Disclaimer: Über die Bereitstellung des Testmusters für Hop ‘n’ Marty hinaus ist Diplodocus Games nicht in dieses Review involviert.
Mit den 3D-Platformern der 90er kann ich nicht besonders viel anfangen. Mit Retro-Platformern, die durch die 90er inspiriert wurden, scheinbar umso mehr. Einer davon ist Hop ‘n’ Marty, das am 15. August auch auf Nintendo Switch erscheint, nachdem der PC-Release im Januar war.
Äffchen gesucht
Das dynamische Duo besteht in diesem Fall aus dem Weißbüschelaffen Marty und dem Baumsteigerfrosch (oder auch Pfeilgiftfrosch) Hop. Bösewicht Hookbeak entführt die kleinen Zwergseidenäffchen, was die beiden nicht ignorieren können. Fortan hüpfen sie durch fünf Level, in denen es jeweils zehn Äffchen zu retten gilt. Zusätzlich sind 200 Bananen in jedem Level verteilt.
Tatsächlich reicht es aber auch völlig aus, vier Level zu komplettieren, um das Finale zu erreichen. Auch wenn es nie außerordentlich schwierig wird, alle Äffchen und Bananen zu finden, bin ich ein sehr großer Fan des großzügigen Spielraums. Beim ersten Durchgang auf Nintendo Switch 2 habe ich alles eingesammelt, beim zweiten auf Nintendo Switch habe ich ein Level komplett übersprungen. Stattdessen hätte ich natürlich auch die Aufgaben unerledigt lassen können, die mir zuvor weniger zugesagt haben. Manche Äffchen sind etwas schwieriger zu finden, deshalb mag ich, dass ich sie erst einmal auslassen könnte, ohne dass daran direkt der Spielfortschritt hängen bleibt.
Die Äffchen entsprechen größeren Sammelobjekten, die in der Regel mit einer Aufgabe verbunden sind. Die Bananen als kleine Sammelobjekte dienen der Wegführung. In den meisten Levels funktioniert das auch gut. Eines allerdings besteht überwiegend aus Wegen über einem Abgrund, wodurch die letzten Bananen eventuell ein wenig Sucharbeit benötigen.
Die Settings der Level sind abwechslungsreich. Viele Levelelemente sind zwar klare Referenzen auf oder Hommagen an die 90er, die ich gar nicht alle verstehe, aber die Level sind in sich weitgehend stimmig gestaltet. Beispielsweise in Form eines düsteren Horror-Stadtviertels inklusive Gerüstbau für das Platforming in die Höhe. Mein liebstes Level ist ein gigantisches Wohnzimmer. Auch wenn ich vom Deckenventilator bis weit hinab auf den Zimmerboden gefallen bin. Dreimal.
Damit ist dieses Level auch dasjenige mit der größten “Bestrafung” für Fehltritte. Bei Abgründen sind die Rücksetzpunkte nah, nur an einzelnen Stellen landet Marty manchmal am falschen Punkt.

Hüpfen und werfen
Hop ‘n’ Marty kommt mit einem eher reduzierten Moveset daher, das von Beginn an vollständig verfügbar ist. Zumeist steuere ich Marty, der einen Doppelsprung und einen Wurf mit Orangen beherrscht. Sprünge lassen sich in der Luft stark lenken und viele Plattformen sind entweder mit einzelnen Sprüngen erreichbar oder bieten Spielraum bei Doppelsprüngen. Das verhindert zwar nicht, dass ich fröhlich in Abgründe hüpfe, kleinere Ungenauigkeiten beim Losspringen gleiche ich dadurch aber leicht aus. Zwar gibt es auch Untergründe, die bei Kontakt mit Marty zerbröseln, außerordentlich anspruchsvoll ist das Platforming jedoch selten. Einzig bei einigen rhythmusbasierten Plattformen konnte ich kein Gefühl für das Auftauchen und Verschwinden entwickeln, weshalb sie mich etwas länger beschäftigt haben. Zudem ist das Momentum bei beweglichen Plattformen etwas knifflig.
Mit der Wurfmechanik wurde ich nicht warm. Auch deshalb, weil ich zwischen ein- und ausgeschalteter Invertierung und erhöhter oder gesenkter Sensitivität der Kamera keine Einstellung gefunden habe, die für mich wirklich gut funktioniert hat. Gemeinsam mit der wenig spaßigen Unterwassersteuerung mit großem Wendekreis entspricht das jedoch meinen Erfahrungen mit beispielsweise Banjo-Kazooie, fühlt sich aber nicht ganz so störrisch an.

Besonders präzise muss ich glücklicherweise nicht zielen, dafür jedoch mehrfach in schneller Abfolge. Für mich war das stressig, auch wenn sich wenige Äffchen hinter Zielscheiben verbergen.
Ähnlich steuert sich Hops Zunge. Wie mit einem Enterhaken zieht sich Hop an Insekten heran, um auf der Plattform darunter zu landen. Oder er betätigt Schalter mit der Zunge. Meist jedoch mit weniger Druck, möglichst schnell richtig zu zielen.
Im Gegensatz zu Marty kann Hop nur einmal springen, wenn auch froschtypisch deutlich höher. In den Abschnitten, in denen er spielbar ist, stellt er seine Fähigkeiten auch gut zur Schau. Auch außerhalb davon ist er für große Teile des genretypischen Humors des Retroplatformers zuständig. Ich habe mich beim Lesen der Dialoge sehr amüsiert.

Fazit
Hop ‘n’ Marty ist ein unterhaltsamer Retro-3D-Platformer mit rund 4 Stunden Hüpf- und Sammelspaß. Das Platforming ist verzeihlich, ohne komplett anspruchslos zu sein. Der Collectathlon steckt voller Referenzen, ohne sich darin zu verlieren. Die Kamera war ein wenig störrisch und das Tauchen hat mir keinen Spaß gemacht, aber die langwierigste Unterwasseraufgabe habe ich beim zweiten Durchspielen einfach ausgelassen. (Tut mir leid, Äffchen!) Mit Hop ‘n’ Marty hat Entwickler Evilkookey Games einen sehr charmanten Titel erschaffen.

Herzlichen Dank an Diplodocus Games für die Bereitstellung des Testmusters. Gehüpft auf Nintendo Switch und Nintendo Switch 2.