Nachdem Milestone mit Hot Wheels Unleashed 1 und 2 richtige Granaten rausgehauen hat, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ein weiteres Hot Wheels Spiel aus deren Hause erscheint. Nun ist es mit Hot Wheels Infinite Rush endlich soweit! Nur dass es sich dabei nicht um ein direktes „Unleashed 3“ handelt, hätte ich vor der Ankündigung wohl nicht erwartet.

Raus aus den Räumen, rein in die Open World
Der neue Catch von Hot Wheels Infinite Rush ist klar und deutlich die Open World. Während Infinite Rush zwar den beiden Unleashed Spielen ziemlich ähnlich sieht, fahren wir hier jedoch durch richtige Städte und Gelände auf Inseln.
Gut, hiermit könnte ich es wohl auch „Open Zone“ nennen, wie uns damals Sega bei Sonic Frontiers erläutern wollten. Kurz gesagt: Ja, es ist Open World, aber diese spaltet sich auf vier unterschiedliche Inseln auf, zu denen man nicht einfach flüssig rüber fahren kann. Wobei man eine Animation mit Katapult nutzt, was recht charmant gemacht ist.
Der Aufbau der Inseln ist recht klassisch für Rennspiele gemacht: Man fährt auf der Karte durch die Gegend, kann über leuchtende Felder Rennen starten und daneben gibt es ein Haufen kleiner Nebenaktivitäten und Sammelkram.
Sehr schön finde ich dabei die Gestaltung in Richtung Hot Wheels. Im Groben hat man Straßen und Gelände, doch dazwischen sind in die Welt Strukturen gepflanzt, die klar an Hot Wheels Spielsets angelehnt sind. Dies kann z.B. ein großer Looping in der Szenerie sein. Selbstverständlich alles nutzbar.

Bekannte Modi und viele Minispiele
Die möglichen Rennen sind im Groben wieder sehr ähnlich. Es gibt klassische Rennen, Zeitrennen, Eliminator und Drift. Neu sind Rennen gegen einen einzelnen Fahrer und außerdem ein Highscore-Modus in dem man Räder auf der Strecke wegrammen soll (dabei am Besten als Combo gehalten). Die zwei neuen Modi sind nicht außergewöhnlich, aber frischen das Gesamtpaket nett auf.
Witzig sind vor allem die vielen Minispiele auf den Inseln. Suchaufgaben, fixe Zeitrennen ohne feste Strecke, Zerstörungs-Missionen und sogar Foto-Aufgaben gibt es. Wer Spaß an Sammeln und komplettieren hat, wird hier eindeutig seinen Spaß finden, solange kein hoher Schwierigkeitsgrad erwünscht ist.
Denn Hot Wheels Infinite Rush ist schon seeeeehr einfach. Anfangs habe ich auf Mittel gespielt, dann auf Schwer und jetzt spiele ich nur noch auf dem letzten Schwierigkeitsgrad und habe dennoch kaum Probleme mal Herausforderungen zu schaffen. Wenn auch ich damit nun ein wenig auf die Wahl meines Autos achten muss.
Eine weiterer lustiger Zeitvertreib sind die Daredevil Herausforderungen: Sehr regelmäßig brettern bestimmte Hot Wheels Autos über die Insel, an denen wir ein sehr kurzes Rennen starten können und wenn wir dies gewinnen, bekommen wir das entsprechende Auto.

Es ist sooooo viel
Ich finde Milestone sind mit dem Sammel- und Veranstaltungen-Umfang etwas über das Ziel hinaus geschossen. Um das Spiel normal durchzuspielen, verdient man sich über Renn-Veranstaltungen Kronen, die bei vier Stufen je zu einer Rusher-Herausforderung führen, was einfach ein Rennen gegen ein besonders Auto ist, welches wir dadurch freischalten können.
Tolle Idee, doch das letzte/vierte Auto jeder Insel kommt immer bei Krone 49! Sprich mit dem letzten Rennen hinzugezählt, haben wir 50 Rennen auf jeder Insel, also 200 Rennen zum „normalen Durchspielen“. Der Krux dabei: Es gibt mehr Renn-Veranstaltungen als Kronen. Ich weiß wirklich nicht genau wie viele Veranstaltungen es gibt, aber irgendwas zwischen 300-500 müssten es schon sein.
Dabei zählen die besagten „Minispiele“ in der Open World noch gar nicht mit! Es ist wirklich ein immenser Umfang, bei dem ich mich lediglich Frage, warum ich manchmal auf der selben Strecke mehrere gleiche Veranstaltungen, nur mit anderer Punktvorgabe habe.

