Als ich mit dem vermeintlich einfachen Standardmodus im Twin-Stick-Shooter Sektori nach mehreren Anläufen kaum über den ersten Boss hinauskam, hatte ich Zweifel an meinen Fähigkeiten. Doch sobald ich mir während des hektischen Spielablaufs die Zeit genommen habe, mir das Auflevel-System anzuschauen, hat es endlich geklickt.
Bunt auf schwarz
Optisch äußerst ansprechend präsentiert, hat die Mischung aus Arcade, Bullethell und Arena-Twin-Stick-Shooter einen schwarzen Hintergrund, gemustert abgehobene, nicht bespielbare Bereiche und knallbunte Gegner. Auch im dichtesten Getümmel helfen Linien zu Powerups und Punktemarken, den Überblick zu behalten und das Spiel läuft jederzeit flüssig. Die Topdown-Arena ändert sich dynamisch, und das sehr häufig. Doch farblich abgesetzte Bereiche, die in wenigen Sekunden außerhalb der Arena liegen und damit sofort tödlich sind, sind kaum zu übersehen und warnen zeitlich großzügig vor.
Auch im Handheldmodus auf Nintendo Switch 2 ist fast alles klar zu erkennen. Einzig die Linien, mit denen die Aufladezeit für den Ansturm markiert sind, sind standardmäßig etwas schmal und unauffällig. Im Menü lassen sie sich jedoch deutlich verbreitern, so dass das kein Problem ist. Dann stürmt das Schiff problemlos nach vorne und hinterlässt eine Explosion, die Gegnern den Garaus macht. (In Verbindung mit Marken wird der Ansturm sofort wieder einsetzbar und kann eine 5er-Combo erzielen.)
Welche Aufwertung gerade in der linken oberen Bildschirmecke ausgewählt ist, benötigt etwas Konzentration, um nicht beim Nachschauen von Gegnern getroffen zu werden.

Konzentration
Aber gleichzeitig helfen die Aufwertungen auch sehr dabei, erfolgreich zu spielen. Anfangs habe ich einfach nur Gegner abgeschlossen, kleine Funken gesammelt und die Schultertaste betätigt, sobald ich eine Aufwertungsmarke aufgesammelt hatte. Die erste Aufwertung ist eine Erhöhung der Schiffsgeschwindigkeit, also durchaus hilfreich im Getümmel. Die zweite allerdings betrifft die Punktzahl und ist unendlich, also habe ich die meisten Aufwertungen nur dann benutzt, wenn ich zwischendurch vergessen habe, R zu drücken. Denn mit jeder aufgesammelten Marke rückt der Cursor eine Stufe nach oben zur nächsten Aufwertung. Verschiedene freischaltbare Schiffe haben dabei eine andere Reihenfolge.
Sobald ich konzentrierter gespielt und nicht nur darauf geachtet habe, zu schießen und auszuweichen, waren die Aufwertungen sehr hilfreich. Nicht nur ermöglichen sie eine begrenzte Anzahl an Schilden, sie verstärken auch den Blaster und verschaffen dem Schiff Raketen. Und auch wenn Ausweichen hilft, um länger zu überleben, sind Gegner mit mehr Kampfkraft deutlich kürzer eine Bedrohung. Was gleichzeitig dafür sorgt, dass das Getümmel weniger dicht wird oder sich schneller lichtet. Zwischendurch habe ich überlegt, mich auf Schilde zu fokussieren, aber letztlich habe ich erkannt, dass es selbst in Bosskämpfen zumeist besser ist, mehr Feuerkraft zu haben.
Dadurch habe ich innerhalb von wenigen Versuchen den fünften von fünf Bossgegnern gesehen. Leider nicht besiegt, was nach 35 Minuten möglichst voller Konzentration schon ein wenig schade war. Vorher habe ich aber auch nach drei Bossen peinlich langsam auf eine Änderung der Arenaform geachtet. Ging nicht gut aus, aber war meine eigene Unaufmerksamkeit. Immerhin habe ich dadurch ein paar neue Farben, Muster und ein alternatives Schiff freigeschaltet.

