Rhythm Paradise Groove (Review)

Artwork zu Rhythm Paradise Groove

Pa Pi Pu Pe Po! … Pa Pi Pu Pe Po! … Ach, äh… Beachtet mich hier gar nicht. Ich üb hier nur ein bisschen vor mich hin. Ich muss hier nur genau im richtigen Timing durch den Reifen springen… ach, verdammt. Na gut! Bleibt bitte trotzdem da. Wenn schon mein Durchgang gescheitert ist, dann kann ich euch genauso gut ein klitzekleines bisschen was über Rhythm Paradise Groove erzählen. Denn im Hause Nintendo wurde wieder der Taktstock ausgegraben!

Get in the Groove!

Die einzelnen Minispiele stecken wieder voller Charakter und Humor – wir starten damit im richtigen Rhythmus durch den eingangs erwähnten Reifen zu springen, helfen einem Hund beim Frisbeefangen und sind auch bei einer Regenschirmchoreo eingeladen. Achja, und ein Dino muss auch noch jede Menge Herzchen futtern! All das klingt eigentlich schon nach einem ziemlich abendfüllendem Programm – aber jede Aufgabe selbst ist für sich genommen simpel. Vor allem auf dem Papier – denn da brauchen wir nur ein bis zwei Knöpfe pro Spiel. Und jede Sequenz ist auch nur wenige Minuten lang, ein kurzer Song eben, während wir passend zur Musik Knöpfchen drücken.

Screenshot zu Rhythm Paradise Groove
Das Abendessen schmeckt gleich besser, wenn wir die Zutaten im Rhythmus gefangen haben.

Man merkt – der Spieleinstieg könnte kaum einfacher sein, aber die tatsächliche Ausführung verlangt schon ein bisschen mehr. Während in den einzelnen Spielen der Rhythmus zunächst gleichbleibend locker beginnt, variiert er dann wieder ein bisschen, dass man sich nicht auf dem immer gleichen Takt ausruhen kann. Auch visuell passiert so einiges auf dem Bildschirm, Figuren wippen im Takt oder Gegenstände fliegen einfach nur auf unsren Charakter zu – ein guter Anker also, wenn man sich nicht nur auf sein Gehör verlassen kann und will. Das hilft aber auch nur zu Beginn eines Levels, denn das Geschehen ist keinesfalls statisch. Schnell schieben sich auch mal Objekte oder Zuschauer zwischen die Kamera und unseren Charakter, dass wir uns doch voll und ganz aufs Gehör verlassen müssen. Aber mit ein bisschen Übung klappt das wirklich gut! Und dass wir nach Auswahl eines Levels auch direkt immer ein kleines Tutorial vorgesetzt bekommen – das wir natürlich jederzeit überspringen können – hilft auch sehr, sich zwischen den einzelnen Einsätzen wieder an den anderen Beat zu gewöhnen bevor es ernst wird.

Kein Ende in Sicht!

Die vier Herausforderungen, die ich zunächst erwähnt habe, sind natürlich nur der Anfang. Haben wir diese vier geschafft, dann schaltet sich auch direkt der erste Remix frei. In diesem werden die ersten vier Minispiele durcheinandergewürfelt und wir müssen ein Medley bestreiten, in dem die Muster aus allen Vieren abgefragt werden. Persönlich fand ich die Remixe eigentlich immer etwas einfacher als die einzelnen Level für sich genommen. Ein musikalisches Highlight sind sie aber allemal! Überhaupt wiederholt sich hier der Aufbau nun mehrfach: vier weitere Minispiele und anschließend ein Remix, der sich aus genau diesen bedient. Rinse and Repeat. Bis schließlich nach Remix 6 die Credits rollen – die wir im Übrigen auch als einzelnes Level spielen können.

Dann ist aber das Musikabenteuer immer noch lange nicht vorbei! Direkt nach den Credits gesellt sich eine schwierigere Version von „Kolonne fahren“ dazu, einem Level bei dem wir rechtzeitig Gas geben und Bremsen müssen – natürlich immer passend zum Beat. Die Timings werden knapper, die Abfolgen komplizierter – und bei manchen dieser schwierigeren Level kommen auch neue Abfolgen hinzu, die sich erst ins Gedächtnis brennen müssen.

Screenshot zu Rhythm Paradise Groove
Mit diesen prächtigen Muskeln kann man doch einwandfrei Obst jonglieren!

