Es gibt Spiele, die noch lange nach ihrem Abspann begeistern. Für mich war ein solcher Fall Elden Ring. Meine Beziehung zu Soulslikes war vorher “schwierig”, meine Skepsis dementsprechend groß. Und dann betrat ich die Zwischenlande. Mit Fug und Recht würde ich sagen, dass Elden Ring eines meiner absoluten Lieblingsspiele ist. So sehr, dass ich beispielsweise gerade auf einer Deskmat mit Limgrave-Panorama diesen Artikel schreibe. Zudem stehen alle drei offizielle Artbooks hier im Regal. Und die aktuelle Season von Bingo Brawlers ist natürlich Pflichtprogramm. Meine wahrscheinlich sehr gefärbte Ansicht zum Spiel selbst muss ich euch daher sicherlich nicht mehr aufdrücken. Erst recht nicht, nachdem ich bereits das Hauptspiel begleitet und mit dem DLC gehadert habe. Beim Spielen der Elden Ring Tarnished Edition auf Nintendo Switch 2 habe ich mich daher auf zwei andere Faktoren für euch fokussiert.
Elden Ring auf Nintendo Switch 2 – eine gute Idee?
Die Nintendo Switch ist eine fantastische Konsole, aber hat einen Makel: viele große Titel konnten auf der im Vergleich schwächeren Konsole schlichtweg nicht laufen. So setzt die Switch 2 jetzt ein wenig zur Aufholjagd an, wenn Titel wie beispielsweise das von Kritikern und Gamern hochgelobte Elden Ring mit vier Jahren Verspätung auf einer Nintendo Plattform erscheint. Und was wurde im letzten Jahr nicht darüber geunkt, als erste Demo-Berichte erschienen und sich Elden Ring auf Switch 2 allem Anschein nach zu einer technischen Katastrophe entwickeln könnte.
Überall gibt es etwas zu entdecken, was meinen Entdeckergeist gebauchpinselt hat.
Aus Elden Ring (Eine Erlebnis-Review)
Hier kann ich euch direkt beruhigen: Die Tarnished Edition auf Switch 2 ist mit seinem Release in einem nahezu “perfekten” Zustand. Oder was man halt als perfekt bei Titeln von From Software kennt. Sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus ist das Spiel weitestgehend flüssig und sieht beizeiten richtig schön aus, aber kleinere Ruckler sind wir leider auch von PC oder PlayStation 5 gewohnt. Vor allem, wenn es partikel-mäßig ordentlich zur Sache geht. Oder es regnet, denn dann wird das Bild zuweilen ziemlich matschig. Digital Foundry hat einen detaillierten Einblick in die Technik gegeben, den ich an dieser Stelle gerne verlinke. Meine subjektive Wahrnehmung konnte nicht allzu große Probleme wahrnehmen, die ich nicht auch schon vorher kannte.
Ein klarer Punktsieg

Wogegen die Tarnished Edition allerdings mit Abstand gewinnt, ist das Spielen auf dem Steam Deck. Ich habe in den vergangenen Jahren etliche Stunden am Handheld oder meiner Docking-Station verbracht. Und prinzipiell ist Elden Ring auch auf Valves Mini-PC spielbar, wird sogar als “Verified” auf Steam angegeben. Doch hier häuften sich in meinen Augen die technischen Probleme.
Framerate war stabil, wenn man über eine gewisse Zeit dasselbe macht. Heißt, man bleibt stehen. Oder man reitet. Oder man befindet sich in einem Bosskampf. Jegliche Wechsel dieser unterschiedlichen Ansprüche wurden durch Stottern des Spiels begleitet. Auch die Auflösung lässt vor allem bei schlechten Wetterbedingungen zu wünschen übrig. Und eine Session Elden Ring kann dem Akku sehr schnell alles abverlangen (ungefähr anderthalb Stunden von vollem Akku zur 10%-Warnung). Zugleich merkt man deutlich, dass das Steam Deck unter Höchstlast arbeitet. Lautes Ventilatorgeräusch und eine starke Hitzeentwicklung sind die klaren Anzeichen dafür.
Die Tarnished Edition auf Nintendo Switch 2 hat all diese Probleme nicht. Vor allem der Akku hat es mir angetan, in meinen Einstellungen stand nach zwei Stunden noch immer eine Prozentzahl von 44% oben. Und die Switch bleibt durchweg leise und verhalten erwärmt. Gerade wenn man vom Steam Deck kommt, ist die Nintendo Switch 2 ein definitives Upgrade. Lediglich die Ladezeiten bei beispielsweise Teleportationen sind auf beiden Plattformen kein Vergleich zu der Konkurrenz. Einziger Vorteil bei Steam bleibt da lediglich, dass die Möglichkeit besteht, via Cloud auf einem weitaus potenteren PC spielen zu können. Aber ist dieser Vergleich am Ende wirklich fair?
