Auf dem Super Nintendo hat Nintendo mit The Legend of Zelda: A Link to the Past die im NES-Original noch etwas rohe Konzeption der Reihe zu einem runden Gesamtkonzept ausgearbeitet und die Grundlage für zwei Jahrzehnte an Action-Adventure-Klassikern gelegt. Da erscheint es zunächst etwas ungewöhnlich, dass der nächste Teil der Hauptreihe für den Game Boy entwickelt wurde, der mit einer ganzen Reihe technischen Einschränkungen daherkommt. Doch das Ergebnis kann sich allemal sehen lassen: The Legend of Zelda: Link’s Awakening ist wohl das beeindruckendste Spiel für den Schwarz-Weiß-Handheld.
Nach seinen Abenteuern in Hyrule hat sich Link auf eine lange Reise übers Meer begeben, doch hat er hier mit ganz anderen Gefahren zu kämpfen. Auf seinem kleinen Floß ist er nämlich Wind und Wetter ausgesetzt und gerät im Vorspann des Spiels in ein schweres Unwetter. Nachdem er Schiffsbruch erlitten hat, wird er, zum Glück noch lebendig, wenn auch ermattet, an den Strand von Koholint angespült. Marin, eine junge Dorfbewohnerin auf der Insel nimmt sich seiner an und peppelt ihn zusammen mit ihrem Onkel wieder auf. Kaum ist Link wieder auf den Beinen, begibt er sich daran, seinen Weg von der Insel zu suchen, legt sich dabei mit allerlei dunklen Gestalten auf der Insel an und muss insbesondere den mystischen Windfisch erwecken.

Die Suche nach den hierzu notwendigen Instrumenten strukturiert das gesamte Spiel, denn jedes der acht Instrument verbirgt sich in einem der Dungeons der Insel und nur ein vollständiges Ensemble kann den Windfisch aus seinen Träumen erwecken. Die Dungeons haben eine festgelegte Reihenfolge und eine freundliche Eule hilft Link dabei, sich zu orientieren und den jeweils nächsten Dungeon zu finden. Man kann zwar teilweise ein wenig von dem vorgesehenen Hauptpfad abweichen, da man die Fähigkeiten, die man in den vorherigen Dungeons findet, im jeweils nachfolgenden Dungeon zwingend benötigt, ist ein vollständiges Abweichen von der vorgesehenen Reihenfolge nicht möglich. Im Gegenzug ist Link’s Awakening sehr dicht gebaut und hat eine sehr durchdachte Schwierigkeitskurve.
Link’s Awakening ist auf dem Game Boy und auch in der DX-Version für den Game Boy Color strikt bildschirmweise aufgebaut, das heißt sowohl die Oberwelt als auch die Dungeons sind als ein Feld von bildschirmgroßen Räumen zu verstehen. In dem Nintendo Switch-Remake wird hiervon abgewichen, aber das werden wir in einem separaten Kurzreview besprechen. Die Weltkarte von Link’s Awakening schafft es hervorragend, einen Eindruck von Größe zu vermitteln, ohne dabei lange Laufwege oder Redundanzen zu schaffen. Hierzu trägt bei, dass das Spiel eine Reihe sehr distinkter Gebiete bietet, die sinnvoll in die Welt eingepasst wurden und jeweils mit markanten Unterschieden und Besonderheiten daherkommen. Die Strukturierung über Einzelbildschirme trägt stark dazu bei, dass jeder einzelne Bildschirm im Spiel maßvoll geplant und durchdacht ist.