Überhaupt sind um die 80 Einzelspieler-Level in Rhythm Paradise Groove zu finden – das ist schon eine ganze Menge! Diese setzen sich aus 30 nagelneuen Spielen zusammen, die es jeweils auch noch als schwierigere Version gibt. Die restlichen 20 sind Remixe, um dem ganzen noch ein bisschen Würze zu verleihen. Wer jetzt mitgezählt hat, der merkt vielleicht auch: nach den Credits warten also nicht nur schwierigere Versionen auf uns: auch ganz neue Spiele tauchen hier noch auf!

Hand in Hand

Was mich aber besonders bei Stange hält, ist dass ich besser werden will. Nach Abschluss eines Levels werden wir natürlich auch unserer Leistung entsprechend bewertet – aber keine Angst vor schlechten Zensuren! Ich habe das Gefühl, dass Groove etwas verzeihlicher ist als seine Vorgänger, dort musste ich wesentlich häufiger Abschnitte wiederholen. Aber vielleicht bin ich über die Jahre auch einfach ein bisschen besser geworden? Mh, nein. Ich glaube wirklich, dass es mich mit mehr Fehlern zur nächsten Stage durchwinkt. Allerdings reicht mir kein „gut“ oder „sehr gut“. Zumindest nicht auf Dauer. Medaillen sollten schon her und für die darf man sich wirklich nicht viele Schnitzer erlauben.

Aber auch da geht noch mehr. Regelmäßig wird nämlich unter allen Leveln, die man mit dieser Auszeichnung abgeschlossen hat eines ausgewählt, bei dem man die Chance erhält es auf Perfekt zu spielen. Schafft man es danach auch noch dreimal Perfekt hintereinander – wow, jetzt wird es langsam anstrengend! – hat man den Night-Mode für jenes Level freigeschaltet. Komplett ohne visuelle Reize. Nur ich und mein Gehör. Ach herrje. Den zu schaffen ist aber dann wirklich die höchste Auszeichnung, die man sich vorstellen kann! Da fehlt mir dann aber doch der Ehrgeiz. Aber so ein Perfekt, das ist ja wieder etwas anderes…

Warum das Ganze überhaupt so gut funktioniert? Weil die Musik absolut ins Ohr geht. Ein paar Stücke summe ich regelmäßig vor mich her, selbst wenn sie eigentlich so gar nicht meine Musikrichtung sind. Gerade das sorgt aber dafür, dass ich die einzelnen Rhythmen einfach so nebenher verinnerliche. Überhaupt ist die musikalische Bandbreite sehr groß, egal ob Rock, Elektro oder ruhigere Stücke – alles Mögliche ist dabei und führt uns durch die witzigen Szenarien. Dabei besteht der Soundtrack nicht aus lizenzierten Tracks, sondern wurde eigens für das Spiel von dem japanischen Produzenten Tsunku komponiert. Alles ist dabei wirklich ideal aufeinander abgestimmt, Musik und Gameplay geben sich die Hand und ergänzen sich perfekt.

Das Spiel im Spiel

Eigentlich lief bei mir bereits der Abspann, da dämmerte es mir: wurde in den Trailern nicht auch noch ein RPG versprochen? Etwas unscheinbar versteckt sich in der allerersten Reihe der Levelauswahl noch ein weiteres Icon, das uns zum Rollenspielabenteuer Beatspell bringt. Hier läuft stetig ein 4/4 Takt, auf dem wir unsere Eingaben timen können. Was wir genau machen können, das hängt von unserem aktuellen Kapitelstand ab. Am Anfang sind wir ausschließlich mit einem Angriffszauber ausgestattet – mit zwei gut getimten Knopfdrucken machen wir unseren Widersachern Feuer unter den Hintern. Später folgen noch Heilmöglichkeiten und andere Angriffsmöglichkeiten, alle mit einer unterschiedlichen Tastenfolge, die wir möglichst exakt treffen müssen.

Durch die freie Aktionswahl auf den bestehenden Takt, fühle ich mich sofort an Patapon erinnert. Besonders gutes Timing sorgt für einen kritischen Treffer, der deutlich mehr Durchschlagskraft hat. Unterteilt ist so ein Level in mehrere Abschnitte und nach jedem können wir einen Zauber nach Wahl aufleveln und somit dessen Werte verbessern. Am Ende wartet dann ein größerer Bosskampf auf uns!

