Eines Tages fiel ein riesiges Buch auf eine wohlbekannte Insel. Diese Insel war bewohnt von wundersamen Wesen, die sich Yoshi nannten. Und das Buch ist eine Enzyklopädie, in der sich zahlreiche unterschiedliche Lebensformen befinden. Dort beginnt nun der 2D-Platformer Yoshi and the Mysterious Book.
Eine bebilderte Enzyklopädie
Yoshi’s Crafted World setzte zuletzt auf einen gebastelten Look, Yoshi’s Woolly World zuvor auf Garnwelten (beide ebenso wie der neueste Titel von Good Feel). Yoshi and the Mysterious Book nähert sich mehr dem klassischen, gemalten Look an und setzt auf Zeichnungen und an Rändern verblassendes Aquarell. Buchtypisch kommen einige Textzeilen hinzu, die in denselben Glyphen gehalten sind, die in goldener, sammelbarer Form auch als Währung im Spiel gelten.
Leider fallen fragmentierte Figurenkonturen im Handheldmodus unschön auf. Zudem ist die Framerate im Handheldmodus auch nicht immer ganz rund, wenn besonders viel auf dem Bildschirm los ist.
Da das Buch, Enzo, seine Seiten nicht selbst sieht, hilft Yoshi ihm, die Kreaturen besser kennenzulernen. Zu ihnen zählen Serienvertreter, aber auch viele komplett neue Lebensformen. Wie es sich für eine Kinder-Enzyklopädie gehört, findet sich nicht nur nach und nach allerhand Wissenswertes auf den Seiten, es ist zudem stark bebildert.
Jedes Kapitel, von denen es vor dem ersten Ende sechs gibt, enthält ein großes Hauptbild, auf dem sich alle zu erforschenden Wesen des Kapitels tummeln. Doch diese sind nicht alle von Anfang an zu sehen. Einzelne bewegen sich sofort über die Seite, so dass ich mit ihnen die Erforschung beginnen kann. Andere lassen sich schon auswählen, doch Enzo kommentiert sie vorerst nur. Denn für die meisten der Kreaturen muss ich erst eine andere erforschen, damit diese auf dem Vorschaubild etwas verändert. Das ist sehr putzig anzuschauen.
Zudem verfügt jede Kreatur über einen eigenen Enzyklopädie-Eintrag. Erst ist der Name unbekannt, doch nach ausreichender Forschung kann ich die Kreatur benennen oder Enzo entscheiden lassen. Leider ist die Zeichenbegrenzung bisweilen doch sehr knapp für meine Ideen.
Alle Forschungsergebnisse tauchen als kleine Bilder mit einem kurzen Beschreibungstext daneben auf. Kann ich eine Kreatur noch weiter erforschen, nachdem ich ihr Level verlassen habe, taucht ein Bild als Silhouette mit einem Tipp auf.

Erforschung
Versteckte Geheimnisse gibt es bei Yoshi schon lange. Yoshi and the Mysterious Book stellt jetzt das Suchen und Herausfinden deutlich in den Vordergrund. Die lineare Levelstruktur wird fast komplett aufgehoben und jedes Level verfügt über ein großes Hauptziel. Das ist zumeist schnell klar und lässt sich daher gezielt verfolgen, auch ohne deutlich genannt zu werden.
Daneben gibt es aber auch eine ganze Menge kleinerer Entdeckungen. Das fängt ganz simpel damit an, Yoshi alles in den Mund nehmen zu lassen, draufzustampfen, mit Eiern zu bewerfen und ihm auf den Rücken zu setzen. Zusammen mit dem typischen Flatterflug ist Yoshis Standard-Moveset auch vervollständigt.
Andere Entdeckungen erfordern ein stärkeres Auseinandersetzen mit dem Level. Wie interagiert die Kreatur mit Wasser? Frisst sie Früchte oder vielleicht andere Kreaturen? Kann sie vielleicht sogar Flügelwolken zerstören?
Daneben verstecken sich in jedem Level Grinseblumen. Die Anzahl variiert pro Level und die meiste Zeit über dienen sie vorwiegend für eine zusätzliche Rätsel- oder Platforming-Herausforderung für die Spielkomplettierung. Manchmal sind sie auch in schnell zu übersehenden Ecken versteckt. Ich mag die Grinseblumen am liebsten, die weniger versteckt sind, bei denen mir aber nach dem Entdecken erst einmal das Einsammeln gelingen muss. Wer hätte gedacht, dass es so viele Wege gibt, eine Blume zu gießen?
Während die Kunstgewerke in Yoshi’s Crafted World noch verlangen, Level wiederholt zu besuchen, ist das in Yoshi and the Mysterious Book deutlich weniger notwendig. Zwar gibt es vereinzelte Aufgaben, bei denen ich mir die Lösung verbauen kann, indem ich beispielsweise einer Susel Dusel nicht helfe oder zu viel Obst falsch verfüttere. Das geschieht allerdings nur selten, sodass ich Erforschungen in ein, zwei Levelbesuchen abschließen kann. Zudem hilft die nonlineare Struktur, nicht wiederholt ausschließlich denselben Weg entlangzulaufen, um etwas zu finden. Manchmal kommen auch Notizen hinzu, bei denen eine weitere Kreatur im Level einer anderen auftaucht.

