Scar-Lead Salvation (Review)

Artwork Scar-Lead Salvation

Vor wenigen Tagen habe ich noch in die Sonne gestarrt, nun hat es mich in eine menschenleere Militärbasis verschlagen. Im Third-Person-Bullethell-Shooter mit Roguelite-Elementen Scar-Lead Salvation spiele ich Willow, die ihr Gedächtnis verloren hat und mit einer immer neuen Zahl auf ihrem Gesicht erneut erwacht.

Waffentests

Als Willow erwacht, weiß sie weder, wer sie ist, noch wo sie sich befindet. Während sie letzteres mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz schnell herausfindet, dauert es lange, ehe sie im Spiel einen Namen erhält. Aber sie hat auch andere Probleme, die wesentlich drängender sind. Der Ort, an dem sie sich befindet, ist ein militärisches Waffentestgelände, das zwar verlassen, aber noch völlig intakt ist. Das gilt insbesondere für die Handvoll unterschiedlicher Roboter, die Willow bei Annäherung sofort angreifen.

Wie die Erwähnung von Roguelite-Elementen schon vermuten lässt, handelt es sich bei den Ziffern auf Willows Gesicht um die Anzahl an Versuchen. Beginnend bei 00001, steigt sie zunehmend an. Wobei ich zugeben muss, bei mir hätte Willow noch sehr viele Anläufe offen, ehe die Zahl sich ihrem Maximum auch nur annähern würde. Meine eigentlich nicht einmal mittelmäßigen Shooter-Fähigkeiten haben ausgereicht, um anderthalb Gebiete inklusive eines Bosskampfes abzuschließen, ehe Willow zum ersten Mal gestorben ist. 

Vermutlich hat mir da der Zufall geholfen, dass ich Anfang der Woche noch einen anderen Shooter gespielt habe. Obgleich Scar-Lead Salvation auf Stützräder verzichtet und über eine eher geringe Zielfunktion verfügt. Einzelne Waffen lenken ihre Projektile selbst auf Gegner in einem gewissen Rahmen und der Zielradius ist unterschiedlich groß, zumeist jedoch muss ich halbwegs genau zielen. Entsprechend sind die knapp unter 00040 Versuche, die ich benötigt habe, für geübte Action-Shooter-Fans mit Leichtigkeit deutlich zu unterbieten. 

Na gut, eigentlich ist Willow da bereits zum zweiten Mal gestorben. Das erste Mal findet in einer Cutscene am Ende des kurzen Tutorials statt, was natürlich die sicherste Methode ist, ein Scheitern zu erzwingen.

Begleitet wird Willow dabei von der KI-Stimme, die mit ihr gemeinsam die Mysterien um ihren Aufenthalt und ihre Amnesie ergründen möchte. Ich mag die Dynamik zwischen den beiden, die für viele humorvolle Dialoge sorgt, die mehr über die Welt verraten.

Willow, Protagonistin in Scar-Lead Salvation, schaut sich die Zahl 00001 auf ihrem Gesicht an. "Huh? What ist this?"
Waffenarsenal

Willow findet in Scar-Lead Salvation unterschiedliche Waffen, die sich merklich unterscheiden. Lange Zeit war mein Favorit eine Waffe mit Zielsuchfunktion. Allerdings kam ich irgendwann an dem Punkt an, an dem sie nicht effektiv genug war, um Massen von gegnerischen Projektilen zu verhindern. Da die Kamera nah am Boden und dicht an Willows Rücken ist, habe ich zu oft den Überblick verloren, wo ich gerade ausweichen sollte.

Ein Raketenwerfer hat Willow bei mir jedoch sehr lange begleitet. Genau zielen kann ich damit zwar nicht, aber die Explosion hat einen gewissen Wirkradius, dem zumeist nur die am höchsten fliegenden Gegner entwischen.

Während eines Runs trägt Willow bis zu zwei Waffen gleichzeitig. Während eine Waffe nachlädt, kann ich zur anderen wechseln und potenzielle Feuerpausen überbrücken 

Doch wenn Willow stirbt, verliert sie eine der Waffen. Dann nur mit einem Raketenwerfer dazustehen, ist schwierig. Willows Nahkampfangriff hilft zwar im Notfall aus, doch verstärke ich ihn nicht mit in Kisten auffindbaren Verbesserungen auf, taugt er in späteren Gebieten nicht mehr viel.

