Wenn ihr die letzten Jahre hier im Gaming Village meine Texte verfolgt habt, dürften euch gewisse Muster auffallen. Narrative – klar, wahrscheinlich die offensichtlichste Sache. Auch frische Gameplay-Ideen bzw. -Kombinationen liebe ich sehr. Deswegen habe ich auch dieses Jahr fast nur Roguelites für euch getestet. Übertrieben gesprochen. Was mir aber auch sehr gut gefällt, ist Gameplay und Narrative verwoben in eine Welt, die mir so viele Geheimnisse ohne Ende bietet. Und da ist es dann egal, ob ich meine eigenen Grenzen überwinden will (Elden Ring). Oder mich die geheimnisvolle Historie der Welt begeistert (Outer Wilds). Und von den zahlreichen Ego-Adventures ganz zu schweigen.
Es dürfte euch also wahrscheinlich leicht fallen, dass mich Hypnos von den Redlock Studios auf den ersten Blick sofort angesprochen hat. Dessen spiritueller Vorgänger war schon länger auf meinem erweiterten Radar, aber es kam bisher noch nie dazu, einen Schritt in das unheimliche Labyrinth von Blackshard zu wagen. Stattdessen habe ich jetzt einen Ausflug in die Early Access-Phase von Hypnos unternommen. Und ein wenig ist der Name Programm gewesen.
Pilgerfahrt
Wir schlüpfen in Hypnos in die Haut von Choron. Er wird geplagt von Gewissensbissen aufgrund einer düsteren Vergangenheit und leidet darum an Albträumen. In diesen taucht ein gesichtsloser Junge namens Matthew auf und wir sind uns sicher, dass er sich auf Pilgerreise durch die Stadt ohne Namen befindet. Also suchen wir den Knaben und folgen seinen Spuren durch die zerklüftete Mega-Architektur, in deren verwinkelten Gassen, Höhlen und Tempeln zahlreiche Geheimnisse auf uns warten.
In den ersten Stunden meiner Reise kam ich aus dem Staunen kaum heraus. Das Leveldesign von Hypnos, allen voran die Ästhetik, ist atemberaubend. Ich empfehle euch, dass ihr euch – wenn ich euch das Spiel hier schmackhaft machen sollte – Hypnos auf einem großen Bildschirm gebt. Aus einem engen Tunnel plötzlich in ein gewaltiges Panorama zu treten ist ein Anblick, für den ich fast jedes Spiel feiere, sobald das passiert.

Um bei den eingangs erwähnten Beispielen zu bleiben: Die Aufzugfahrt zum Fluss Siofra oder der erste Blick auf das Innere von Brittle Hollow sind solche Momente. Und Hypnos schafft dies sehr oft in kleinerem oder größerem Maßstab. Wenn es rein um die Architektur und Bilderpracht geht, ist Hypnos bereits jetzt im Early Access richtig stark.
Wenn das Wörtchen “wenn” nicht wäre…
Wenn da nicht der gesamte Rest von Hypnos wäre. Das klingt jetzt wahrscheinlich harsch, aber selten habe ich mich während meiner Spielstunden so zerrissen gefühlt. Wandern durch die namenlose Stadt ist toll…aber auch sehr zäh und öde einerseits, aber zuweilen auch recht “sinnlos” – zumindest bisher.
Immer wieder treffen wir auf verhüllte Gestalten in der Stadt, die sich auf Pilgerreise befinden. Unsere Gespräche wanken zwischen belanglos in den meisten Fällen bis hin zu inhaltslosem Geschwafel hin und her. Es gab nur wenige Dialoge, die ich wirklich interessant fand. Mein Highlight dürfte wohl das religionsphilosophische Gespräch zwischen zwei zu Schweinen verwandelten Pilgern sein. Das war witzig, aber vielleicht kann ich das als ehemaliger Philosophie- und Religionsstudent leichter sagen als andere.
Abseits dieser Dialoge, welche die Lore der Welt beleuchten oder unsere Suche mit Charakterisierung für Choron oder Plotablauf unterstreichen sollen, bietet die namenlose Stadt wenig. Immer wieder lassen sich Stelen finden, welche wir einerseits als Speicherpunkt nutzen können, aber auch bei freiem Sichtfeld als Teleportationsanker dienen. Dies erleichtert die Fortbewegung, denn wenn wir Wege komplett zu Fuß laufen müssten, bräuchten wir viel Blasencreme im Gepäck.

Ein zäher Brocken
Und damit sich diese langen Wege lohnen, braucht es in meinen Augen unterschiedliche Dinge. Die Welt beeindruckt visuell, bleibt aber in nahezu allen anderen Aspekten hinter ihren Möglichkeiten. Es gibt kaum spielerische Gründe, die Welt zu durchforsten. Mysterium fehlte mir bisher in der Early Access-Phase auch komplett. Abseits eines großen Tores, welches nur einen Spalt breit offen war und dahinter im Dunkeln ein Licht tanzte – ein Geheimnis mir bis heute verborgen – war dort wenig. Architektur und Verschachtelung inklusive Aha-Effekt, wenn man merkt, wo man gerade gelandet ist, reicht kaum aus.
Aber ich möchte Hypnos hier noch nicht vollends abschreiben. Early Access bedeutet auch, dass sich das Spiel teilweise radikal verändern kann. Nur weil mir in meiner Zeit in der namenlosen Stadt wenige Highlights begegnet sind, heißt es noch nicht, dass es diese nicht gibt (ich kann mich ja auch verirrt haben!) oder noch nicht gibt. Eine Grundbasis ist zumindest in der Welt von Hypnos gelegt. Jetzt hoffe ich, dass der Full-Release allen voran die Narrative (vor allem die Dialoge) anpackt und interessanter gestaltet. Spielerisch erwarte ich keine großen Sprünge, eher Optimierung des Vorhandenen. Aber wenn mich ein Spiel dieser Art mit seiner Erzählung nicht packen kann, fehlt mir jeder Anreiz. Dann ist es eine wunderschöne, atemberaubende Welt. Aber auch eine leere Welt.
Auf PC traumgewandelt. Ein verschlafener Dank geht an die Redlock Studios für die Bereitstellung eines Mustercodes.