Screenshot zu Rhythm Paradise Groove
Hey, hör auf dich zu wehren!

Was mich besonders überrascht hat, ist wie wahnsinnig umfangreich dieser Modus ist. Ich dachte zunächst, dass es um die vier Kapitel wären, da nur diese zu Beginn angezeigt werden, aber nein – hat man das vierte abgeschlossen, so zeigt sich, dass da noch mehr lauert. Allerdings muss alles nach dem Ersten auch explizit freigeschaltet werden, indem man genug Medaillen erwirtschaftet – also Einzelspielerlevel mit sehr wenigen Fehlern abschließt. Und hier steigen die Anforderungen sehr steil nach oben, dass ich wohl noch ein bisschen üben muss, bis ich mehr davon sehen kann. Und das will ich auf jeden Fall, denn dieser Modus macht richtig viel Spaß! Auch wenn ich ihn ganz schön schwierig finde.

Wir singen jetzt im Chor!

Bis hierhin habe ich eigentlich nur über den Singleplayercontent gesprochen. Und ja, ich bekenne mich schuldig: das ist auch der, der mir mit Abstand der Wichtigste ist. Nicht nur in Rhythm Paradise Groove, sondern eigentlich auch eher so grundsätzlich. Nichtsdestotrotz wurden natürlich fleißig Controller verteilt und wir haben uns gemeinsam dem Rhythmus hingegeben. Insgesamt zehn verschiedene Spiele warten hier von Anfang an auf uns, sechs bei denen wir miteinander ans Ziel gelangen müssen, vier bei denen wir untereinander beweisen wer von uns das beste Taktgefühl hat.

Und so spielen wir also gemeinsam Volleyball, pritschen den Ball zwischen uns hin und her, stoppen den Bartwuchs einer Zwiebel oder liefern intergalaktische Pakete aus. Im Großen und Ganzen ist hier der Ablauf sehr ähnlich wie beim Einzelspieler – abwechselnd sind die einzelnen Spieler an der Reihe, wobei jedes Mal der entsprechende Name angesagt wird – manchmal müssen aber auch alle gleichzeitig ihr Rhythmusgefühl unter Beweis stellen. Und am Schluss wird abgerechnet, wie gut man das Level geschafft hat. Es gibt eine Wertung für alle gemeinsam, ganz nach dem gleichen Prinzip wie im Einzelspieler. Ein erfolgreicher Abschluss schaltet direkt eine schwierigere Variante frei und anschließend dann noch eine, so dass jedes Level in 3 unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden angegangen werden kann, ganz abgestimmt auf die aktuelle Runde bei sich Zuhause.

Screenshot zu Rhythm Paradise Groove
Mit- und gegeneinander gegen den Beat!

Bei den kompetitiven Spielen läuft es eigentlich genauso ab, auch wenn ich diese im großen und ganzen nicht so gelungen empfand. Mit einer Ausnahme: das Memory-Spiel! Anstatt dass man hier Bilderpaare sucht, müssen hier Rhythmuspaare entdeckt werden. Am Anfang noch sehr einfach, mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad – und mehr Bildpaaren – wird das allerdings zunehmend herausfordernder und spaßiger.

Spitze! Du hast eine Medaille erhalten

Die gesamte Rhythm Paradise-Reihe lebt schon seit dem DS-Teil in meinem Herzen – Tengoku auf dem GBA wurde selbstverständlich später nachgeholt! – entsprechend groß war meine Vorfreude. Und das Warten hat sich gelohnt! Rhythm Paradise Groove ist von vorne bis hinten fantastisch, bietet Einzelspielern jede Menge Herausforderungen sowohl im klassischen Minispielmodus als auch im brandneuen RPG. Und für Mehrspieler kommen noch einige Spiele dazu, sowohl kompetitiv als auch kooperativ. Ich hab schlichtweg jede Sekunde genossen und werde wohl noch so manche Stunde in Zukunft versenken. Und wenn ihr auch nur ein klitzekleines bisschen Rhythmusgefühl habt – schaut es euch an! Und ich? Ich geh mal wieder üben. Pa Pi Pu Pe Po…

Auf der Nintendo Switch Dämonen zurückgeschlagen und rechtzeitig gebremst. Ein herzlicher Dank geht an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.