Virtual Boy – Nintendo Classics (Angespielt)

Artwork Virtual Boy - Nintendo Classics

Der Virtual Boy war für mich bisher lediglich ein Stück Videospielgeschichte aus grauer Vorzeit. Bekannt für sein monochrom rotes Bild und die unbequeme Haltung beim Spielen. Für Spiele wie Mario’s Tennis und Virtual Boy Wario Land, die ich nur als flaches Videomaterial kannte.

Nun erscheint mit Virtual Boy – Nintendo Classics eine Auswahl an Virtual-Boy-Titeln im Online-Service für Nintendo Switch und Nintendo Switch 2. Weil 3D cool ist, habe ich sofort einen ersten Blick auf die ersten sieben verfügbaren Titel geworfen. Diese nutzen Stereoskopie, um aus zwei Bildern die Illusion eines dreidimensionalen Bildes zu erschaffen.

Eine bunte Genre-Mischung

Die sieben Titel aus den Jahren 1995 und 1996 bieten einen Einblick in unterschiedlichste Genres. 3-D Tetris bietet das klassische Puzzlespiel mit einem Twist, Red Alarm ist ein Shoot’em up mit Drahtgittermodellen. Mit Teleroboxer und GOLF bietet der Service bereits zwei Sporttitel, die sich deutlich voneinander unterscheiden. The Mansion of Innsmouth ist ein First-Person-Horrorspiel mit labyrinthischen Gängen. Galactic Pinball ist ein Flipperspiel im All, während Virtual Boy Wario Land ein 2D-Action-Platformer mit Wechsel in den Hintergrund ist.

Zugegeben, ich finde nicht alle Titel gleich spannend. Bei Sportspielen interessieren mich meist nur Ausnahmen, wenn nicht gerade ich selbst den Sport spiele. Zumal ich in Boxinggames zumeist sehr schlecht darin bin, Angriffe und Blocken erfolgreich zu koordinieren. Nachdem ich Silent Hill 2 Remake gespielt habe, weiß ich gar nicht mehr, was ich von Horrorspielen halte, meistens interessieren mich entsprechende Titel spätestens nach der Genrebezeichnung nicht mehr. Aber bei der überschaubaren Anzahl an Titeln wollte ich zumindest allen eine Chance geben und mir dann erst überlegen, was ich davon weiterspielen möchte. 

Um nicht allzu lange nur ein Spiel zu spielen, habe ich bei jedem Titel die Funktion eingeschaltet gelassen, die nach 30 Minuten automatisch eine Pause einlegt. Ich mag das Feature, das fühlt sich so nostalgisch an. Auch wenn ich von selbst immer wieder kurze Pausen eingelegt habe, weil das mit einem VR-Gerät auf einem Ständer sehr einfach ist. Wenn nötig, habe ich nach der halben Stunde nach einem Punkt gesucht, an dem ich vorerst aufhören konnte.

Weil die Anzahl an Titeln bisher überschaubar ist, habe ich mich für ein kleines Ranking der Ersteindrücke entschieden:

Platz 7: GOLF

GOLF ist … Golf. Golf verbinde ich in Videospielen am meisten mit Wii Sports, bei dem die Bewegungssteuerung im Vordergrund steht. Die vielen unterschiedlichen Schläger überfordern mich bei Golf sofort, auch wenn es wahrscheinlich helfen würde, mich ein wenig mehr damit auseinanderzusetzen. Auf die Schlägerauswahl folgt die Intensität des Schlags mit einem kurvigen Balken. Überrascht hat mich, dass ich hinterher auch den Punkt, an dem der Schläger den Golfball trifft, beeinflussen kann. Allerdings habe ich schon nichts mehr verstanden, als ich die Fußplatzierung ändern konnte, die darin resultiert, dass die Spielfigur sich weit nach vorne oder hinten lehnt. 

Es gibt auch ein Turnier, allerdings habe ich auf dem ersten Platz bereits so lange gebraucht, um einen einzelnen Golfball einzulochen, dass ich sofort wusste, dass ich das gar nicht erst zu versuchen brauche. Entsprechend habe ich GOLF deutlich kürzer als die meisten anderen Titel gespielt. 

Der 3D-Effekt ist zudem nicht ganz so deutlich wie in anderen Titeln. Schade finde ich dabei vor allem, dass Titelbildschirm und Menü deutlich dreidimensionaler wirken als der Golfplatz oder der fliegende Ball.

