
Sascha Ritter
Für mich haben Events wie das Summer Game Fest 2026 in der Regel eine emotionale Komponente. Auch wenn ich mich nun bereits fast mein halbes Leben intensiver mit Gaming als Industrie und Kultur beschäftige, versuche ich bei solchen großen Ankündigungswellen stets meinem Bauch die Zügel zu überlassen. Das hat zur Folge, dass ich mich sehr davon leiten lasse, wie sehr mir das gezeigte gefällt (oder eben nicht). Und dass ich Chips ohne Ende futtere.
So ist mein emotionales Highlight der letzten zwei Wochen gar nicht einmal direkt mit dem Summer Game Fest verknüpft. Bereits Ende Mai hatte das Dragon Quest-Team von Square Enix mit Dragon Quest Monsters: The Withered World bereits alle Knöpfe gedrückt, um meine Vorfreude in die Höhe schnellen zu lassen. Ja, ich bin da einfach zu begeistern: Gib mir einen Nachfolger eines Nischenspin-Offs, welches in vielen Punkten gar nicht mal so gut ist, aber es ist der Nachfolger meines No. 1 Lieblingsspiels. Hype-Modus aktiviert.
Diese Höhen hat das Summer Game Fest 2026 nur einmal erneut erreichen können. Wenn ihr Bescheid wisst, seht ihr, wo das hier hinführt.
Summer Game Fest 2026 auf Sparflamme
So viele Möglichkeiten mich emotional mitzunehmen hatte das Summer Game Fest 2026 aber nicht. Während ich vor einigen Jahren noch ganze Nächte durchgemacht habe, um jeden Livestream mitverfolgen zu können, ist dies heute nicht mehr ganz so der Fall. Dafür sind es mir persönlich einerseits einfach zu viele Events mit viel zu vielen Spielen. Andererseits ist mein Tagesrhythmus seit zwei Jahren nahezu komplett unter fremder Herrschaft. Darum lobe ich mir den Schlaf, wenn ich ihn bekommen kann.
Das erste Live-Event war deswegen die State of Play von Sony. Und meine Hype-Ausbeute ist…irgendwie null? Dieses Event war wohl die Show, die am meisten für mich von den vorherigen Leaks beeinträchtigt wurde. Rayman Legends Retold – wir brauchen nicht über die Sinnhaftigkeit eines Remakes für dieses Spiel zu reden – ist ein fantastischer Platformer und sieht auch in anderer Grafik klasse aus. Und God of War: Laufey wird auch mit neuer Protagonistin ein Pflichtkauf. Dafür sah es einfach zu gut aus! Und ich bin kein sexistischer Sack wie viele Social-Media-Machos.
Doch ansonsten war die State of Play eher „Business as usual“. Tomb Raider: Legacy of Atlantis wächst mir immer mehr ans Herz. Marvel’s Wolverine ist blutig und irgendwie… altbacken vom Spieldesign her? Aber ich mag es irgendwie trotzdem. Aber wenn das einzige echte Highlight der Show ein »Yoah, cool« hervorruft, weil nach langer Zeit eine komplett irrelevante Franchise mit Stuntman: Hollywood wieder zum Leben erweckt wird, dann war das Event wohl eher nichts für mich.
Indies, meine ewigen Retter in der Not!
Das Hauptevent des Summer Game Fest 2026 sollte folgen und wie nahezu alle Keighley-Shows gab mir auch diese das Gefühl, dass sich der Löwenanteil des guten Zeugs an den Anfang und an das Ende pressen. In der Mitte wie so oft Leerlauf. Hervorgestochen hatten für mich persönlich aber nur zwei Spiele: The Wolf Among Us 2 ist zum wiederholten Male erneut angekündigt worden und vielleicht, vielleicht wird es dieses Mal etwas mit ein Release. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Dazu gesellt sich 1666: Amsterdam von Patrice Désilets, obwohl mich die Modelle der Katzen irgendwie einschüchtern. Aber dann steht dieses Spiel auch in meinen Augen beispielhaft für das Summer Game Fest-Mainevent. Hast du keinen etablierten Namen, sei es als Studio oder Kopf hinter dem Projekt, dann wirst du hier nicht auftauchen. Ein wenig Hohn, wenn ich bedenke, worüber Keighley zu Beginn der Bühnenshow – garniert mit einem Balkendiagramm hinter sich – geredet hat.
So musste mich der darauffolgende Tag ein wenig „aufbauen“, was den Showcases auch meist gelungen ist. Auf der Wholesome Direct lernte ich Pelican Post kennen, was eventuell nie auf meinem Radar gelandet wäre, weil größere Showcases oder Reviewoutlets selten darüber berichten würden. Das gleiche gilt vielleicht für In the Drift!, wobei ich mir hier aufgrund seiner künstlerischen Art vorstellen kann, dass es einen kleinen Hype geben kann.
Das Story-Rich Showcase aka die „Zu viele Detektiv-Spiele“-Direct hatte eine ganze Fülle an Titeln zu bieten, die mich zumindest angesprochen haben. Aber allen voran Detective Turner: If looks could kill und Am I Nima haben mich stilistisch, aber auch von den Gameplay-Implikationen sehr beeindruckt. Die Future Games Show, welche ich auch nahezu jedes Jahr anschaue, bot mir dieses Jahr keine allzu großen Überraschungen, aber ebenfalls zwei sehr spannende Titel: Duskfade und Chronoscript: The Endless End kannte ich aber „leider“ schon vorher.
Die Luft irgendwie raus?
Und vielleicht ist dies eines der größeren Probleme für mich: wenn ich ein Spiel schon vorab kenne, sei es durch Leaks oder einfach nur weil es bereits enthüllt wurde, kann sich schwer eine Vorfreude durch dieses Event selber generieren. Entweder habe ich diese schon vorher, wie bei Rivage, welches auf der PC Gaming Show endlich einen Termin erhalten hat. Oder es wird nie eine geben. Ausnahmen wie Locator: The Search for Abigail Lidari, welches mich von der ersten Sekunde wegen seiner Grundidee an am Haken hat, gibt es nur noch selten.
Und so verlief dann auch die Endphase des Summer Game Fest 2026 bei Xbox, PC Gaming Show und Nintendo Direct – weitestgehend emotionslos. Am wildesten wurde es bei uns, als ich Senua richtig prognostiziert habe, aber auch nur, weil es halt nicht mehr viele Xbox-Franchises gab, die besprochen wurden. Und Xbox kaum noch Experimente wagt. Da ein Lob für Spyro: A Realm Beyond, auch wenn mich die Meldungen danach eher skeptisch haben werden lassen.
Sicherlich freu ich mich über Ankündigungen von Persona 6, The Legend of Zelda: Ocarina of Time oder den Termin für Castlevania: Belmont’s Curse. Aber – ich wiederhole mich – diese waren mir durch diverse Wege bereits bekannt oder zeigten zu wenig. Auch wenn ich objektiv behaupten würde, sofern das überhaupt möglich ist, dass alle Showcases eine hohe Qualität an Spielepräsentationen hatten. Nur halt bedrückenderweise nicht mehr so emotional für mich. Ich werde alt und grumpy. Außer es geht um Dragon Quest Monsters. Wie in Kind habe ich mich über den nahenden Termin im Dezember gefreut. Mal schauen, wie es nächstes Jahr wird.