Was bietet die Tarnished Edition?
Was eindeutig fair ist, ist der Preispunkt von Elden Ring auf Nintendo Switch 2. Ihr bekommt hier das Hauptspiel in der “aktuellsten” Update-Version (Vanilla war fern vom ausgewogenen Balancing heute), welches in den letzten Jahren keine allzu großen Preisnachlässe erfahren hat. Dazu gibt es den umfangreichen Shadow of the Erdtree-DLC von Haus aus. Hier hat From meiner Ansicht allerdings die Chance verpasst, dass man eventuell nur den DLC starten könnte. Dies würde sicherlich Anpassungen notwendig machen, aber Umfang und die heftigen Anforderungen halten lange davon ab, diese Inhalte genießen zu können.
Open World muss den Spieler nicht von Beginn an mit allen Möglichkeiten überfordern. Überfordert uns mit euren Story-, Gameplay- und Design-Inhalten. Nehmt uns nicht an die Hand und führt uns den gesamten Weg bis ans Ziel. Zeigt uns die Tür, gebt uns Werkzeug und wir schauen, wie wir diese Tür öffnen können. Oder ein Loch einschlagen.
Aus Elden Ring (Eine Erlebnis-Review)
Zu guter Letzt ist auf Nintendo Switch 2 das Tarnished-Pack inklusive. Dieser kleine DLC wurde gleichzeitig auf allen Plattformen veröffentlicht und bietet eine Reihe von kleineren Anpassungen für Elden Ring.
Die relevanteste Änderung dürfte die Ergänzung von zwei neuen Start-Klassen sein: Der Heavy Knight ist, wie ihr Name schon verspricht, vor allem auf Stärke und Ausdauer aus. Letzteres ist auch unter allen Klassen mit 17 der höchste Wert, dazu kommen 14 Vigor und 15 Stärke (jeweils zweithöchster Wert). Ausgerüstet mit dem Steel Armor Set und bewaffnet mit dem Hefty Scimitar ist diese Klasse mit Abstand die idealste, um von Beginn an einen Stärke/Tankbuild zu konstruieren.

Ich habe mich dann allerdings für die zweite Klasse entschieden, den Idus Knight. Seine Werte sind am ausgeglichensten, in keiner Kategorie ist sie die Beste. Rein von den Zahlen her kann man durchaus sagen, bewegt sich der Idus Knight zwischen Warrior und Vagabond. Ich habe ihn aus zwei Gründen genommen. Seine Hauptwaffe ist das Idus Sword, ein leichtes Großschwert und somit (endlich!) die erste Waffe dieser Art, die bereits im Hauptspiel verfügbar ist. Alle anderen leichten Großschwerter sind komplett DLC-exklusiv. Und mir gefiel die Optik der Rüstung. So einfach ist das. Manchmal darf man auch oberflächlich bleiben!
Gerüstet für die Zwischenlande
Zusätzlich zu den Rüstungssets der neuen Startklassen gibt es noch zwei weitere Rüstungssets. Diese befinden sich allerdings hinter zwei neu hinzugefügten Invasionen im Spiel: dem Ritter Leontiel in Radahns Arena und Noble Broken Mask. Der erste Fall ist recht simpel. Wir bezwingen Starscourge Radahn und laufen an den Rand der Arena. Die Noble Broken Mask erreichen wir allerdings nur, wenn wir in Leyndell sind, diese noch nicht in Schutt und Asche verwandelt haben, Godfrey bezwungen haben, eine Statue in der Nähe suchen und dort eine Incantation mit einem notwendigen Intelligenzwert von 37 einsetzen. Hallo, From? Seid ihr gesund, braucht ihr Hilfe?
Zweiteren habe ich daher auch nicht selbst ausprobiert. Das war mir für einen Testdurchgang einfach zu blöd. Auch wenn dessen besondere Waffe, das Golden Order Flail, ganz spannend wirkt. Vor allem dessen Fähigkeit Causality’s Wrath dürfte einige interessante Builds zulassen. Verlangt aber auch mit 26 Glauben eher einen Nischen-Wert, um getragen werden zu können. Leontiels Greatsword hingegen war vor allem lustig. Dessen Fähigkeit Muleta macht uns zum Torero, d.h. wir locken den Gegner mit einem roten Tuch, um dann mit einem Schlenker einen kräftigen Stoß in die Flanke zu setzen. Ich habe mich leider nicht so richtig damit zurechtgefunden, weil mir die Verzögerung des Angriffs nicht gänzlich in meinen schnellen Spielstil gepasst hat.
