Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden – Willkommensdemo (Angespielt)

Artwork Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden

Mit dem 2013 für den Nintendo 3DS erschienenen Tomodachi Life verbinde ich in erster Linie sehr undeutlich Mii-gesungene Lieder gespickt mit vulgärer Sprache. Da das nicht meine Art von Humor ist, habe ich mich nie viel mit der Lebenssimulation auseinandergesetzt. Den Nachfolger habe ich nun trailerkuratiert kennengelernt, was für mich viel interessanter wirkt. Außerdem habe ich in der Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden – Willkommensversion erste Erfahrungen beim eigenen Spielen gesammelt. 

Die Demo erlaubt die Kreation von insgesamt drei Mii-Charakteren und einen ersten kurzen Einblick in das Intro des im kommenden Monat erscheinenden Titels. Außerdem zeigen die Mii-Charaktere nach dem Durchspielen des Demoinhalts verschiedene Möglichkeiten auf, die in der Vollversion geboten werden. Zwar ist das eigentlich nur Werbung, aber immerhin auf amüsante Weise umgesetzt.

Eigene Kreationen

Bei der Erstellung von Mii-Charakteren habe ich zuerst die Wahl, ob ich meinen Charakter komplett frei erstelle oder mich von ein paar Fragen anleiten lasse. Ich habe mich für die Fragen entschieden, die die Auswahlmöglichkeiten an verschiedenen Formen von Kopf, Frisur und Gesichtsmerkmalen deutlich einreduziert. Nachdem ich den ersten Charakter nach meinen Angaben erhalten habe, durfte ich mich zusätzlich durch ähnliche Gesichter klicken. Dabei kann ich zusätzlich angeben, ob bestimmte Eigenschaften identisch bleiben sollen. 

Doch weil ich genau wusste, dass ich noch mehr Einstellungsmöglichkeiten habe, war ich mit den Vorschlägen nicht so ganz zufrieden. (Außer mit dem einen Gesicht, das ich versehentlich sofort durch ein anderes ersetzt habe. Aber im Nachhinein ist das auch nicht besonders schade.) 

Mii sitzt im leeren Raum, vor sich ein fotorealistisches Kaninchen.
… der minimalistische Wohntraum mit Haustier?
Im Detail

Das Finetuning kommt mit so vielen Möglichkeiten, dass ich bewusst nicht alle Frisuren angeschaut habe. Stattdessen bin ich bei den Zopffrisuren geblieben, für die ich mich bei den Fragen entschieden hatte. Die Auswahl ist schon schön groß und ermöglicht einzelne und doppelte Zöpfe. Die Frontpartie der Frisur lege ich zudem unabhängig vom restlichen Haar fest. Die anderen Frisuren habe ich mir erst bei den beiden anderen Mii-Charakteren angeschaut, wenn auch mit Fokus auf Langhaarfrisuren. Schließlich ist der Charaktereditor zwar ein wichtiger Aspekt von Tomodachi Life, aber die Mii-Charaktere sollten auch ein wenig vom Lebensaspekt des Spiels haben und nicht stundenlang in der Erstellung feststecken. (Und es ist nicht selten, dass ich wirklich lange brauche, bis ich einen Charakter erstellt habe, wenn ich die entsprechende Auswahl habe.) Was ich von den Frisuren genauer angeschaut habe, gefällt mir aber sehr gut.

Ähnlich sieht es auch bei den Augen aus. Okay, dass ich nur keine oder drei untere Wimpern auswählen kann, ist ein wenig schade. Aber ich kann die glitzernden Lichteffekte in den Augen verschieben! Oder allerlei merkwürdige Formen in den Pupillen platzieren, bei denen ich mich beim dritten Charakter erst einmal für simple weiße Kreise entschieden habe.

Ohrenformen gibt es zwar auch mehrere (also musste ich sofort die spitzen Ohren nehmen), aber das Anpassen der Ohren ist knifflig. Während die Nase meist mit einer scharzen Linie umrissen wird, damit die Sichtbarkeit nicht vom Schattenfall abhängt, gilt dasselbe nicht für die Ohren. Entsprechend sind die Ohren zumeist überhaupt nicht zu sehen, und auch das Drehen der Kamera hilft kaum. Also gibt es für meine Mii-Charaktere erst einmal nur Standardohren.

