Es ist immer wieder eine schöne Sache, wenn ein Videospiel mit einem ungewöhnlichen Konzept aufwarten kann. Unbox: Newbie’s Adventure ist ein solcher Fall, denn in dem 3D Jump & Run schlüpft man in die Rolle eines sich selbst ausliefernden Pakets namens Newbie. Dieses Paket hat nicht etwa Beine erhalten oder gleitet über den Boden, sondern es kullert über den Boden. Was das für den Inhalt des Pakets bedeutet, darüber möchte ich lieber nicht nachdenken, aber für die Spielphysik hat das durchaus nennenswerte Konsequenzen, den eine zuverlässige, stufenlose Navigation durch den 3D-Raum ist bei einer solchen Fortbewegungsart natürlich nicht so einfach möglich.
Glücklicherweise ist es allerdings so, dass die Entwickler schon einigermaßen großzügig mit der Holprigkeit von Newbie umgehen, so dass in der Spielwelt die Unzulänglichkeit der Bewegungsform nicht allzu stark ins Gewicht fällt. Interessant ist in jedem Fall die Sprungmechanik, denn Newbie hat zwei Möglichkeiten, zu springen. Zunächst kann man mit der rechten Schultertaste einen recht unspektakulären Hopser machen, aber Newbie ist kein einfaches Paket, sondern eine regelrechte Matroschka. In mindestens sechs Umkartons wurde Newbie verpackt und auf Druck der linken Schultertaste kann man sich der äußersten Schicht schwungvoll entledigen. Die Konsequenz dessen ist, dass man kräftig in die Luft geschleudert wird und sehr große Distanzen überwinden kann, besonders, wenn man alle sechs auf diese Weise ermöglichten Sprünge in einem einzelnen Manöver einsetzt.

Nach der Landung muss man allerdings, wahlweise über das Erreichen eines Checkpoint, das Sammeln grüner Energiepunkte (nicht zu verwechseln mit ebenfalls grünen TNT-Kisten!) oder das Ableben seine Kartonschichten wiederherstellen, wenn man in weiteren Sprüngen auf diese Fähigkeit zurückgreifen möchte. Ein ungewöhnliches, aber durchaus interessantes Konzept, das aber leider auch das einzige Highlight des Spiels ist und seinerseits durch die schwungvolle Physik ein potenzieller Frustrationspunkt sein kann.
Die insgesamt drei Level des Spiels sind enorm groß und thematisch sehr leicht unterscheidbar. So gibt es ein Insellevel, ein Eislevel und ein Dschungellevel. Hauptaufgabe in jedem Level ist es, eine goldene Postmarke zu erlangen, indem man den Endgegner des jeweiligen Levels besiegt. Grundsätzlich ist es auch sehr leicht, den Endgegner zu finden, man kann einfach den Endgegner mit dem Steuerkreuz als Navigationsziel einstellen, dann zeigt ein Pfeil im Spiel an, in welche Richtung man kullern muss, um den Endgegner zu erreichen. Allerdings ist es keine Option, direkt zum Endgegner zu kullern, denn bevor man den Endgegner tatsächlich bekämpfen darf, muss man zunächst eine gewisse Zahl an gewöhnlichen Briefmarken sammeln, die in etwa die Rolle von Sternen in Super Mario 64 oder Puzzleteilen in Banjo-Kazooie spielen, sprich, als Belohnung für Hauptaufgaben vergeben werden.

Acht Marken kann man in jedem Level durch das Absolvieren von Missionen erreichen, die man ebenfalls einfach finden kann, indem man die jeweiligen Missionsgeber mit dem Steuerkreuz auswählt. So kann man beispielsweise ein Rennen auf einem vorgegebenen Kurs absolvieren, in einem Zeitlimit eine bestimmte Zahl an Objekten in einem abgesteckten Gebiet sammeln, oder eine vorgegebene Zahl an Gegnern in einem Zeitlimit besiegen. Das Missionsdesign ist leider wenig einfallsreich und zu allem Überfluss sind ein Großteil der Missionen auch nicht sonderlich unterhaltsam. Insbesondere die Kämpfe gegen größere Zahlen kleiner Gegner sind frustrierend, da die Gegner auf Newbie schießen und ihn im Fall eines Treffers sekundenlang wild durch die Luft fliegen lassen. Das Ergebnis ist ein regelrechtes Chaos, das sich mit planvollem Spielen nur noch schwerlich verbinden lässt.
Hat man die acht Marken, die es für die Missionen zu verdienen gibt, eingesackt, wird man schnell feststellen, dass das für den Zugang zum Endgegner leider noch nicht hinreichend ist. Im ersten Level bedarf es insgesamt zehn, im zweiten zwölf und im dritten vierzehn Marken des Levels, um sich dem Endgegner stellen zu dürfen. Die übrigen Marken – insgesamt gibt es in jedem Level 18 Marken zu finden – muss man irgendwo in den gigantischen Levels auftreiben. Leider haben die Level keine transparente Struktur, die den Spieler einigermaßen natürlich zu den Fundorten der Marken lotsen würde, sondern bedürfen der systematischen Suche. Das wäre durchaus noch verkraftbar, wenn im Gegenzug die Aufgaben, die man für die Marken erledigen muss, einigermaßen interessant wären, aber leider sind ein Großteil der Marken auf denkbar langweilige Weise versteckt. So gibt es im zweiten Level beispielsweis eine Marke neben einem Lagerfeuer, unter einer Eisdecke, auf die man springen muss oder hinter einer Wand, durch die man mit einem Auto fahren muss. Spielerisch ist abseits des reinen Findens der Marke da wenig zu holen. Und wenn dann das Finden der Marken an sich eine reine Fleißarbeit ist, ist das mitnichten erbaulich. Besonders das gigantische, fragmentierte zweite Level ist in der Hinsicht ein zuverlässiger Quell der Frustration.

Technisch ist Unbox: Newbie’s Adventure akzeptabel, aber nicht mehr. Die Framerate ist in der PlayStation 4-Version, die ich getestet habe, einigermaßen stabil, doch die Weitsicht ist eher mäßig und die Spielphysik steckt voller Macken. Immer wieder bin ich mit Newbie in unmöglichen Situationen hängen geblieben, so dass nur ein Rücksetzen zum Speicherpunkt noch geholfen hat. Gerade in Anbetracht dessen, dass das Spiel ein gutes Stück weit vom Kontrollverlust des Spielers lebt, ist es sehr frustrierend, dass die Levelgeometrie und Physik nicht gerade ideal zusammenarbeiten.
Unbox: Newbie’s Adventure rettet sich über seine ungewöhnliche Grundidee so gerade noch zum gelben Ampellicht. Auf Grund seines sehr individuellen Grund-Gameplays kann Unbox für Genre-Fans zumindest kurzweilig unterhaltsam sein, doch darüber hinaus torpedieren das wenig durchdachte Leveldesign und das lieblose Missionsdesign jegliches Potenzial, das das Spiel gehabt hätte. Schade!

Getestet wurde die PlayStation 4-Version auf PlayStation 5.