Seit dem vor ein paar Jahren die ganz alten Disney Marken begannen gemeinfrei zu werden, schienen hier und da Entwickler von verschiedenen Medien nun auf dieser Basis ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. So nun wohl auch bei Mouse: P.I. for Hire, von Fumi Games und PlaySide, dessen Artstyle recht offensichtlich von Steamboat Willie inspiriert wurde.

Mäuse-Krimi für Erwachsene
Mouse: P.I. for Hire mag zwar aussehen wie alte Mickey Mouse Cartoons, richtet sich aber klar an ein erwachsenes Publikum (was nicht selten ist, bei solcher Art Spiele). Hier wird uns ein Krimi aus der Sicht der Privatdetektiv-Maus Jack Pepper erzählt.
Dies wird in bewusst sehr altmodischer Manier präsentiert, sei es durch Monologe von Jack, des typischen Detektiv-Büros oder den Kontakten mit denen man redet. Wir haben hier also eine Mischung aus altmodischem schwarz-weiß Disney Cartoon und altmodischen schwarz-weiß Krimis.
Die Story selbst beginnt mit einem Vermissten-Fall, welcher jedoch zu weiteren Rätseln und größeren Fällen führt und im Laufe der Zeit allerlei Gruppen, wie z.B. aus Politik und Mafia, ins Geschehen bringt.
Mir gefiel die Story erstaunlich gut (ich bin ja eher ein Story Muffel), weshalb ich euch da nicht sonderlich spoilern will. Durchaus ein Highlight des Spiels für mich, trotz dessen, dass Konversationen immer auf Dialog Basis zur Kamera ablaufen (mit zusätzlicher Textbox darunter). Normalerweise eine Art, die ich gar nicht mag, doch hier hat es mich gar nicht gestört – wohlmöglich aufgrund der Krimi-Richtung.

Boomer-Shooter ahoi! – Doom lässt grüßen
Einer der ersten Dinge die in den ersten Trailern zum Spiel auffielen (zumindest mir), war das Shooter Gameplay. „Oh, der Mickey Mouse Shooter“ kam da mir schnell in den Sinn. Dieser Eindruck konnte sich im Hauptspiel nun klar bestätigen!
Mouse: P.I. for Hire ist nämlich ein ziemlich klarer Boomer Shooter. Also dieser Art Shooter bei dem man ein relativ lineares Level entlang läuft, auf dem Weg Gegner nieder schießt und immer wieder in kleine Areale kommt, bei denen man mehrere spawnende Gegner aus verschiedenen Richtungen erledigen muss. Wer zuvor mal ein aktuelles Doom gespielt hat, sollte sich hier schnell heimisch fühlen. Denn auch die sehr flotte Beweglichkeit ist hierbei vorhanden und wird sogar im Spielverlauf verbessert.
Sehr überrascht hat mich jedoch, dass eben genau das mir gefiel. Denn ich bin eigentlich gar kein Fan von Boomer Shootern. Doch irgendetwas ist hier besonders – Vielleicht liegt es einfach an dem passenden Artstyle oder aber auch an dem Umgang mit 2D-Sprites als Zielen. Wohlmöglich fand ich einfach nur den leichteren Schwierigkeitsgrad angenehm.
Das Spiel ist übrigens auf Mittel äußerst einfach. So einfach, dass ich zwischendurch mal schwer ausprobiert habe, jedoch das mir dann doch wieder zu knackig war. Leider muss ich anmerken, dass das Problem hierbei die Ressourcen sind. Diese sind auf Mittel viel zu viel vorhanden. Sei es Munition oder Heiltränke, man braucht wirklich nahezu gar nicht drauf zu achten sparsam damit umzugehen. Geübten Spielern würde ich daher klar den letzten Schwierigkeitsgrad empfehlen.

Bei Mouse wird nicht nur geballert!
Im Gegensatz zu Doom macht man in Mouse: P.I. for Hire hier und da auch andere Kleinigkeiten. Abseits häufiger Konversationen gibt es noch eine Rätsel Mechanik um Safes und Schlösser zu knacken und ein Baseballkarten-Spiel.
Zweiteres ist erstaunlich umfangreich. Also das Spiel ist nicht komplex, doch kann man Karten sammeln (in den Leveln finden oder kaufen) und diese dann in den Runden verwenden. Dies fand ich erstaunlich witzig, trotz dessen dass man 20 Runden gewinnen soll – denn dafür bekommt man eine Belohnung.
An sich wirkt es, als müsste man im Spiel noch Hinweise sammeln für die Progression. Doch mir erschien dies nur eine Story-Spielerei zu sein. Sprich: man „findet“ einfach Objekte die man finden soll, heftet die nach Aufforderung an die Pinwand und dann bekommt man eben die nächsten Missionen. Lustig gemacht, aber ist am Ende nur eine aufgehübschte Linearität. Wobei ich betonen möchte, dass es ein paar Nebenmissionen/level gibt, die man zeitlich variabel abschließen kann.