Vor jedem Dungeon muss man in der Oberwelt eine vorbereitende Aufgabe erledigen, die meistens das Item aus dem vorherigen Dungeon voraussetzt oder jedenfalls drastisch begünstigt, wenn man das Item sein Eigen nennt. Oftmals muss man einen Schlüssel finden, der den Zugang zum Dungeon ermöglicht, in manchen Fällen ist der Zugang aber auch auf andere Weise versperrt. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Tauschaufgabe, die im Gegensatz zu beispielsweise dem Nachfolger Ocarina of Time eng mit der Hauptquest verknüpft ist. An mehreren Stellen im Spiel muss man die Tauschquest bis zu einem bestimmten Punkt vorangebracht haben, um den Zugang zum nächsten Dungeon zu erlangen. Im Wesentlichen dient diese Tauschsequenz aber dazu, dass man sich mit den skurrilen Bewohnern der Insel vertraut macht, denn natürlich muss man für einen erfolgreichen Tausch wissen, was die jeweiligen Charaktere begehren.
Neben den Zugängen zu den Dungeons gibt es aber natürlich auch noch eine ganze Reihe optionaler Nebenaufgaben in der Oberwelt zu finden. So gibt es beispielsweise insgesamt 12 Herzteile zu finden, die insgesamt drei zusätzliche Herzcontainer ergeben, es gibt Muscheln zu sammeln, die gegen wertvolle Belohnungen eingetauscht werden können, Tragekapazitäten können an gut versteckten Orten erhöht werden oder auch ein optionales hilfreiches Item, der Bumerang, gefunden werden. Ein offenes Auge und Neugierde werden also belohnt

Die acht Dungeons im Spiel sind sehr sorgsam designt und haben eine gut durchdachte Schwierigkeitskurve. Zu Beginn bieten die Dungeons im Grunde nur einfache Schiebe- oder Schalterrätsel, sowie eine Hand voll Kampfräume, in denen man alle Gegner abräumen muss, doch in der zweiten Spielhälfte zieht die Komplexität der Dungeons merklich an. Besonders der siebte Dungeon, in dem man einen Turm zu Fall bringen muss und der durch komplizierte Treppen-Verbindungen etwas unübersichtliche achte Dungeon stellen Orientierungssinn, räumliches Denken und Rätselgeschick auf die Probe. In der farbigen Neuauflage für den Game Boy Color, The Legend of Zelda: Link’s Awakening DX gibt es zudem einen optionalen Farbdungeon, der einige auf Farben basierende Rätsel bietet. Wer Kuriositäten mag, der kann übrigens auf dem Game Boy Color im Farbdungeon abspeichern und dann auf einem monochromen Game Boy weiterspielen – ohnedies ist der Farbdungeon aber auch in der DX-Fassung auf dem alten Game Boy – sinnvollerweise – unzugänglich.
Technisch ist Link’s Awakening auf dem Game Boy echt beeindruckend, wenngleich die technischen Beschränkungen durch das bildschirmweise Design und gelegentliche Framerate-Einbrüche – Verbunden mit einem Slowdown des gesamten Spiels – offensichtlich werden. Die Sprites sind ausdrucksvoll und mit viel Liebe zum Detail designt und die verschiedenen Gebiete des Spiels wirken selbst auf dem klassischen Game Boy sehr individuell, ohne an Übersichtlichkeit einzubüßen. Auch die Musik ist nutzt die Hardware hervorragend und enthält zahlreiche sehr eingängige Stücke. Auf dem Game Boy Color behebt die DX-Version die gelegentlichen Framerate-Probleme des Originals und färbt die Originalgrafik gelungen ein, hebt sich sonst aber nur durch den Farbdungeon und eine neue, etwas zahmere Übersetzung vom Original ab.

The Legend of Zelda: Link’s Awakening ist meines Erachtens das beste Game Boy-Spiel und auch eines der besten Zelda-Spiele. Der etwas krude Humor des Spiels und die ungewohnt emotionale Geschichte ergänzen ein meisterhaftes Spiel- und Leveldesign zu einem Pflichttitel für alle Action-Adventure-Freunde. Auch wenn das Remake für die Nintendo Switch das Spiel in vielen Punkten verbessert, hat das Original, respektive dessen Farbfassung, auf Grund der hervorragenden Nutzung der Hardware, weiterhin einen besonderen Stellenwert.

Getestet auf Game Boy, Game Boy Color und Nintendo 3DS.