Für mich ist GOLF der schwächste Titel der Auswahl, auch wenn ich natürlich einschränken muss, dass ich das Sportspiel bisher am wenigsten gespielt habe. Gleichzeitig möchte ich GOLF trotzdem noch einmal spielen, um das Spiel besser zu lernen und mich an einem Turnier zu versuchen.

Platz 6: Red Alarm

In Red Alarm steuere ich ein Raumschiff und schieße meine Gegner ab. Die ersten beiden Level, die ich ausprobiert habe, sind weitgehend linear mit einer Bossbegegnung am Ende. Die dreidimensionale Umgebung wird genau wie Gegner und eigenes Schiff als Drahtgitter dargestellt. Für mich funktioniert das weitgehend gut, um zu erkennen, wohin ich fliegen kann und was ich abschießen sollte (ausweichen geht oft aber auch). Im zweiten Level war ich mir lediglich kurzzeitig nicht sicher, ob die Wasserfälle in der Höhle schädlich sind oder nicht.

Einzig der letzte Abschnitt des ersten Levels war mir ein wenig zu offen, weshalb ich einmal für zwei Minuten den Boss aus dem Blick verloren habe. Das liegt allerdings auch daran, dass die Sichtweite nicht allzu groß ist. Letztlich habe ich mich am Rand der Arena gehalten, wo die Wände nach und nach sichtbar wurden, in der Hoffnung, den Gegner irgendwann wiederzufinden.

Bei Bedarf kann ich mein Raumschiff abbremsen und langsam nach hinten fliegen lassen. Insbesondere dann, wenn ein riesiges Gesicht als Gegner den einzigen Durchgang versperrt, ist das praktisch. Dagegenfliegen ist doch nicht ganz so empfehlenswert.

Mein Highlight sind die kleinen Figuren, die im ersten Level in einem kurzen Abschnitt über den Boden gelaufen sind. So niedlich!

Der 3D-Effekt rückt hier beispielsweise das HUD in den Vordergrund, fühlt sich aber in der Raumbewegung weniger deutlich an.

Das Ausweichen fiel mir noch schwer, also sollte ich das in einer weiteren Runde noch etwas üben. Immerhin habe ich noch ein paar Level vor mir.

Platz 5: The Mansion of Innsmouth

The Mansion of Innsmouth hat mich sofort an alte First-Person-Dungeoncrawler erinnert. Die Perspektive erschafft allein schon die Illusion eines dreidimensionalen Gangs, verstärkt durch das stereoskopische 3D auf dem Virtual Boy. Mit dem Stick bewege ich mich nach vorne oder drehe mich zu einer Seite, um in einen anderen Gang oder durch eine Tür zu gehen.

Jedes Level hat ein Zeitlimit, was sofort den Druck erhöht. Darüber hinaus ist die Zeit auch noch sehr knapp bemessen, weshalb das Zeitlimit durchaus eine Gefahr bietet. In meiner ersten Runde war ich dadurch so gestresst, dass ich eigentlich schon keine Lust mehr hatte, es erneut zu versuchen. Allerdings wäre das ein arg kurzer Eindruck geworden.

Gegner bewegen sich zumeist von rechts nach links, entfernen und nähern sich manchmal aber auch. Ich halte nicht viele Treffer aus, muss bei Begegnungen also aufpassen. Hinzu kommt, dass ich eine sehr begrenzte Anzahl an Kugeln in meiner Pistole habe und darauf hoffen muss, dass ich neue finde, ehe sie mir ausgehen. Mit dem rechten Stick ziele ich, was bedeutet, dass ich sehr viele Kugeln verschwende. Gemeinsam mit dem Zeitlimit hat mich das schon einige Versuche gekostet. Zumal die Kugeln nicht aufgefüllt werden, wenn ich eine Ebene abschließe und die nächste betrete.

Nachdem ich zum ersten Mal erfolgreich einen Schlüssel gefunden und an der weiterführenden Tür eingesetzt hatte, hatte ich mich allmählich eingewöhnt. Gegner, Munition und Zeit sind weiterhin ziemliche Probleme, aber lassen sich etwas besser managen. Außerdem dauert eine einzelne Runde unabhängig vom Ausgang nie besonders lang. 

