Unter dem Namen Console Archives bringt HAMSTER Corporation klassische Heimkonsolen-Spiele auf moderne Plattformen. Darunter auch ein besonderes RPG, das in Japan 1998 und in Nordamerika 2000 erschien. Console Archives Rhapsody: A Musical Adventure lässt sich auf Englisch und Japanisch spielen und bietet Gesang in beiden Sprachen.
Atmosphärisch ist der RPG im Animestil weitgehend locker-flockig und sehr humorvoll, auch mit einigen Seitenhieben auf das wiederholte Untersuchen von Bücherregalen in fremden Zimmern.
Console Archives
Als Console-Archives-Version bietet Rhapsody: A Musical Adventure eine Handvoll Anpassungsmöglichkeiten. CRT-Filter sorgen für sorgen für Retrofeeling, doch dabei bleibt es nicht. Mir werden sogar mehrere Bildstöreffekte geboten, die ich in ihrer Intensität einstellen kann. Ebenso lässt sich das Bildschirmlayout anpassen und eine Bildkrümmung simulieren. Ich habe mich letztlich für einen der CRT-Filter und die geringste Stufe an weiß aufblitzenden Störlinien entschieden, da mir höhere Intensitäten doch ein wenig zu … störend waren.
Das Menü ist dabei in Deutsch gehalten und bietet viele Erklärungen. Eine kurze Zusammenfassung der Ausgangslage finde ich dort ebenso wie Charakterprofile und Erklärungen zum Kampfsystem und Statuseffekten. Da der erste Kampf ohne Tutorial startet, können die Erklärungen durchaus hilfreich sein, auch wenn das Kampfsystem nicht allzu komplex ist.
Zudem bieten Menü und Spiel beide mehrere Speicherplätze. Während ich in Rhapsody jederzeit außerhalb von Kämpfen speichern kann, geht das im Menü auch innerhalb von Kämpfen.
Ein wenig irritierend ist, dass sich Steuerung innerhalb und außerhalb des Spiels unterscheiden. Das Schema der PlayStation-Version wird beibehalten (inklusive angezeigter Symbole), so dass ich auf Nintendo Switch 2 standardmäßig mit B bestätige. Im Menü dagegen bestätige ich mit A. Bei Bedarf lässt sich das jedoch anpassen.
Wirklich notwendig sind die meisten dieser Features nicht, gerade da die Mehrheit rein optisch ist. Aber ich spiele gern mit CRT-Filtern herum und selbstgewählt sind auch Störeffekte lustig.

Ein Musical-RPG
Rhapsody: A Musical Adventure folgt der jungen Cornet. Sie verfügt über die besondere Fähigkeit, mit Puppen zu sprechen, und träumt von ihrem Märchenprinz. Wie es der Zufall will, rettet sie bei einem Zwischenfall im Wald ein echter Prinz. Als Dorfmädchen ist es nicht ganz einfach, näher an ihn heranzukommen, weshalb sich Cornet dazu entscheidet, an einem Schönheitswettbewerb teilzunehmen. Der könnte darüber entscheiden, wen der Prinz heiraten wird.
Dann geht jedoch einiges schief und Cornet beschließt, die Welt zu bereisen, um den entführten Prinzen zu befreien.
Unterstützt wird sie dabei von den Puppen, die sie unterwegs trifft, und der Puppe Kururu, die sie schon länger begleitet. Immer wieder mit von der Partie ist die wohlhabende Etoile, die als Rivalin oder Unterstützerin auftritt.
Rhapsody lässt sich in rund 10 Stunden abschließen. Ein wenig Nebencontent ist mit Puppenquests vorhanden, weitgehend fokussiert sich das Spiel aber auf die Hauptgeschichte. Diese lässt sich ab einem bestimmten Punkt auch in weitgehend freier Reihenfolge angehen. Da vereinzelt nicht sofort ersichtlich ist, wo das nächste Ziel liegt, ist es angenehm, vorerst auf einen anderen Strang zurückzugreifen und später noch einmal an verschiedenen Orten mit allen NPCs zu reden.
Die größte Besonderheit von Rhapsody: A Musical Adventure sind die Lieder, die die Charaktere an verschiedenen Stellen während der Handlung singen. Untertitel sind dabei von der Gesangssprache abhängig, daher habe ich mich erst einmal für die englischen Stimmen entschieden. Der Gesang gefällt mir sehr gut und die Lieder fangen den Musical-Vibe überzeugend ein. Allerdings fällt gerade bei s-Lauten auf, dass die Tonqualität nicht ganz ideal ist. Mein Highlight ist der Song der Bösewicht Marjoly und ihrer Untergebenen, der die Charakterdynamiken sehr amüsant in Gesangsform umwandelt.
Hin und wieder ist es schwierig, Dialogen zu folgen, weil Dialogboxen von unwichtigeren Charakteren nicht bebildert sind.

