Sonic Colours (Review)

Dieses Review ist ein Review der Originalversion von Sonic Colours, das ich zum Erscheinen des Wii-Spiels geschrieben und minimal überarbeitet habe. Der Test der Ultimate-Neuauflage folgt morgen.

Es gab eine Zeit, da waren es nicht die Halos, Call of Dutys oder GTAs, die die Spielerscharen auf sich vereint haben, sondern ausgerechnet die heute so rar gewordenen Jump & Runs. Die Vorherrschaft auf dem Gebiet der Jump & Runs – so viel ist immerhin unverändert geblieben – hatte aber schon seinerzeit Super Mario. Nintendos damaliger Konkurrent, Sega, hat nichts unversucht gelassen, Mario den Rang abzulaufen und kein Versuch ist dem so nah gekommen wie ein kleiner blauer Igel namens Sonic. Leider hat Sonic im Gegensatz zu Mario nach starken Anfangsjahren ernsthafte Probleme bekommen, das hohe Niveau zu halten. Die besseren 3D-Titel haben Spaß gemacht, so lange man Sonic steuerte, bestanden aber zum Großteil aus neuen, langweiligen Spielkonzepten. Zuletzt wurde mit Sonic & the Black Knight ein durchweg grauenhafter Titel auf die Wii-Spielerschaft losgelassen. So ist nicht weiter verwunderlich, dass viele Spieler die Ankündigung von Sonic Colours zunächst mit Misstrauen, teilweise gar Spott begrüßten. Doch ist dieser Spott gerechtfertigt?

Auf den ersten Blick wirkt es, als habe das Sonic Team seine Hausaufgaben erstaunlich gründlich gemacht. Ohne Umschweife wird man direkt nach Spielbeginn in den ersten Act der ersten Welt geworfen, die erste Zwischensequenz erwartet einen erst nach zwei Acts. In den ersten beiden Acts hat man zunächst einmal die Gelegenheit, sich mit Sonics Handling vertraut zu machen. Dabei hat man die Wahl zwischen so ziemlich allen denkbaren Steuerungsoptionen. Man kann wahlweise per Wii-Remote (waagerecht gehalten), Wii-Remote und Nunchuk, Classic-Controller, oder aber per GameCube-Controller spielen. Die letzte Variante hat sich neben der Nunchuk Variante als am angenehmsten erwiesen. Aber auch wenn die Wii-Remote involviert ist, spielt Bewegungssteuerung in Sonic Colours nahezu keine Rolle.

Das Spielprinzip ist zunächst kaum von dem in den Sonic-Levels in Sonic Unleashed zu unterscheiden. Man rennt mit Sonic durch Levels, die in Windeseile zwischen 2D- und 3D-Abschnitten wechseln, springt und boostet als würde man schlicht ein Levelpack zu Unleashed spielen. Auffällig ist zunächst nur, dass sich Spielgeschwindigkeit und Boostmenge rückläufig entwickelt haben. Nach der kurzen Eingewöhnungsphase erfährt man aber nicht nur, welch fiese Pläne Dr. Eggman mal wieder verfolgt (die Weltherrschaft an sich reißen, was auch sonst), sondern macht zudem Bekanntschaft mit den namensgebenden farbigen Wisps. Im Laufe des Spiels schaltet man immer weitere Wisps frei, die sich dann in Kapseln in den Levels einsammeln lassen.

Die Wisps geben Sonic spezielle Fähigkeiten. So kann Sonic sich in einen gefährlichen Raptor verwandeln, sich durch das Erdreich bohren oder als Rakete in den Himmel aufsteigen. Insbesondere kann man Wisps auch in früheren Levels finden, in denen sie vor der Entdeckung des ersten Wisps seiner Art nicht vorzufinden waren. Wagt man sich dann noch einmal in eines der ersten Levels, so erlebt man eine ziemliche Überraschung. Was beim ersten Durchlauf sehr kurz und wenig überraschend erschien, steckt in Wahrheit voller unentdeckter Geheimnisse. Nahezu jede Stage verfügt nämlich über eine ganze Reihe unterschiedlicher Wege, die alle zum Ziel und gerne auch zu mehr führen. In jedem Level gibt es nämlich fünf rote Embleme zu finden. Jeweils zehn dieser Embleme schalten wiederum Bonuslevel im Sonic Simulator frei.