Stimmauswahl in Tomodachi Life mit Detaileinstellungen für Sprechtempo, Stimmlage, Tiefe, Modulation und Tonfall.
Für die Stimme gibt es ein paar einfache Voreinstellungen und individuelle Regler.
Pronomen

Die große optische Auswahl gefällt mir schon super. Doch ein wenig schwieriger sieht die Lage bei den charakterlichen Rahmenbedingungen aus. Zwar können die Mii-Charaktere männlich, weiblich oder nicht binär sein, aber als Pronomen stehen nur er und sie zur Auswahl. Immerhin unabhängig von der ersten Entscheidung gewählt. Ich weiß, wir haben kein Gegenstück zum englischen they, aber schade ist es trotzdem. Dann muss ich den neopronominalen Traum wohl in Harvestella ausleben. Oder den pronomenfreien Traum in Story of Seasons: A Wonderful Life.

Aber um mich auf das Positive zu fokussieren: Ich mag, dass ich die Pronomen unabhängig auswählen kann. Außerdem gibt es für spezielle Anlässe, die in der Demo noch nicht stattfinden formelle Kleidung, bei der ich zwischen zwei verschiedenen Sets entscheide. Oder die Entscheidung vermeide, indem ich keine Vorliebe auswähle. 

Jetzt auch noch das Alter?

Während ich bei den formellen Outfits noch “egal” angeben konnte, ist die Angabe der restlichen Lebensdaten der Mii-Charaktere deutlich schwieriger für mich. Dabei gebe ich nicht nur den Geburtstag an, sondern auch ein Geburtsjahr.

Nun bin ich aufgewachsen mit den Warnungen, in Spielen nicht zu viele persönliche Daten anzugeben. Mich selbst erstelle ich nie, also ist die Frage nach dem Geburtsjahr für mich persönlich belanglos. Aber Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden hält sich auch nicht damit auf, ob Spielende sich persönlich erstellen. Eigentlich ziehen sie eher die Fäden im Hintergrund. Stattdessen soll ich Freunde, Verwandte, Haustiere und Kuscheltiere erstellen. Dafür kann ich auch vorhandene Familienbeziehungen in der Echtwelt angeben.  Klar, das Spiel ist alleine und offline und das Teilen von Screenshots und Videos wurde ein wenig erschwert. Aber mir behagt es trotzdem nicht, persönliche Daten anderer Leute einfach so irgendwo anzugeben. Oder sie überhaupt zu Spielfiguren zu machen. Ich habe auch überhaupt kein Interesse daran, echte Vorbilder zu nutzen. 

Also muss ich mir Geburtsdaten und -jahre ausdenken. Gruselig. Wie gut, dass ich einfach planlos durch die Zahlen scrollen und irgendwo anhalten kann. Immerhin hat mein erster Mii-Charakter an dem Tag Geburtstag, an dem ich die Demo gestartet habe. Weil ich sehen wollte, ob schon ein Geburtstag gefeiert wird.

Ab auf die Insel

Aber ich habe nicht alle drei Mii-Charaktere gleichzeitig erstellt. Angefangen habe ich mit einem einzelnen, um erste Grundlagen zu erlernen. Das Kaufen von Lebensmitteln, das Füttern eines Charakters, Kopftätscheln, allgemeine Bedürfnisse. Meine kleine Heike war sehr hungrig für ihre geringe Größe. Ihren Namen konnte sie aber sehr überzeugend aussprechen.

Außerdem fühlte sie sich ein wenig allein. Also habe ich ihr Magdalena zur Seite gestellt, den sie auf Anhieb interessant fand (welch eine Erleichterung!). Er wollte sie dann besser kennenlernen und hat mich nach einem Gesprächsthema gefragt. Na gut, wenigstens musste ich mich nicht am Gespräch beteiligen. 

