Anfang diesen Jahres habe ich mit dem Neujahrs-Kater eine Artikelreihe angefangen (und bisher nicht fortgesetzt, oh graus!), in der ich mir kleinere Neuerscheinungen ohne Aufmerksamkeit angeschaut habe. Meine Wahl fiel dabei unter anderem auf Chaturanga. Das Schach-Roguelite war aber nicht bloß zum Selbstzweck Teil dieses ersten Artikels. Einer der Hauptgründe war Gambonanza. Schon damals wusste ich von dem Spiel und habe mehr oder weniger bewusst Chaturanga ausgewählt, weil ich meinen eigene Schach-Affinität austesten wollte. Naja, und dann war Chaturanga erstens kein so gutes Spiel und zweitens nicht einmal wirklich Schach, sondern eine Variante. Also musste ich doch einen Blick auf Gambonanza selbst werfen!
Weißer Bauer von F2 auf F3
Es hätte mir im Vorfeld klar sein müssen. Meine Erfahrungen mit Chaturanga, aber vor allem all die Jahre zuvor mit dem Versuch, ins Schachspiel selbst hineinzufinden, hätten mich lehren müssen, dass Gambonanza es wahrscheinlich sehr schwer haben wird. Wir haben – und das will ich bewusst vorausschicken – nie wirklich den Draht zueinander gefunden. Wenn ich das Gefühl bekam, jetzt klickt es, dann fing das Spiel plötzlich an, meine Dame für Stunden über das Brett zu jagen.
Aber erstmal zum Anfang zurück. Gambonanza ist ein Roguelite, welches sich den Schach-typischen Eigenheiten zuwendet, um ein spannendes Gesamtbild zu erzeugen. Fünf Runden mit jeweils fünf Spielen gilt es zu überstehen, um am Ende einen Durchgang erfolgreich zu bestehen. Dabei orientiert sich Gambonanza (ich liebe den Namen!) an der Kategorie der Balatro-Rogulites. Das heißt, wir spielen “nur” Durchgänge, die stets bei Null anfangen und eher einem Deckbuilder ähneln, weil sich Figuren oder Schachbrett mit der Zeit sowie den Gambits, aktive oder passive Fähigkeiten unseres Durchganges, wandeln. Metaprogression besteht lediglich im Freischalten neuer Gambits, die uns in künftigen Runs zur Verfügung stehen.

Diese Formel habe ich jetzt in den vergangenen Jahren öfter gespielt, mal mit mehr (Balatro, Insider Trading), mal weniger Erfolg (Spoiler für mein nächstes Review). Und es zeigen sich bei mir persönlich leichte Ermüdungserscheinungen, wenn nun einmal genau klar ist, dass viel durch präzises Geldmanagement gewonnen wird. Ich würde Gambonanza allerdings definitiv in die erste Kategorie verorten.
Schwarzer Bauer von E7 auf E5
Die Gründe sind dabei doch recht zahlreich und beginnen auf der Grundbasis des Spiels. Ein Durchgang beginnt mit der zufälligen Wahl von drei Spielfiguren. Dies können drei Bauern, aber auch drei Damen sein – wobei ersterer Fall eindeutig wahrscheinlicher ist. Alle Figuren bewegen sich exakt so, wie in ihrem Zwilling auf dem richtigen Schachbrett. Dies werde ich jetzt also nicht haarklein aufschlüsseln. Wer Schach nullkommanull kennt und dennoch auf dieses Review hier klickt…naja, das bedeutet dann wohl Nachsitzen!
Diese drei Figuren werden zu Beginn auf einem 5×5-Feld platziert, die Figuren des Gegners (übrigens abgesehen von Bossrunden immer gleich über alle Spielrunden hinweg) ebenso. In späteren Runden erweitert sich das Brett. Uns stehen jeweils die unteren beiden Reihen zur Verfügung, die Platzierung unserer Figuren ist uns allerdings komplett freigestellt. Also alle Pferchen nach vorne, hü!
Erhalten wir im Verlaufe der Runden mehr Figuren, landen diese in der Reserve. Aus dieser können wir auch Figuren, die der Gegner zerstört hat, wieder aufs Feld bringen. Wir geben lediglich einen einzelnen Zug dafür auf. Im Verlaufe des Spiels ist es allerdings zwingend notwendig, dass wir mehr Figuren auf das Schachbrett jagen können. Dies bewerkstelligen wir durch Upgrades im Shop, der sich zwischen jedem einzelnen Spiel öffnet. Wie war das noch einmal mit der genretypischen Formel?

