Volleyball war eigentlich nie so wirklich meine präferierte Sportart. Zu Schulzeiten fand ich mich selten neben den Netzen wieder, weil im Grunde nie ein Schüler oder eine Lehrkraft wirklich Lust darauf hatte. Fußball, Basketball, Hockey oder Tischtennis waren meist viel beliebter. Während Olympia fand ich auch nie wirklich Draht dazu, obwohl ich diese Turniere gerne genutzt habe, um mir neue Sportarten schmackhaft zu machen. Ein Hoch hierbei auf 3×3-Basketball, viel cooler in meinen Augen als das reguläre. Aber ich lenke ab, denn hier geht es um Volleyball. Und erst die Animeserie Haikyu!! hat mir ein größeres Verständnis dafür gegeben, was denn die Reize an der Sportart ausmachen. Zugegeben, hat alles nichts mit Smash it Wild zu tun. Aber nach den letzten Wochen und vielen animalischen Schmetterbällen, die mir um die Ohren flogen, bezweifle ich, dass mir dieses Spiel mit mehr Affinität zur Sportart auch mehr Spaß gemacht hätte.
Lass es krachen!
Dabei hätte ich nicht einmal etwas gegen eine interessante Volleyball-Versoftung. Dies war mitunter ein Grund, Beastieball zu backen (neben dem Designer dahinter)…und wahrscheinlich auch, bisher nicht zu spielen. Smash It Wild nimmt statt kleiner Monster anthropomorphe Tiere als Teammitglieder seiner Mannschaften und reiht sich als rundenbasiertes Volleyball-Roguelite in die riesige Schwemme des Genres, die sich derzeit über uns ergießt. Für das Gaming Village habe ich allein dieses Jahr (wir haben Mai!) jetzt mein sechstes Roguelite gespielt (plus zwei private). Und das nächste Spiel steht auch schon wieder in den Startlöchern.
Von den bisherigen Roguelites in diesem Jahr muss ich allerdings konstatieren, dass Smash it Wild mit weitem Abstand das bisher schwächste Spiel war. Dabei macht es in seinen Grundfesten wenig verkehrt. Wir steuern ein Team aus drei komplett unterschiedlichen Tieren in einem thematisch zusammenpassenden Setting. So besteht das Eröffnungsteam (weitere schalten sich im Verlauf frei) aus einem Eisbären, Schneefuchs und einem Pinguin. Und passend dazu ist deren Spezialität das Einfrieren des Spielfeldes.

Ein Duell zwischen den zwei Dreierteams links und rechts vom Netz besteht darin, dass wir die Kontrolle über ein 3×5-großes Spielfeld haben. Dabei ist der 2×3-Bereich neben dem Netz jeweils die “eigentliche” Spielzone. Dort darf der Ball nicht herunterfallen, sonst bekommt der Gegner den so wichtigen Punkt zum Sieg.
Animalische Sportkadetten
Schlüssel zum Sieg ist selbstverständlich das eigene Team. Jedes Teammitglied hat seine eigenen Statuswerte, Angriffsarten und – ganz wichtig für die Verteidigung – Bewegungsradien. Wie bei vielen rundenbasierten Spielen üblich, gibt es eine feste Zugreihenfolge, denen wir folgen. Darum wird sich stets unsere eigene Angriffsphase mit einer Defensivphase abwechseln.
Im Angriff kommt es vor allem auf die Angriffspower, passive Fähigkeiten und den individuellen Angriff an, sowie natürlich auf die Platzierung der Attacke auf das Spielfeld. Springt so beispielsweise der Pinguin zum Angriff, können wir eine Attacke auswählen, die das platzierte Feld einfriert. Tiere auf gefrorenen Böden verlieren in der Defensive mehr Ausdauer, was sie wiederum schneller schwächer und auf Dauer nutzlos macht. Der Pinguin hat selbst mehr Ausdauer, dafür weniger Defensiv- und Offensivkraft.

