Zelda II: The Adventure of Link (Review)

Nachdem mit The Legend of Zelda die grundlegende Struktur der Zelda-Reihe definiert wurde, haben die Entwickler sich nicht gleich an eine Verfeinerung gewagt, sondern stattdessen mit Zelda 2: The Adventure of Link eher einen Schritt zur Seite gewagt. Dungeons wurden in eine Seitenperspektive verlegt, Kämpfe haben einen deutlich größeren Raum eingenommen und Link hat obendrein Erfahrungspunkte erhalten, mit denen er seine Kampfkraft über die Zeit stärken konnte.

Zelda 2 spielt einige Jahre nach dem ersten The Legen of Zelda und erzählt, wie die Prinzessin durch einen bösen Fluch in einen tiefen Schlaff gefallen ist. Einzig unser Held Link kann sie aus ihrer misslichen Lage befreien. Wie in der Zeit üblich ist der Großteil der Geschichte nur in der Anleitung expliziert, allerdings haben die Entwickler sich doch Mühe gegeben, die Geschichte ins Spiel einfließen zu lassen, denn Link startet das Spiel immer direkt neben der schlummernden Prinzessin. Davon ab wird die Geschichte im Spiel allerdings allenfalls subtil aufgegriffen.

Spielerisch stellt Zelda 2 wie bereits eingangs angedeutet einen erheblichen Bruch dar, sowohl zu seinem direkten Vorgänger als auch zu allen Serienteilen, die später kamen. Die Oberwelt wird zwar weiterhin aus der Vogelperspektive erkundet, ist allerdings in Sachen Interaktion deutlich kondensiert. Wo man im ersten Zelda zahlreiche kleine Rätsel und versteckte Items findet, ist die Karte in Zelda 2 eher vergleichbar mit einem Rollenspiel seiner Zeit. Die Karte dient also vorrangig dazu, die verschiedenen Städte und Dungeons miteinander zu verbinden und dem Spiel einen gewissen Eindruck von Größe zu verleihen.

Auf der Oberweltkarte kann man zudem auch nicht mehr direkt in Echtzeitkämpfe verwickelt werden. Zwar tauchen immer mal wieder – zufällig – Gegner auf der Karte auf, diese kann man aber nicht direkt in der Oberwelt bekämpfen. Stattdessen kann man einen Kampf mit den Gegnern initiieren, indem man sie auf der Karte berührt. Dann wird man in eine Arena aus der Seitenansicht transportiert und muss eine Hand voll Gegner besiegen – idealerweise ohne dabei selbst allzu viel Schaden zu nehmen.

Das Kampfsystem ist deutlich komplexer als in Zelda 1, oder auch späteren Zelda-Spielen. Link kann nämlich aus drei Höhen angreifen und angegriffen werden: Geduckt, im Stand und in der Luft. Ein Schild sorgt dafür, dass man seinerseits bestimmte Angriffe direkt abwehren kann. Viele Gegner haben ihrerseits ebenfalls Schutzvorrichtungen, um sich wechselweise gegen bestimmte Angriffstypen zu verteidigen. Obendrein nutzt Zelda 2 bereits eine Animation-Priority, das heißt, dass man einmal angesetzte Angriffe nicht abbrechen kann und die gesamte Animationsphase abwarten muss. Dadurch ist jeder Angriff ein kleines Commitment, man kann aber gleichzeitig deutlich weniger reaktiv spielen. Heutzutage wird ein solches Kampfsystem – aber mit deutlich längeren Animationsphasen – vor allem in Soulslike-Spielen und den Monster Hunter-Spielen verwendet. Persönlich mag ich diesen Ansatz für Kampfsysteme nicht, aber bei Zelda 2 ist die Spielgeschwindigkeit wenigstens recht hoch und in Anbetracht der aktuellen Popularität von Spielen mit Animation Priority-Kampfsystemen ist das auch offenkundig ein individuelles Problem.

In Angesicht der spielerisch recht ereignislosen Oberwelt nehmen die aus der Seitenperspektive gespielten Untergebiete eine noch größere Rolle ein. Zelda 2 führt erstmals auch belebte Städte ein, in denen man knapp mit anderen Spielfiguren interagieren kann. Diese geben Link teilweise kryptische Hinweise, wie er im Spiel voranschreiten kann, allerdings sind die Texte so kurz, dass sie kaum dazu dienen können, den Spielfiguren, denen man begegnet, einen eigenen Charakter zu verleihen. Besonders bekannt ist der Ausspruch „I am Error“, den eine Spielfigur von sich gibt, aber auch die übrigen Spielfiguren sind keine Menschen der vielen Worte.

Die wichtigsten Unterareale sind aber natürlich die Dungeons. Diese werden ebenfalls aus der Seitenperspektive gespielt, sie folgen aber interessanterweise dem grundlegenden Strukturprinzip des ersten Zeldas. Das heißt, dass man erst einmal den Dungeon erkundet, dabei aber immer wieder auf unüberwindbare Hindernisse stößt, bis man eine neue Fähigkeit freischaltet und damit den Rest des Dungeons erkunden kann. Rätsel spielen hierbei eine deutlich untergeordnete Rolle – wenn es auch in der Hinsicht und wieder mal eine gute Idee gibt. Stattdessen stehen Kämpfe und Platforming im Vordergrund. Vor allem das Management der Lebensenergie ist hier entscheidend, denn diese ist chronisch Mangelware und in Anbetracht der anspruchsvollen Kämpfe kann es einem nur allzu schnell passieren, dass man in einen noch tieferen Schlaf fällt als die Prinzessin selbst. Die Dungeons sind anspruchsvoll, aber auch interessant gestaltet und sind klar das Highlight des Spiels.

Zelda 2: The Adventure of Link ist ein außergewöhnlicher Titel in der Reihe und verbindet Strukturansätze der Zelda-Reihe mit Action-Rollenspiel-Gameplay. In meinen Augen ist Zelda 2 leider ein deutlicher Rückschritt im Vergleich zum ersten Spiel und auf Grund des teilweise haarsträubenden Schwierigkeitsgrad auch als Kuriosum wohl nur Serienfans zu empfehlen. Ich bin schon froh, dass mit dem dritten Teil die Ursprungsformel perfektioniert und anschließend über viele weitere Spiele exploriert wurde, statt die Ansätze des zweiten Teils weiter zu verfolgen.

Getestet auf NES, GameCube und Nintendo 3DS.