Highway Blossoms: Gold Rush Edition (Review)

Artwork Highway Blossoms: Gold Rush Edition, in dem beide Hauptpersonen zu sehen sind und Marina Amber auf die Wange küsst, deren Gesicht gerötet ist.

Roadtrips lassen sich aus vielen Gründen angehen. Um möglichst viel von einer Region zu sehen. Um vor dem Erreichen eines Ziels noch mehr zu sehen. Um Schätze zu suchen. In der Visual Novel Highway Blossoms: Gold Rush Edition treffen letztere Ziele aufeinander.

Die Gold Rush Edition umfasst dabei die Hauptgeschichte Highway Blossom mit rund 90.000 Wörtern sowie den DLC Next Exit mit 40.000 Wörtern.

Schatzsuche im Südwesten Amerikas

Amber war schon immer viel unterwegs. Gemeinsam mit ihrem Großvater in dessen Wohnmobil, um allerlei Orte in Amerika zu besuchen. Nun, kurz nach dessen Tod, reist sie mit dem Wohnmobil durch die Wüste New Mexicos. Ein wenig plan- und antriebslos, aber doch mit einem Ziel.

Marina hat gerade die Schule abgeschlossen und ist nun selbst unterwegs. Oder zumindest hatte sie das vor, denn ihr Auto ist stehen geblieben, noch ehe sie weit gekommen ist.

Zufällig treffen die beiden aufeinander, und weil Marina so niedlich und hilflos ist, beschließt Amber, ihr unter die Arme zu greifen.

Dabei stellt sich heraus, dass Marina auf Schatzsuche ist. Wie gefühlt der größte Teil Amerikas. Amber hat davon bisher nicht viel mitbekommen, und sie bleibt vorerst auch sehr skeptisch. Aber zumindest ein Stück weit möchte sie Marina noch begleiten.

Bald treffen sie auch auf Konkurrenz in Form von Mariah, Joseph und Tess, die mit dem Ursprung des Schatzes ein wenig enger verbunden sind. Und darauf bestehen, dass der Schatz und das Notizbuch, das auf die Orte hinweist, an denen er versteckt ist, echt sind.

So beginnt die Schatzsuche im Südwesten Amerikas für Amber und Marina und führt zu vielerlei Sehenswürdigkeiten. Außerdem kommen sich auch die beiden jungen Frauen näher.

Amber: "A cute, young girl alone in the middle of the desert ... It's just asking for trouble."
Ein Schuss Romantik

So entfaltet sich eine spannende Geschichte rund um die Schatzsuche mit Hinweisen, Ratespielen und plötzlichen Erkenntnissen, wo ein Stück des Schatzes versteckt sein könnte. Aufgrund des Notizbuches und der kurzen Texte darin ist die Rätselei eher simpel gehalten und die tatsächliche Suche vor Ort findet ohne weitere Rätsel statt.

Die Sehenswürdigkeiten selbst waren mir in der Regel nicht bekannt, Marina zumeist allerdings auch nicht. Aber alle Orte werden gut eingeordnet und bieten oftmals auch die Hintergrundbilder für die Visual Novel, um sich alles besser vorstellen zu können.

Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto stärker richtet sich der Fokus auf die aufblühende Beziehung zwischen Amber und Marina. Der Schatz wird dabei bis auf einen Moment sehr weit in den Hintergrund gedrängt und die gesamte Suche läuft etwas zu reibungslos ab. Gerade auch in Bezug auf die Konkurrenz.

Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich sehr langsam. Bis die beiden jegliche Kommunikation vermeiden und ohne überzeugenden Grund wieder Frieden schließen. Mehrfach. Teilweise sehen sie Probleme ein, aber nichts wird wirklich aufgeklärt. 

Das ist schade, weil die beiden durchaus nette Momente miteinander verbringen, die beim Lesen unterhalten. 

Amber und Marina

Die beiden Hauptfiguren in Highway Blossoms bilden charakterlich starke Gegenstücke, die sich teils humorvoll ergänzen. Allerdings ist gerade Marina so sehr überzogen, dass sie unglaubwürdig wirkt.

Dass sie extrem verpeilt ist und nicht nur vergisst, das Auto zu tanken, sondern auch, ihr Handy aufzuladen, gehe ich gerade noch mit. Aber anschließend stört es sie nicht, dass das Auto gestohlen und das Handy verkauft wurde. Außerdem gibt es kaum Momente, in denen sie mehr ist als ein lebhaftes, sehr kindisches Mädchen. Oder in denen sie wirkt wie jemand, den die Eltern allein auf die Welt loslassen würden (gerade auch im Kontext dessen, was über ihre Familie bekannt wird). Nicht einmal ihre Motivation für die Schatzsuche überzeugt.

Amber ist ernsthafter, auch wenn sie nicht müde wird, Marina zu necken, was manchmal schon sehr herablassend wirken kann. Sie weiß viel über die Sehenswürdigkeiten, aber das macht sie nicht unbedingt im Alltag intelligent. Außerdem liest sich Amber an vielen Stellen wie ein schlechter generischer männlicher Charakter. Sie hängt noch sehr an ihrem verstorbenen Großvater und vermeidet es, über ihre Gefühle zu sprechen. Letzteres führt gleichzeitig dazu, dass die Kussszenen sehr schwach sind.