Das Cartoonige ist absolut auf den Punkt getroffen
Hiermit möchte ich mal noch kurz zuvor eine Gameplay Sache einbringen: Es gibt einige Waffen, die sich nach und nach freispielen und dabei schön unterschiedlich spielen. Neben Pistole, Schrotflinte und Maschinengewehr (die sich hier James Gun nennt, hihi), gibt es z.B. noch einen Säurewerfer. Diese lassen sich außerdem verbessern, mithilfe einer Ressource die man in den Leveln finden kann.
Diese spielen sich nicht nur unterschiedlich, sondern haben auch noch unterschiedlich optische Effekte bei den Gegnern. Die Köpfe fliegen weg mit einer „Tinten“-Fontäne, sie verbrennen zu Asche oder auch lösen sich in Skelette auf. Ja, offensichtlich ist es recht brutal, aber irgendwie auch witzig, weil z.B. die Aschehaufen noch die blinzelnden Augen drauf haben. Dass Gegner auch noch unterschiedliche Sprüche je nach Waffe rausposaunen ist schon echt beeindruckend.

Apropos Sprüche: Das ganze Spiel versucht konstant die Mäuse-Thematik aufzugreifen. Vor allem Käse wird unglaublich oft verwendet. Sprüche wie „wer zieht hier die Käsefäden“ oder einfach die Tatsache, dass die Medipacks Käsestücke sind, sowas findet man hier an jeder Ecke. Ebenso an jeder Ecke in Leveln findet man kleine Anspielungen zu allem Möglichen. Der Detailgrad ist hierbei wirklich fantastisch – nicht selten bin ich wegen Postern oder dergleichen stehen geblieben.
Am besten getroffen sind aber die Animationen, sowohl bei den Charakteren, den Welten aber auch eben den Waffen. Zu diesen muss ich hiermit wieder zurückkommen, denn diese habe super lustige Nachlade-Animationen und auch wenn man sie upgradet erscheint eine kleine Animation.
Natürlich sind auch Soundeffekte absolut zum Schießen albern und die Musik bedient sich vielen klassischen Stücken. Ich vermute hier ebenso gemeinfreie Stücke, aber wahrscheinlich ist auch viel eigenes dabei. Jedenfalls kannte ich manche Musikstücke bereits.

Charmante Details und Funktionen
Wenn man mal in die Einstellungen schaut, findet man so allerlei Einstellungen um sich das Retro-Feeling noch zu verstärken. Anfangs bietet das Spiel dazu auch ein paar Presets. Dies gilt sowohl für Bild als auch Ton. Übrigens hat mir das schwarz-weiß keine Probleme in Erkennbarkeit gemacht.
Was mir noch besonders gut gefiel: die Level hat man über eine Karte ausgewählt, auf der man mit seinem Auto in Vogelperspektive zu den Orten fährt. Also sehr simpel, wie mit einem Cursor, doch dies fand ich eben äußert charmant gemacht.
Leider scheint es aber ein Spiel zu sein, bei dem man nicht den vorhandenen Spielstand nachträglich komplettieren kann, sprich man für 100% alles in einem Run machen muss. Sowas nervt mich ordentlich und ist klar ein Grund, warum ich es wohl nicht komplettieren werde. Übrigens hat mein Spieldurchlauf ca. 18 Stunden gedauert – ist also ein unerwartet langes Spiel.

Fazit – Trotz Boomer Shooter, ein wirklich tolles Spiel!
Ich weiß nicht ob das jetzt gut oder schlecht ist, aber gerade für mich als sonstigen Shooter-Muffel ist Mouse: P.I. for Hire einer der besten Shooter die ich bisher gespielt habe. Vielleicht sogar DER Beste.
Eigentlich schade, dass die 100% nicht attraktiv sind und die Ressourcen auf Mittel viel zu übertrieben spawnen. Ich würde sagen, ich finde es auch ein bisschen zu lang.
Aber ansonsten ist für mich wirklich vieles perfekt am Spiel. Der cartoony schwarz-weiß Artstyle, der jedoch nicht versucht für Kinder zu sein, tut schon wirklich gewaltig viel dabei. Dass mir hier sogar mal Gunplay gefällt, ist aber dennoch erstaunlich. Die tolle Story und die kleinen Nebenaktivitäten runden die Sache noch gut ab.

Mag ich
– Schwarz-weiß Cartoon Artstyle
– Nette Krimi-Story
– Viele witzige Animationen und Soundeffekte
– Auch sonst viel Witz und tolle kleine Details
– Tolle Weltkarte
– Gutes Gunplay und Platforming-Gameplay
– Nettes Kartenspiel für zwischendurch
Mag ich nicht
– Zu viele Ressourcen auf Mittel
– Spielstand nicht nachträglich komplettierbar
– Etwas zu lang (ich habe aber auch alle Nebenmissionen gemacht, keine Ahnung ob man das muss)
Vielen Dank an PlaySide und Fumi Games für die Bereitstellung des Testmusters. Gespielt auf PlayStation 5.