Wir brauchen mehr Piratenspiele! Das galt vor allem damals, 2013, als wir in Assassin’s Creed IV: Black Flag die schwarzen Segel setzen konnten, und das gilt auch 2026 noch immer. Auch wenn man inzwischen zumindest ein bisschen mehr Auswahl unter den Freibeuter-Titeln hat, ist es weiterhin kein allzu häufig verwendetes Setting. Aber gut – als alte Seebären können wir auch ein bekanntes Abenteuer in neuen Gewändern bestreiten. Assassin’s Creed Black Flag Resynced fügt einen Namenszusatz hinzu (und verliert seine Zahl) und bietet wieder ein sehr lohnenswertes Abenteuer!
What should we do with a drunken sailor?
Wir werden direkt auf die hohe See geworfen, 1715 irgendwo kurz vor der Küste Kubas. Edward Kenway, seines Zeichens Pirat, ist in einer brenzligen Situation: sein Schiff wird versenkt, er selbst entkommt nur knapp und schwimmt zum Ufer. Dort angekommen stößt er auf einen weiteren Überlebenden, Duncan Walpole. Dieser feuert seine Pistole auf ihn und verschwindet anschließend im Dschungel. Edward nimmt die Verfolgung auf und stellt ihn schließlich und tötet ihn. Seine Besitztümer sprechen jedoch von einer hohen Belohnung, die auf Walpole in Havanna wartet. Also schnappt sich Edward alles, was dieser bei sich trägt, schlüpft in dessen Assassinengewand und macht sich auf, um die Beute einzusacken. Dadurch stolpert er aber auch in einen weitaus größeren Konflikt, von dem er die Bedeutung noch lange nicht greifen kann. Man merkt schnell, dass Edward wirklich eher Pirat als Assassine ist – er wächst jedoch nach und nach besser in die Rolle hinein.

Ich will auch inhaltlich gar nicht allzu viel erzählen. Weder will ich zu viel vorweg nehmen, noch diejenigen, die das Original bereits kennen langweilen. Wirklich geändert hat sich an der Stelle auch nicht viel – außer, dass die Gegenwartsgeschichte in Abstergo Industries der Schere zum Opfer gefallen ist. Stattdessen gibt es neue Sequenzen, die sich mehr der Metaebene des Animus befassen ohne dass wir diesen verlassen müssen. In meinen Augen eine willkommene Anpassung, da der Fokus so noch einmal stärker auf dem Piratenabenteuer liegt und die Rahmenhandlung im Original nicht zu den von mir geschätzten Stärken gehört.
Alle Mann an Deck, Leinen los!
Es dauert nicht lange, bis wir schließlich als Kapitän der Jackdaw immer der Nase nachsegeln können. Und während sich die Welt schließlich in ihrer ganzen Pracht öffnet, merken wir schnell, dass die Karibik der größte Star in Black Flag ist. Auch nach 13 Jahren ist es noch ein wahnsinnig tolles Gefühl über die Meere zu segeln, nach Lust und Laune spanische Handelsschiffe und Briggs zu versenken. Oder doch lieber zu entern? Dann springt zumindest deutlich mehr Fracht heraus, die wir lieber verschachern könnten. Natürlich nur, um anschließend mit der Ausbeute das eigene Schiff deutlich zu verstärken. Mehr Panzerung. Mehr Feuerkraft. Und plötzlich wirkt so ein Kriegsschiff gar nicht mehr so bedrohlich.
Dass ich ja (leider?) stark dazu neige alles Mögliche zu sammeln, was man so sammeln kann, ist kein Geheimnis. Black Flag Resynced spielt mir dabei auch wieder voll in die Karten: Auf jeder Insel und in den Städten gibt es viele Geheimnisse zu entdecken und Nebenaktivitäten, die unsere Aufmerksamkeit verlangen. Klassische Aussichtspunkte, die die Karte aufdecken, viele Truhen mit ein paar neuen Waffen mit besseren Werten, und Sammelgegenstände, die wir unter anderem auf der Jackdaw ausstellen können sind nur ein paar Möglichkeiten, die in der Welt auf uns warten.
Ich liebe ja immer noch die Shantys, denen wir hinterherjagen müssen. Vor allem, da diese dann von unserer Crew aus voller Kehle geschmettert werden. Genau das sind diese Momente, die Black Flag so stark machen. Die Aufgaben selbst sind in vielen Fällen mehr ein Abklappern der Karte und für sich stehend gar nicht so interessant. Richtig lohnend sind diese oftmals allerdings nur, wenn man seinen Spaß aus dem Durchstreifen der Karibik zieht.