Grundsätzlich erhalten wir Geld nach einem gewonnenen Spiel für jede geschlagene Figur sowie als Gewinnbelohnung (plus in späteren Runden eventuelle Zinsen auf vorhandenes Geld). Dieses können wir einsetzen, um die Figurenanzahl zu erhöhen und neue Figuren sicher oder als zufälligen Drop zu ergattern. Dazu gibt es zufällige Veränderungen des Spielbretts zu kaufen sowie die immens wichtigen Gambits.
Weißer Bauer von G2 auf G4
Komplett schlüssig ist mir der Sinn der meisten Spielfeld-Veränderungen noch nicht geworden. Goldene Felder verwandeln unsere Figur in eine goldene Figur um, was bedeutet, am Ende des Spiels kriegen wir noch einmal zwei Dollar zusätzlich aufs Konto. Und die Ökonomie von Roguelites zu beherrschen ist nahezu immer der Schlüssel. Andere Felder wie den Schutz habe ich immer wieder mal genutzt, weil dadurch die Figur für einen Zug unzerstörbar wird. Segen gibt Figuren ein zweites Leben für einen Zug in der Reserve und Phantomfelder kreieren Schattenfiguren in der Reserve für dieses Duell.
Es wird hier in meinen Augen bereits sehr deutlich, dass Gambonanza nicht einfach die Effekte anderer Roguelites kopiert. Zuletzt habe ich dies bei Beyond Words negativ hervorgehoben. Stattdessen gaben sich die Entwickler die Mühe, individuelle Fähigkeiten, Vorteile und Nachteile zu kreieren, die zu Schach passen.
So gibt es beispielsweise ein Gambit, welches all unsere Bauern plötzlich zusätzlich wie Pferde springen lässt. Oder wir erhalten einen Geldboost, wenn alle Figuren auf weißen Feldern platziert worden sind. Mir spielen die Gambits allerdings ein wenig zu oft mit Wahrscheinlichkeiten (zum Beispiel der Gambit, der einen zufälligen Gambit mit ⅓-Wahrscheinlichkeit erstellt, wenn ein Bauer eine Figur schlägt). Und dies erschwert die in meinen Augen bei dem Genre so notwendige Vorhersehbarkeit. Doch in der Fülle sind sie sehr kreativ und es macht Spaß, neue Fähigkeiten zu entdecken und mit ihnen herumzuspielen.

Schwarze Dame von D4 auf H8 – Schach Matt!
Und wenn wir dann das fünfte Duell einer Runde erreichen, wartet ein individueller Boss auf uns. Deren Artstyle als abstrakte Horror-Monströsitäten gefiel mir, deren Fähigkeiten können aber enorme Kopfschmerzen bereiten. So gab es beispielsweise einen, der sowohl eine Figur besaß, die nur als letztes zerstört werden konnte, als auch zwei Figuren mit Stasis. Diese Fähigkeit gibt Ihnen temporäre Unzerstörbarkeit, solange wir nicht einen Zug aussetzen.
Einen solchen Zug auszusetzen oder keine Figur wiederholt zu zerstören, hat übrigens zur Folge, dass nach einer Weile das Schachbrett zerbröselt. Dann werden mit jedem Zug zufällig zwei Felder verschwinden. Was drauf stehen bleibt oder dorthin zieht, ist verloren, yeah!
Jetzt wird es besonders faszinierend (also für mich, für euch vielleicht nicht, wer weiß): Ich habe diesen Text begonnen in der Annahme, dass Gambonanza ein ganz gutes Spiel ist mit vielen kreativen Ideen und solider Roguelite-Basis. Aber mich nicht komplett für sich eingenommen hat, weil Schach und ich scheinbar nicht zusammenpassen. Und jetzt sitze ich hier und habe während des Schreibens zweimal das Spiel angeworfen. Meine Gedanken zum Spiel haben mir noch einmal Lust gemacht, mich noch einmal an der für mich etwas komplexeren Art der Strategie zu versuchen. Gambonanza scheint demnach definitiv etwas richtig zu machen!

Am Schach-Computer auf PC und Steam Deck verzweifelt. Ein herzlicher Dank geht an Blukulélé und Sidekick Publishing sowie Stray Fawn Studio für die Bereitstellung eines Mustercodes. Für mehr Hintergründe zu meiner seltsamen Überschriften-Auswahl, bildet euch hier!