Taktische Kämpfe
Die Standardkämpfe finden als Zufallsbegegnungen in angenehmer Frequenz statt. Auf dem Kampffeld stehen Cornet, ihren Puppen und Monstern unterschiedliche Aktionen zur Verfügung. Während eines Zuges können sich Figuren fortbewegen und angreifen, wobei ich die Reihenfolge der beiden Aktionen frei wähle (oder ob überhaupt etwas davon getan wird). Der Bewegungsradius ist dabei charakterabhängig. Die Reichweite von Standardangriffen auch, wobei die meisten Charaktere lediglich Felder unmittelbar neben sich angreifen können.
Daneben gibt es Spezialangriffe, die MP benötigen und zumeist eine höhere Reichweite haben. Nach Kämpfen erhalten alle im Team dieselbe Anzahl an Erfahrungspunkten und bei Levelaufstieg erlernen Puppen und Monster eventuell neue Spezialfertigkeiten. Darunter sind nicht nur höhere Stufen bereits erlernter Fertigkeiten, die oft auch mehrere Gegner gleichzeitig treffen, sondern auch Heilzauber oder Aktionen für Statusveränderungen.
Cornet selbst ist allerding nur ein einfaches Mädchen und nicht versiert im Kampf. Zwar verfügt auch sie über einen Standardangriff, allerdings ist sie eventuell nicht so stark wie ihre Puppen. Deshalb sollte sie eigentlich eher eine unterstützende Rolle spielen.
Mit ihrem Horn ermuntert sie ihre Puppen und verstärkt sie dadurch. Wiederholt sie das Hornspiel, füllt sich kampfübergreifend allmählich eine Leiste, die verschiedene Rewards freischaltet. Dabei handelt es sich um große Angriffszauber mit über den Bildschirm fliegenden Lebensmitteln oder Heilzauber für das Team.
Außerdem kann ich alle Charaktere per Knopfdruck auch automatisch handeln lassen. Dabei scheinen sie allerdings nur Move und Attack (für den Standardangriff) zu nutzen. Ein wenig Aufmerksamkeit ist dabei also empfehlenswert.
Werden Puppen im Kampf besiegt, kann Cornet sie gegen Geld von ihrem Großvater reparieren lassen. Monster hingegen verschwinden, sobald sie besiegt sind; allerdings hat mich im gesamten Spielverlauf nur ein Monster gefragt, ob ich es ins Team aufnehmen möchte. Wird dagegen Cornet besiegt, lande ich beim letzten Speicherpunkt, also ist häufiges Speichern empfehlenswert.

Schwierigkeitsgrad
Allerdings ist auf dem mittleren von drei Schwierigkeitsgraden meist nicht viel mehr als der Einsatz von Standardangriffen nötig. Lange Zeit habe ich nichts von Statuseffekten gesehen, musste also auch keine heilen. Als eine meiner Puppen schließlich doch in eine Schildkröte verwandelt wurde, habe ich sie für den Rest des Kampfes in dieser Form behalten, weil sie superniedlich aussieht. Das schränkt zwar den Bewegungsradius ein und verhindert Magie, aber schließlich habe ich zwei weitere Puppen und Cornet im Team.
Heilgegenstände und -zauber sind daher ebenfalls nicht besonders wichtig, obwohl die erste Puppe auch einige Heilzauber erlernt.
Lediglich einen Kampf habe ich sehr knapp verloren, und auch das nur, weil zwei meiner Puppen frisch im Team und daher auf Level 1 waren.
Das macht es zwar als Einstiegstitel in die Welt taktischer RPGs interessant, kann bei etwas mehr Erfahrung aber doch sehr belanglos werden.
Dungeons
Rhapsody: A Musical Adventure spielt sich nicht nur in verschiedenen Städtchen ab, in denen die NPCs immer wieder neue Dinge erzählen. Bosskämpfe spielen sich häufig in Dungeons ab, und auch wenn neue Ziele zumeist nach Dialogen auf der Karte anwählbar sind, verbinden einzelne Höhlen auch verschiedene Orte.
Dabei gibt es ein Design für Höhlen und ein Design für Gebäude, jeweils in unterschiedlichen Farben und mit unterschiedlich zusammengefügten Versatzstücken.
Höhlen sind lange Gänge mit unterschiedlichen Abzweigungen oder Kurven, die jeweils auf einem neuen Bildschirm sind. Einige Sackgassen sind einfach nur leere Enden von Wegen, hin und wieder verbirgt sich dort jedoch auch eine Schatztruhe mit einem Accessoire oder einer Illustration. Letzteres freut mich wesentlich mehr, weil ich anschließend verschiedene Zeichnungen von Cornet und Co. anschauen kann. Häufig führen auch Treppen auf tiefere Ebenen.
Gebäude bestehen aus quadratischen Räumen mit unterschiedlicher Türanzahl und eventuell einer Treppe. Häufig sind einzelne Abschnitte der Gebäude nur über eine Treppe zu erreichen, also muss ich anschließend wieder zurückgehen, um weiterzukommen. Außerdem gibt es einige komplett leere Räume.
Die Dungeons sind dadurch sehr labyrinthisch und verwirrend, auch wenn es letztlich nicht zu schwierig ist, ein Ziel zu erreichen. Jedenfalls mit taktischem Vorgehen, um bei der Rückkehr aus Sackgassen den Überblick zu behalten. Außerdem bin ich in einzelnen Höhlen mehrfach gewesen und konnte mein Ziel trotz der Ähnlichkeiten schnell wiederfinden.

Fazit
Die Stärken von Console Archives Rhapsody: A Musical RPG stecken im frischen Konzept und dem gelungenen Gesang. Spielerisch sind die Kämpfe leider so simpel, dass die meisten Mechaniken nicht von Bedeutung sind. Bei der eher kurzen Durchspielzeit ist das aber nicht so störend, wie es sein könnte. Im Dialog mit NPCs finden sich dafür jedoch viele amüsante Momente und die versteckten Illustrationen bieten einen Anreiz, Orte tiefer zu erkunden. Die zusätzlichen Features der Console-Archives-Version sind nicht wirklich notwendig, um heute noch Spaß am Spiel zu finden, aber doch ein schöner Bonus. Doch wegen der Kämpfe reicht es nur zu einer eingeschränkten Empfehlung.

Herzlichen Dank an HAMSTER Corporation für die Bereitstellung des Testmusters. Gespielt und Gesang genossen auf Nintendo Switch 2.