Mystical Ninja 2 starring Goemon (Review)

Der quirlige Ninja Goemon kann in Japan eine sehr bewegte Geschichte zurückblicken, im Westen ist Goemon allerdings ein eher seltener Gast gewesen. Nur auf dem Nintendo 64 wurden seine Spiele einigermaßen zuverlässig nach Europa gebracht. Während Mystical Ninja starring Goemon noch ein 3D-Spiel war, nutzt Mystical Ninja 2 starring Goemon die 3D Fähigkeiten des Nintendo 64 nur zur Ausgestaltung von Parallelwegen und Abkürzungen, findet aber spielerisch größtenteils in nur zwei Dimensionen statt.

In Mystical Ninja 2 starring Goemon kann man einen von vier Charakteren, den namensgebenden Goemon, Ebisumaru, Sakuse und Yae steuern. Diese vier Charaktere unterscheiden sich nicht nur in ihrem Aussehen, sondern kommen jeweils mit individuellen Fähigkeiten daher, die an verschiedenen Stellen im Leveldesign vorausgesetzt werden. Allerdings muss man nicht befürchten, hierdurch auf Grund einer ungünstigen Wahl vor unüberwindbare Herausforderungen gestellt zu werden, denn immer dann, wenn ein bestimmter Charakter vorausgesetzt wird oder auch nur einen anderen Levelpfad angeboten bekommt, trifft man auch auf eine Wechselstation, so dass man zum benötigten Charakter wechseln kann.

Die Charaktere sind allerdings nicht ganz gleichberechtigt, denn Goemon ist der einzige Charakter, der über einen Doppelsprung verfügt. So unangenehm dieser auch ist – es gibt nur ein enges Fenster, in dem man ihn auslösen kann, was anfangs zu einigen überraschenden Toden führen kann – der Doppelsprung ist mit Abstand die nützlichste Individualfähigkeit eines Charakters im Spiel. Grundsätzlich ist Mystical Ninja 2 starring Goemon ein 2D Jump & Run mit weitgehend linearen Levels, die allerdings gelegentlich mal eine Abzweigung mit einem zweiten Levelausgang enthalten. Zusätzlich gibt es aber auch in jeder der fünf Welten eine Stadt, in der man mit zahlreichen anderen Figuren reden kann. Hier kann man nicht nur in einem Shop Hilfsgegenstände und Leben erstehen, sondern überdies zusätzliche Aufgaben finden, die wie normale Levelabschlüsse mit sogenannten Passierscheinen belohnt werden. Schließlich kann man in der Stadt auch seinen Spielstand speichern.

Um Mystical Ninja 2 starring Goemon erfolgreich abzuschließen, benötigt man insgesamt 30 Passierscheine und auch wenn es derer insgesamt 44 gibt, bedarf das einer ziemlich gründlichen Spielweise. Das liegt einerseits daran, dass zahlreiche Passierscheine erst nach dem Abschluss des Spiels gesammelt werden können, andererseits an der recht großen Zahl an Passierscheinen, die hinter verstecken Zusatzaufgaben liegen. Die Zusatzaufgaben können verschiedene Formen annehmen, beispielsweise eine Tauschsequenz oder ein Wettrennen in einem bereits gespielten Level. Besonders die Zusatzaufgaben, die in Levels stattfinden, sind recht anspruchsvoll, da man innerhalb der Missionen keine Leben nutzen kann, man also in vielen Fällen das ganze Level ohne Tod überstehen und dann noch eine zusätzliche Aufgabe erfüllen muss.

Mystical Ninja 2 ist ein ziemlich anspruchsvolles Spiel, das liegt allerdings leider nicht vorrangig daran, dass die Entwickler so interessante Plattform-Sequenzen designt hätten. In der Tat ist ein großer Teil der Leveldesigns in Mystical Ninja 2 eher ermüdend und selbst gegen Ende des Spiels wird hinsichtlich der Interaktion mit Plattformen wenig Besonderes geboten. Was allerdings sehr besonders ist, ist die extrem hohe Frequenz einfacher Gegner, oft in äußerst unangenehmen Positionen. Über weite Teile des Spiels kann man kaum drei Schritte gehen, ohne sich des nächsten Gegners entledigen zu müssen. Technisch gesehen muss man, abseits der Endgegner, die Gegner nicht besiegen, es ist allerdings meistens sehr schwierig, Gegner zu überspringen und da man Gegner anders als in vielen anderen Genre-Vertretern ausschließlich durch Waffengebrauch besiegen kann, wird man viel Zeit im Spiel damit zubringen, seinen Stab zu schwingen. Sehr viel Zeit.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Entwickler bei der Positionierung der Gegner einen gewissen Sadismus an den Tag gelegt haben. Auf Plattformen, die kaum breiter als Goemon sind, Gegner außerhalb der Reichweite des Stabes Goemons zu platzieren, sorgt für hakelige Sprünge mit knappen Angriffen, die sehr schnell die Lebensenergie Goemons auffressen können. Hat man sich einmal an die extrem hohe Gegnerfrequenz gewöhnt, kann zwar durchaus einmal ein akzeptabler Spielfluss aufkommen, aber wirklich erinnerungswürdig ist keines der Level in meinen Augen. Löblich ist allerdings, dass man in den 2D Abschnitten die freie Wahl hat, ob man seine Figur mit dem Steuerkreuz oder dem Analogstick bewegt.

