Ich habe keinen direkten Bezug zur Konosuba-Franchise und nur wenig davon gehört. Aber das Spiel mit dem langen Titel „Konosuba – God’s blessings on this wonderful world! Love for these clothes of desire!“ konnte zumindest meine Aufmerksamkeit wecken. Mit einem guten Angebot und genug Zeit habe ich es nun auch durchgespielt. Hat es mehr zu bieten als Kleidung?
Eine…bunte Truppe
In „Konosuba – God’s blessings on this wonderful world! Love for these clothes of desire!“ hat die Gruppe um Kazuma schon einiges erlebt, weshalb ihre Hintergründe mehr beiläufig angesprochen werden. Kazuma Satou ist aus seiner Welt in die Fantasywelt von Konosuba reinkarniert. Ausser seines hohen Glückswerts soll er durchschnittlich sein. Laut Anleitung ist dabei auch eine Verbindung mit Aqua entstanden, die ebenfalls mit ihm dorthin gerissen wurde. Sie ist (angeblich?) Göttin des Wassers, eine göttliche Ausstrahlung hat sie… eher nicht. Daneben ist auch die Magierin Megumin Teil der Gruppe. Ihr einziger Zauber Explosion ist zwar sehr stark, kann aber nur einmal täglich angewendet werden und lässt sie kraftlos zurück. Letztes Mitglied ist Darkness, der „Tank“ der Gruppe. Sie trifft aber quasi kein Scheunentor, lässt sich wegen ihrer seltsamen masochistischen Ader aber umso lieber selbst treffen.

Fundsache mit Auswirkungen
Diese Chaostruppe findet auf der Straße ein schwarzes Steintablett. Kaum zu lesen findet sich die Inschrift, dass mit Magie und Materialien Kleidung hergestellt werden könne. Zwar haben sie schon Erfahrung mit Flüchen durch magische Gegenstände, aber natürlich hält sie das nicht ab. Das Ergebnis ist wenig beeindruckend.
Aber am nächsten Morgen ist Darkness ungewöhnlich streng. Vielleicht hätten sie das Steintablett vor Benutzung noch genauer betrachten sollen. Denn eine Inschrift warnt vor einem Fluch, der Begierden umkehre. Diese neuen Begierden müssten physisch und psychisch erfüllt werden, um den Fluch zu brechen, bevor die Veränderung für immer bleibt.
Doch es kommt noch schlimmer, als die Gruppe des Diebstahls bezichtigt wird und die Todesstrafe droht. Der bestohlene Adelige verlangt Kleidung, die bestimmte Gefühle wecke. Ein Bekannter der Gruppe bringt eine Liste von „Rezepten“, die Kazuma und co. helfen solle.

Die nötigen Materialien müssen fortan durch Arbeit und Quests beschafft oder gekauft werden. Und natürlich bleibt es keine einmalige Sache.
Insgesamt finde ich Story und Charaktere durchaus unterhaltsam. Aber die Eigenheiten sind schon recht stark ausgebildet und zudem ist Kazuma nicht gerade der netteste Charakter, selbst wenn man die Chaotentruppe berücksichtigt.
Arbeit, Quests und Freizeit
In „Konosuba – God’s blessings on this wonderful world! Love for these clothes of desire!“ liest man aber nicht nur Text und hat auch nicht nur für diesen Entscheidungen. Jedes Kapitel kommt mit einem Zeitlimit an Tagen daher. Dabei gibt es einen festen Wechsel aus Arbeits- und Ruhetagen. Jeweils drei Tage Arbeit oder Quests, dann ein Tag Freizeit mit Auswahlmöglichkeiten, am anschließenden Tag gegebenenfalls Materialien kaufen und Kleidung herstellen.

Arbeit und Quests wählt man als Spieler aus. Mehr wird mit Storyfortschritt und optionalen Aufgaben freigeschaltet. Arbeit wird jedem Charakter einzeln zugeteilt und diese haben Stärken und Schwächen, die Einfluss auf den Erfolg haben können. Für Quests muss die ganze Gruppe ran, die Dauer kann von einem bis drei Tagen gewählt werden und soll die Erfolgschance beeinflussen.
So sammelt man Materialien direkt oder Geld zum Kauf, um Hauptziele und optionale Kleidung herzustellen. Allerdings ist der Zufallsfaktor so stark und viele Materialien sind so teuer, dass man schnell zum vorigen Speichern und Neuladen bei Missfallen eingeladen wird. Zwar dauert das einzeln nicht allzu lang, kann aber auf Dauer nerven.
Quests haben jeweils eine eigene durchaus unterhaltsame Szene, die (mit Ausnahme ganz am Spielanfang) beim ersten Mal auftaucht. Je nach Kombination von Arbeit und Charakter sowie Wiederholung gibt es auch dort Szenen. Damit kann auch die ein oder andere Illustration freigeschaltet werden.

