Fußball ist seit meiner Kindheit ein fester Bestandteil meines Lebens gewesen. Diese Leidenschaft hat sich aber in den letzten Jahren stark reduziert. Interesse an den sportlichen Ergebnissen ist weiterhin vorhanden, aber weitaus selektiver. Dem “modernen Fußball” im Allgemeinen und der FIFA im Speziellen sei Dank. Passend dazu ist auch die aktuelle Weltmeisterschaft in Nordamerika eher eine Randnotiz für mich. Stattdessen habe ich mich auf Copa City gestürzt und meine ganz eigenen Fußball-Events gestaltet. Über den Erfolg lässt sich mit Sicherheit streiten, zumindest mein Gewissen hat einen moralischen Sieg errungen. Aber wie will mir der Fußball in Copa City auch Gewissensbisse bereiten, wenn er im Grund keinen Fußball bieten mag?
Ohne Herz in der Hand oder Leidenschaft im Bein
Copa City weckte vor zwei Jahren mein Interesse, weil das Konzept einzigartig daherkommt. Denn anstatt einen Verein zu managen oder selber im Team oder einzeln gegen den Ball zu treten, übernehmen wir hier die Rolle eines Fanfest-Organisators. Denn natürlich sind Fans das wichtigste Gut, was der Fußball hat. Und niemand käme auf die Idee, diese durch zu hohe Ticketpreise oder verquere Anstoßzeiten zu gängeln, nicht wahr?
Aber okay, der moderne Fan des modernen Fußballs ist auch gänzlich anders als der Fan von vor zwanzig Jahren. Mit der WM 2006, so positiv meine Gefühle damals auch waren, hat nämlich auch der “Party-Fan” Einzug ins Stadion erhalten, der sich dem Thema eines Turniers oder Spiels dermaßen verschreibt, als würde er an Halloween eine Rolle einnehmen. Fußball als Event, aber nicht als Leidenschaft.
Und für genau diese Fans bin ich in Copa City zuständig. Im Kern der Management-Simulation steht die Zufriedenheit von drei unterschiedlichen Fangruppierungen: den Familien, den Ultras und den “Kernfans”. Ich möchte mich gar nicht groß darüber auslassen, dass ich alle drei Zuschreibungen (und deren Umsetzung) problematisch finde. Alleine dafür könnte ich wohl einen ganzen Artikel füllen. Als vorweggenommenes Fazit vielmehr: Fußballfans merken schnell, dass Copa City es nur auf einen gewissen Fanzirkel rund um ihre liebste Sportart absieht.
An Tagen wie diesen wünscht man sich Unterschiedlichkeit
Und was diese Fans am liebsten wollen, das sind voll ausgestattete Partyareale rund um das Stadion am Spieltag. Und selbstverständlich auch solche Areale direkt im Stadion. Denn wer will sich schon 90 Minuten mit verschwitzten Sportler*innen auf einem langweiligen grünen Rasen reinziehen? Unsere Möglichkeiten sind dabei sehr begrenzt, denn sowohl in den Städten (u.a. Berlin dabei – aber kein lizenzierter Verein aus der Stadt), als auch im Stadion gibt es nur festgelegte Flächen, in denen wir uns um die Belange der Fans kümmern sollen.
Dies geschieht durch Unterhaltungsangebote für Familien, mehr Sicherheitskräfte für Ultras (weil, wer sieht die nicht jedes Wochenende durch die Straßen marodieren?) und vor allem ganz viel Essen. Nicht zu vergessen Stromanlagen, denn nahezu alles braucht Strom ohne Ende. Und so puzzlen wir uns in einem Areal die einzelnen Elemente derart zusammen, dass die Wünsche der Fans erfüllt werden. Prinzipiell bleibt das Konzept hier in meinen Augen interessant, aber auch sehr oberflächlich.

