Seelenverwandte zu finden, kann schwierig sein. Die eine Person unter Milliarden entdecken? Klingt fast unmöglich. Aber als Taube unter ein paar Hunderttausend anderen wage ich es nun doch. Pigeon: A Love Story ist ein kleines Abenteuerspiel rund um die Suche nach der einen seelenverwandten Taube am Himmel über einer Stadt.
Städte von oben
Ich beginne meine Suche auf einer zufälligen Kachel von vielen, in die jede Karte eingeteilt ist. Zu den Orten zählen London, Amsterdam, Paris, New York und Tokio sowie eine zufällig generierte Karte. Die Städte dienen vorwiegend als Szenerie für meine Suche, die darüber stattfindet.
Also stürze ich mich in das Vogelgewimmel. Sobald ich auf einer Karte neu beginne, folgt ein kurzes Tutorial. Als Taube kann ich fliegen, wobei mein Wendekreis ziemlich groß ist und ich einige Städtetrips brauche, um den Flug zu meistern. Zu meinen Taubenfähigkeiten zählt daneben auch das Gurren. Das ist besonders wichtig, um mit den anderen fliegenden Tauben zu kommunizieren.
Auf einige Dächer kann ich mich setzen, sobald eine Eingabeaufforderung auftaucht, aus der Entfernung erkenne ich sie nicht. Allerdings dreht sich die Kamera häufig von selbst, während ich auf einem Dach sitze, was die Pause nicht sonderlich entspannt macht. Zudem sind mir auch grafische Fehler aufgefallen wie halb durchsichtige Gebäude oder fehlende Gebäudeteile.
Daneben bieten die Städte auch viele Sehenswürdigkeiten, die ich abhaken kann, nähere ich mich ihnen. Aber wollte ich nicht eigentlich etwas anderes suchen?

Gewimmel am Himmel
Tatsächlich habe ich in London sehr lange nur eine einzelne Sehenswürdigkeit überflogen. Deshalb fiel es mir dort leicht, mich auf mein eigentliches Ziel zu konzentrieren. Die Suche nach meiner seelenverwandten Taube.
Je nach Stadt unterscheidet sich die Anzahl an Tauben, was auch die Wahrscheinlichkeit beeinflusst, eine spezifische Taube zu finden. In dieser Hinsicht steigt der Schwierigkeitsgrad zwischen den Städten an. Auch wenn es eigentlich vor allem der Zufall ist, der darüber entscheidet, wie lange ich wirklich suche.
Als Hilfsmittel dient mir das Gurren. Gurre ich, reagieren die Tauben in Hörweite darauf. Tauben, die mich abweisen, färben sich rot ein. Einige von ihnen lehnen mich zusätzlich mit Worten ab. Das rangiert von “Ich habe einen Termin.” über ein simples “Nein.” bis hin zum typisch deutschen “tja”.
Manche geben aber auch Hinweise darauf, wo ich meine seelenverwandte Taube finde. Mal nennen sie Himmelsrichtungen, weisen mich an, dem Wind zu folgen, oder erzählen mir, dass ich weit entfernt bin. Mit vereinzelten Aussagen konnte ich nicht viel anfangen, weshalb ich zwischendurch die Sprache auf Englisch gestellt habe. Dabei ist mir aufgefallen, wie viel mehr Varianz die Ablehnungen auf Englisch haben. Zwar sind auch hier Sätze zu finden, die einigen deutschen Sätzen entsprechen, aber darüber hinaus viele weitere. Die zum Teil auch sehr amüsant sind. Aber die Hinweise sind in beiden Sprachen gleich gut verständlich. Auch wenn es manchmal schwierig ist, dem Wind zu folgen, da sich die Windrichtung zumeist nur an Windsäcken erkennen lässt, die ich erst einmal finden muss.
Für das Gurren benötige ich in Pigeon: A Love Story Taubenfutter, das praktischerweise in der Luft schwebt. Allerdings sammle ich es zumeist nebenbei ein, während ich nach der Taube fürs Leben suche. Und ich kann kaum so viel Gurren, dass die Gurr-Leiste sich komplett leeren könnte. Daher ist die Beschränkung weitgehend sinnfrei.

Stadterkundung
Finde ich meine seelenverwandte Taube, färbt sich diese weiß ein und folgt mir fortan. Ein Statistikfenster ploppt auf, das festhält, wie lange ich gesucht habe und wie viele Tauben mich abgewiesen haben. Auch meine Flugbahn wird festgehalten.
Für eine Zeit unter 15 Minuten gibt es eine Speedrun-Errungenschaft. Die habe ich allerdings erhalten, als ich den automatischen Modus ausprobiert habe. Dabei fliegt die Taube automatisch, passt nach Hinweisen ihre Flugbahn an und kann auch die seelenverwandte Taube finden.

Etwas weniger automatisch spielt sich Pigeon: A Love Story, wenn ich die Taube lediglich von selbst gurren lasse. Damit lässt sich wiederholtes Knopfdrücken vermeiden, auch wenn ich beim eigenen Gurren deutlich häufiger Geräusche gemacht habe. (Aber immerhin habe ich auch in Death Stranding schon ständig auf das Touchpad gedrückt, um Sam sprechen zu lassen. Was deutlich weniger nützlich ist als mein Taubengurren.)
Gemeinsam mit meiner seelenverwandten Taube kann ich die Stadt weiter erkunden, muss das also nicht vorher erledigt haben. In London, meiner ersten Stadt, wurde ich davon überrascht, dass meine seelenverwandte Taube einen bestimmten Ort sehen wollte. Nachdem ich lange Zeit nur eine von über 200 Sehenswürdigkeiten gefunden hatte, wurde mir irgendwann klar, woran das liegt: Viele Sehenswürdigkeiten liegen nahe beieinander. In London in besonders starkem Maße, in den anderen Städten verteilen sich die Sehenswürdigkeiten über größere Teile der Karten.
Würde ich mich in London (oder den anderen Städten) auskennen, wäre diese Suche wahrscheinlich deutlich einfacher. So allerdings habe ich lange planlos die Stadt überflogen, bis die Tauben mir auch zu dem gesuchten Gebäude Hinweise gegeben haben. Als ich die Sehenswürdigkeit gefunden hatte, war meine seelenverwandte Taube entzückt und wollte den nächsten Ort sehen. Um ein paar fehlende Sehenswürdigkeiten zu finden, kann das durchaus hilfreich sein. Das mag zwar ein sehr simples Abhaken von Dingen sein, aber auch das erfreut mich.

Fazit
Das war im Grunde auch schon alles, was Pigeon: A Love Story zu bieten hat. Das Fliegen ist eher langsam, und auch wenn das Spiel entschleunigend wirkt, fühlt es sich bisweilen doch etwas zu langsam an.
Die Sehenswürdigkeiten sind eine gute Erweiterung des Spielprinzips, die sich entspannt für eine steigende Zahl abklappern lassen. Mit den Dächern dagegen bin ich nicht ganz warm geworden, weil es kaum Anhaltspunkte gibt.
Zudem gibt es kaum Progression zwischen den verschiedenen Karten, da Parameter wie die Taubenanzahl das Erlebnis letztlich kaum spürbar beeinflussen. Die ablehnenden Aussagen der Tauben sind amüsant und die Suche hat etwas Meditatives an sich. Insgesamt reicht es für mich allerdings nur für eine eingeschränkte Empfehlung.

Herzlichen Dank an Wristwork für die Bereitstellung des Testmusters. Seelenverwandte Tauben gefunden auf PC via Steam.