Birushana: Winds of Fate (Review)

Artwork Birushana: Winds of Fate

Fandiscs sind eine beliebte Methode, Fans einer Visual Novel neuen Content mit beliebten Charakteren anzubieten. Im Falle der Otome-Visual-Novel Birushana: Winds of Fate gibt es diese in Form von Epilogen und neuen Hauptrouten zu Birushana: Rising Flower of Genpei. Dabei greifen Fandiscs weitgehend auf vorhandene Sprites, Hintergründe und Musik zurück und bringen im Gegensatz zu üblichen Fortsetzungen zumeist keinen neuen Hauptkonflikt mit.

Da es sich um Bonusszenarien handelt und keine großen Enthüllungen folgen, gibt es hier keine Empfehlung bezüglich der Routenreihenfolge. Sowohl die Epiloge als auch die neuen alternativen Routen lassen sich vollständig unabhängig voneinander spielen und sind von Anfang an frei auswählbar. Lediglich ist empfehlenswert, Rising Flower of Genpei bereits zu kennen, da die Epiloge darauf aufbauen und die neuen Routen bekannte Ereignisse verkürzt darstellen.

Wieder vorhanden sind Rückspul-, Vorspul- und Skipfunktion sowie das Wörterbuch, in dem sich sogar neue Begriffe finden. Shanaos Name lässt sich anpassen, ihr kleiner seitlicher Sprite ausschalten und sie ist weiterhin unvertont. Die Lokalisierung ist diesmal beinahe fehlerfrei.

Auch die vielen Rückenansichten finden sich in Winds of Fate wieder, die insbesondere die Kampfszenen zusätzlich zur Klanguntermalung sehr lebendig gestalten.

Als kleinen Bonus gibt es in der CG-Galerie ein zusätzliches Outfit für jeden Love Interest, die in der Geschichte nicht auftauchen. Über manche habe ich sehr doll gelacht.

Opening- und Ending-Themes sind neu, ebenso wie die vielen GC, die Shanao mit ihrem jeweiligen Love Interest zeigen und Szenen gekonnt unterstreichen.

Vorgeschichte

Im Machtkampf zwischen zwei japanischen Clans um die Kontrolle am Hofe unterliegen die Genji den Heike. Die Genji werden beinahe ausgelöscht, aber unter den Überlebenden sind der ins Exil geschickte Yoritomo sowie Shanao, jüngstes Mitglied der Familie.

Die nächsten fünfzehn Jahre wird Shanao im Kloster erzogen, um als Erbe einmal den Wiederaufstieg der Genji zu ermöglichen. Um diese wichtige Rolle auszufüllen, muss Shanao jedoch die eigene Identität verborgen halten.

Denn Shanao ist eine Frau. Und wüssten das alle, würde ihr niemals erlaubt werden, als Samurai in Schlachten zu ziehen.

Als Fandisc zu Rising Flower of Genpei interpretiert auch Birushana: Winds of Fate den historischen Genpei-Krieg mit weiblicher Shanao und Fantasy-Elementen neu.

Epiloge

Mit den Epilogen knüpft Winds of Fate an die fünf Hauptrouten in Rising Flower of Genpei an. Jeder Epilog dauert bei automatischem Textvorlauf 3-4 Stunden und es gibt keine Entscheidungen zu treffen.

Dabei ist nicht alles konfliktfrei und glücklich, auch wenn Shanao und ihr Love Interest zusammengefunden haben. Abhängig von der Ausgangssituation stecken die Liebenden in verschiedenen äußeren Konflikten, die sich aus den voranliegenden Geschehnissen schlüssig ergeben. 

Tomomori: "Well, well, well ... It seems a beautiful little flower fairy has found her way into my garden!"

Auch zwischen den Liebenden entwickeln sich kleinere Konflikte. Diese ließen sich in vielen Fällen zwar einfach beheben, würden die beiden offen miteinander sprechen, aber es ist zumeist nachvollziehbar, warum jemand nichts sagt. Zudem mag ich bei Noritsune und Shungen die Auflösung sehr.

Außerdem sind die Epiloge weitgehend sehr fluffig und weniger ernst als die Hauptrouten. Es macht viel Spaß, mehr Zeit mit den bekannten Charakteren verbringen zu dürfen, gerade auch in friedlichen Kontexten mit Zeit für sich. (Immerhin wird ja auch etwas Fanservice erwartet.)

Und Zeit für sich finden die Pärchen in Winds of Fate. Viel Zeit für den neuen gemeinsamen Alltag, aber auch für Küsse und Intimitäten. Für mich waren im direkt aufeinanderfolgenden Lesen ein paar Zungen zu viel involviert, aber ansonsten sind alle Szenen schön be- oder umschrieben. 

