Nachdem wir uns vergangene Woche das Remaster von Toy Story 3 angeschaut haben, steht in dieser Woche die Sammlung der älteren Toy Story Spiele unter dem Namen Toy Story: Retro Roundup! auf dem Prüfstand. Im Gegensatz zu Toy Story 3: Complete Edition werden bei Retro Roundup zahlreiche Originalspiele per Emulation auf die modernen Konsolen gebracht.
Enthalten sind in der Sammlung alle Toy Story-Spiele für PlayStation und Game Boy, sowie die Super Nintendo- und Mega Drive-Versionen des ersten Toy Story-Videospiels. Schade ist, dass bei den PlayStation-Spielen Toy Story 2 und Captain Buzz Lightyear of Star Command nicht auf die optisch saubereren Dreamcast-Versionen zurückgegriffen wurde. In der Konsequenz leiden beide Spiele in Retro Roundup unter mangelhafter Perspektivkorrektur („Texture Warping“) und einigen auffälligen Pop-Ups. Im Gegenzug umgeht die Sammlung so natürlich die Notwendigkeit, die Analogsteuerung der Dreamcast-Versionen zu reparieren, die es Buzz nahezu unmöglich gemacht haben, geradeaus zu laufen. Die Emulationen aller Spiele ist gut gelungen und bietet über alle Systeme hinweg die Möglichkeit, das Bild in Originalauflösung, vergrößert, oder auf Widescreen gezogen darzustellen.

Zusätzlich kann man bei den PlayStation-Spielen die Auflösung entlang beider Achsen verdoppeln oder sogar vervierfachen. Die Performance der Spiele wird dadurch nicht negativ beeinträchtigt und es gibt keine auffälligen Emulationsfehler. Schließlich bieten alle Spiele eine Rückspulfunktion und die Möglichkeit, jederzeit einen Savestate zu speichern oder zu laden. Man kann allerdings alternativ auch das Speichersystem des Originals nutzen. Schließlich hat Rex noch eine Hand voll Cheats für jedes Spiel im Gepäck um etwaige Frustmomente abzumildern.
Werfen wir einen Blick auf die enthaltenen Spiele:
Toy Story (Mega Drive, Super Nintendo, Game Boy) – das Spiel zum ersten Toy Story-Spiel ist ein missionsbasiertes 2D Jump & Run, in dem man in kompakten Levels, die an verschiedene Orte des Films angelehnt sind, verschieden Aufgaben in einem Zeitlimit erledigen muss. Leider ist die Sprungmechanik alles andere als eingängig und das Leveldesign meistens einfallslos. Die drei Versionen des Spiels sind einander recht ähnlich, allerdings ist die Mega Drive-Version klar die beste, weil schnellste Fassung des Spiels, wohingegen die Game Boy-Version mehr noch als die anderen an der zu stark herangezoomten Kamera leidet und überdies mit der schwächeren Technik ohnehin weniger ansehnlich ist.