Hinweise
Weiß ich einmal nicht weiter, habe aber noch Erkundungen offen, gibt es zwei Möglichkeiten. Auf Knopfdruck meldet sich Enzo kurz zu Wort und schlägt häufig Dinge vor, die ich noch ausprobieren könnte. Manchmal erwähnt er aber auch nur eine schon bekannte Eigenschaft der untersuchten Kreatur, was leider fälschlicherweise den Eindruck erwecken kann, dass es diesbezüglich noch etwas zu entdecken gibt. Die andere Möglichkeit ist es, 20 Glyphen gegen einen vagen Tipp einzutauschen, wie es auch automatisch passiert, verlasse ich das Level. 100 weitere Glyphen geben einen weiteren Hinweis. Das ist prinzipiell gut und hilfreich, allerdings gibt es einige Hinweise, die extrem vage gehalten sind. Und wenn ich die Lösung irgendwie gefunden habe und trotzdem noch überlegen muss, warum der Tipp einen Sinn ergibt, ist der Wert eines Hinweises fragwürdig.
Aber meistens funktioniert es gut, möglichst viel selbst herauszufinden und bei Bedarf nach Tipps zu fragen. Schon weil mir dann auffällt, dass ich wieder einmal vergessen habe, ein Ei auf die Kreatur zu werfen.
Habe ich alles erledigt, was ich in einem Level zu einer Kreatur erforschen kann, sagt Enzo das auch auf Nachfrage. Viele Wesen tauchen anschließend auch in weiteren Levels auf und ihre Einträge lassen sich dort erweitern, aber das lässt sich gut abgrenzen. Wenn ich spät im Spiel bei einem Kreatureneintrag einen Hinweis kaufe oder aufrufe, kann ich auch direkt das Level betreten, in dem ich das Rätsel lösen kann.

Buntes Gewimmel
Entdeckungen belohnen mit Sternen, die dazu benötigt werden, neue Kapitel freizuschalten. Dabei sind die Grenzen fürs Freischalten sehr gering, so dass ich nach dem ersten Kapitel fast komplett frei wählen konnte, welches Kapitel ich als nächstes angehe.
Die Kapitel sind vorwiegend natürlich gestaltet, ohne dass es sich anfühlt, als wäre ich immer wieder im selben Wald, wenn ich durch grüne Welten hüpfe. Level sind dabei die Habitate der unterschiedlichsten Lebensformen, wodurch gewässerbasierte Level mal vorwiegend am, mal auf und mal unter dem Wasser stattfinden.
Damit gehen auch einige kreaturenspezifische Fortbewegungsmethoden einher. Yoshi kann allein nicht tauchen, also helfen ihm einige Fische dabei, sich durch das Wasser zu bewegen. Mit anderen erreicht er höhere Höhen.
Abseits von einzelnen schwierigeren Rätseln, sind die ungewöhnlichen Steuerungsmethoden für mich die größte Herausforderung in Yoshi and the Mysterious Book. Viele von ihnen sind sehr störrisch und benötigen überraschend viel Feingefühl, um dort zu landen, wo ich hinwill. Im normalen Spielverlauf fällt das bis auf einzelne Herausforderungen zwar wenig ins Gewicht, aber eine Kreatur erhält eine Challenge, die für mich kaum ins Spiel passt.
Aber abseits davon machen viele Entdeckungen unheimlich viel Spaß. Es gibt sehr viel auszuprobieren und pro Kreatur oft weit über 30 Entdeckungen. Zudem wird auch jede Entdeckung mit seiner kleinen Illustration und kurzem Infotext im Level festgehalten.

Fressen und gefressen werden
Am eindrücklichsten ist für mich die Insektenwelt. Ein Level erinnert mich an einen “Horror”-Abschnitt aus Yoshi’s Crafted World, weshalb meine Überraschung nicht so groß hätte sein müssen. So ein Insektenleben kann hart und brutal sein. Und ich musste Verstecke von Insekten zerstören, die schon nicht mehr da waren. Da wirkt es fast merkwürdig, wenn an anderer Stelle für Babykreaturen mal eine Ausnahme gemacht wird und die gerettet werden sollen, ehe andere Kreaturen sie verspeisen. Ähnlich wird Enzo auch sehr panisch, wird Yoshi einmal gefressen.
Aber es ist ja auch alles wieder da, starte ich ein Level neu, also ist die Vernichtung nicht permanent. Yoshi dagegen stammt von außerhalb des Buches, also ist es für ihn vielleicht schlimmer, gefressen zu werden. Auch wenn er keinen tatsächlichen Schaden nimmt und bei einem Sturz in einen Abgrund zumeist direkt nebendran wieder auf einer sicheren Plattform landet. Das passt gut in ein erkundungsbasiertes Spiel, zumal es selten eine Herausforderung ist, noch einmal zur entsprechenden Stelle zu gelangen. Und ich bin sehr dafür, unnötige Laufwege zu vermeiden.
Einzig an einer Stelle ist Yoshi bei mir sehr unvermittelt verschwunden, seine Reitkreatur hat sich noch kurz weiterbewegt und nach einem langen Ladebildschirm ist das Level erneut gestartet. Ich weiß nicht, warum das geschehen ist, aber Ähnliches ist mir ansonsten nicht passiert.

Fazit
Yoshi and the Mysterious Book ist ein gelungenes Rätsel- und Erkundungsspiel mit Platforming-Anteilen. Es gibt viel zu entdecken und auszuprobieren und die meisten Tipps helfen auch dabei, neue Ansätze auszutesten. Die Enzyklopädie ist sowohl als Forschungsanreiz als auch als illustriertes Buch überzeugend umgesetzt. Einzelne Konturen sind im Handheldmodus leider nicht sehr ansehnlich. In den Entdeckungen steckt sehr viel Kreativität und nur sehr wenige Kreaturen fühlen sich etwas schwächer an als die anderen. Das Level an Interaktivität und ständig neuen Entdeckungen macht Yoshi and the Mysterious Book zu einem lohnenswerten Titel.

Herzlichen Dank an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters. Erkundet auf Nintendo Switch 2.