Eine Besonderheit von Mystical Ninja 2 sind die Schlösser, die jeweils am Ende einer Welt zu finden sind und nur mit einer passenden Zahl an Passierscheinen betreten werden können. Diese Schlösser zeichnen sich über ihre exzessive Länge aus und können darüber hinaus jeweils mit zwei Endgegnern aufwarten. Immerhin: Hat man den ersten Endgegner besiegt, speichert das Spiel das und man kann beim nächsten Versuch direkt beim zweiten Endgegner beginnen. Verliert man hingegen beim ersten Endgegner, muss man das Schloss erneut von vorn angehen, so dass es sehr zu empfehlen ist, sich im Vorfeld großzügig mit Extraleben einzudecken. Ebenfalls erwähnenswert ist, dass man Mystical Ninja wahlweise zu zweit spielen kann, allerding auf nur einem Bildschirm, so dass man sich schon gut koordinieren muss, um das Spiel im Kooperationsmodus zu genießen. Eine gute Idee ist da die Möglichkeit, seinen Partner stückweise durch die Spielwelt zu tragen.

Technisch ist Mystical Ninja 2 starring Goemon sehr gelungen. Die 3D Grafiken sind einfach zu lesen und gibt der Darstellung der Level eine gelungene Dynamik. Die optische Tiefe wird deutlich umfassender genutzt, um den zweidimensionalen Pfaden eine räumliche Verortung zu geben, als in den meisten 2D Jump & Runs mit 3D Grafik. Nur in einem einzigen Level hat mir die 3D-Optik leichte Schwierigkeiten bereitet, weil es in diesem Level dreidimensionale rotierende Plattformen gab, die teilweise in eine Richtung ring um ihren Rotationspunkt befahren werden konnten, in die andere Richtung aber unter Goemons Füßen weggefahren sind. Die Entwickler waren sich dieser Schwierigkeit aber offenbar bewusst, denn hierdurch entstand keine sofort tödliche Situation.

Ein Wort sei an der Stelle noch zu den Endgegnern verloren. Nach den extrem langen Schlössern, die jede Welt abschließen, folgt stets zunächst ein gewöhnlicher Endgegnerkampf mit Goemon, den man erfolgreich abschließen muss, um einen permanenten Speicherpunkt zu erhalten, bevor man einen zweiten riesigen Endgegner in Mechform besiegen muss. Diese riesigen Mechgegner sind spielerisch nahezu identisch, sie werden nur immer schneller und haben immer mehr Lebensenergie – bis dahin, dass der letzte Mech über 6000 Lebensenergiepunkte hat, und mehr als eine Viertelstunde dauert, wenn man fehlerfrei spielt. Jeder Mechendgegner kommt mit einem Instakill-Treffer daher und bis zum Ende des Spiels habe ich die Kämpfe mit den Mechs als sehr unangenehm empfunden.

Mystical Ninja starring Goemon 2 ist ein passables 2D Jump & Run, das technisch sehr gelungen ist, spielerisch aber in meinen Augen unter der exzessiven Zahl an Gegnern, einigen Steuerungsproblemen unter Wasser und nervigen Endgegnern leidet. Der hohe Schwierigkeitsgrad ist in dem Genre auf dem Nintendo 64 ein Alleinstellungsmerkmal, allerdings in Anbetracht des wenig erinnerungswürdigen Leveldesigns kaum ein Pluspunkt für das Spiel. In dem dünn besetzten Genre auf dem N64 ist Mystical Ninja 2 starring Goemon möglicherweise eine Überlegung wert, aber in Anbetracht dessen, dass auf nahezu jeder sonstigen Plattform eine reichhaltige Auswahl besserer 2D Jump & Runs geboten wird, muss man dafür schon sehr auf die Konsole beschränkt sein.

Getestet auf Nintendo 64.