Ich bin jetzt kein so großer Freund von Wirtschaftssimulationen, doch ganz speziell in dem Themenbereich hätte ich weitaus andere Vorstellungen gehabt. Denn als Fanorganisator möchte ich mich nicht bloß um Werbebanden oder die Verteilung der Fangruppen im Stadion kümmern. Oder dass genug Sushi und Tischkicker vorhanden sind. Gerade wenn es um größere Turnier-Events geht, gäbe es unzählige Möglichkeiten, um eine bessere FIFA als die FIFA zu spielen. Marketing, Infrastruktur, finanzielle Rahmenbedingungen rund um einzelne Spieltage sowie die direkte Ausrichtung vor Ort. Die sogenannten Fanmeilen sind sicherlich ein Teil davon…aber nur ein kleiner Teil, der in meinen Augen wenig mit Fußball direkt zu tun hat. Ich könnte hier auch Konzerte oder Vergnügungs-Märkte managen und es würde wenig Unterschied machen.
Zeit, dass sich nichts dreht
Was sich aber noch weitaus frustrierender gestaltete als das oberflächliche Konzept von Copa City, war die Spielbarkeit auf PlayStation 5. Es begann bei einfachen Tätigkeiten wie der Bewegung durch die Vogelperspektive über der Stadt, welche auch nach einigen Stunden nicht locker von der Hand ging. Ganz besonders das Zoomen war grausam und ich bekam selten genau die Perspektiven hin, welche ich wirklich für eine gute Übersicht brauche. Und die ist notwendig, schließlich muss ich doch wissen, wo die achtzig Stromgeneratoren stehen sollen, die meine Fressbuden betreiben.
Es führte anschließend weiter in ein furchtbar unübersichtliches Interface, an dem ich vielleicht gut sehen kann, wie zufrieden die Fans sind. Aber auch hier war die Navigation durch die einzelnen Menüpunkte in meinen Augen wenig auf Controller optimiert. Eventuell wäre es auf PC besser zu steuern, obwohl dies allerdings auch nicht das zusätzliche Problem fehlender Kontraste beheben würde. Es fiel mir sehr schwer zu erkennen, wo sich mein Cursor nun im Menü befand, um neue Attraktionen auszuwählen oder zu löschen. Und wenn dann noch zusätzliche Einblendungen vorkommen, wie in der Kampagne, geht alles flöten.
Die Kampagne dient mehr oder weniger als Tutorial und ich habe bereits im Vorfeld mitbekommen, dass in den Previews und Demoeindrücken der Aufbau dieser sehr – ich bin mal nett – spieler-unfreundlich gewesen schien. Aber hey, es geht ja um Fanzufriedenheit! Wir Spieler sind da egal! Da können sich weltumspannende Organisationen eine Scheibe abschneiden.
Fußball ist nicht Copa Citys Leben

Ganz besonders furchtbar fand ich persönlich im Tutorial die doppelte Einblendung von Texten der Charaktere. Unten wird der Dialog angezeigt, welcher per Voice Over auch zu hören ist. Zugegebenermaßen nett, genauso wie die gesamte Präsentation des Spiels. Gerade in der Stadtansicht macht Copa City etwas her, es passt halt auch, wenn lizenzierte Städte oder auch Vereinsmannschaften optisch die Welt mit Leben füllen. Lediglich die spartanische Kartenansicht ist eher funktional, dafür funktioniert hier die Navigation zwischen den einzelnen Punkten genauso wenig wie im Menü. Juhuu!
Aber ja, wenn in der Kampagne ein Dialog war, kann es vorkommen, dass dieser ein zweites Mal, dann mit einer großen Textbox im Zentrum des Bildschirms, erneut abgespielt wird. Ziemlich sicher sind das Überreste aus der Entwicklung, als man sich unterschiedliche Präsentationsformen überlegt hatte…und die irgendwie beide ihren Weg in Copa City gefunden haben? Unnötiger aufgebläht sind nur Turniere, an denen 48 Mannschaften teilnehmen und dann aufgrund kruder Regelungen nur eine Hand voll nach der Gruppenphase ausscheiden. Aber solange das Geld stimmt.
Und dies – da bin ich mir sicher – stimmt bei Copa City nicht. Ich bin normalerweise kein Fan davon, meine Bewertungen mit Hinweisen auf den Preis auszustatten. Aber bei knapp 40 Euro muss ich schon schlucken. Für wen ist Copa City? Freunde von Wirtschaftssimulationen mögen hier eventuell eine nette Sonderform ihres Lieblingsgenres erleben. Fußballfans wie mich, die mal in eine neue Spielidee reinschnuppern wollen? Die werden wohl schnell von der Oberflächlichkeit enttäuscht. Copa City nutzt seine Fußballthematik als Trikot, dass man sich überstreift, um halt irgendwie ein Teil des Fußballs zu sein, weil es jetzt eben was zum Feiern gibt. Aber die Emotionen, die Millionen von Fans auf der ganzen Welt mit dem Sport verbinden, kann das Spiel nicht transportieren.

Wenigstens die Fans auf PlayStation 5 glücklich gestellt. Ein herzlicher Dank geht an Triple Espresso für die Bereitstellung eines Mustercodes.