Also suche ich schnell nach Ersatz für die zweite Waffe. Die Waffenkisten sind allerdings so häufig, dass bei einer Auswahl von drei zufälligen Waffen schnell wieder eine habe, die ich behalten möchte. Leider werden die Waffen in den Kisten auch nur sehr langsam stärker, weshalb sich ein Wechsel innerhalb eines Runs kaum lohnt.

Insbesondere, da ich am Ende jedes Stockwerks mit einer Maschine die Waffen deutlich höher aufleveln kann. Sofern ich ausreichend Chips von besiegten Gegnern ergattert habe. Je höher der Level, desto teurer zudem eine erneute Steigerung. Wobei ich im Falle der Waffen meistens ein oder zwei Level bei einer Waffe erhöhen konnte. Bei der seltenen Notfallwiederbelebung ist die Preissteigerung im Verlauf extrem.

Parieren kann Willow Projektile zwar auch, allerdings kommt mir das ineffektiv vor, gerade im Vergleich mit dem schnellen Ausweichsprint.

AI: "It can refer to a broad range of things. There's the saying, 'common sense isn't common'."
Exo Skills

Ein wenig mag das daran liegen, dass ich nicht gut im Parieren bin, aber dafür gerne ständig den Ausweichknopf drücke. Aber es funktioniert und so macht mir das Spielen auch Spaß. Willow ist ziemlich agil unterwegs, aber wenn das nicht reicht, bietet Scar-Lead Salvation auch einen Lightning-Modus. Der beschleunigt Willow und Gegner, auch deren Angriffe, was gleichzeitig auch die Herausforderung erhöht. 

Weicht Willow besonders knapp aus, kommentiert sie das auch. Daher weiß ich auch, dass ich meistens sehr früh ausweiche. Ihre Unverwundbarkeitszeit während eines Sprints lässt sich ebenfalls verlängern. Alternativ bieten viele niedrige Wände und Säulen in den Räumen sprintfreie Möglichkeiten zum Ausweichen.

Ebenso wie die Verstärkung des Nahkampfangriffs, so basiert auch die verlängerte Unverwundbarkeit auf Exo Skills. Nach und nach erhält Willow insgesamt vier Slots für Exo Skills, wobei Slots und Skills unterschiedliche Formen aufweisen. Dadurch lassen sich nicht alle Skills beliebig kombinieren und beispielsweise Lebenspunkte und Verteidigung können nicht zugleich erhöht werden. 

Exo Skills verbleiben nach einem Tod. Zudem lassen sie sich bis auf Stufe 10 aufleveln, sammelt Willow denselben Skill erneut ein. Die Permanenz sorgt zwar für eine gewisse Sicherheit, allerdings sorgt das Aufleveln umgekehrt dafür, dass ich ungern neue Skills ausprobiere, zumal die Slots begrenzt sind. Will ich beispielsweise vergleichen, ob Willow lieber dauerhaft ein klein wenig geheilt werden sollte oder nach jedem besiegten Gegner, wird das schwierig. (Da Heilmittel sehr rar sind, wollte ich auf jeden Fall einen der beiden Skills.)

Die Exo Skills ermöglichen auch die Aufladung der Exo Force, wobei zu jedem Slot nacheinander eine Leiste gefüllt wird. Nimmt Willow Schaden, sinkt die Leiste jedoch massiv.

Ein Einsatz der Exo Force versetzt Willow in den Onslaught-Modus bei dem sie für wenige Sekunden unverwundbar und stärker wird und ihre Exo Skills geboostet werden. Allerdings ist der Effekt wirklich sehr schnell wieder vorbei.

Fliegende Roboter in Scar-Lead Salvation.
Das sind meine Erzfeinde.
Nochmal?

Der Roguelite-Aspekt beruht vor allem auf dem wiederholten Sterben. Eine der Waffen verbleibt, ebenso die Skills, eingesammelte Währung geht verloren. Darüber hinaus ist es in Scar-Lead Salvation nicht nur möglich, das aktuelle Gebiet erneut zu starten, anstelle bei Null zu beginnen. Stattdessen kann ich sogar genau auf der Ebene fortsetzen, auf der Willow zuletzt gestorben ist.

Für Bosskämpfe bedeutet das, dass ich eine zweite Chance habe, wenn auch nur noch mit einer Waffe. Brauche ich mehr Versuche, geht allerdings auch diese Waffe verloren und Willow erhält eine schwache Waffe auf der niedrigsten Stufe.