Toy Story 2 für den Game Boy tritt unmittelbar in die Fußstapfen des Erstlings und kommt mit den gleichen Schwierigkeiten daher wie der erste Teil. Auch wenn es dank seiner Game Boy Color-Einfärbung etwas besser aussieht als der erste Teil für den Game Boy kann die Game Boy-Fassung von Toy Story 2 nicht überzeugen. Die PlayStation-Version ist hingegen das Highlight der Sammlung und kann vor allem mit seinem durchdachten Collectathon-Leveldesign überzeugen. Die Spielmechanik ist zwar etwas bockig, da die Kamera sehr eng an Buzz‘ Hinterseite klebt und Richtungswechsel teilweise sehr abrupt umgesetzt werden, aber wenn man darüber hinwegsehen kann, ist die Konsolenfassung von Toy Story 2 ein gutes Jump & Run. Ein ausführlicher Test des Spiels, basierend auf der Dreamcast-Version ist hier zu finden.
Buzz Lightyear of Star Command nutzt die Spielmechanik von Toy Story 2, setzt aber auf ein deutlich anderes Leveldesignkonzept. Die 14 Level des Spiels sind strikt lineare Jump & Run-Level, in denen man einem fiesen Bösewicht folgt, Bomben entschärft, die dieser zwischendurch im Level platziert und am Ende in einem Shoot-Out gegen den Gegner antritt. Die ersten elf Level sind einander so ähnlich, dass es geradewegs ermüdend ist, wohingegen das zwölfte Level den Spieler mit schier unerträglich vielen Gegnerwellen nervt. Die Kamera- und Steuerungsschwierigkeiten von Toy Story 2 wurden nicht adressiert, im Gegenzug wird aber auch die Stärke des Leveldesigns nicht in Buzz Lightyears Spiel übernommen, so dass Buzz Lightyear of Star Command ein wenig enttäuschend ist. Ein volles Review von Buzz ist für kommende Woche geplant. Die Game Boy Color-Version hingegen spielt sich ein wenig wie ein langsamer Weltraumshooter, weil der Bildschirm automatisch nach oben voranschreitet und Buzz im Wesentlichen nur kämpft. Die Game Boy Color-Version von Buzz Lightyear ist zwar ebenfalls kein Meisterwerk, kann im Gegensatz zu den vorherigen beiden Game Boy-Spielen aber zumindest etwas unterhaltsam sein.

Wenngleich Das Große Krabbeln kein Toy Story-Spiel ist, haben die Entwickler von Retro Roundup das 3D Jump & Run als Dreingabe mit in die Sammlung gepackt. Meines Erachtens ist Das Große Krabbeln aber leider ein sehr schwaches Hüpfspiel, das in seinem Einzeltest nicht bestehen konnte.
Schließlich ist noch das Rennspiel Toy Story Racer in der Sammlung enthalten, sowohl für den Game Boy Color als auch für die PlayStation. Die Game Boy Color-Version ist leider optisch recht schwer zu lesen und dazu erstaunlich schwierig, was keine gute Kombination ist. Der Game Boy Color war technisch auch schlicht nicht darauf ausgelegt, 3D-Rennspiele zu ermöglichen und entsprechend leidet die Game Boy Color-Version des Rennspiels unter ihrer Hardware. Die PlayStation-Fassung ist hingegen ein solides Fun-Racer-Spiel. Ungewöhnlich für einen Fun-Racer dieser Generation ist der umfangreiche Einzelspielermodus, in dem man mit verschiedenen Figuren aus dem Toy Story-Universum zahlreichen Missionen – Einzelrennen, Grand Prix-Rennen und Arenakämpfe – absolvieren muss, um Spielzeugsoldaten freizuschalten, die den Spielfortschritt markieren und mit denen man zusätzliche spielbare Figuren und Missionen erlangen kann. Die Spielmechanik ist recht simpel – man kann im Grunde nur fahren, lenken und Items einsetzen – fühlt sich aber passabel an und eignet sich daher gerade für Einsteiger in das Genre. Der hohe Umfang des Einzelspieler-Modus wird allerdings durch die geringe Streckenvarianz etwas getrübt. Es gibt nämlich gerade einmal elf verschiedene Strecken im Spiel, so dass das Spiel sich nach hinten heraus stark wiederholt.

Toy Story: Retro Roundup! ist eine Sammlung von größtenteils mittelmäßigen Spielen, die aber liebevoll aufbereitet ist, mit einer großzügigen Auswahl an Einzelversionen daher kommt und alle Features bietet, die man von einer Emulationssammlung erwarten kann. Etwas schade ist, dass die Dreamcast-Fassung, wo verfügbar, nicht angeboten werden – vermutlich wäre der Aufwand eines zusätzlich zu entwickelnden Dreamcast-Emulators für das Entwicklerteam den Aufwand nicht wert, da die PlayStation-Fassungen ohnehin die deutlich bekannteren sind. Für Toy Story-Fans ist die Sammlung sicherlich eine Überlegung wert, man sollte aber keine allzu hohen Erwartungen an die Einzelspiele richten.

Vielen Dank an Atari für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf Xbox Series X.