Bolmn (Review)

Die Downloadplattformen der verschiedenen Konsolen haben mehr und mehr auch Einzel- und Hobbyentwicklern die Möglichkeit gegeben, ihre Spiele auf Konsolen zu veröffentlichen – oft zu enorm niedrigen Preisen. Ein echtes Schnäppchen ist beispielswiese das PlayStation 4-Jump & Run Bolmn, das von einem Soli-Entwickler stammt, aber trotz eines regulären Preises von gerade einmal 50 Cent immerhin 10 Level und somit circa ein bis zwei Stunden Spielzeit für einen einfachen Durchgang zu bieten hat.

Bolmn macht keine langen Umschweife, sondern wirft den Spieler unmittelbar nach dem Titelbildschirm ins Geschehen. Es gibt keine Storysequenzen, sondern einfach nur Bolmn, einige fiese Gegner und Plattformen und das Levelziel in Form einer Hütte. In Anbetracht des überschaubaren Umfangs und Preises ist es sicherlich eine gute Idee, sich einfach auf das Wesentliche zu konzentrieren und dem Spiel keine Geschichte aufzuzwingen. Bolmn selbst sieht aus wie ein unglücklicher Kirby. Er ist eine rosa Kugel mit einem im Paint-Stil gezeichneten etwas unglücklichen Gesicht, das mich ein wenig an Felix the Toy erinnert hat. Ein großer Teil seiner Gegner hingegen erinnert eher an Pac-Man, sie sind also große gelbe Kugeln mit ähnlichen Gesichtern, wie Bolmn eines hat.

Die Spielmechanik von Bolmn ist gleichsam auf das Wesentliche beschänkt. Bolmn kann laufen und springen, ohne irgendwelche athletischen Manöver in der Luft. Allerdings erhält er in manchen Levels noch eine Spezialfähigkeit, wie beispielsweise die Möglichkeit, mit Quadrat eine Peitsche zu schwingen. Allerdings ist die Spielphysik von Bolmn hochgradig gewöhnungsbedürftig. Bolmn hat ein sehr ausgeprägtes Momentum und baut im Lauf eine Menge Schwung auf, gegen den man dann ggf. recht heftig ankämpfen muss, wenn man landen oder in eine andere Richtung laufen möchte. Der Sprung ist im Gegenzug eher ein Hopser und hat somit keine sonderlich hohe Reichweite, so dass man die Sprünge im Spiel schon recht genau angehen sollte, um nicht auf halbem Wege Bekanntschaft mit dem Abgrund zu machen.

Was Bolmns Physik aber besonders unangenehm macht, ist, dass Bolmn an dem Rand von Plattformen regelmäßig abrutscht und in seinen Tod stürzt. Den Gipfel erreicht diese unangenehme Spielmechanik in Level 8 kurz vor dem Ende des Spiels, wo man einen Berg erklommen soll, der keine klaren Konturen bietet, sondern im Grunde einem natürlich gewachsenen Berg ähnelt. Hier muss man sich äußerst fummelig und intransparent einen Pfad suchen, auf dem man so gerade nicht in sein Verderben rutscht, wobei es zahlreiche in die Irre führende Teilpfade gibt und die tatsächliche Lösung, die ich gefunden habe, sich keineswegs anfühlt, wie planvoll designt.

Leider ist auch abseits dieses Tiefpunktes das Leveldesign in Bolmn nicht sonderlich gut, da die Sprungpassagen sowohl uninteressant, als auch nichtsdestotrotz durch die leidliche Spielmechanik frustrierend sind. Immer wieder wird man durch besonders fiese Gegnerplatzierungen zudem in schwer handhabbare Situationen geworfen, in denen es gar nicht so selten die beste Lösung zu sein scheint, einfach einen Schadenspunkt einzustecken, um sich nicht am Gegner verbeimogeln zu müssen. Es ist etwas schade, dass das Leveldesign ein solcher Reinfall ist, denn es ist auf jeden Fall anzuerkennen, dass der Entwickler für viel Abwechslung in den zehn Levels gesorgt hat. Neben einem Endgegnerkampf, dem bereits besprochenen Berg und einigen Standard-Plattform-Levels gibt es beispielsweise ein Labyrinth, das aus der Schulter-Perspektive durchlaufen wird, sowie zwei Pinball-Level aus der Seitenperspektive.

Bolmn setzt auf einen minimalistischen optischen Stil, der stellenweise ein wenig amateurhaft wirkt, aber durchaus einen gewissen Charme hat und subtil bedrohlich wirkt. Die Musik, die das Spiel bietet – aus gemeinfreien Quellen – kann recht schnell auf die Nerven fallen, ist aber im Wesentlichen in Ordnung. Die Performance des Spiels war auf der PlayStation 5 makellos und es gibt wenig Grund anzunehmen, dass das auf der PlayStation 4 – für die das Spiel eigentlich entwickelt wurde – anders ist.

Leider kann Bolmn, besonders auf Grund seiner nervenaufreibenden Physik – nicht punkten. Trotz des geringen Preises und des durchaus sympathischen Stils hat Bolmn mir schlicht zu keinem Zeitpunkt Spaß gemacht und ich kann mir auch nur schwer vorstellen, dass es vielen Spielern anders ergehen wird. Sicher, mit einem Preis von 50 Cent ist das Risiko bei dem Spiel äußerst gering – und wer es noch sicherer mag, der kann das Spiel sogar kostenfrei – offiziell vom Entwickler bereitgestellt – auf dem PC bei itch.io spielen. Ich würde mich freuen, weitere Projekte des Entwicklers zu spielen, denn er hat durchaus einen interessanten Stil und ein abwechslungsreiches Leveldesign geboten, aber das konkrete Produkt Bolmn kann ich leider nicht empfehlen.

Vielen Dank an The Voices Games für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf PlayStation 5 via Abwärtskomptabilität.