Farlands (Review)

Artwork Farlands

Farmspiele und Early Access scheinen mittlerweile eng miteinander verbunden zu sein. Inzwischen verlassen aber auch immer mehr den früheren Zugang und erreichen einen 1.0-Release. Dazu gehört auch Farlands, das klassisch auf Topdownperspektive und Pixelart setzt, aber die Farm auch ins Weltall versetzt.

Also habe ich mir mein heruntergekommenes Raumschiff geschnappt und mit einem kleinen Planetoiden ein richtiges Schnäppchen geschossen. Die heruntergekommene Farm in einer abgelegenen Ecke des Universums war zwar sehr günstig, aber das hat doch bestimmt keinen Haken.

Ein ganzes Sonnensystem in Gefahr

Mein Farmleben könnte so stressfrei und entspannt sein. Auf meinem Planeten lebt niemand außer mir (mein Assistenzdroide hat zwar kätzische Züge, zählt aber trotzdem nicht). Ich könnte einfach mein Feld bestellen, Samen pflanzen, bewässern, und den Pflanzen beim Wachsen zuschauen. Auch wenn ich manchmal ungeplant Samen in ungepflügten Boden stecke oder auf bereits besäte Felder, was so vermutlich nicht sein sollte. 

Aber die wahre Bedrohung beschränkt sich nicht auf meinen Planeten, der nur aus meiner großen Farm besteht. Die wahre Bedrohung gefährdet das gesamte Sonnensystem. Ein gigantischer Megakonzern kauft ganze Sonnensysteme auf und hat nun dieses hier ins Auge gefasst. 

Als Bauer, der etwas auf sich hält, lasse ich mich davon freilich nicht beeindrucken. Zumal es eine für Videospiellandwirte einfache Lösung für das Problem gibt. Der Nachbarplanet Terbin steht bereits im Kontakt mit außerirdischen Entitäten, die Sonnensysteme vor Bedrohungen schützen können. 

Dafür muss ich lediglich ein paar Ressourcen, Bodenschätze, Insekten, Fische und Feldfrüchte katalogisieren. Siebig Prozent der Dinge, die ich auf den Planeten und einem Mond im Sonnensystem finde. Ein Icon neben dem Gegenstandsnamen verrät mir dabei, zu welcher Kategorie der Gegenstand gehört und ob ich ihn bereits gespendet habe. Die Sammlung wird auch für mich einsehbar aufbewahrt, so dass ich sehe, wie sich die leeren Plätze nach und nach füllen.

Die Katalogisierung geschieht dabei, wie zu erwarten, in Schüben. Auf jedem neuen Himmelskörper, den ich anfliege, sammle ich erst einmal so viel ein, wie in meine große Tasche passt. Nur, dass identische Fische und Insekten sich nicht stapeln, stört ein wenig. Das Schiff bietet ein wenig zusätzlichen Stauraum, der zu Beginn vernachlässigbar ist, sich aber vergrößern lässt. Besuche ich dann längere Zeit nur dieselben Planeten, kommen weniger neue Spendenobjekte hinzu. Im ersten Jahr bringt jede Jahreszeit ebenfalls neue Spenden, da ich bisher unbekannte Feldfrüchte anbaue. 

Gorman in Farlands: "Hast du dich schon eingelebt?"
Antwortmöglichkeiten: "Mir geht es gut, danke.", "Mir gefällt die Ruhe hier.", "Kennen wir uns?"
… wer ist das noch gleich?
Außerirdische Jahreszeiten

Die Jahreszeiten in Farlands sind nicht ganz so ungewöhnlich wie beispielsweise in Super Farming Boy. Und doch greift die Farmingsimulation nicht ganz auf die bei uns gewohnten vier Jahreszeiten zurück. Stattdessen gibt es drei Jahreszeiten. Die gemäßigte oder warme Jahreszeit, die heiße Jahreszeit und die kalte Jahreszeit. Während früher einmal kalte Jahreszeiten ruhiger waren, was Farmarbeiten angeht, kommt diese mit einem Set eigener Feldfrüchte daher. Das finde ich zwar ein wenig schade, gerade wenn es neben der Hofarbeit mehrere alternative Beschäftigungen gibt, aber schließlich ist mir das nicht neu.

Da ich auf komplett andere Planeten reise, betreffen die drei Jahreszeiten nur meinen Planeten. Terbin hat dafür ein Fest, zu dem sie den einen Regentag ihres Jahres feiern. Auf Galea blühen die Bäume zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Feste sind dabei leider nicht interaktiv, bieten aber Dialoge, die zumindest beim ersten Besuch amüsant sind. Einen Kalender, der die Daten aller Feste festhält, gibt es nicht. Doch zu Beginn jeder Jahreszeit und einen Tag vor dem Fest erhalte ich eine Mail mit allen wichtigen Informationen. 

Da ich in einem fremden Sonnensystem lebe, das nicht nur von Menschen von der Erde bevölkert wird, feiere ich auch nicht die üblichen Feste. Von einer Art Weihnachten und Neujahr einmal abgesehen. Es gibt kein Ostern, und da die Festlichkeiten nur aus Gesprächen und von kleinen Szenen begleiteten Reden bestehen, gibt es auch keinen Kochwettbewerb oder dergleichen. Terbin feiert zwar auch die Kulinarik, doch mit einem weiterem Fest zum Angucken.