Der Sonic Simulator ist ein Zusatzmodus, in dem insgesamt 21 Level zu spielen sind. Diese Level sind kürzer als die 44 Level des Hauptspiels und konzentrieren sich auf bestimmte Konzepte. Eine ganze Reihe dieser Level sind von klassischen Sonic-Levels inspiriert, andere greifen Ideen aus Sonic Unleashed auf oder stellen einen einzelnen Wisp in den Vordergrund. Die Level im Sonic Simulator können zwar auch zu zweit kooperativ gespielt werden, davon ist aber eher abzuraten, da es sich nicht um einen Splitscreenmodus handelt und so ähnliche Probleme auftauschen wie bei Knuckles Chaotix auf dem Mega Drive 32X.

Wirklich hervorzuheben ist aber noch einmal die Qualität der eigentlichen Hauptlevel. Es gibt insgesamt sechs Welten zu je sieben Levels, wobei das jeweils siebte Level ein Endgegnerlevel ist. Thematisch orientieren sich alle Abschnitte einer Welt an einer Idee, spielerisch unterscheiden sie sich aber stark. Abgesehen von den großen Hauptlevels, die alle wesentlichen Elemente von Sonic Colours mischen und besonders viele alternative Pfade bergen, gibt es auch viele spezielle Level, in denen man mal besonders schnell, mal mit einem speziellen Wisp und ein anderes Mal mit großem Fokus auf des Spielers Platformer-Qualitäten sein Geschick unter Beweis stellen muss. Das Spiel bietet zugleich sehr viel Abwechslung wie auch viel Liebe zum Detail, so dass man durchweg Spaß hat und immer wieder mit neuen Kleinigkeiten überrascht wird.

Spielt man Sonic Colours nur so schnell wie möglich durch, ist das Spiel sehr kurz, allerdings verpasst man dann auch den eigentlichen Sinn des Spiels. Wie schon die Sonic-Spiele zuvor gewinnt Sonic Colours seinen Reiz besonders aus dem wiederholten Spielen der Level, der Suche nach dem optimalen Pfad und dem Kick des perfekten Durchlaufs. Auf Grund der sehr gut designten Level wird man auch bei einem normalen Durchlauf durch das Spiel genug Spaß haben, die besonderen Stärken des Spiels werden aber erst offensichtlich, wenn man versucht, alle rote Medaillen einzusammeln und jedes Level mit einem S-Rank abzuschließen. Wer für so etwas keine Zeit oder keine Lust dazu hat, verwehrt sich einen großen Teil des Spielspaßes des Spiels.

Auch wenn spielerisch also ein erstklassiges Spiel abgeliefert wurde, geben verbuggte Titel wie Sonic Adventure und Sonic the Hedgehog vielen Spielern sicherlich noch Grund genug zur Sorge. Doch auch diese Sorge ist zum Glück völlig ungerechtfertigt. Sonic Colours hat im Verlauf des Tests keine Probleme bereitet und weiß zudem mit einer für Wii-Verhältnisse hervorragenden Grafik zu beeindrucken. Zwar muss man sich mit einer Bildwiederholfrequenz von 30 Bildern in der Sekunde zufrieden geben, dafür wird aber was die Qualität der Texturen, Effekte und Animationen anbelangt eine Qualität geboten, die man sich von einem 3rd Party-Titel auf der Wii gar nicht mehr zu erhoffen gewagt hat. Sonic Colours ist eines der bestaussehenden Wii-Spiele überhaupt und wird im Grunde nur noch von Super Mario Galaxy 1 und 2 geschlagen. Auch akustisch wird sehr gute Kost abgeliefert, die auch stilistisch an die Mega Drive-Titel erinnert.

Sonic Colours ist ein echter Überraschungshit. Alle Probleme der Vorgängerspiele wurden konsequent behoben, neue Fehler endlich vermieden. Ein hervorragendes Leveldesign, gepaart mit einer makellosen Spielbarkeit sorgt dafür, dass Sonic Colours zu einem Pflichtkauf für jeden wird, der Jump & Runs etwas abgewinnen kann. Sonic Colours verbindet gekonnt Rasanz mit Finesse und ist somit ganz klar ein Musterbeispiel dafür, wie künftige Sonic-Spiele aussehen könnten.

Getestet auf Wii.