Auch in seinem Epilog hat Benkei ein wenig das Nachsehen, sobald weitere Charaktere sich sehr amüsant einmischen, aber in geringerem Maße als noch in seiner Hauptroute. Shungens Epilog dagegen hat leichte Schwächen, weil viele neue Charaktere wichtige Rollen spielen, aber komplett ohne Sprites auskommen müssen.

Im Vorfeld war ich sehr auf Noritsune gespannt, da mir die Rivalendynamik zwischen ihm und Shanao im Hauptspiel besonders gut gefallen hat. Und ich wurde nicht eine Sekunde lang enttäuscht.

Insgesamt habe ich sehr viel gelacht und mich sehr darüber gefreut, mehr von den Charakteren zu sehen. Also bin ich trotz kleinerer Schwächen sehr zufrieden mit den Epilogen.

Was wäre, wenn …?

Die zweite Hälfte von Birushana: Winds of Fate umfasst neue alternative Hauptrouten. Diese dauern mit automatischem Textvorlauf etwa 5-6 Stunden und hier gilt es, Entscheidungen zu treffen. Anders als in Rising Flower of Genpei, ist das Entscheidungssystem ein wenig vereinfacht. Antworten erhöhen lediglich den Beziehungswert oder eben nicht, während zusätzliche Charaktereigenschaften von Shanao nicht mehr beeinflusst werden.

Diese Routen beruhen auf den Alternativszenarien im Hauptspiel. Eine kurze Einführung sortiert die Route in die jeweilige Hauptroute von dort ein. Das beeinflusst beispielsweise, wer Shanaos Geheimnis kennt oder ob Shanao Yoritomo vor ihrem Aufenthalt in Hiraizumi getroffen hat. Die ursprüngliche gemeinsame Route wird dabei stark verkürzt und im Verlauf auch weitere Geschehnisse, weshalb es auch hier vorteilhaft ist, nicht ganz neu einzusteigen.

Zwischen den Alternativszenarien und den ausgearbeiteten Routen gibt es einige Parallelen, aber immer wieder auch deutlich andere Umsetzungen. So fühlt es sich keinen Moment an, als würde ich dieselbe Geschichte in zwei unterschiedlich langen Fassungen lesen.

Jede der neuen Routen hat zwei Enden. Ein Ende mit Tragischer Liebe, das sehr düster sein kann, und eines mit Wahrer Liebe, das sehr positiv ist, aber auch nicht ganz perfekt. 

Shigehira Taira

Der jüngere Bruder von Tomomori und als Heike auf Feindesseite. Shigehira schaut sehr zu seinem Bruder auf und macht von ihm auch die Entscheidung abhängig, ob er sich an einer Schlacht beteiligt. Und das, obwohl ihm das Blutvergießen während der Kämpfe Spaß macht. In Rising Flower of Genpei ist seine Rolle zumeist sehr klein, aber in Winds of Fate hat er umso mehr Gelegenheit, zu glänzen. Da er unbedingt wissen möchte, warum Tomomori so stark auf Shanao fixiert ist, sucht er in Hiraizumi nach ihr. Als verwöhntes reiches Kind sorgt er bei Shanao und ihren Freunden für einige Reibereien.

Shigehira macht große charakterliche Entwicklungen durch. Es macht sehr viel Spaß, ihn dabei zu begleiten, wie er wächst und lernt. Und was das letztlich für Auswirkungen hat. 

Er ist unfassbar niedlich und es gibt viele flauschige Szenen zwischen ihm und Shanao. Gleichzeitig sorgt sein Wandel auch für große, emotionale Momente, in denen sie weniger im Fokus steht.

Allerdings werden bei seinem guten Ende auch etwas zu viele offene Fäden fallen gelassen. In Bezug auf die Beziehung ist es gut gelungen, aber ein Aspekt wird zu stark thematisiert, als dass die beiden komplett ohne Auflösung weitermachen sollten. Und ein anderer würde bei anderen sofort Fragen aufwerfen.

Aber insgesamt habe ich Shigehira hier sehr liebgewonnen.

CG in Birushana: Winds of Fate. Shigehira und Shanao sitzen auf dem Boden, er hält ihre Hand fest und schaut sie an, während sie wütend zurückstarrt.
Tsugunobu Sato

Der ältere der Sato-Brüder und der ruhigere und ernsthaftere. Weist seinen Bruder und alle anderen zurecht, wenn die wieder einmal unbedingt Zeit mit dem beliebten Lord Shanao verbringen wollen. Natürlich nur, um bei den Wünschen selbst das letzte Wort zu haben. Er kann aber auch sehr raffiniert sein.