Dazu gibt es noch zwei weitere Schilder sowie zwei Waffen, welche mit dem Tarnished Pack dazu kommen. Ähnlich wie beim Idus Sword bringen davon das Reverse-Bladed Sword, Reed Great Katana und Ritual Thrusting Shield drei Spielklassen früh verfügbar, die vorher nur im DLC zu ergattern waren. Hier habe ich vor allem vom Reverse-Bladed Sword großen Gebrauch gemacht, weil die Klasse der Rückhand-Schwerter in meinen Augen definitiv zu den stärksten Waffenklassen gehört.
Komplett neu hingegen sind die Skins, die wir für unser edles Ross Torrent finden können. Diese sind rein kosmetischer Natur, dürften also für viele Spieler eher Beiwerk sein. Ja, es ist ganz hübsch, wenn man auf einem Pferd der Night Cavalry durch die Lande streift. Aber ohne spielerische Neuerungen jeglicher Art können mich persönlich die Skins nicht überzeugen.

Auf die Perspektive kommt es an.
Wie bereits bei meiner Kritik zum DLC bin ich bei der Elden Ring Tarnished Edition hin- und hergerissen. Für mich als “Fanboy”-Gurke bietet die Version abgesehen vom Handheld-Upgrade nicht viele Neuigkeiten. Technisch ist das Spiel sauber und es ist schön, dass es jetzt eine komplette Edition aller Inhalte gibt. Noch schöner wäre es nur, wenn die Tarnished Edition nicht auf Game Key Card erschienen wäre, um auch alles physisch zu haben, aber so ist der Markt leider. Mit knapp 40 Gigabyte Spielgröße wäre es kein Ding der Unmöglichkeit gewesen.
Wer Elden Ring inklusive des DLC kennt, der wird mit der Tarnished Edition alleine als Beiwerk nicht glücklich. From Software behebt hier einen – zumindest in meinen Augen – großen Fehler: Wenn neue Waffenklassen im DLC eingeführt werden, gebt uns doch schwächere Versionen im Hauptspiel dazu! Dies fand jetzt zwei Jahre nach dem Release von Shadow of the Erdtree endlich statt und kostet 4,99€. Dieser Schachzug gefällt mir, gerade auch wegen des geringen Umfangs, gar nicht. Die Invasionen und auch Spielklassen sind ganz nette Ergänzungen, Torrent-Skins wirken überfällig nachgeliefert.
Es ist nicht frei von Schwächen, aber jede Reise hat ihre Schlaglöcher.
Aus Elden Ring (Eine Erlebnis-Review)
Empfehlen kann ich die Elden Ring Tarnished Edition vor allem für zwei verschiedene Käuferschichten. Diejenigen, die nur das Hauptspiel kennen und sich auf eine neue Reise in die Schattenlande begeben wollen. Und diejenigen, die noch gar keinen Blick auf das Spiel bisher geworfen haben. Gerade konsolentreue Spieler:innen oder Langschläfer bekommen mit der Elden Ring Tarnished Edition auf Nintendo Switch 2 eines der besten Spiele der letzten Jahre serviert. Oder eine der schlimmsten Erfahrungen in ihrem Gaming-Leben. Oder beides.
Am Ende ist Elden Ring ein Spiel, das die Geister scheidet. Manche kommen mit dem Soulslike-Prinzip an sich nicht überein. Manche wünschen sich mehr Dark Souls darin. Wieder andere weniger Sekiro. Und so weiter und so fort. Doch für alle Nintendo Switch 2-Besitzende, vor allem jene, die das Spiel bisher noch nicht gespielt haben, lohnt sich ein Blick. Ob Handheld oder im Dock, beide Spielweisen machen (mir) Spaß und technisch ist das Spiel solide portiert. Elden Ring ist ohne Zweifel eines der größten Spiele dieser Generation. Und mit der Tarnished Edition können sich nun weitere Gamer eine eigene Meinung bilden. Ich persönlich kann dies nur empfehlen.
In die Zwischenlande auf Nintendo Switch 2 zurückgekehrt. Ein herzlicher Dank geht an From Software und Bandai Namco für die Bereitstellung eines Mustercodes.