Doch sei hier klar gesagt, Hot Wheels Infinite Rush ist kein Grind!
Warum? Weil es nochmal umso mehr zum Freischalten gibt. Wie schon der indirekte Vorgänger hat Hot Wheels Infinite Rush wieder über 150 Autos, wobei wir gerade mal mit vier Stück starten. Grob geschätzt jedes zweite bis vierte Rennen kann man an irgend einem Ecken ein Fahrzeug oder eine Cosmetic freischalten. Es ist wirklich ein Traum, wenn man an so einem Sammeln Spaß hat.
Eine weitere Quelle für Autos sind Shops auf der Karte, in denen man Fahrzeuge mit freigespielten Münzen kaufen kann (keine MTX oder dergleichen und wirklich bei weitem nicht grindy). Sogar einen geheimen Händler, für den man lila Münzen braucht, gibt es. Und schaut man mal in die Sammlung, sieht man, dass man für jede komplettierte Sammlung wieder Belohnungen bekommt. Die Belohnungs-Ausschüttung ist wirklich der Wahnsinn.

Was ist mit Gameplay?
Wer Hot Wheels Unleashed gespielt hat, weiß genau, wie sich Infinite Rush spielt. Die Steuerung, das Fahrverhalten und weitere Funktionen sind nahezu identisch. Lediglich der Sprung aus Unleashed 2 hat es nicht ins Spiel geschafft.
Interessant sind aber die Perks, die man den Autos ausrüsten kann. Diese gibt es in vier Stufen, von denen die vierte Stufe sehr besondere Effekte mit sich bringt. Zum Beispiel sowas wie „der Boost ist stärker und hält länger, aber wenn du ihn los lässt, geht die Boost-Anzeige auf 0“. Tatsächlich ist es sehr spannend, neue „Stufe 4 Perks“ auszuprobieren.
Dazu wurde hier ein System mit vier Fahrzeugklassen eingeführt, die bei den Strecken vorgegeben werden und nicht im selben Rennen genutzt werden können. Diese unterschieden sich in Handhabung, Statistiken und der Weise wie der Boost funktioniert. Die Klasse Titan erinnerte mich sogar ein wenig an MotorStorm.
Eigentlich ist es etwas schade, dass sich die Klassen nicht im selben Rennen nutzen lassen. Aber da die Balance selbst innerhalb der Klassen nicht ganz Rund ist, wäre das vermutlich eh nicht gut ausgegangen. Übrigens gibt es leider keine Motorräder und Monster-Trucks mehr. Technisch gesehen sehr schade, aber eigentlich waren die in den Unleashed Spielen mehr optischer Natur, weshalb es dann doch wieder nicht so tragisch ist.

Welt und Strecken – Verspielter als früher, aber eigentlich weg von der Miniatur
Auffällig auf den Karten von Hot Wheels Infinite Rush ist schnell, dass die Welt gar nicht mehr nach Spielzeug wirkt. Also eigentlich schon, alle Objekte wirken wie Spielzeuge und sehr vieles lässt sich mit Plastik-Sound wegschleudern. Doch es fühlt sich nicht mehr nach Miniatur an, weil es keine übergroße Umgebung mehr gibt. Stellt euch einfach eine Open World von Forza Horizon oder Need for Speed vor, nur dass eben als aus Plastik gemacht ist.
Ich finde das hat einen tollen Charm und dadurch machen die offenen Karten einfach viel mehr Spaß frei zu befahren, als die Räume in den Unleashed Spielen. Besonders toll finde ich auch die Sehenswürdigkeiten, manche interaktiv (also mit integrierten Bahnen) und manche einfach nur, weil es toll aussieht.
Durch diesen Faktor bekommen die Strecken ein völlig neues Potential, denn die Abschnitte die von den typischen Hot Wheels Bahnen runter führen, und dabei viel zahlreicher sind, erwecken ein deutlich besseres Gefühl für Offroad.
Optisch sieht es immer noch klasse aus, der Sound ist verspielt und die Musik ist wieder richtig flott. Muss aber sagen, dass es gefühlt ein klein wenig schlechter als Unleashed 1 und 2 aussieht. Ich schätze einfach, weil es an der Leistung drückt. Vielleicht kommt es mir auch nur so vor, weil die Umgebung alles andere als realistisch wirkt.