Die Dynamik zwischen den beiden führt zwar zu ein paar unterhaltsamen Momenten, insgesamt sind die beiden allerdings etwas zu flach und Konflikte verpuffen, statt aufgelöst zu werden.

"Marina leans in closer and points to the entry, strands of her soft hair tickling my cheek. I scoot back and power through it, taking a sharp breath to recollect myself."
Next Exit

Das zeigt sich erneut in der Zusatzhandlung Highway Blossoms: Next Exit. Diese Geschichte spielt kurze Zeit nach dem Ende des Hauptspiels und zeigt, dass niemand irgendetwas gelernt hat. 

Während die Hauptgeschichte komplett aus der Sicht von Amber erzählt wird, habe ich im DLC an einzelnen Stellen die Wahl, Marinas Perspektive zu sehen. An anderen Stellen erzählt sie automatisch und immer wieder wechselt der Fokus auch auf Mariah und Co.

Durch die erweiterten Perspektiven wirft Next Exit neue Konflikte auf. Auf der einen Seite zwischen Marina und Amber, getrieben von Eifersucht und fehlender Kommunikation. Auf der anderen Seite wird Tess auf Seiten Mariahs genauer ausgeleuchtet. Insbesondere Tess’ Geschichte ist für die Zusatzhandlung einer eigentlich romantisch gedachten Visual Novel sehr ernsthaft und bedrückend. Allerdings auch deutlich überzeugender gelungen als der Rest.

Tatsächlich ist hier die Aussprache zwischen Marina und Amber, als sie schließlich stattfindet, etwas überzeugender. Allerdings erweckt alles andere eher den Eindruck, als ob die beiden ohne die Beziehung vielleicht glücklicher werden.

Insgesamt gefällt mir die Zusatzhandlung besser als die Haupthandlung. Allerdings liegt das vor allem an den Nebencharakteren.

Das Drumherum

Highway Blossoms ist eine kinetische Visual Novel, was bedeutet, dass ich während der Handlung keine Entscheidungen treffe. Ähnlich wie in Magic Exposure gibt es also ein Ende und keine abzweigenden Pfade. Die einzige Ausnahme bilden die wenigen Entscheidungen im DLC, aus welcher Perspektive ich einen kurzen Abschnitt lese, ehe ich wieder keine Wahl habe.

Die Dialoge sind komplett auf Englisch vertont. Leider sagt mir Ambers Sprechweise nicht besonders zu, aber die anderen Charaktere mochte ich. In den englischen Texten selbst sind mir kaum Fehler aufgefallen.

Als Zugänglichkeitsoption ist automatisch eine kleine Anzeige eingestellt, die neue Musikstücke und Geräusche wie Motorenlärm oder zuschlagende Türen ankündigt. Im Handheldmodus ist die Anzeige allerdings klein und durch die Position oben links sehr unauffällig.

Verschiedene Gegenstände (vorwiegend Essen) tauchen als Bilder auf dem Bildschirm auf und landen anschließend in einer Galerie. Leider kommt es häufig vor, dass die Bilder schon wieder verschwunden sind, ehe der Text vollständig aufgetaucht ist. Wer sich etwas genauer anschauen will, muss also oft ins Menü.

Charaktere blinzeln nicht und bewegen ihre Lippen beim Sprechen nicht, was durch die vorhandene Sprachausgabe ein wenig irritiert. Zum Ausgleich haben sie einige unterschiedliche Gesichtsausdrücke und auch im DLC kommen neue hinzu. Zudem bewegen sich die Charaktere über den Bildschirm, um Distanzen bildlich darzustellen.

Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Charaktere inklusive Nebencharakteren als Sprites zu sehen. Dabei ist auch Amber als großer Sprite vertreten und fast immer zu sehen. Dadurch können sie und Marina sehr dicht aneinandergedrängt dargestellt werden.

Die vielen CGI sind stilistisch leider sehr inkohärent, wenn auch weitgehend ansprechend.

Die Skipfunktion ist sehr langsam. Außerdem deaktiviert sich die Funktion bei jedem Szenenwechsel. Da Highway Blossoms linear ist, sollte das kaum stören, allerdings ist das Spiel einmal unerwartet abgestürzt, nachdem ich lange nicht gespeichert hatte.

Erste Begegnung mit Mariah, die eine offene Jacke und darunter lediglich einen BH trägt. "Not my type, especially with that personality, but it's hard for me to do anything other than stare."
Fazit

Die Visual Novel Highway Blossoms: Gold Rush Edition fängt vielversprechend an mit einem mysteriösen Schatz in Amerika. Die Schatzsuche verläuft allerdings sehr glatt und die Charaktere sind sehr stark überzogen dargestellt. Durch verschiedene Entscheidungen verlieren sie an Glaubwürdigkeit. Letztlich auch dadurch, dass Probleme innerhalb der Beziehung von Amber und Marina nicht wirklich aufgelöst werden. Der DLC ist etwas besser gelungen, allerdings wegen der Nebencharaktere. Die Geschichte hat unterhaltsame Momente, allerdings auch sehr deutliche Schwächen, weshalb ich nur eine eingeschränkte Empfehlung aussprechen kann.

Herzlichen Dank an Sometimes You für die Bereitstellung des Testmusters. Gelesen auf Nintendo Switch 2 via Abwärtskompatibilität.