Origament: A Paper Adventure (Review)

Artwork zu Origament

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. So schlüpfen wir in diesem April bereits nach wenigen Wochen in die schuppige Haut eines Octopus, beschützen als Minotaurus unser geliebtes Labyrinth vor fiesen Eindringlingen oder erleben die Wunder des christlichen Gottes als dessen virtueller Sohn. Alles nicht so wirklich mein Fall. Ich hab mich dann lieber als verlorener Brief in  Origament: A Paper Adventure auf eine kurze, aber abenteuerliche Reise begeben. Und bin dabei komplett zerknittert und mit einem leichten Lächeln auf meinen Lippen bei meinem Empfänger angekommen.

Fliegen, schwimmen, knüllen in Origament

Denn diese Reise war wild! Alles beginnt damit, dass ein kleiner Junge an eine uns noch unbekannte Person einen Brief schreibt. Brief in Umschlag, zugeklebt und die Briefmarke drauf – und schon geht es auf die…oh…plötzlich befinden wir uns irgendwo im Nirgendwo. Wie sollen wir nur unser Ziel erreichen?! Doch Glück im Unglück, denn eine Origami-Katze erscheint uns und bietet uns ihre Hilfe an. Selbstverständlich nehmen wir an, wir wollen ja schließlich unser Reiseziel finden.

Und so besuchen wir erst einmal ein Archiv für verlorene Briefe. Auf dem Weg durch dieses Tutorial lernen wir alles wichtige, um in Origament zu bestehen. Wir lernen, wie eine Kugel umher zu rollen. Wie ein Papierflieger zu fliegen. Wie ein Boot auf dem Wasser zu gleiten. Und sogar wie ein Shuriken durch die Luft zu wirbeln! Nur ein handelsüblicher Umschlag, flach wie die Papierpresse uns schuf, werden wir nicht mehr. Dann hoffen wir mal, dass der Brief von dem Jungen noch lesbar ist.

Screenshot aus Origament
Ah, Venedig!

Aber wie so häufig entpuppt sich auch in Origament der Weg als das eigentliche Ziel. Im Archiv finden wir Portale, die uns einen direkten Zugang in einzelne Level ermöglichen. Manche sind länger und geben uns Schlüssel für kleinere Level, die ihrerseits das nächste große Level öffnen. Nur in der Kombination können wir die Fackeln rund um das finale Level entzünden und hoffentlich auch unseren Brieflebenssinn erfüllen.

Verwandlungskünste

Die einzelnen Level von Origament strotzen dabei meines Erachtens vor kreativen Ideen. Hier eine wilde Lorenfahrt gefolgt von Stealth-Passagen im wilden Westen. Dort ein wilder Ritt durch Stromschnellen oder geruhsame Fahrerei durch die Kanäle einer Stadt. Origament wechselt stets zwischen seinen Gameplaymechaniken umher, gibt mal kleinere Schieberätsel auf, mal eine Platforming-Passage.

Im Zentrum steht dabei die vier unterschiedlichen Papierverwandlungen. Als zerknüllte Kugel erfüllt man außerhalb der Fortbewegung keine größeren Zwecke, außer mal hier oder dort die eigene Position minimal anzupassen. Andere Optionen, zum Beispiel per Gewicht Schalter umzulegen, lassen sich auch mit den anderen Formen anstellen. Und druckvolle Manöver werden eher mit dem Shuriken ausgelöst.

Dieser ermöglicht bei seiner Verwandlung einen kleinen, wirbelnden Dash nach vorne. Dies kann Druckstellen aktivieren oder Hindernisse zerstören. Zugleich sorgt ein solcher Shurikendash dafür, dass dünne Engstellen überwunden werden oder ein Flug als Papierflieger verlängert wird. 

Anders als der Dash dient diese Verwandlung in Origament vor allem der Überwindung von Hindernissen im Weg, sei es durch ihre Höhe oder Weite. Die meiste Zeit wurden so in meinen Augen Shuriken und Flieger eher als eine Art Sprungknopf verwendet. Zwar gibt es einige Gleitsequenzen für den Papierflieger und auch der Shuriken kann dazu dienen, fiese Glühwürmchen zu vertreiben, das spielerische Niveau ist in diesen Segmenten allerdings überschaubar.

Dasselbe trifft auch auf die letzte Verwandlung, das Papierboot, zu. Dessen Aufgabe ist es, die Flüsse, Teiche und Kanäle von Origament zu befahren. Zwar könnte man hier auch mit der Kugel rollen, dies gelingt aber nur sehr langsam. Also lieber die imaginären Segel setzen! Bis auf wenige Stromschnellen, die sich aber auch mit einer Kombination aus Papierflieger, Shuriken und Boot überwinden lassen können, erfordert das Boot wenig Geschick. Ich würde sogar sagen, es nimmt das Tempo aus dem Spiel heraus und hat vor allem Pacing-Zwecke.

Screenshot aus Origament
Echt kein Gespür für das Briefgeheimnis!

Ein Hoch auf Herausforderung

Wirklich brillieren kann Origament, wenn die Verwandlungen kombiniert werden können – oder hier und da sogar müssen. Dies betrifft beim reinen Durchspielen zwar nicht viele Levelabschnitte, sie helfen aber dabei Schwung in ein Spiel zu bringen, was sich sonst eher wie ein “Walking-Simulator” spielen würde.

Besonders toll fand ich hierbei, dass die Level zwei unterschiedliche Geheimnisse bieten können. Einerseits lassen sich Münzen in mal mehr, mal weniger guten Verstecken finden. Mit diesen lassen sich alternative Farben für unser Papier im Archiv kaufen. Denkt denn hier keiner an die Nachricht des Jungen!?

Andererseits bieten wandernde Figuren besondere Herausforderungen an. Diese stellen unsere Verwandlungskünste zumeist unter Zeitdruck auf die Probe. Entweder wir treten in einem der Levelabschnitte gegen einen Origami-Schwan, der seinen eigenen Pfad beschreitet, an oder rennen von Checkpoint zu Checkpoint. Dieser Herausforderungen waren sicherlich nicht schwer, verglichen anderen ähnlichen Platforming-Adventures. Das Steam-Tag “Gemütlich” steht auch nicht ohne Grund an zweiter Stelle des Spieleeintrages.

Zugleich fehlte es mir hier dann aber auch daran, die durchaus vorhandenen Ideen sinnvoll weiterzuentwickeln. Die Verwandlungen spielen sich über die gesamte Zeit ähnlich, Abwechslung entsteht “nur” durch den Levelaufbau. Vor allem die Westernstadt ist hier wirklich eine spaßige Angelegenheit, auch wenn der spielerische Fortschritt immer offensichtlich auf der Hand lag. 

Und so ist Origament in meinen Augen ein beschaulicher Mix aus Erkundung und Platforming geworden, welcher einerseits nicht so belanglos sein will, dass Gameplay-Puristen mit Schrecken davonrennen. Andererseits aber auch entspannend genug, um die eigene Zielgruppe nicht zu verprellen. Ich hatte meinen Spaß in der Kürze meiner Reise, weil Origament sichtbar an vielen Punkten mit Liebe gestaltet worden ist. Zugleich ist es ein höchst sicheres Spiel, welches keine großen Experimente wagt.

Komplett zerknittert auf Steam Deck und PC bei meinem Empfänger angekommen. Ein herzlicher Dank geht an das Space Sauce Studio und Assemble Entertainment für die Bereitstellung eines Mustercodes.