Tatsächlich war ich überrascht, wie sehr mir The Mansion of Innsmouth zugesagt hat. Wahrscheinlich liegt es vor allem an den kurzen Runden, weil sich ein weiterer Versuch dann eben anbietet. Nur das Zielen stört mich, weil ich dadurch viel zu schnell gar nichts mehr habe, das ich den Gegnern entgegensetzen kann.

Platz 4: Teleroboxer

Kaum hatte ich Teleroboxer gestartet, musste ich auch schon wieder pausieren. Mein Gegenüber beim Boxkampf kam mir doch sehr bekannt vor. Also lehnte ich mich zurück und schaute auf meinen Nintendo Switch Online-Kalender in der Retro-Version. Den ziert im Februar einer der Gegner aus Teleroboxer. Cool!

Leider helfen die Wiedererkennungs-Bonuspunkte nicht viel weiter. Den ersten Gegner habe ich erst im zweiten Anlauf besiegt, als ich allmählich die Steuerung verstanden habe. Wenn auch nicht gut genug, um den nächsten Gegner auch noch zu besiegen.

Geschlagen wird hier mit den Schultertasten, während ich mit den beiden Sticks blocke. Wahrscheinlich hätte ich auch früher erkennen können, dass ich mit dem rechten Stick die rechte Faust vor das Gesicht halte, nachdem ich das mit der linken Hand und dem linken Stick sofort bemerkt habe …

Bei Teleroboxer handelt es sich um ein Boxspiel mit Frontalblick auf den Gegner. Der 3D-Effekt ist hier deutlich an den gegnerischen Fäusten zu sehen. Besiegt mich ein Gegner, schlägt dieser besonders mächtig zu und simuliert Risse auf dem Bildschirm. Der fühlt sich nach ein wenig Abstand zu mir an, aber doch merklich vor dem Kampfgeschehen. 

Spielerisch bin ich ein wenig zu hektisch, weshalb ich manchmal mehrfach gegen die erhobene Faust des Gegners schlage, ehe ich auf eine ungedeckte Stelle wechsle. Und wenn ich mir die Zeit nehme, auf die Aktionen des Gegners zu achten, blocke ich selbst meistens zu spät. Wenn ich einmal nicht noch andere Spiele ausprobieren möchte, kann ich mich aber bestimmt besser darauf einlassen. Allerdings spiele ich dann trotzdem Boxspiele, bei denen ich physische Bewegungen ausführe, deutlich lieber.

Screenshot Kampfbeginn Teleroboxer mit zwei Energieleisten und einem Timer oberhalb der Kämpfenden. Vom Spieler sind die Hände sichtbar, vom Gegner der gesamte Oberkörper.
Platz 3: Galactic Pinball

Pinball mag ich eigentlich nur mit Kirby. Galactic Pinball bietet vier Level (ohne Kirby), die alle eigene Gimmicks bieten. Der 3D-Effekt ist spürbar, wobei einzelne Effekte dabei besonders auffällig sind. Das Schwarz des Hintergrunds mit kleinen roten Pünktchen immitiert dabei gut die endlosen Weiten des Alls.

Jedes Level hat eine Highscore-Liste, wobei es zunehmend schwieriger wird, ausreichend Punkte zu sammeln. Manche Level bieten weniger Möglichkeiten, schnell Punkte zu sammeln, wodurch Bonuspunkte deutlich wichtiger werden. Diese sind später allerdings auch schwieriger zu erhalten. In einem Level hatte ich zweimal die Chance auf eine Millionen Bonuspunkte, konnte den Puck allerdings nicht rechtzeitig in das richtige Loch befördern.

Letztlich ist Galactic Pinball weitgehend klassisches Pinball, aber ich hatte Spaß daran und möchte auf jeden Fall noch den einen oder anderen Highscore knacken. Und ein paar Aliens besiegen.

Screenshot Galactic Pinball mit großem Alienkopf in der Mitte.
Es hat eine Weile gedauert, bis ich zum ersten Mal einen Puck in das Loch oben in der Mitte geschossen hatte, wodurch dann ein Alien aufgetaucht ist.
Platz 2: Virtual Boy Wario Land

Virtual Boy Wario Land entspricht am ehesten dem, was ich ansonsten so spiele. Das Feature, vom Vordergrund in den Hintergrund zu wechseln, ist mittlerweile nicht mehr ganz so neu, aber ich mag die frühe Umsetzung trotzdem. Vor allem, weil der Hintergrund beim Virtual Boy deutlich wie weiter hinten aussieht. Insgesamt sind die Ebenen in Virtual Boy Wario Land besonders klar sichtbar.

