The Disney Afternoon Collection (Review)

In vielen Fällen wurden Lizenzspiele zu Filmen und Serien in den frühen Tagen der Videospiele von weniger erfahrenen oder renommierten Teams umgesetzt, was wesentlich dazu beigetragen hat, dass Videospielumsetzungen bekannter Marken einen zweifelhaften Ruf genossen haben. Capcom hat auf dem NES mit der Disney-Lizenz allerdings aus den Vollen geschöpft und zahlreiche Mitarbeiter mit Erfahrung in der Mega Man-Reihe beauftragt, so dass Spiele wie DuckTales bis heute einen gute Ruf genießen. Mit einigen Jahren Verspätung, dafür mit zwei Zusatzspielen – Goof Troop und Bonkers – und erstmals auch einer physischen Fassung schafft die Sammlung dieser Klassiker unter dem Namen The Disney Afternoon Collection den Weg auf Nintendo Switch und Nintendo Switch 2.

Dieser Test basiert auf der physischen Fassung des Spiels für die Nintendo Switch 2, die erfreulicherweise nicht etwa auf eine Game Key Card setzt, wie es leider eine ganze Menge Spiele tun, die nicht zum Vollpreis erscheinen, sondern ist vollständig auf der Spielkarte enthalten. Allerdings ist bereits ein Patch zum Spiel verfügbar, der zwar nicht notwendig ist, um die Spiele zu genießen – ich habe alle Spiele mit der auf der Karte enthaltenen Fassung vollständig durchgespielt – ohne den die Online-Funktionalität aber nicht verfügbar ist. Bei der Online-Funktionalität handelt es sich um Bestenlisten für Speedruns der Gesamtspiele sowie Boss-Runs. Immerhin kann man diese Modi aber auch ohne Patch spielen, wenn man denn damit leben kann, dass die Bestzeit dann nur lokal Geltung besitzt.

Darüber hinaus ist die Ausstattung der physischen Fassung etwas besser als bei den meisten physischen Veröffentlichungen. Das Spiel verfügt über ein Wendecover, das ein Artwork für das erste DuckTales zeigt, das seinerzeit verworfen wurde, aber – so wird im Spiel von den Entwicklern vermutet – ursprünglich als Coverart für den NES-Titel vorgesehen war. Zusätzlich enthält das Spiel eine Reihe von Stickern mit Pixelart-Motiven der enthaltenen Spiele. Als Anspielung auf die damalige Zielgruppe ist das ein durchaus netter Bonus, wenngleich zu erwarten steht, dass sich die Sammlung der Spiele aus den frühen 90ern heute eher an ältere Spieler richten dürfte.

Wenngleich die einzelnen in The Disney Afternoon Collection enthaltenen Spiele von einem überschaubaren Umfang sind – einzig für Goof Troop sollte man mehr als eine Stunde Spielzeit einplanen – ist der Umfang der Spielsammlung ziemlich ordentlich, denn es sind insgesamt acht Spiele enthalten: Duck Tales, Duck Tales 2, Chip & Chap, Chip & Chap 2, Darkwing Duck, Käptn Balu, Goof Troop und Bonkers. Die letzten beiden Spiele sind im Original für das Super Nintendo erschienen, die übrigen für das NES. Im Zusatzmaterial des Spiels findet man auch die Boxarts der verschiedenen Sprachversionen der Spiele, sowie der Game Boy-Umsetzungen, die teilweise erheblich abweichendes Leveldesign geboten haben. Leider ist aber auch in der Nintendo Switch 2-Fassung der Sammlung nur die NES-Fassung der Klassiker enthalten. Zudem handelt es sich auch ausschließlich um die englische Sprachfassung, denn jedenfalls DuckTales 2 hat auf dem NES auch eine deutschsprachige Version gehabt. Die Texte im Spiel sind allerdings ohnehin nicht allzu ergiebig, so dass der Verlust der Lokalisation nicht allzu stark ins Gewicht fallen dürfte. Im Folgenden werfen wir einen kurzen Blick auf die einzelnen enthaltenen Spiele.

DuckTales

Den Auftakt nicht nur der Disney Cartoon-Serien, sondern auch der entsprechenden Videospielumsetzungen macht DuckTales, das bis heute einen hervorragenden Ruf genießt und mit seinem Mond-Thema sogar Einfluss auf die Reboot-Serie aus den 2010ern genommen hat. DuckTales ist ein klassisches 2D Jump & Run, das mit ziemllich großen, aber gleichsam dicht gestalteten Levels zur Erkundung einlädt. Dagobert Duck ist schließlich ein echter Schatzjäger und Schätze findet man in DuckTales allüberall. Die Levelthemen sind markant und sowohl optisch als auch akustisch erstklassig in Szene gesetzt. Ein besonders markantes Designelement ist Dagoberts Gehstock, der im Spiel als Pogostab dient, mit dem man nicht nur Gegner aus dem Weg räumen kann, sondern auch beispielsweise Stacheln überqueren kann. Das durchdachte Leveldesign und die eingängige Spielmechanik, gekoppelt mit der für NES-Verhältnisse äußerst gelungenen Präsentation machen DuckTales zu Recht zu einem Klassiker.