Während seiner Route versucht Shanao, eine Verbindung zu ihrem eigenen Bruder zu finden. Entsprechend bietet das auch einen Anknüpfungspunkt für Gespräche mit Tsugunobu, der selbst einen Bruder hat. Er kümmert sich auch fürsorglich um Shanao, im Verlauf wird die Beziehung durch unterschiedliche Rollen jedoch komplizierter.

Innerhalb seiner eigenen Route ist Tsugunobu sehr ernst. Wahrscheinlich liegt es daran, dass sein Verhalten gegenüber Shanao, nachdem er ihr Geheimnis kennt, so schmerzt. Im Grunde macht er nicht so viel anders als die anderen, aber bei ihm hat das weniger Lockerheit.

Es ist aber auch rührend, wie sehr er sich um Shanao sorgt und wie hier besonders greifbar wird, wie sehr sie sich wiederum auf ihn verlässt.

So tragisch es auch ist, sein tragisches Ende gefällt mir besonders gut.

Tadanobu Sato

Der jüngere Sato-Bruder. Lauter und ungestümer als Tsugunobu, ist er begeisterter von Übungskämpfen als von Strategiebüchern. Er verguckt sich auch schnell in Mädchen, bekommt dann keinen klaren Satz mehr heraus und ist zu Tode betrübt, wenn er einen Korb bekommt. 

Überraschend weicht Tadanobus Route deutlich vom üblichen Rahmenschema mit den wichtigen Schlachten ab. Hier erhalte ich ein paar tiefere Einblicke in Geschehnisse und Personen, die zuvor eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Die Konflikte sind daher lange Zeit losgelöst vom Krieg und wirken weniger lebensbedrohlich.

Der sehr, sehr aberne Moment, in dem Tadanobu erkennt, dass Shanao kein Mann ist, passt gut in die Grundstimmung der gesamten Route. Ich mag aber auch die ruhigeren Momente, in denen die beiden für ein neues Ziel zusammenarbeiten.

Ich mochte Tadanobu schon in Rising Flower of Genpei und bin jetzt glücklich über eine ganze Route mit ihm.

Tadanobu: "She was so cute and sweet ... but she said she likes smart, skinny boys - not big, strong, manly men like me ..."
Takatsuna Sasaki

Sein Vater diente einst dem Vater von Yoritomo und Shanao, nun dient er Yoritomo. Er ist etwas jünger als Shanao, aber bereits ein verlässlicher Vassal.

Ihr erstes Treffen ist alles andere als freundschaftlich und zeigt einen sehr ernsthaften Takatsuna, der sich deutlich von seiner sonst übersprudelnd fröhlichen Art unterscheidet. Daher braucht Shanao ein wenig Zeit, um sich für ihn zu erwärmen, auch wenn es hilft, dass sie beide ihren Bruder sehr wertschätzen. Der Kontrast ist auch durch den ersten Überraschungsmoment überzeugend umgesetzt.

Auch hier wird die Rahmenhandlung etwas aufgebrochen, wenn auch in geringerem Umfang als bei Tadanobu. Das ermöglicht den beiden, mehr Zeit miteinander zu verbringen. Die politischen Verwicklungen stehen hier etwas mehr im Vordergrund, was auch zu einem sehr dramatischen Moment führt. Auch wenn die Romanze zwischen Takatsuna und Shanao sich eher gemäßigt entwickelt, wird sie auch geradezu herzzerreißend.

Fazit

Birushana: Winds of Fate ist eine sehr gelungene Fandisc zu Birushana: Rising Flower of Genpei. Die Stimmung ist allgemein etwas lockerer mit mehr Raum für alberne Momente, wodurch kritischere Momente wie fehlende Kommunikation nicht schwer wiegen. Die Epiloge bieten mit ihren einfachen Konflikten einen guten Rahmen für die flauschigen Momente und Alltagserlebnisse. Die alternativen Routen sind insgesamt etwas ernster und bieten mehr Kämpfe, aber auch viele humorvolle Szenen. Meine Favoriten Noritsune und Tadanobu konnten mich wieder begeistern und jetzt hat sich auch Shigehira zu ihnen gesellt. Mit der kleinen Einschränkung, dass Vorkenntnisse sehr empfehlenswert sind, ist Winds of Fate sehr lohnenswert.

Herzlichen Dank an Idea Factory International für die Bereitstellung des Testmusters. (Erneut) Verliebt auf Nintendo Switch 2 via Abwärtskompatibilität.