Arcade Archives 2: Arkanoid (Review)

Hamster Co. ist ein äußerst produktives Studio, das beinahe im Wochentakt mit neuen Spielen in seinen Reihen Arcade Archives und Console Archives aufwarten kann. Das hängt sicherlich damit zusammen, dass die Spiele, die Hamster veröffentlicht, nicht komplett neu gestaltet werden müssen, sondern dass Hamster mit einem robusten Emulator und namhaften Partnern aus den 70ern bis 90ern vorrangig an technischen Anpassungen arbeiten muss – das eigentliche Gamedesign steht und ist bereits lange bewährt.

Im aktuellen Release aus dem Hause Hamster, Arkanoid, muss man ein Raumschiff vor einem Alienangriff beschützen. Die Geschichte wird, ungewöhnlich für einen so frühen Arcade-Titel, über Zwischensequenzen mit Animationen und erläuterndem Text vor dem Start des Spiels erzählt und dann am Ende des Spiels wiederum mit einer Sequenz zu Ende gebracht. Die Sequenzen tragen durchaus dazu bei, dem Spiel einen Rahmen zu geben, allerdings ist es etwas schade, dass man die Startsequenz beim wiederholten Spielen nicht überspringen kann – Arkanoid ist nämlich ein ziemlich schwieriges Spiel und wenn man keinen Gebrauch von den Speicherständen machen möchte, wird man unzählige Male von vorne starten müssen.

Nach einigen Durchgängen dürfte die Sequenz, auch wenn sie nur ca. zehn Sekunden in Anspruch nimmt, vielen Spielern auf die Nerven fallen. Eine weitere Kleinigkeit im Begleitkontext des Spiels, bei der eine Änderung wünschenswert gewesen wäre, ist der Umstand, dass man weiterhin Münzen in den virtuellen Automaten einwerfen muss. Das kostet den Spieler zwar nichts außer einen Tastendruck, trägt meinem Eindruck nach aber nicht positiv zum Spielgefühlt bei.

Doch kommen wir zum eigentlichen Spiel. Arkanoid nutzt das Spielkonzept das ursprünglich von Breakout geprägt wurde, das heißt, dass man ein Brett am unteren Bildschirmrand nach links und rechts bewegt, um eine Kugel in der Luft zu halten. Diese Kugel stößt von der Wand am Bildschirmrand, aber auch von Blöcken ab. Die meisten Blöcke werden durch die Berührung mit dem Ball zerstört. Es gibt aber eine Sorte Blöcke, die grauen Blöcke, die mehrere Schläge mit dem Ball benötigen, bevor sie kaputt gehen, und eine weitere Sorte, die goldenen Blöcke, die niemals kaputt gehen. Ziel des Spiels ist es, alle Blöcke – außer die goldenen, soweit welche im Level vorhanden sind – zu zerstören.

Wenn der Ball sich einfach physikalisch korrekt nach dem Prinzip Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel bewegen würde, wäre das aber natürlich reichlich langweilig – man hätte als Spieler im Grunde genommen nach dem ersten Abstoß des Balls keinen Einfluss mehr auf die Flugrichtung, sondern nur noch darauf, ob der Ball überhaupt im Spiel bleibt. Bezüglich der Wände und der Blöcke verhält der Ball sich zwar genau so, aber bezüglich des Brettes, das der Spieler steuert, nicht. Hier gilt, dass die Richtung, in die der Ball davon fliegt, davon abhängt, wo auf dem Brett der Ball aufkommt. Kommt der Ball auf der linken Seite des Brettes aus, so fliegt er nach links davon und von der rechten Seite wird der Ball nach rechts abgestoßen. Darüber hinaus wird der Winkel und die Geschwindigkeit dadurch bestimmt, wie weit von der Mitte entfernt der Ball auf das Brett stößt. Je weiter außen, desto flacher ist die neue Flugrichtung des Balls und desto höher die Geschwindigkeit.

Für etwas zusätzliche Abwechslung sorgt das Item-System. In unregelmäßigen Abständen hinterlässt ein zerstörter Block ein Item, das dann von der Stelle, an der der Block sich befand, senkrecht nach unten fällt. Sammelt man das jeweilige Item mit seinem Brett auf, so erhält man einen Spezialeffekt. Man erkennt anhand der Farbe im Vorfeld, was der Effekt des jeweiligen Items ist, aber es kann zu jedem Zeitpunkt nur ein Item aktiv sein. Hat man also gerade bereits ein Item aktiv, sollte man sich stets überlegen, ob man den neuen Effekt bevorzugen würde.

Die Effekte, die die Items auslösen können, sind beispielsweise ein Extraleben, ein Magneteffekt, der es einem erlaubt, den Ball festzuhalten und dann gezielt wieder abzuschießen, eine Verdreifachung des aktuellen Balls, oder zwei Geschütze, die an den Rändern des Bretts angebracht werden und auf Knopfdruck Geschosse abschießen können, mit denen man Blöcke zerstören kann. Die Items können zwar sehr hilfreich sein, stellen aber auch ein Risiko dar, denn die Kugel bewegt sich im Spiel ziemlich schnell und das Einsammeln der Items bedingt natürlich, dass man seine Aufmerksamkeit zwischen dem Item und dem Ball aufteilt.

Die hohe Spielgeschwindigkeit ist es auch, bei der ein Nintendo Switch 2-Feature eine wichtige Rolle spielt. Man kann Arkanoid zwar mit dem Analogstick oder dem Steuerkreuz spielen, allerdings wird man schnell merken, dass die Geschwindigkeit der Kugel so hoch werden kann, dass man Schwierigkeiten hat, mit dem Stick hinterher zu kommen. Abhilfe kann hier die Möglichkeit schaffen, sich auf Knopfdruck deutlich schneller oder etwas langsamer zu bewegen, aber die der Spielleistung zuträglichste Variante ist sicherlich die optionale Maussteuerung auf der Nintendo Switch 2. Die Mausfunktionalität des Joycons gibt einem ein deutlich größeres Maß an Kontrolle über das Brett, die gerade in den späteren Levels lebensrettend wirken kann. Allerdings sollte man manuell die Steuerung umstellen, wenn man die Maussteuerung verwendet, da die Verwendung der Facebuttons zusammen mit der Maussteuerung nicht ideal ist. Zum Glück bietet das Spiel dazu intern eine Möglichkeit.

Der Umfang des Spiels ist für ein klassisches Arcade-Spiel ziemlich ordentlich. Arkanoid bietet 33 Level mit sukzessive ansteigendem Schwierigkeitsgrad, an denen man durchaus eine ganze Weile zu knapsen haben kann. Etwas schade ist, dass die für die NES-Fassung gestalteten Zusatzlevel es nicht in diese Version des Spiels geschafft haben – einerseits auf Grund dessen, dass das Spiel auf einem Emulator basiert verständlich, andererseits wäre das schon ein echter Mehrwert gewesen im Vergleich zu vergangenen Spielsammlungen, die Arkanoid enthalten haben.

Arcade Archives 2: Arkanoid ist eine gelungene Umsetzung eines packenden Geschicklichkeitsspiels, die zwar einige kleinere Macken im Detail hat, aber das Spiel originalgetreu auf die Konsole bringt. Die optionale Maussteuerung ist, wenn man mit der Egonomie der Nintendo Switch 2-Maus zurechtkommt, ein gelungener Bonus, der die Spielbarkeit auf der Nintendo Switch 2 merklich verbessert.

Vielen Dank an Hamster Co. für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf Nintendo Switch 2.