Kreationen ähnlich wie früher, aber mit kleinen Anpassungen
Trotz der tollen Inseln reizen leider die offiziellen Strecken die theoretischen Möglichkeiten kaum aus. Sehr schade, aber immerhin kann dies wieder durch den Editor ausgeglichen werden, bis auf, … dass die Bahnen selbst wieder mal keine variable Breite erlauben.
An sich sind die Editoren für Strecken, Sticker und Lackierungen sehr ähnlich zu den Unleashed Spielen. Doch die Inseln bieten theoretisch ein besseres Potential für die Strecken-Gestaltung und bei den Fahrzeug-Lackierungen ist die Suche und Auswahl der Nutzer-Kreationen viel einfach gemacht als früher.
Neu ist die Möglichkeit, Räder beim Auto auszuwählen und der Streckeneditor bietet eine kleine KI Unterstützung. Aber erst mal keine Panik! Beim kurzen Ausprobieren war dies eher marginal und betraf nur Platzierung von Boostern auf der Strecke und, sehr nett, man kann einen KI-Fahrer die Strecke testen lassen.

Große Überraschung! Hot Wheels Infinite Rush erlaubt 4 Spieler
Wirklich extrem positiv überrascht war ich über die Möglichkeit Hot Wheel Infinite Rush lokal zu viert zu spielen. Dies war einer meiner Wünsche nach den Unleashed Spielen! Damit ist dieses Spiel nun ein toller Kandidat für Racing-Spaß bei Partys. Was im Übrigen zu der gänzlich bunten Aufmachung des Spiels passt und ich mich wieder mal an der Grenze fühle, ob ich dieses Spiel als Fun Racer zählen würde.
Schade nur, dass man lediglich Einzelrennen und Eliminator darin fahren kann. Also ja, leider auch ohne Mehrspieler in der Open World. Aber da will ich mal nicht zu kritisch sein, wenn eine Hoffnung mal erfüllt wurde.
Online hingegen ist nur wenig los. Wie in den Vorgängern gibt es Ranking-Lobbies und man hat ein Profil mit Tag, Avatar und einem Rahmen. Dies sieht immerhin sehr hübsch gestaltet aus! Private Lobbies gibt es natürlich auch und dazu einen speziellen Modus, bei dem ich jedoch leider keine Mitspieler gefunden habe und daher nichts dazu sagen kann – schade.

Fazit – Mindestens so gut wie Hot Wheels Unleashed 1 und 2
Ja doch, mir hat Hot Wheels Infinite Rush bisher sehr gut gefallen. Aufgrund des gewaltigen Umfangs bin ich bei weitem noch nicht durch (vor allem nicht 100% !), aber Lust drauf habe ich allemal.
Auch dieses Hot Wheels kratzt wieder nah am Stempel. Wären da nicht hier und da ein paar Design-Probleme in Streckengestaltung und Schwierigkeit, wäre es nahezu perfekt.

Mag ich
– 4-Spieler Splitscreen
– Tolle Open World Inseln zum Herumdüsen mit charmanter Spielzeug-Gestaltung
– Wieder 150+ Autos
– Open World erlaubt bessere Streckengestaltungen
– Zahlreiche Miniaufgaben auf den Inseln
– Community-Lackierungen sind einfacher anzuwenden
Mag ich nicht
– Zu einfach auf Mittel und Schwer
– Etwas zu viele und doppelte Renn-Veranstaltungen
– Die offiziellen Strecken reizen das Potential der Welt kaum aus
– Verschiedene Klassen nicht im selben Rennen nutzbar (müssten dafür auch deutlich besser ausbalanciert sein)
Vielen Dank an Plaion und Milestone S.r.l. für die Bereitstellung des Testmusters. Gespielt auf PlayStation 5.