Gerade für diesen Spielertyp bietet Black Flag Resynced aber noch mehr als das Original: während damals das Tauchen noch auf feste Punkte beschränkt war, kann man nun überall über Bord gehen und sich in die Tiefen begeben um nach Schätzen zu tauchen. Die Tauchglocke und damit verbundenen etwas größeren Schiffswracks bleiben weiterhin bestehen – aber es wirkt schon organischer und lässt die gesamte Welt glaubwürdiger wirken, wenn man in Küstennähe sich auch so etwas mehr am Grund umsehen kann.
Es fällt schon etwas auf, dass ich bis hierhin fast nur über das Segeln, die Piraterie und das Sammeln von Zeug geredet habe. Was aber ist mit dem typischen Assassin’s-Creed-Spielgefühl? Nun, gerade da merkt man sehr stark, aus welcher Zeit Black Flag ursprünglich stammt. Der Parkour funktioniert weiterhin, steht aber deutlich weniger im Mittelpunkt als in früheren Teilen. Die Karibik lädt eher dazu ein, von Insel zu Insel zu segeln, als über Dächer zu flitzen. Das passt zwar zu Edward und seinem Piratenleben, zeigt aber auch, dass Black Flag schon damals eher ein Piratenspiel mit Assassin’s-Creed-Elementen war. Ob das gut oder schlecht ist, muss dabei aber jede:r für sich beantworten. Ich für meinen Teil sagte ja schon zu Beginn, dass ich das Piratenleben in virtueller Form begrüße.
Alter Rum in neuen Fässern?
Ubisoft hat sich beim Remake allerdings nicht nur darauf ausgeruht das Ganze einfach nur aufzuhübschen. Obwohl – und auch da muss ich ganz klar sagen – ihnen das wirklich gelungen ist! Denn selbst auf meiner allmählich in die Jahre gekommenen Hardware ist die Karibik wunderschön und läuft butterweich. Auch auf dem Steam Deck macht Edward eine gute Figur. Allerdings saugt Black Flag so massiv den Akku leer und hitzt das Steam Deck auf, dass ich auf dieser Hardware nur bedingt eine Empfehlung aussprechen kann. Aber eigentlich wollte ich gar nicht über die Technik reden. Viel lieber darüber, was Ubisoft denn sonst noch so hinzugefügt hat.
Das Erste, was mir aufgefallen ist, ist dass sich das Kampfsystem deutlich anders anfühlt. Dieses hat einen deutlichen Anstrich verpasst bekommen und fühlt sich nicht mehr ganz so hölzern wie im Original an. Insbesondere wird nun deutlich mehr auf das richtige Timing und Reaktion gesetzt. Das simple Kontern und Abwarten, mit dem in früheren Teilen ganze Gegnerhorden gar kein Problem waren, ist nun Geschichte. Ein bisschen schade, dass die versteckten Klingen weiter in den Hintergrund wandern und keine große Rolle spielen – außer natürlich wenn wir aus dem Schatten heraus agieren.
Ich hab da eine bessere Idee…
Gleichzeitig wurde auch das Missionsdesign angepasst. Ich erinnere mich noch gut an die optionalen Ziele, die mit jeder Hauptmission einhergingen. Auf keinen Fall entdeckt zu werden, oder Gegner unbedingt mit einer bestimmten Attentatsart zu erledigen? Kein Problem! Diese Ziele haben es beispielsweise nicht ins Remake geschafft. Überhaupt wurden aber auch die (Haupt-)Missionen etwas überarbeitet. Die ungeliebten „bloß nicht entdeckt werden“-Missionen während man zwei Leuten beim Gespräch belauscht wurden deutlich angepasst, selbst wenn man mitten hineinplatzt ist die Mission nicht gescheitert. Es gibt eigentlich immer einen Plan B. Passt mir auch etwas besser zum impulsgetriebenen Edward Kenway.

Auf Edwards Reisen gibt es nun ein paar Missionen mehr, denen er sich stellen kann. Drei neue Offiziere warten darauf rekrutiert zu werden, die auch deutliche Auswirkungen auf unser Schiffsgameplay haben. Zumindest sobald wir sie im Team haben. Selbstverständlich müssen wir uns aber erst einmal das Vertrauen verdienen. Haben wir sie aber schließlich im Team, dann erlangen wir mächtige Zusatzfähigkeiten, die in einem feurigen Seegefecht durchaus den Unterschied machen können. Insbesondere wurde aber auch das Endgame erweitert und ein paar Ausflüge mit alten Bekannten hinzugefügt. Immer schön, wenn auch Veteranen noch genug Anreize bekommen sich das Remake auch wirklich näher anzusehen.
Schatz gehoben?
13 Jahre später hat Assassin’s Creed Black Flag Resynced absolut nichts von seinem Charme eingebüßt und kommt für mich genau zur richtigen Zeit. Schon eine ganze Weile juckte es mich in den Fingern, wieder mit Edward Kenway eine Flotte aufzubauen und einfach der Nase nach die Karibik zu erkunden, Schiffe zu entern und nach Unterwasserschätzen zu tauchen. Die neuen Offiziere und Missionen fügen sich einwandfrei in das bekannte Gewand ein und bringen neben den vielen eingestreuten Anpassungen frischen Wind in die schwarzen Segel. Für mich hat sich der erneute Karibiktrip mit Edward Kenway verdammt gelohnt!

Auf dem PC und dem SteamDeck die sieben Weltmeere unsicher gemacht. Ein herzlicher Dank geht an Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.
So kurz am Rande will ich die Kooperation von Saltatio Mortis, Visions Of Atlantis und Assassin’s Creed nicht unerwähnt lassen. Passend zum Release von Assassin’s Creed Resynced veröffentlichten die Bands den neuen Song Reckless Sailor, bei dem Alea in die Rolle vom freibeuterischen Assassinen schlüpft. Leider nicht im Spiel selbst zu finden – das wäre noch das I-Tüpfelchen gewesen. Aber da haben wir ja schließlich immer noch Drunken Sailor.