Fun fact: Ich konnte zuerst Kapitel Zwei beim besten Willen nicht abschließen, weil ich nicht genug Geld für die Materialien zusammenbekam. Ich hatte nämlich den Tab „Quests“ neben dem Tab für Arbeit übersehen… Dort gibt es eben andere Materialien, die im Laden sehr teuer sein können.
An sich finde ich das System zwar solide, aber der übertriebene Zufallsfaktor dämpft den Spaß etwas. Wenn man gezielt ein Ende verfolgt und zum Beispiel bei wiederholten Durchgängen weiß, was später benötigt wird, hat man aber durchaus Spielraum.
Verschiedenen Enden
In Visual Novels und zum Beispiel auch bei Romance-Simulationen mit Zeitsystem und Ortsauswahl sind verschiedene erreichbare Enden keine Seltenheit. Auch in „Konosuba – God’s blessings on this wonderful world! Love for these clothes of desire!“ lassen sich einige Enden erreichen. Am langweiligsten ist es, das Zeitlimit auslaufen zu lassen (absichtlich oder weil man wie ich etwas übersehen hatte). Dafür gibt es nur eine kurze Szene. Erfüllt man alle Hauptziele aber erreicht nicht genug Zuneigung zu einem Charakter, beendet man zumindest die Hauptgeschichte erfolgreich.

Aber es gibt noch charakterspezifische Epiloge. Die drei Gruppenmitglieder Aqua, Megumin und Darkness haben je zwei Enden, vier Nebencharaktere haben jeweils ein Ende. Um einen Epilog zu erreichen, muss der Zuneigungswert hoch genug sein, damit die per Menü einsehbare Leiste gelb (normales Ende) oder pink/rot (gutes Ende) ist.
Zum Erhöhen des Zuneigungswerts gibt es zwei Möglichkeiten, die man nutzen sollte. Teils ist die erlaubte „Fehlermenge“ gering oder nicht vorhanden. Zum einen gibt es die titelgebenden Kleidungsstücke. Bei geforderter Kleidung für das Hauptspiel lässt sich meist auswählen, welches weibliche Teammitglied sie tragen soll. Daneben gibt es auch einige optionale Kleidungsstücke, die Zuneigung erhöhen können. Bei Nebencharakteren oder für gute Enden von Hauptcharakteren sollte man dabei noch jeweils ein zusätzliches teures Material nutzen, um die Wirkung zu erhöhen. Das verändert auch die Szenen und Illustrationen ein wenig. Mal wird es knapper, mal gibt es Accessoires zusätzlich.

Daneben gibt es bei der Freizeit die Möglichkeit Orte aufzusuchen, die mit Charaktersymbolen markiert sind. Mit der passenden Textauswahl lässt sich auch dabei die Zuneigung erhöhen. Unter Umständen kann ein verpasstes Event dafür sorgen, dass man spätere Events nicht auslösen kann, was auch bei manchen nicht zuneigungswichtigen Events ohne Symbol passieren kann.
Bei den Hauptcharakteren gibt es dann im Epilog zusätzlich Textauswahlmöglichkeiten, die für das gute Ende wichtig sind.
Die Epiloge sind durchaus nett und unterhaltsam, wenn auch nicht allzulang im Vergleich zum Weg dorthin. Es sind eben keine kompletten Charakterrouten. Außerdem entwickelt sich die Beziehung von Kazuma zu den Charakteren auch nicht so weiter, wie es bei kompletten Charakterrouten zu erwarten wäre.

Fazit
Auch ohne wirkliche Kenntnisse der Franchise kann „Konosuba – God’s blessings on this wonderful world! Love for these clothes of desire!“ unterhalten. Die Charaktere könnten dem ein oder anderem aber etwas zu eigen und die Unhöflichkeiten zu häufig sein. Auch hätte ich nichts gegen etwas mehr Umfang bei den Charakterenden gehabt.
Die Übersetzung ins Englische ist nicht fehlerfrei, teils gibt es Tippfehler oder falsche Personen werden genannt. In der Regel sollte man aber aus dem Kontext heraus verstehen, was eigentlich gemeint ist.
Der Simulationsaspekt mit Auswahl von Arbeit und Quests ist an sich zwar nett, aber die Belohnungen sind zu stark zufallsabhängig. Das kann je nach Spielweise zu unnötig viel Wiederholung führen.
Genug Unterhaltung findet sich aber.

Getestet auf Nintendo Switch 2.