Sonic Colours Ultimate (Review)

Gestern haben wir in einem Rückblickartikel die originale Wii-Version von Sonic Colours unter die Lupe genommen, heute geht es mit der Remaster-Fassung Sonic Colours Ultimate weiter. In Anbetracht einiger Berichte über technische Schwierigkeiten in der Nintendo Switch-Fassung des Spiels sei aber noch kurz angemerkt, dass dieser Test auf der Xbox One-Fassung basiert; die Switch-Version habe ich nicht gespielt.

Sonic Colours Ultimate ist inhaltlich größtenteil unverändert im Vergleich zum Original. Dr. Eggman hat einen Vergnügungspark im Weltraum eröffnet und Sonic traut dem Braten erwartungsgemäß nicht. Zusammen mit Tails schleicht er sich daher in den Vergnügungspark ein und findet alsbald heraus, dass Dr. Eggman wie vermutet übles im Schilde führt. Er lässt seine Schergen unzählige Außerirdische gefangen nehmen, die magische Fähigkeiten verleihen können, die sogenannten Wisps. Das kann ein echter Held wie Sonic natürlich nicht zulassen und so gibt er alles, um Dr. Eggman einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Spielerisch orientiert sich Sonic Colours Ultimate an den Boost-Levels des Vorgängers Sonic Unleashed, reduziert aber den Fokus auf Geschwindigkeit deutlich. Boostenergie erhält man nur noch durch das Besiegen von Gegnern und das Sammeln weißer Wisps und selbst geübte Spieler werden in den meisten Levels bei weitem nicht durchgehend boosten können. Stattdessen steht genaues Platforming und Erkundung stärker im Vordergrund. Das zentrale Gimmick dieses Spiels sind die bunten Wisps, die jeweils eine eigene Fähigkeit mit sich bringen. So gibt es einen orangefarbenen Wisp, der Sonic in eine Rakete verwandeln kann, einen gelben Wisp, mit dem Sonic sich durch Erde und Wasser buddeln kann oder auch einen blauen Wisp, der blaue RInge in Plattformen verwandelt und umgekehrt.

Die Wisps sorgen dafür, dass die 44 Level des Spiels eine Menge Abwechslung bieten und auch innerhalb einer Welt, trotz gemeinsamem Thema keine zwei Level einander gleichen. Darüber hinaus ist Sonic Colours dadurch wohl eines der Sonic-Spiele die sich am meisten für Spieler anbieten, die keinen Wert auf Jagd nach S-Ranks legen. Dazu trägt auch bei, dass es in jedem Level fünf rote Ringe zu finden gibt, die Experimentieren mit den Wisps belohnen. Durch den etwas größeren Fokus auf genaues Platforming haben die Entwickler allerdings auch den Anteil an 2D Szenen deutlich erhöht, so dass Sonic Colours Ultimate oft beinahe ein Grenzgänger zum 2D Spiel ist. Die schnelleren Abschnitte im Spiel sind aber dafür größtenteils in 3D gehalten.

Das Spiel bietet sechs Welten mit jeweils sieben Levels, wobei das letzte Level einer jeden Welt ein Endgegner ist. Während die Reihenfolge der Level innerhalb einer Welt fest vorgescheieben ist, hat man aber die meiste Zeit die Möglichkeit aus mehr als einer Welt zu wählen. Der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist moderat und wurde im Vergleich zun Original auch noch einmal etwas gesenkt, weil Leben komplett abgeschafft wurden und es nun überdies eine Tails-Rettung gibt, so dass man, wenn man einen Tails-Kopf im Level findet, einmalig abstürzen und dennoch von Tails gerettet werden kann, also nicht am letzten Checkpoint neustarten muss. Für die Rankingjagd ist das weitgehend uninteressant, weil man auf diese Weise viel Zeit verliert, aber gerade bei der Suche nach roten Ringen kann das schon einmal eine willkommene Hilfe sein.

Die S-Ranks in Sonic Colours sind deutlich einfacher zu erhalten als in Sonic Unleashed, dennoch sollte man die Level sehr fix und fehlerarm spielen, wenn man die Bestbewertung am Levelende zu sehen bekommen möchte. Hier ist ein echter Vorteil für das Spiel- und Geschwindigkeitsgefühl, dass im Remaster die Bildwiederholrate auf 60 Bilder in der Sekunde erhöht wurde. Jedenfalls auf der Xbox One X wird diese auch nahezu durchgehend gehalten. Einzig ein kleiner Hänger zu Beginn eines Levels, gern wenn man das erste Mal boostet und beim Aufruf des Pausemenüs trübt diesen Eindruck. In jedem Fall ist das recht schade, denn das Original gehört zu den bestpolierten Sonic-Spielen und trotz insgesamt verbesserter Bildwiederholrate wirkt die Ultimate-Fassung so ein wenig holprig.

Der einzige wesentliche neue Spielinhalt sind die Rival Rennen. In jeder Welt kann man, indem man 15 der 30 roten Ringe in den Levels der Welt einsammelt, in einem Act ein Rival Rennen gegen Metal Sonic freischalten. Bei den Rival Rennen ist die Punktzahl unerheblich, stattdessen muss man das Ziel nur schneller als Metal Sonic erreichen. Leider sind die Rival Rennen relativ schlicht präsentiert, so dass sie tatsächlich wirken wie ein Fremdkörper der dem Spiel hinzugefügt wurde. Dennoch sind sie ein spaßiger kleiner Bonus, der aber selbst für große Sonic-Fans einen erneuten Kauf des Spiels nicht rechtfertigen dürfte.

Der Soundtrack der Ultimate Version wurde neu aufgenommen, basiert allerdings auf den gleichen Kompositionen wie im Original. Mir ist beim Spielen nur die neue Version des Titelliedes „Reach for the Stars“ aufgefallen. In diesem Fall ist mir die Änderung negativ aufgefallen, weil das Lied, das ohnehin bereits zwischen Rock und Pop angesiedelt war, komplett zum Poplied umgestaltet wurde. Im Endeffekt dürfte das aber natürlich eine Geschmacksfrage sein.

Darüber hinaus ist die Umsetzung des Spiels makellos gelungen. Die Steuerung konnte, da das Original bereits mit dem GameCube-Controller spielbar war, ohne Kompromisse umgesetzt werden, einzig der Umstand, dass alle Buttoneinblendungen rot sind, kann etwas verwirrend wirken, da es unüblich ist, dass die Fabrschemata der Controller bei Buttoneinblendungen ignoriert werden. Die Zwischensequenzen wurden neu in HD gerendert, anders als bei leider viel zu vielen HD-Neuauflagen muss man also nicht mit einem plötzlichen Qualitätsabfall bei Zwischensequenzen rechnen.

Sonic Colours Ultimate ist, jedenfalls auf der Xbox One X, eine gelungene Neuauflage des Wii-Klassikers und ist technisch weitgehend überzeugend. Wer das Original verpasst hat, oder nicht mehr besitzt und erneut spielen möchte, kann bedenkenlos zur Neuauflage greifen. Wer hingegen das Original bereits besitzt, bekommt nur sehr wenig neues geboten und kann daher zweifellos auf die Neuauflage verzichten.

Getestet auf Xbox One X.