Viele Menschen wünschen sich in ihrem Urlaub nicht nur Entspannung, sondern auch ein kleines Abenteuer. Just diese Idee des zufälligen und niederschwelligen Urlaubsabenteuers ist die Grundlage von Shin’ens jüngstem Spiel The Touryst. Als Tourist auf einer sonnigen Insel stolpert der Spieler nach und nach über neue Entdeckungen, die sich am Ende des Spiels zur Lösung eines archäologischen Mysteriums zusammenfügen.
Entsprechend der Grundidee beginnt The Touryst sehr niederschwellig. Man ist frisch auf der Urlaubsinsel angekommen und kann sich auf dieser umschauen, mit anderen Personen reden und Sehenswürdigkeiten betrachten. Zahlreiche Tourysten, aber auch Einheimische, haben kleinere Aufgaben für unseren Protagonisten und schnell erweitert sich der Aktionsradius auch auf umliegende Urlaubsinseln. So muss man beispielsweise einem DJ dabei helfen, seine Party ans Laufen zu bekommen, einem jungen Paar Fotos von geeigneten Sehenswürdigkeiten bringen oder kann auch in einer Spielhalle in drei eigens gestalteten Arcade-Spielen – die übrigens von hoher Qualität sind – die Urlaubsrekorde eines ehrgeizigen Jungen brechen.

All diese Aufgaben werden in einem Urlaubstagebuch verzeichnet und können nebenbei auch dazu beitragen, sein Urlaubsbudget aufzubessern und so im Laden neue Gegenstände zu erwerben, die den eigenen Handlungsspielraum weiter erhöhen. Der Kern des Spiels liegt allerdings in einer Reihe von Monumenten, die über die Inseln verteilt sind und die ein gemeinsames Geheimnis verbindet. Betritt man die Monumente, landet man in kurzen Dungeons, die ein wenig an Zelda erinnern, aber linearer sind und nur einen geringen Kampfanteil haben. Diese Dungeons sind kreativ gestaltet und haben einige interessante Rätselideen, sind aber auch sehr kurz. Um das Rätsel um die Monumente endgültig zu lösen, sollte man aber auch die ganzen anderen Urlaubsaktivitäten und Hilfsdienste nicht vernachlässigen, denn wenn das Urlaubstagebuch leer bleibt, wird man die Hauptaufgabe ebenfalls nicht abschließen können.
Das Aufgabendesign in The Touryst ist abwechslungsreich, allerdings schwankt auch der spielerische Gehalt der Aufgaben drastisch. Die Monumente und Arcade-Spiele sind gut durchdachte Aufgaben, die Geschicklichkeit und Kombinationsfähigkeit auf die Probe stellen, viele andere Aufgaben sind aber eher Botengänge, die ein wenig an Animal Crossing oder vergleichbare Cozy-Spiele erinnern. Die geringe Fortbewegungsgeschwindigkeit und das etwas gestreckte Pacing können The Touryst stellenweise zusätzlich langweilig machen, sind aber ein Stück weit auch durch die beabsichtigte Urlaubsatmosphäre gerechtfertigt. Leider sind die (wenigen) Kämpfe im Spiel im Zusammenhang mit der geringen Bewegungsgeschwindigkeit auch nicht optimal.

The Touryst ist ein entspanntes, kurzes Action-Adventure, das in meinen Augen die Entspanntheit etwas übertreibt und mit einigen Aufgaben daherkommt, die auf mich ein wenig wie Beschäftigungstherapie wirken. Die kurzen Dungeons und Arcade-Minispiele sind hingegen gut gelungen. Wem das Szenario zusagt und wer damit leben kann, dass die Rätselkonzepte nicht voll exploriert werden, der kann mit The Touryst einige Stunden stressfreien Spaß haben.

Getestet auf Nintendo Switch.