Um zu einem echten Klassiker zu werden, ist es mit Sicherheit ratsam, durch sein sorgfältiges Design zu brillieren. In manchen Fällen kann aber auch das genaue Gegenteil dafür sorgen, dass man sich einen bleibenden Namen macht. Ein solcher Fall ist sicherlich Bubsy 3D. Der PlayStation-Titel war seinerzeit technisch zwar durchaus beeindruckend, wirkte mit seiner hakligen Steuerung und fahrigem Leveldesign aber blass gegenüber dem frisch erschienen Super Mario 64. Nichtsdestotrotz hat Bubsy 3D sich über die Jahre eine Menge Aufmerksamkeit erarbeitet. Dieser Tage ist nun der zweite 3D-Titel rund um den frechen Luchs im digitalen Ladenregal: Bubsy 4D aus dem Hause Fabraz.
Doch Fabraz ist natürlich keineswegs daran interessiert, dem zweifelhaften Ruf von Bubsy 3D nachzueifern. Stattdessen hat Fabraz das Spieldesign für Bubsy komplett neu gedacht und sich dabei weniger am Vorgänger, als an den letzten Werken aus dem Hause Fabraz orientiert. Bubsy 4D setzt also wie die Demon Turf-Reihe auf ein vielseitig kombinierbares Move-System mit hoher Airtime und anspruchsvollen Kombos.

Bubsy kann in Bubsy 4D nicht nur springen und rennen, sondern in der Luft einen Doppelsprung ausführen, gleiten und nach vorne hechten. Abhängig davon, in welcher Reihenfolge man diese Moves ausführt, unterscheidet sich die Sprungweite, aber auch die Geschwindigkeit, mit der man am Endpunkt des Sprungs angelangt. Möchte man punktgenau landen, ist es sinnvoll, den Schwebemove oder jedenfalls den Doppelsprung ans Ende zu setzen – gleichzeitig ist das eine Wahl, die die Sprungweite nicht eben maximiert. In Anbetracht dessen, dass Bubsy ein wenig floaty ist, gleichzeitig aber in der Luft enorm schnell beschleunigen kann, ist es relativ schwierig, punktgenau zu landen. Insofern ist die Überlegung, mit welcher Move-Kombination man sich durch die Lüfte schwingen möchte, keine reine Eitelkeit.
Wem die skizzierten Möglichkeiten noch nicht reichen, der kann sich im Shop des Spiels im Tausch gegen Blauspausen noch zusätzliche Fähigkeiten kaufen. In jedem der zwölf Hauptlevel gibt es eine gut versteckte Blaupause und jeder Move im Shop kostet genau eine, so dass man unmittelbar für jedes gefundene Extra belohnt wird. Zusätzlich kann man in jedem Level 150 Wollknäule finden. Auch diese Wollknäule dienen als Währung im Spiel und können für kosmetische Items eingetauscht werden – beispielsweise ein Kostüm, das Bubsys Modell gegen sein Bubsy 3D-Modell austauscht.

Das Leveldesign von Bubsy 4D ist im Wesentlichen linear, bietet aber eine Menge offene Gebiete und parallele Wege, die zur Erkundung einladen. Im Mittelpunkt des Designs steht klar, die Sprungfähigkeiten des Spielers auf abwechslungsreiche Weise auf die Probe zu stellen. Dabei spielen neben klassischen Sprungpassagen auch immer wiederkehrende Passagen, in denen man sich als Fellball durch die Gegend bewegen soll, eine entscheidende Rolle.
Drückt man auf LB, so verwandelt sich Bubsy in eine Kugel und kann enorme Geschwindigkeiten erreichen. Das Spiel gibt dem Spieler hierbei eine umfassende Kontrolle über die Geschwindigkeit: man kann mit RT beschleunigen und mit LT nahezu umgehend anhalten, selbst wenn man sehr schnell unterwegs ist. Beide Knöpfe zusammen können – entsprechenden Move vorausgesetzt – zum Drift verwendet werden, um scharfe Kurven nehmen zu können, ohne richtig langsam zu werden.

Am Ende einer jeden der drei Welten des Spiels erwartet den Spieler ein besonderes Level, in dem man zwar keine Blaupause finden kann, dafür aber am Ende gegen einen Endgegner antreten muss. Jeder Endgegner muss drei Mal getroffen werden und kommt mit einem durchaus komplexen Angriffsmuster daher. Im Mittelpunkt der Endgegnerkämpfe steht ganz klar die Defensive, wohingegen die Möglichkeiten zum Angriff sehr klar telegrafiert werden und zeitlich auch nicht allzu knapp bemessen sind. Die Endgegner sind gut gelungen und passen zur Spielmechanik, sind aber kein Highlight des Spiels.
Auch im Verlauf der übrigen Level wird man immer wieder mit Gegnern konfrontiert, diese sind aber nahezu immer mit einer einfachen Homing Attack zu besiegen. Leider ist die Homing Attack aber längst nicht so responsiv und nahtlos in die Bewegungen eingebunden wie in den Sonic-Spielen, so dass einzelne Homing Attack-Sequenzen im Spiel ein wenig Frustpotenzial mit sich bringen. Spielt man das Spiel normal durch, sorgen großzügig platzierte Checkpoints allerdings dafür, dass Bubsy 4D einigermaßen zuverlässig frustarm durchgespielt werden kann.

Zusätzlich gibt es aber noch für jedes Level eine ziemlich knackige Zielzeit zu erreichen. Um diese Zeiten zu schlagen, muss man ein sehr gutes Gespür für die Feinheiten der Spielmechanik finden. Die Flexibilität des Movesystems kann dann besonders strahlen. Andererseits schmerzen Schwierigkeiten, beispielsweise beim Homing System, beim Versuch die Zielzeiten zu schlagen, besonders.
Bubsy 4D ist ein unterhaltsames 3D-Jump & Run mit einem etwas kruden Humor, das spielerisch zwar kaum noch an den Vorgänger Bubsy 3D erinnert, damit aber vermutlich gut fährt. Im Vergleich zum Rest der Spielreihe ist Bubsy 4D klar der beste Titel und kann auch für sich genommen als Jump & Run überzeugen. Innerhalb der Demon Turf-Reihe reiht sich Bubsy 4D für mich zwischen Neon Splash und dem Original Demon Turf ein.

Vielen Dank an Atari für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf Xbox Series X.