Deckbuilding?
Die zweite Aufwertungsmethode in Sektori sind Kartendecks. Anfangs verfüge ich über acht Sets und bei jedem Durchgang in der Kampagne muss ich auch genau acht Decks auswählen. Artefakte, die ich auf verschiedene Weise erhalte, ermöglichen mir, eine von drei Karten einzusetzen und damit Einfluss auf das Spielgeschehen zu nehmen. Sei es in der Form von Drohnen (oder deren Formation), für zusätzliche Schildeffekte oder eine Lasershow beim Aufwerten im anderen System. Je mehr Decks, desto persönlicher anpassen kann ich die Auswahl an Karten.
Zu Beginn stehen drei Decks zur Auswahl, die ich ignorieren oder auspacken kann. Schließlich werden das maximal drei Karten, und jedes Deck, das ich ausgepackt habe, landet als einzelne Karten auf dem Stapel. So verändert sich auch die Wahrscheinlichkeit für spezifische Karten oder Decks, da sich die Anzahl an Elementen erhöht.
Seltene Karten können zwar besonders nützlich sein, bringen aber auch begrenzte Negativeffekte mit. Mal habe ich keinen Schild, bis 75 Gegner besiegt sind, mal gebe ich Raketenaufwertungen ab. Oder es erscheinen kurzzeitig mehr Gegner als sonst. Zumindest auf der niedrigsten Schwierigkeitsstufe Erfahrung hält sich die Gefahr dabei zumeist jedoch in Grenzen. Solange ich ausreichend fokussiert spiele, komme ich mit den Risiken gut zurecht. Auch wenn ich mich ohne Schild doch sehr verwundbar fühle, habe ich nicht gerade ein paar Drohnen um das Schiff herum. Die schützen ebenfalls vor Treffern, müssen dann aber erst wieder neu erscheinen.
Trotz der großen Anzahl erzwungener Decks sind so viele unterschiedliche Decks mit meinem Spielstil kompatibel, dass ich mich auf gern gesehene Karten fokussieren kann. Die eine oder andere Karte, mit der ich nichts anfangen kann, mag zwar dabei sein. Aber es kommt in der Regel nicht vor, dass ich aus einer Auswahl von drei Karten keine einzige haben möchte.
Zufall
Sektori ist stark vom Zufall geprägt. Während der Kampagnenmodus zwar immer mit derselben Grundform des Levels beginnt, wird ein neuer Anlauf schnell anders als der letzte. Zuerst unterscheiden sich Gegnerformationen und die Wellen, in denen sie auftreten. Oder ob ein Miniboss auftaucht. Dann ändert die Arena ihre Form immer wieder auf andere Weise, während sie beispielsweise im Klassik-Modus konsant bleibt. Einerseits verhindert das während der Kampagne, den Ablauf auswendig zu lernen, andererseits sorgt das aber auch dafür, dass ein neuer Versuch frisch bleibt. Oder dass eine Highscore-Jagd nach dem Abschluss abwechslungsreich ist.
Auch jeder der fünf Bosse wird zufällig ausgewählt. Das bedeutet allerdings auch, dass insbesondere der erste Boss manchmal deutlich schwieriger ist als in anderen Versuchen. Je mehr Powerups ich gesammelt habe, desto weniger fallen Unterschiede zwischen den Bossen ins Gewicht. Aber anfangs sind meine Schiffsverstärkungen eben begrenzt. Dadurch fühlt sich in vielen Fällen auch jeder weitere Boss kaum fordernder an als die vorigen, obwohl sie stärker werden.

Die Level selbst fühlen sich mehr nach einer Schwierigkeitsprogression an. Neue Gegnertypen kommen hinzu, die immer gefährlicher sind. Insbesondere auch durch verschiedene Projektile.
Weitere Sammelobjekte, die während eines Runs hin und wieder auftaucht, sind Buchstaben. Abhängig vom gewählten Schwierigkeitsgrad, stammen sie aus drei verschiedenen Wörtern. Auf dem niedrigsten sammle ich Mirage ein, wobei der Sammelbuchstabe durchwechselt. Um Buchstaben nicht unnötig doppelt einzusammeln, muss ich also im richtigen Moment zuschnappen. Dafür belohnt Mirage anschließend mit einer mächtigen Farbexplosion.

Nebenmodi
Daneben bietet Sektori jedoch auch mehrere Nebenmodi, die ich nach und nach freischalte. Im Klassik-Modus ist die Arena konstant gleich und ich sammle keine Aufwertungen oder schalte Karten frei. Das einzige Powerup für das Schiff kann ich eine Weile liegen lassen, um mehr Punkte zu sammeln. Nutze ich zusätzliche Mutationen, um beispielsweise Gegner zu verstärken oder zu schwächen, lande ich nicht mehr in der Online-Highscore-Liste. Es ist aber auch lustig, das Schiff für einen Run übermächtig zu machen.
Im Tor-Modus durchfliege ich Tore, um Gegner zu besiegen, da die Schiffswaffen deaktiviert sind. Zwischen Gegnern hindurch zu manövrieren, ist deutlich stressiger, wenn ich sie nicht aktiv angreifen kann.
Daneben gibt es auch einen Modus speziell für den Ansturm und einen zeitbegrenzten Modus, der immer gleich abläuft. Dabei können die Gegnerwellen sich auch sehr hoch auftürmen. Im Bossrush bekämpfe ich nur die Bossgegner, wobei ich deren schwerere Varianten in der Kampagne freischalte.
Fazit
Sektori ist ein gelungener Arcade-Twin-Stick-Shooter mit vielen Mechaniken, durch die sich jeder neue Spielanlauf frisch anfühlt. Schiffsaufwertungen und Karten unterstützen das Gameplay sinnvoll und neben der Kampagne bieten auch die Nebenmodi viele Möglichkeiten für Highscore-Jagden. Einzig sind die Bosse auf der niedrigsten Stufe merklich unterschiedlich fordernd und die eine oder andere Mechanik könnte etwas genauer erklärt werden. Dann würde der einfachste Schwierigkeit auch weniger herausfordernd wirken. Darum lohnt es sich jederzeit, Sektori für eine kurze Runde einzulegen.

Herzlichen Dank an Kimmo Factor für die Bereitstellung des Testmusters. Geschossen und zwischen Gegnern manövriert auf Nintendo Switch 2.