänger und junge Spieler an.

Vielen Dank an Super Rare Games für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf PlayStation 5.