Bin ich mir schon vorher sicher, dass der Bosskampf nur scheitern kann, bietet ein Einwegteleporter einen Weg hinaus, bei dem beide Waffen und die Währung erhalten bleiben. Allerdings muss ich bei der Rückkehr auf der untersten Ebene des Gebiets beginnen.

So überlege ich tatsächlich, ob ich einen Bosskampf wage. Oder ob ich die Waffen nicht vielleicht noch etwas aufleveln will. Ob Willows Lebenspunkte überhaupt ausreichen werden.

Zurück im aktuellen Gebiet, wäge ich dann auch ab, ob ich Gegner bekämpfe, um Währung für Waffenstufen zu verdienen, oder Konfrontationen vermeide. An vielen Gegnern rennt Willow fast problemlos vorbei, auch wenn in vereinzelten Räumen Sprungfelder zum nächsten Gang erst auftauchen, wenn Willow die Gegner besiegt hat. 

Gleichzeitig jedoch belohnen viele Räume auch mit einem Teleporter, sobald alle Gegner fort sind. Hinter diesem kann sich ein Vorratslager mit Waffen, Heilgegenständen oder Exo Force verbergen. Aber auch ein Hard Fort mit vielen Gegnern, das Willow erst verlassen kann, wenn alle Gegner besiegt sind. So sind auch die Teleporter immer mit einem Risiko behaftet. Auch wenn ich letztlich nur selten an einem solchen Raum gescheitert bin.

Da Quick Resume nicht funktioniert, habe ich einmal ein wenig Fortschritt verloren, da Willow beim erneuten Laden wieder am Anfang der aktuellen Ebene war. 

Bosskampf mit großem Pflanzenwesen.
Hoffentlich war der Anzug nicht teuer

Außerhalb der Gebiete kann ich Willow gratis heilen, um dann mit neuer Frische in einen Run zurückzukehren. Das ist auch der einzige Moment, in dem Willows Rüstung beim Heilen repariert wird.

Es hat ein wenig gedauert, ehe ich verstanden habe, warum Willow manchmal keinen Schaden genommen hat. Dabei kommt ein besonderes System zum Greifen, das die Rüstung möglichst realistisch gestaltet. Ist sie intakt und wird getroffen, nimmt Willow keinen Schaden, aber die Rüstung verschwindet Stück für Stück. Erst wenn sie selbst getroffen wird, nimmt sie Schaden.

Ihr Anzug wird mehr oder weniger dort zerstört, wo feindliche Angriffe auf Willow treffen. Dabei löst sich der Anzug nach und nach weiter auf. Nackte Haut und schlichte graue Unterwäsche mit sehr wenig stützendem Effekt kommen zum Vorschein. 

Einmal davon abgesehen, dass das wehtun muss, kann ich damit auf den ersten Blick sehen, ob ich auf dem Rückweg zum Boss erfolgreich allen Geschossen ausgewichen bin. Oder ob umgekehrt ein Run schon so lange dauert, dass von der Schutzkleidung nicht mehr viel übrig ist. Das geschieht insbesondere dann, wenn ich ein Gebiet abgeschlossen habe, da Willow danach anschließend direkt im nächsten landet.

Fazit

Scar-Lead Salvation ist ein spielerisch kompetenter Third-Person-Shooter mit etwas zu niedriger Kamera. Die Roguelite-Elemente bieten eine gute Mischung aus Verzeihlichkeit mit vielen Startmöglichkeiten nach einem verlorenen Run, aber auch verschiedenen Risiken. So überlege ich tatsächlich, ob ich weitergehe oder mich zurückziehe, oder ob ich Teleporter benutze oder vermeide. 

Gleichzeitig motiviert das Spiel nicht zum Wechsel von Waffen oder Skills, solange nicht eine Waffe durch einen Tod verloren geht. Daher sind viele der Kisten oft überflüssig. Die Räume ähneln sich schematisch sehr, wodurch Wiederholungen nicht sofort ins Auge fallen. Unter den Standardgegnern mangelt es an Varianz. Zudem ist die Unverwundbarkeit im Onslaught-Modus beinahe vernachlässigbar kurz. Bei Action-Shooter-Erfahrung hält sich auch die Schwierigkeit in Grenzen. Daher reicht es knapp nur für eine eingeschränkte Empfehlung.

Herzlichen Dank an Idea Factory International für die Bereitstellung des Testmusters. Ausgewichen auf Xbox Series X.