DuckTales 2

Wesentlich weniger Beachtung als der Erstling hat der Nachfolger DuckTales 2 erhalten, der erst zum Ende der NES-Ära erschienen ist und somit nur in verhältnismäßig geringer Auflage erschienen ist. DuckTales 2 bietet im Wesentlichen die gleichen Stärken wie der erste Teil, erhöht aber Dagoberts Bewegungsspielraum noch einmal deutlich, denn der Gehstock dient nun nicht nur als Pogostab, sondern man kann mit dem Gehstock auf Objekte wegschlagen oder Hebel ziehen. Im Verlauf des Spiels bekommt man mehrere Upgrades für den Gehstock von Daniel Düsentrieb und nur, wenn man die Level mit den richtigen Upgrades betritt, kann man alle Geheimnisse, die sie bieten, aufdecken. Ein besonderes Augenmerk sollte man hierbei auf die sieben Kartenstücke legen – eines je Level, eines im Shop und eines, das die Geschichte lostritt. Sammelt man alle versteckten Kartenstücke, kann man ein zusätzliches Level spielen und ein besseres Ende erreichen. Eine wenig beachtete, aber wesentliche Verbesserung von DuckTales 2 im Vergleich zum Erstling ist übrigens, dass man für den Pogostab in der Luft nur noch B drücken muss (NES-Button-Benennung) und nicht zusätzlich nach unten drücken muss. Klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber ein echter Komfortgewinn. Persönlich empfinde ich DuckTales 2 als den stärksten Titel der Sammlung, muss aber auch offen dazu sagen, dass DuckTales 2 in der Game Boy-Fassung mein erstes eigenes Videospiel war.

Chip & Chap: Ritter des Rechts

Chip & Chap: Ritter des Rechts ist wie DuckTales ein 2D Jump & Run, allerdings steht hier Erkundung weniger im Mittelpunkt. Im Gegenteil ist es sogar so, dass Chip & Chap, ähnlich wie Super Mario Bros., der Kamera nicht erlaubt, zurückzuscrollen. In diesem Fall handelt es sich hierbei aber nicht etwa um eine technische Beschränkung, denn die Kamera kann durchaus auch nach oben scrollen und ist dynamisch an das Leveldesign angepasst. Eine weitere Besonderheit von Chip & Chap ist, dass die beiden Backenhörnchen in der Lage sind, Kisten und andere Gegenstände aufzuheben und auf Gegner zu werfen. Das ist auch die einzige Möglichkeit, wie sie sich gegen Gegner zur Wehr setzen können. Chip & Chap ist der wohl einfachste NES-Titel in der Sammlung, ist aber immer noch recht knackig und hat ein unterhaltsames Leveldesign. Auch wenn es mit DuckTales nicht ganz mithalten kann, ist Chip & Chap ein absolut spielenswertes 2D Jump & Run.

Chip & Chap: Ritter des Rechts 2

Der zweite Teil von Chip & Chap knüpft nahtlos an den ersten Teil an und bietet im Wesentlichen das gleiche Grund-Gameplay. Allerdings hat der zweite Chip & Chap-Teil eine etwas andere Spielstruktur. Zu Beginn des Spiels spielt man die Level zwar in strikter Reihenfolge, in der zweiten Spielhälfte muss man aber drei Schlüssel sammeln, die jeweils in einem anderen Level versteckt sind und hier hat man dann die Wahl, die Level in beliebiger Reihenfolge zu spielen. Die Grafik von Chip & Chap 2 ist im Vergleich zum Erstling komplett neu gestaltet worden, also insbesondere wurden auch die Charaktere neu gezeichnet, was bei DuckTales 2 nicht der Fall war. Gleichzeitig nimmt die – nichtsdestotrotz weiterhin knapp gehaltene – Geschichte einen etwas größeren Rahmen ein und wird sogar mit kleinen Zwischensequenzen vorangetrieben. Chip & Chap 2 ist genau wie der erste Teil ein gelungenes, aber nicht herausragendes Jump & Run.

Darkwing Duck

Auch wenn im Leveldesign insbesondere der DuckTales-Spiele die Mega Man-Erfahrung der Entwickler durchaus schon etwas durchgeschienen ist, ist wohl keines der Spiele in der Sammlung so klar von Mega Man inspiriert wie Darkwing Duck. Der Schrecken, der die Nacht durchflattert, hat nämlich neben seinen Platforming-Fähigkeiten auch eine Gaspistole im Repertoire, mit der er sich teilweise ziemlich haarige Gefechte liefern kann. Insbesondere die Endgegnerkämpfe können ziemlich anspruchsvoll werden und ohne die Rückspul- und Speicherfunktion würden die meisten Spieler vermutlich einige Versuche brauchen, um Darkwing Duck erfolgreich abzuschließen. Im Vergleich zu Mega Man kommt dabei insbesondere zum Tragen, dass Darkwing nicht gleichzeitig schießen und laufen kann, so dass immer, wenn Darkwing auf seine Gegner schießt, er kurz stehen bleibt. Das Leveldesign in Darkwing Duck ist abwechslungsreich und kann mit einigen interessanten Plattform-Passagen überzeugen. Ohne die Rückspielfunktion könnte das Spiel aber für viele Spieler zu frustrierend sein.

