Duskfade (Review)

Der Verlauf der Zeit ist essenziell, um als Mensch handlungsfähig zu sein. Die strenge Sequenzialität bedingt allerdings leider, dass wir immer wieder mit Verlusten zu kämpfen haben, Menschen und Erlebnisse unwiederbringlich in unserer Vergangenheit liegen. Gleichzeitig werden wir nie erfahren, was in 100, 1000 oder mehr Jahren passieren wird. Damit kann der Mensch sich traditionelle schlecht abfinden und so gibt es immer wieder Überlegungen, wie man den Lauf der Zeit beeinflussen könnte.

In Duskfade hat diese Überlegung offenkundig zu großen Problemen geführt, als Allira, die Schwester des Protagonisten Zirian, sich nicht mit dem Ableben ihres geliebten Großvaters abfinden kann und versucht, in den Lauf der Zeit einzugreifen. In der Rolle ihres wissenschaftlich weniger bewanderten, dafür im Schwertkampf äußerst geschickter Bruder muss man seine Schwester und womöglich gar den Verlauf der Zeit retten. Eine schwere Aufgabe für einen kleinen Jungen, doch immerhin wird man im Spiel mit dem Rat und sarkastischen Anmerkungen eines mechanischen Vogels unterstützt, den die liebende Schwester unserem Protagonisten in Erinnerung an ein verstorbenes Haustier gebaut hat.

Die Geschichte des Spiels wird mit – gerade für ein Indie-Spiel – aufwendig animierten und komplett (englisch) vertonten Zwischensequenzen erzählt und wirkt ein wenig verträumt. Zwar entwickelt die Geschichte des Spiels sich recht langsam und ist auch nicht sonderlich komplex, sie trägt aber zu der märchenhaften Atomsphäre des Spiels bei. Mein Ersteindruck von Duskfade war „Kingdom Hearts, wenn es ein Jump & Run wäre“ – und dieser Eindruck hat sich auch durch das gesamte Spiel getragen. Das liegt zuvorderst an der markanten Mischung aus düsterer, aber doch farbenfoher Optik, aber auch an dem jungen Hauptcharakter mit seinem riesigen Schwert, das auch als Schlüssel für Truhen fungiert, den halb-offenen aber doch linearen Spieldesign und dem simplen Kampfsystem.

Das Kampfsystem setzt zu Beginn auf nur einen Angriffs- und einen Ausweichknopf, es wird aber im Verlauf des Spiels erweitert um einen schweren Angriff und mehrere, teils optionale, Spezialmanöver. Das umfasst sowohl neue Angriffskombinationen, als auch zeitbasierte Angriffstricks. Im normalen Kampf gegen Gegnerhorden – der immer wieder in abgesperrten Gebieten erfolgt – spielt das keine allzu große Rolle, da die wenigen kleinen Gegnertypen auch mit dem Grundrepertoire gut in Schach gehalten werden können. Im Kampf gegen die großen Endgegner – zwei je Welt – können sie jedoch schon wesentlich entscheidender sein, denn trotz großzügiger Vergabe von Heilfläschchen muss man bei den Endgegnern schon echt aufmerksam bleiben, um im Kampf erfolgreich zu sein.

Eine besondere Rolle spielen dabei die zeitlich begrenzten Großangriffe, bei denen man sein Sprunggeschick unter Beweis stellen muss, um rechtzeitig den Angriff zu unterbinden und den Gegner für kurze Zeit wehrlos zu machen. Gelingt einem das nicht zeitig, zieht das Spiel dem Spieler gnadenlos dauerhaft Lebensenergie ab, bis man entweder verendet, oder den gegnerischen Angriff doch noch stört. In dieser Hinsicht ist Duskfade ungewöhnlich streng, denn die meisten Spiele würden in so einer Situation mit einem hohen, aber begrenzten Schaden, oder einfach einer Wiederholung des Angriffsmusters reagieren. Im Ergebnis hat die Wahl des Schwierigkeitsgrades auch keinen allzu erheblichen Einfluss auf den Schwierigkeitsgrad der Endgegner, da ein Scheitern beim schwierigsten Aspekt ohnehin schnell zum Tod führt.

Schwierigkeitsgrade gibt es insgesamt vier, wobei der zweithöchste Schwierigkeitsgrad der von den Entwicklern empfohlene Schwierigkeitsgrad ist. Augenscheinlich beeinflusst der Schwierigkeitsgrad nur den Schaden, den Gegner verursachen, allerdings habe ich mit den Schwierigkeitsgraden, wenngleich sie jederzeit modifiziert werden können, nicht groß herumexperimentiert, da der empfohlene Schwierigkeitsgrad gut ausgewogen wirkt.

Obwohl ich jetzt lange über die Kämpfe gesprochen haben, nehmen diese nur etwa ein Viertel, allenfalls ein Drittel der Spielzeit ein. Im Mittelpunkt des Spieldesigns steht der Jump & Run-Aspekt. In Duskfade dreht sich im Grunde alles darum, die vier Ketten zu erreichen, die sich um den Turm, in dem sich die Schwester des Protagonisten befindet, zu zerstören. Hierzu muss man über allerlei gefährliche Abgründe hüpfen und kann dabei auf einen sukzessive wachsenden Satz an Bewegungsoptionen setzen. Zu Beginn kann man im Wesentlichen nur laufen, springen und doppelspringen, doch schnell lernt man beispielsweise sich in einem Hechtsprung nach vorn zu stürzen oder sich an Ankerpunkten zu schwingen wie mit dem Grapplebeam in Metroid. Wenngleich große Teile des Leveldesign, ähnlich wie in Jump & Run-Spielen der zweiten Reihe auf PlayStation 2, GameCube und Xbox recht flach und sicher ist, gibt es doch eine ganze Menge kniffligerer Passagen. Besonders wenn man in schneller Abfolge den Grappleschwung und weite Sprünge mit dem Hechtsprung kombinieren muss, kann Duskfade durchaus anspruchsvoll werden. Insgesamt ist das Leveldesign durchweg interessant und kann über die Spielzeit von etwa sieben Stunden gut unterhalten.

Technisch ist Duskfade in der getesteten Nintendo Switch 2-Version solide, aber nicht ideal. Die Framerate ist zwar stabil, aber nur bei 30 Bildern in der Sekunde, was für eine frisch erschienene Spielkonsole, die auch bis zu 120 Bildern in der Sekunde ermöglicht, etwas ärgerlich ist. Da Duskfade kein Hochgeschwindigkeitsspiel ist und auch keinen allzu harschen Schwierigkeitsgrad bietet, ist das aber dennoch in Ordnung. Im Gegenzug sieht die Grafik, gerade für die kleine Teamgröße, echt stark aus und bringt die etwas märchenhafte Atmosphäre des Spiels hervorragend rüber. Auch in Sachen Animationen und Effekte kann Duskfade überzeugen.

Duskfade ist ein gut designtes 3D Jump & Run mit einigen spannenden Plattformsequenzen und nur wenigen Längen. Der schwächste Aspekt des Spiels sind sicherlich die Kämpfe gegen kleine Gegner, die sich aber zeitlich zum Glück stets im Rahmen halten und den Spielfluss nur selten stören. Wer 3D Jump & Runs aus den 0er Jahren vermisst und möglicherweise auch eine Vorliebe für einen leicht düsteren, aber farbenfrohen Comicstil hat, wird mit Duskfade sicher seine Freude haben.

Vielen Dank an Weird Beluga für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf Nintendo Switch 2.