Denshattack!! (Review)

Der politische Kurs von Friedrich Merz und Katherina Reiche hat in der Welt von Denshattack!! in einer einigermaßen nahen Zukunft Früchte getragen: Die Welt ist für den Menschen auf Grund der Klimakatastrophe unbewohnbar geworden und die verbleibenden Menschen leben in kuppelförmigen Habitaten, die ihnen künstlich akzeptable Lebensbedingungen ermöglichen. In der Welt von Denshattack!! ist das wichtigste Fortbewegungsmittel der Zug, doch was der eine oder andere Zugführer mit seinen Zügen anstellt ist nicht ganz im Sinne der Regierung.

Im Spiel schlüpft man in die Rolle einer jungen Zugführerin, die sich recht wenig um die Regeln für geordneten Zugverkehr kümmert, sondern hochriskante Fahrmanöver mit Sprüngen, Tricks und wilden Wettrennen fährt. Wir unterstützen sie dabei, die beste sogenannte Denshattackerin der Welt zu werden. Die Geschichte des Spiels wird mit Charakterportraits und Texteinblendungen – wahlweise auch in Deutsch – vorangetrieben und ist durchaus unterhaltsam, nimmt aber einen recht überschaubaren Raum im Spiel ein.

Im Mittelpunkt steht hingegen das rasante Gameplay. Denshattack!! kann als Mischung aus Sonic und die geheimen Ringe, Tony Hawk’s Pro Skater und der Ästhetik von Dreamcast-Arcade-Spielen grob umrissen werden. Man spielt in linearer Abfolge die etwa 50 Level des Spiels, die in vier verschiedenen Variationen daherkommen. So gibt es einfache lineare Level, in denen man schlicht vom Start zum Ziel fährt – möglichst schnell und mit möglichst spektakulären Tricks. In jeder der neun Welten des Spiels gibt es außerdem ein etwas offeneres Level, in dem man drei Aufgaben in beliebiger Reihenfolge erledigen muss. Diese Aufgaben werden mit Hinweisschildern ausgezeichnet und sind weitgehend unabhängig voneinander auf verschiedenen Streckenarealen anzugehen. Zudem gibt es gelegentlich Wettrennen gegen andere Denshattacker und jede Welt schließt mit einem spektakulären Endgegnerkampf ab, der sich aber eng an den Mechaniken der sonstigen Level bedient.

Die Spielmechanik des Spiels wird sukzessive komplexer, aber der Einstieg ist dennoch möglicherweise etwas gewöhnungsbedürfig. Der Zug fährt, nachdem man den A-Knopf gedrückt hat, automatisch über die Strecke, man muss allerdings darauf achten, dass man nicht aus der Kurve fliegt. Dafür muss man sich in die Kurve legen. Stimmt man das ideal ab – eine Driftleiste hilft dabei, das Timing zu treffen – bekommt man einen kleinen Boost. Zudem kann man jederzeit mit dem Zug springen und in der Luft mit dem rechten Stick eine Vielzahl von Tricks vollführen. Neben diesen Grundelementen kommen mit der Zeit immer weitere Interaktionsformen hinzu, so kann man über Rails grinden, an Wänden entlangschlittern oder aber sich sogar stellenweise von den Gleisen lösen und durch Halfpipes oder Rohre frei bewegen.

Das Tricksystem spielt für das Spielgefühl eine entscheidende Rolle, denn einfach nur das Ende eines Levels zu erreichen ist recht simpel, da das Spiel sehr großzügig mit den Rücksetzpunkten ist. Jedes Level kommt aber mit drei Medaillenwertungen daher. Zunächst gibt es eine Punktwertung, die von den Tricks und insbesondere Kombos der selbigen abhängt. Hier sei gleich der Tipp gegeben, dass man das Spiel erst einmal ein wenig spielen sollte, bis man die Fähigkeit erhält, nach der Landung auf den Gleisen den Kombozähler aufrecht zu erhalten, weil dadurch die Goldmedaille für die Punkte bedeutend einfacher zu erlangen ist. Die zweite Medaille bewertet die Geschwindigkeit, in der man es zum Ziel schafft – hier spielt neben den Boost-Gelegenheiten vor allem die Frage eine Rolle, ob man unfallarm das Ziel erreicht, denn die Zeit läuft im Fall eines Unfalls einfach weiter. Schließlich gibt es noch eine dritte Medaille, die für das Lösen bestimmter Sonderaufgaben, beispielsweise das ganze Level schadfrei zu überstehen, einen besonderen Trick auszuführen oder einen bestimmten Kombowert zu erreichen. In diese Medaille spielt außerdem hinein, wie viele von den Sammelgegenständen im Level man aufliest.

Die verschiedenen Ziele eines Levels kann man unabhängig voneinander angehen und sogar die Sammelgegenstände bleiben über verschiedene Läufe hinweg erhalten. Der Schwierigkeitsgrad der Goldmedaillen ist etwas wechselhaft, aber insgesamt auf einem angemessenen Niveau – meistens wird man im ersten Durchgang keine oder maximal eine Goldmedaille erringen, aber in aller Regel wird eine einstellige Zahl an Versuchen reichen, um ein Level komplett abzugrasen.

Das rasante Gameplay sorgt dafür, dass Denshattack!! ein sehr dichtes Pacing hat und die nach und nach eingestreuten neuen Fähigkeiten und Levelelemente halten das Spiel durchweg frisch. Obwohl Denshattack!! ein sehr lineares Spiel ist und dem Ersteindruck nach beinahe wie ein QTE wirken kann, wird mit einem äußerst abwechslungsreichen Leveldesign und vielen interessanten Ideen für Hindernisse und auch Endgegner dafür gesorgt, dass Denshattack!! durchweg erstklassig unterhält. Technisch gibt es auf der Xbox Series X nichts zu meckern, trotz der hohen Spielgeschwindigkeit und teuren Postprocessing-Effekten wie Chromatic Abberation läuft das Spiel stets mit flüssigen 60 Bildern in der Sekunde – was für das Gameplay auch absolut essenziell ist.

Denshattack!! ist ein tolles Arcade-Jump & Run mit klaren Anleihen an Tony Hawk. Der überzeichnete Stil passt perfekt zu dem ungewöhnlichen und energiereichen Gameplay und der Umfang ist erstaunlich hoch für ein Spiel dieser Designdichte. Wer mit der Idee etwas anfangen kann, sollte Denshattack!! auf jeden Fall eine Chance geben, für meine Begriffe ist Denshattack!! bislang neben Yoshi and the Mysterious Book die beste Spielerfahrung dieses Jahres.

Vielen Dank an Undercoders (vormals Talpa Games) für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf Xbox Series X.