Heiße Jahreszeit in Farlands mit einem kleinen Feld und sonnengebleichtem Grund.
Interplanetare Reisen

In anderen Farmingsims ist die nächste Ortschaft nie weit entfernt. Ein paar Schritte aus der Farm gemacht, schon stehen mir Geschäfte, weitere Angelplätze und eine Mine offen. Ganz zu schweigen davon, dass ich täglich mit den meisten Leuten reden kann.

In Farland jedoch findet all das auf anderen Planeten statt. Also reise ich mit dem Raumschiff zu ihnen. Das benötigt Zeit und Treibstoff.

Als verantwortungsvoller interplanetarer Reisender halte ich mich natürlich an die Ruhezeiten. Ich muss vor zwei Uhr nachts an meinem Ziel ankommen, damit ich überhaupt abreisen kann. Außerdem ist das Schiffsbett so unbequem, dass es meine Ausdauer nur zur Hälfte wiederauffüllt. Dass ich abends die Schuhe ausziehe und morgens hineinspringe, amüsiert mich aber jedes Mal. Dann ist meine Erschöpfung nur noch halb so wild.

Die Treibstofftanks befülle ich prinzipiell mit allem, was ich unter die Finger bekomme. Als mir mein gemähtes Gras ausgegangen ist, habe ich vorwiegend auf Holz zurückgegriffen, weil das dank Tannenzapfen ein nachwachsender Rohstoff ist. Ressourcen sind dabei unterschiedlich hilfreich und meine totenschädelförmigen Fische, die nichts wert sind, taugen auch als Treibstoff nichts.

So wird aus dem spontanen Spazieren eine wohlüberlegte Reise. Ich benötige ausreichend Treibstoff, zumindest für den Hinweg, da ich Materialien für den Rückweg aufsammeln kann. Bleibe ich über Nacht, sollte ich vorher und hinterher meine Pflanzen gießen oder ausreichend Sprinkler bereithalten. Was das Tierfutter angeht, bin ich mir nicht sicher, habe jedoch den Eindruck, als bräuchten die Tiere derzeit kein Futter, während ich unterwegs bin. Zudem gilt zu bedenken, dass mir am zweiten Tag nur die Hälfte meiner Ausdauer zur Verfügung steht. Vielleicht benötigte ich also auch Proviant.

Außerdem muss ich alle Materialien für Handwerksaufträge in der Tasche haben. Oder das, was ich spenden möchte. Etwas zu vergessen, kann durchaus ärgerlich sein, auch wenn im Grunde nur Zeit und Tankladungen verloren gehen. Leider kann ich auch nur vor Ort schauen, welche Materialien ich überhaupt benötige.

Ein fremder Planet in Farlands mit anderer Farbpalette und anderen Bäumen und Sammelpflanzen.
Ein richtiger Alienplanet!
Neue Leute kennenlernen

Auf zweien der Planeten treffe ich Leute. Terbin bietet Schmied, Schiffsmechaniker, Samen und Zugang zum Katalog. Alle paar Tage landet aber auch ein Händler auf meinem Planeten, doch das Sortiment wechselt, also muss ich darauf hoffen, dass er passende Samen zum Anpflanzen anbietet.

Auf Galea lebt der Handwerker, der mein Haus instand setzen und verbessern kann. Außerdem gibt es dort eine kleine Tierfarm, auf der ich mich beispielsweise mit Alienhühnern ausstatte. Die habe ich zuerst aufgesucht, als ich noch fast kein Geld hatte, und danach lange nicht mehr daran gedacht. Das hat leider dazu geführt, dass ich einen Teil der Haupthandlung rund um Gorman nicht gestartet habe. Nachdem ich nach einem Jahr dorthin zurückgekehrt bin, folgten dann die nächsten Storyszenen sehr schnell aufeinander. Aber soweit ich das nachvollziehen kann, habe ich dennoch keine Szene verpasst, also stört mich das wenig.

Mit den Standard-NPCs kann ich in Farlands nicht viel tun. Ich kann mit ihnen reden, auch wenn die Dialoge nicht groß variieren. Oder ich nehme ihre Dienste in Anspruch, handelt es sich um die Verkäufer.

Menü für das Spenden in Farlands. Gegenstände, die ich noch spenden kann, werden hervorgehoben.
Dating

Bei allen, die ich heiraten kann, folgt auf einen kurzen Monolog eine Handlungsauswahl. Ich spreche mit ihnen, erzähle einen Witz oder flirte, wobei jede Interaktion eine bestimmte Wahrscheinlichkeit hat, zu gelingen. Also besser keine Witze erzählen, bis ich mein Gegenüber besser kenne und ihren Humor einschätzen kann.

Mit den Geschenken hatte ich anfangs kein Glück. Bis ich festgestellt habe, dass ich die Silhouetten der Gegenstände, die die Leute mögen, im Menü sehen kann. Also muss ich nur finden, was sie mögen. Alles andere macht sie nur unzufrieden.