Die Vorauswahl der Gesprächsthemen ist eine gute Einschränkung, um wenigstens ein bisschen Kontext zu geben. Bei der Auswahl der Aktion, über die die beiden sprechen sollten, gab es zudem Beispiele. Zum einen helfen sie natürlich, ein Thema zu finden, zum anderen aber auch, um eine passende Wortform zu nutzen. Schließlich verstehen die Charaktere nicht wirklich, worum es geht, wenn sie über das Kochen sprechen sollen. Entsprechend ist das Gespräch auch eher vage gehalten, um möglichst viele unterschiedliche Aktionen zu umfassen. Entsprechend könnte ich auch Aktionen wählen, über die sich die beiden Mii-Charaktere nicht begeistert äußern sollten. Leider finde ich das nicht wirklich witzig, also spricht mich dieser Teil von Tomodachi Life auch beim Spielen nicht besonders an.

"Welche Aktivität ist für dich die erste Wahl, um etwas gegen aufkommende Langeweile zu unternehmen?" - Rasenmähen, Schlittschufahren, Zocken, Dichten; eine eigene Eingabe ist auch möglich.
Gedichtmonat ist erst im April, im März dichte ich noch nicht aus Langeweile.
Kleine Interaktionen

Zum Glück bietet Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden schon in der Willkommensversion noch ein wenig mehr. Ich habe einen Schatz in Form eines fotorealistischen Kaninchens gefunden, mit dem mein dritter Charakter, Odilie, sich freudig beschäftigt hat. So ein putziges kleines Tierchen lässt doch fast vergessen, dass die Häuser noch sehr leer sind.

Außerdem ist es sehr niedlich, wie die Charaktere die Arme nach Geschenken ausstrecken, die ich ein Stück außerhalb ihrer Reichweite halte. (Keine Sorge, außerhalb des Spiels mache ich sowas nicht.)

Und es gibt Statistiken! Das Durchschnittsalter betrug 30,6 Jahre. Aber fragt mich nicht, wie alt irgendeiner der Charaktere ist.

Einmal ist Odilie gestürzt und ich konnte selbst helfen oder Hilfe holen. Bisher haben Odilie und Heike aber noch nicht herausgefunden, dass sie “in der Echtwelt” Schwestern sind. Wobei Odilie als Mii jünger ist als Mii-Heike, als „Person“ jedoch gleichzeitig die ältere Schwester. Aber sie existieren außerhalb der Demo schließlich auch nicht.

Es gab aber auch einen Moment, der schon gezeigt hat, dass vielleicht nicht alle Träume wahr werden sollten. Magdalena ist am Brunnen eingeschlafen und ich konnte seinen Traum betreten. Dort stand er auf einem Steg über dem Meer, ein am Geländer befestigtes Seil um die Füße gebunden. “Meine” Hand tauchte auf dem Bildschirm auf, begleitet vom Prompt, leicht zu schubsen. 

Es tut mir so leid, Magdalena! Ich hoffe, du verstehst, dass ich das ausprobieren musste.

(Bitte macht das nicht in der Echtwelt nach.)

Außerdem durfte ich mir Spitznamen für Magdalena und Heike überlegen. Als wäre ein Name pro Mii nicht schon schwierig genug. Aber ich war angenehm überrascht, als Maggie automatisch wie gewohnt ausgesprochen wurde und ich nicht bei der Aussprache nachhelfen musste. 

Die skurrilen Momente haben mich mehrfach zum Lachen gebracht, obwohl ich außerhalb des Charaktereditors kaum eine Stunde gespielt habe. Das ist also schon einmal vielversprechend für die Vollversion.

Magdalena auf dem Steg, von links eine fotorealistische Hand, B für zurück und A für leicht schubsen.
Zwischenfazit

Die Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden – Willkommensversion bietet einen guten ersten Einblick in das Spiel. Der Charaktereditor bietet sehr viele Möglichkeiten und lässt sich durch den Zeichenmodus zusätzlich erweitern. Die Dialoge und Interaktionen sind witzig, auch wenn die Momente, in denen ich ein Wort eingeben muss, deutlich gegenüber dem Rest schwächeln. Bei der Aussprache musste ich bisher kaum selbst anpassen, habe aber bei jeder Eingabe die Möglichkeit dazu. Jetzt bin ich sehr neugierig auf die Vollversion und habe auch schon ein paar Ideen für weitere Mii-Charaktere. Auf die Inselgestaltung und -entwicklung bin ich auch gespannt, aber jetzt vor allem auf die unterhaltsamen Interaktionen der Mii-Charaktere.