Käptn Balu

Käptn Balu konzentriert sich hingegen komplett auf das Schießen und bietet gar kein Platforming mehr. Der erfahrene Pilot nimmt in seinem eigenen Videospiel nämlich Platz in seinem Ein-Mann-Flugzeug und muss in einem Sidescrolling Shooter die Herrschaft über die Lüfte ergreifen. Äußerst ungewöhnlich ist hierbei die Idee, dass man auf Knopfdruck nicht nur Balu drehen und in die andere Richtung schießen kann, sondern in weiten Teilen des Spiels damit sogar zurückfliegen kann – und die Scrollrichtung ändern kann. Das wird an einigen Stellen durchaus clever eingesetzt. Allerdings leidet Käptn Balu ein wenig darunter, dass die Schussrate am Anfang sehr gering ist und Balu wenig aushält. Man kann im Verlauf des Spiels Upgrades kaufen, so dass Balus Flugzeug am Ende sehr angenehm zu spielen ist, aber es ist eine sehr eigenwillige Entscheidung, dass das Spiel damit einen inversen Schwierigkeitsgrad hat – schwer beginnt und dann leichter wird. Insgesamt ist Käptn Balu zwar ein interessantes Experiment, aber der schwächste NES-Titel in der Sammlung.

Goof Troop

Das Debütwerk von Resident Evil-Schöpfer Shinji Mikami ist – anders als man vielleicht erwarten mag – ein absolut familienfreundliches Spiel, in dem Kampf nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt und bei dem Rätsel und Kooperation im Mittelpunkt stehen. Am besten kann Goof Troop wohl beschrieben werden als Zelda: Four Swords mit ein oder zwei Spielern. Man kann Goof Troop entweder zu zweit spielen – dann spielt einer Goofy und der andere seinen Sohn Max – oder allein, dann spielt man nur eine der Figuren, kann dafür aber zwei statt nur eines Items auflesen. Das Spiel wird Levelweise – insgesamt gibt es derer fünf – aus einer Vogelperspektive gespielt und das Ziel ist es, das Ende des Levels zu erreichen. Dafür muss man Blockschiebepuzzles lösen, die stellenweise durch Timing-Bedingungen erstaunlich schwierig werden können. Interessant fand ich insbesondere den Ansatz, dass bei einigen Blockschieberätseln auf den Spieler geschossen wird. Dadurch ist es ein interessanter Wettstreit um die Aufmerksamkeit des Spielers zwischen der Analyse des Rätsels und dem Ausweichen. Die verschiedenen Items im Spiel – ob Enterhaken, Glocke, die Gegner anlockt, oder obligatorische Schlüssel – bringen Abwechslung in die Mechanik und strukturieren die Level auf interessante Weise. Wer Zelda-ähnliche Spiele mag, wird bei Goof Troop auf seine Kosten kommen; ganz besonders, wenn man noch einen Mitspieler hat, mit dem man das Spiel gemeinsam spielen kann. Neben den DuckTales-Spielen ist Goof Troop meines Erachtens das beste Spiel in der Sammlung.

Bonkers

Bonkers ist schusseliger Polizist, der in seinem eigenen Spiel vor allem mit seinen Hüpffertigkeiten überzeugen möchte. Neben dem Sprung verfügt er aber noch über zwei weitere Fähigkeiten. So kann Bonkers Bomben auf Gegner und Vorrichtungen werfen, oder aber auf Knopfdruck richtig schnell losflitzen und dann wahlweise auf Knopfdruck zusammenrollen. Die Mechanik von Bonkers ist ganz gut gelungen, das Leveldesign ist aber über weite Teile recht uninteressant und kann nicht mit den anderen Jump & Runs in der Sammlung mithalten. Als Zusatzspiel in der Sammlung ist Bonkers eine nette Dreingabe, aber für Bonkers sollte man sich die Sammlung meines Erachtens nicht kaufen. Als einziges Spiel der Sammlung wurde Bonkers auch nicht ursprünglich von Capcom entwickelt, sondern nur gepublisht.

The Disney Afternoon Collection ist eine gelungene Sammlung einiger echter Klassiker, die trotz des hohen Alters auch heute noch Zeit und Geld wert sind. Besonders die DuckTales-Spiele und Goof Troop sind tolle Spiele, die jedenfalls jeder Disney- und Genre-Fan gespielt haben sollte. Aber auch ohne Verbundenheit mit den zugrundeliegenden Marken können die Spiele eine Menge Spaß machne.

Vielen Dank an U&I Entertainment und Flashpoint für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf Nintendo Switch 2.