Für den Beginn habe ich Eddy zu meinem Partner auserkoren. Nicht nur, weil mir seine Vorliebe für Insekten einfach zu erfüllen schien. Er ist auch sehr niedlich, wenn ihn alles begeistert. Auch wenn ich leider nicht sehr freundlich darauf reagieren konnte, dass er sehr viele Fragen zu meinem Raumschiff gestellt hat.

Minenausflüge

Die Minen in Farland sind weitgehend klassisch mit vorwiegend unter Steinen versteckten Treppen und zufälligen Stockwerken. Es gibt mehrere von ihnen, in denen sich die vorhandenen Mineralien und Edelsteine unterscheiden. 

Teilweise gibt es auch Stellen, an denen ich meine Fortschritte festhalten kann. Während die eine Mine mich alle zehn Ebenen mit Teleportern zurückkehren lässt, bietet die anderen ein Lorensystem. Für die Teleporter benötige ich verschiedene Ressourcen, die ich in der Mine sammel kann, die Loren benötigen ein spezifisches Ersatzteil in unterschiedlicher Menge. Das sorgt dafür, dass ich bei den Loren schnell in Tiefen vordringen kann, die ich zuvor nicht besucht habe.

Besonderheiten bieten die Monster in den Minen. Da ich keine Waffe habe, mich ihnen aber irgendwie zur Wehr setzen muss, verwende ich meine Werkzeuge. Vereinzelt ist offensichtlich, welches Werkzeug das richtige gegen einen Gegner ist. Häufig allerdings habe ich hektisch Werkzeuge ausgewechselt und mit ihnen auf die Monster eingeprügelt, bis etwas funktioniert hat. Auch wenn mir im Nachhinein schnell klar wurde, dass eine Sichel von hinten den Pilz abschneidet, den eines der Monster auf dem Rücken trägt. So lassen sich die Monster alle irgendwie vertreiben. Ansonsten dezimieren sie meine Ausdauer sehr schnell.

Das Konzept gefällt mir zwar, doch für mich funktioniert die Ausführung nicht wirklich gut. Ich habe nicht die Zeit, zu überlegen, was passen könnte, da die Monster ständig gegen mich dotzen. Ist die Methode zu spezifisch, erkenne ich vielleicht das Werkzeug deshalb nicht, weil ich nicht aus der richtigen Position heraus angreife.

Minen in Farlands mit vielen Steinen und etwas Gras.
Technischer Zustand

Abseits von auffällig langen Ladezeiten beim Tageswechsel läuft Farlands bei mir weitgehend einwandfrei. Beim ersten MInenteleporter lande ich zuerst auf einer falschen Ebene und kann dabei manchmal schon loslaufen, ehe ich auf die richtige Ebene teleportiert wäre. Zudem aktualisieren sich die Itembeschreibungen beim Händler auf meiner Insel bisweilen nicht, wenn ich zu schnell durch die Gegenstände scrolle. In der Wüste verschwinde ich hinter einem Objekt und einer Sandkachel. Aber das sind Kleinigkeiten, die nicht allzu sehr stören. Das Spiel speichert zudem automatisch an jedem Morgen.

Überrascht hat mich die Möglichkeit, deutsche Texte einzuschalten. Diese sind meistens zweckmäßig gelungen und beim Durchspielen sorgen die Texte für keine Probleme. Wobei Ressourcen, die ich zum Aufbessern von Werkzeugen und dergleichen benötige, ohnehin nur als Bild aufgezählt werden. Aber teilweise fällt sehr deutlich auf, dass Sätze ohne Kontext übersetzt wurden. An einer Stelle wird sogar davon gesprochen, dass das System voller merkwürdiger Fehler sein soll, obwohl es dabei eigentlich um Käfer und nicht um technische Bugs geht. Zudem wird der Rubin als Rubinrot bezeichnet.

Außerdem sehen die rosa Haare meines männlichen Charakters sehr unrosa aus, wenn ich denselben Farbton mit der weiblichen Variante vergleiche.

Planetenauswahlbildschirm in Farlands mit Anzeige der Ankunftszeit und vorhandenen Tankladungen.
Fazit

Die Farmingsim Farlands erfindet vielleicht das Rad nicht neu, verknüpft dafür jedoch gut bekanntes Gameplay mit einem ungewöhnlichen Setting. Die Grundlagen sind solide umgesetzt. Die Stärken in der Umsetzung des Weltallsettings liegen vor allem in der Reise zwischen Planeten, die dafür sorgt, dass jeder Weg wohlüberlegt ist und ich auch mal tagelang nur auf meiner Farm arbeite. Die deutsche Übersetzung irritiert teilweise und es gibt kleinere technische Auffälligkeiten, aber nichts, was besonders ins Gewicht fällt. Lediglich mit der Monsterbekämpfung wurde ich nicht warm. Daher ist die Planetenerkundung als Farmer einen Blick wert.

Herzlichen Dank an JanduSoft für die Bereitstellung des Testmusters. Planeten erkundet auf PC via Steam.