Schmettert unser geflügelter Freund nun den Ball in die gegnerische Hälfte, können wir entweder ein freies Feld wählen oder einen Gegner direkt anvisieren. Wir bekommen eingeblendet, welche Auswirkungen auf die Ausdauer des Gegners jede Wahl hätte. So sind wir nie im Unklaren darüber, was in Smash it Wild unsere Entscheidungen auf dem Spielfeld mit sich bringen. Dieses Problem haben manche Roguelites letzten Endes alleine aufgrund vieler zufälliger Faktoren.
Diese ergeben sich in Smash it Wild vor allem zwischen den Turnierrunden. Haben wir einen Sieg errungen, dürfen wir uns beispielsweise einen zufälligen Bonus für eines unserer Heldentiere wählen. Alternativ können wir auch ablehnen und unser Inspirationskonto aufstocken. Inspiration ist neben Geld eine Währung, um zwischen den Runden die Vorbereitungen für das anstehende Duell zu treffen.
Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg
Denn was in Titeln wie Balatro, Gambonanza oder Insider Trading der Shop ist, ist in Smash It Wild weitaus komplexer. Mehrere Tage mit unterschiedlichen, zufälligen Aktionen vergehen zwischen den Duellen. Ein wenig hat es mich an die Trainingspläne im EA Sports FC-Managermodus erinnert, was gerade bei einem Sport-zentrierten Roguelite keine schlechte Assoziation ist.
An jedem Tag haben wir entweder die Wahl aus mehreren Ereignissen, welche unseren Helden neue Fähigkeiten oder stärkere Statuswerte verpassen. Oder wir können uns Ausrüstung kaufen, Testduelle arrangieren oder Geschenke von Fans erhalten. Dies verspricht oberflächlich betrachtet ein tiefgründiges Upgrade-System und Varianz für das Team.

In der Praxis beweist sich Smash it Wild allerdings als ein Roguelite der einfachen und flachen Sorte. Ein Run besteht aus einem Turnier mit mehreren Spielrunden sowie der erwähnten Trainingszeit dazwischen. Zumindest bei mir hat sich herausgestellt, dass ich relativ schnell mit brachialer Gewalt am einfachsten zum Ziel komme. Das bedeutet: direkt auf die Gegner drauf, ausschalten, eventuell durch Stöße verschieben und schon offenbart sich eine Lücke in der Verteidigung. Schmetterball aufs Spielfeld, Sieg.
Schmetterball ins Aus
Und so haben sich meine Spielrunden ständig gleich angefühlt. Match startet, schnell das gegnerische Team so niedermähen oder verschieben, wie ich will. Und dann Ausdauerkampf. Es entwickelte sich so ein zäher, immer gleicher Ablauf, der mir persönlich kaum Spaß gemacht hat. Mir ist dieser Umstand bereits bei den Wort-Roguelites dieses Jahr auch vermehrt aufgefallen, dass sich der eigentliche spielerische Anteil schnell abgenutzt hat. Hier lag es allerdings an der anstrengenden Sprachbarriere, dem damit einhergehenden “Umdenken” sowie dem Zeitaufwand. Smash it Wild’s Schwäche in der Hinsicht ist aber die in meinen Augen fehlende Varianz und zu einfache Strategiefindung.
Ein abschließendes Urteil bildet sich so schwer. Ich mag an Smash it Wild das Konzept sowie die “erweiterte” Form der Runprogression. Doch bereits nach wenigen Runs hat sich Smash it Wild immer weiter ins Aus katapultiert. Leider nicht mit einem schmetterndem Einzelangriff auf meinen Spielegeschmack, sondern langsam, schleichend. Denn Smash it Wild schaffte es nicht, seinen Gameplayloop auf Dauer motivierend und variantenreich zu gestalten.

Tierische Schmetterbälle auf dem PC abbekommen. Ein herzlicher Dank geht an die Goblinz Studios für die Bereitstellung eines Mustercodes.