Einzelne Levelobjekte bewegen sich quer zu Wario. Stachelkugeln bewegen sich aus dem Hintergrund nach vorne und wieder zurück, wobei ich durch die Stereoskopie und das grafische Design sehr gut erkennen konnte, ob die Hindernisse gerade eine Gefahr sind oder nicht. Üblicherweise kann ich das nie besonders gut einschätzen und zögere oftmals zu lang.

In jedem Level versteckt sich zudem ein Schatz. Leider habe ich den im dritten Level bereits verpasst, aber zumindest bin ich mir ziemlich sicher, dass ich weiß, wo er zu finden ist. Ich habe bis nach dem ersten Boss gespielt, bei dem ich Mühe hatte, nicht zu oft getroffen zu werden.

Ich mag, das Wario Hüte sammelt, um neue Fähigkeiten zu erhalten. Oder Knoblauch, nachdem er durch einen Treffer klein geworden ist.

Allerdings habe ich auch schon einen unsichtbaren Block gefunden und ein paar zerstörbare Blöcke, die ich nicht von den unzerstörbaren Blöcken unterscheiden konnte. Bisher waren dahinter zwar nur ein wenig Geld und ein nur von der anderen Seite zugänglicher Weg, aber ich hoffe, das bedeutet nicht, dass ich später überall nach Geheimnissen suchen muss.

Hätte ich nicht noch andere Spiele zum Ausprobieren gehabt, hätte ich Virtual Boy Wario Land noch eine Weile weitergespielt.

Screenshot auf Switch 2. Zwei kleine Bilder nebeneinander.
So sieht das als Konsolenscreenshot aus. Soo putzig klein!
Platz 1: 3-D Tetris

Allmählich verspüre ich einen Sättigungseffekt bei klassischem Tetris. Über Nintendo Switch Online habe ich einige Varianten gespielt, und Tetris Effect: Connected habe ich in VR bisher nur angefangen, weil ich dann doch lieber andere Spiele gespielt habe. Tetris 99 kann ich noch am längsten spielen, wenn es wieder ein neues Hintergrundbild freizuschalten gibt.

Umso positiver überrascht war ich von 3-D Tetris. Wobei mir die endlosen Varianten irgendwann auch zu lang andauerten. Besonderheit von 3-D Tetris ist die Dreidimensionalität des Spielfelds. Um diese zu verdeutlichen, bewegt sich das Spielfeld zudem langsam. Auch die Blöcke lassen sich in alle Richtungen drehen. Nach einer halben Stunde konnte ich sie auch manchmal direkt in die richtige Richtung wenden, wenn ich sie nicht nur auf einer Ebene drehen wollte. Einzelne Blöcke weisen dabei andere Formen auf als gewohnt. So gibt es zwei kleine Blöcke, die mit kleinem Abstand gemeinsam fallen. Landet einer davon auf festem Untergrund, fällt der zweite einzeln weiter und lässt sich noch bewegen.

Anfangs habe ich mich noch darauf konzentriert, die Ebenen einzeln zu füllen, um sie dadurch aufzulösen. Inzwischen versuche ich mich aber auch daran, mehrere Ebenen teilweise zu befüllen, um sie anschließend gleichzeitig aufzulösen. Die Anzahl an befüllbaren Ebenen ist dabei begrenzt. Staple ich die Blöcke zu hoch auf, verschwindet dabei eine der Ebenen. Sind alle Ebenen verschwunden, endet das Spiel. 

Highscores erreiche ich bisher zwar noch nicht, aber Spaß habe ich trotzdem. Nur an den Puzzle-Modus werde ich mich wahrscheinlich noch eine ganze Weile nicht herantrauen.

Für mich bietet 3-D Tetris genau den Twist, den ich im Moment bei einem Tetris benötige und der mir beim Anspielen sogar noch ein bisschen besser gefällt als Virtual Boy Wario Land.

Angespielt auf Nintendo Switch 2 mit Virtual Boy für Nintendo Switch2/Nintendo Switch.