Bug Fables (Review)

Mutmaßlich auf Grund der eng verwandten Mario & Luigi-Reihe hat Paper Mario nach seinem zweiten Abenteuer versucht, die Formel gründlich aufzumischen und von dem reinen Rollenspiel-Gameplay in Richtung Action-Adventure weiterzuentwickeln. Das hat vielen nicht gut gefallen, sind die beiden ersten Paper Marios doch bis heute Fan-Darlings. Die Macher von Bug Fables haben sich entschlossen, diese Lücke zu füllen und mit ihrer eigenen Käferwelt das ursprüngliche Paper Mario-Konzept wieder zum Leben erweckt.

Vi, die freche Biene, hat es zu Beginn des Spiels nicht leicht: Nichts wünscht sie sich sehnlicher, als Abenteuer als Entdeckerin zu erleben und so hat sie sich aufgemacht, im Ameisenkönigreich Als Kundschafterin anzuheuern. Doch leider wird sie vom Chef der Erkundungstruppen nicht ernstgenommen und es sieht bald so aus, als ob Vi, trotz ihrer unzweifelhaften Willensstärke, ihren Traum beerdigen müsste. Doch zu ihrem Glück taucht etwa zur gleichen Zeit Kabbu der grüne Mistkäfer in der Zentrale der Erkundungsteams auf und möchte sich ebenfalls als Entdecker melden. Da die Erkundungsteams jeweils aus zwei Teilnehmern bestehen und Kabbu ein gutes Herz hat, nimmt er Vi auf und die zwei können sich auf die Suche nach den wertvollen Artefakten machen, die die Ameisenkönig so dringend sucht. Ihr erster Einsatz verschlägt sie in die Schlangenschlundhöhle, wo sie nicht nur einen dritten Verbündeten, Leif, finden, sondern sich zudem als Team Schlangenschlund einen Namen machen können.

Spielerisch ist Bug Fables für Kenner der Paper Mario-Rollenspiele gewohntes Terrain. Das Gameplay ist im Grunde in zwei Phasen unterteilt, die Erkundungsphase in der Spielwelt und die Kämpfe in separaten Kampfarenen. Es gibt keine Zufallskämpfe, sondern alle Gegner sind im Vorfeld auf der Karte zu sehen, so dass man Kämpfen, wenn man sich einigermaßen geschickt anstellt, wahlweise auch ausweichen kann. Entscheidet man sich für einen Kampf, kann man sich einen kleinen Vorteil verschaffen, indem man den Gegner bereits auf der Oberweltenkarte angreift, beispielsweise, indem man als Vi den Bienerang auf seinen Gegner wirft. Umgekehrt können aber auch die Gegner versuchen, einen Erstschlagvorteil durch einen Angriff in der Spielwelt zu erarbeiten.

Der eigentliche Kampf findet dann rundenbasiert statt. Jeweils im Blick greift der Spieler mit seinen drei Kämpfern an, bevor die gegnerischen Kämpfer ihrerseits ihren Zug machen. Im Gegensatz zu klassischen JRPGs mit rundenbasierten Kampfsystemen bleibt man im Kampf aber nicht passiv, sondern kann sich entscheidende Vorteile herausarbeiten, indem man zeitkritische Button-Eingaben macht. So kann man beispielsweise ähnlich wie in einem klassischen Golf-Spiel mit dem Bienerang zusätzlichen Schaden erzielen, indem man einen Zeiger auf einem Streifen im richtigen farblich markierten Bereich anhält, oder aber einen gegnerischen Angriff entschärfen, indem man im richtigen Augenblick – unmittelbar vor dem Einschlag des Angriff – den A-Knopf drückt. Die Aktionen sorgen dafür, dass das Kampfsystem stets aktiv bleibt und hat im Gegensatz zu alternativen zufallsbasierten Systemen den Vorteil, dass die Kampfergebnisse nur von der spielerischen Leistung abhängen.

Die Kämpfe im Spiel haben ein gutes Pacing und die Endgegnerkämpfe sind durchaus anspruchsvoll, ohne den Spieler vor unlösbare Aufgaben zu stellen. Grinding ist im Spiel nur sehr beschränkt möglich. Zwar gibt es Erfahrungspunkte und Levelaufstiege, aber die Attributzuwächse sind sehr gering – bei jedem Level-Up kann man zwischen einem KP extra für alle Spielfiguren, drei zusätzlichen Magie-Punkten oder drei zusätzlichen Abzeichenpunkten wählen. Letztere ermöglichen einem, zusätzliche Abzeichen zu tragen. In Bug Fables gibt es eine riesige Zahl von Abzeichen, die jeweils einen – in der Regel hilfreichen – Effekt haben und die eine teilweise sehr einträgliche Wechselwirkung haben können. Die besten Abzeichen sind hinter Sidequests verborgen und sie sind es auch, die die größte Varianz in den Schwierigkeitsgrad bringen können. Abseits des letzten Endgegners kommt man aber auch gut durch das Spiel, ohne sich um Abzeichen zu kümmern; beim letzten Endgegner wird man mit einer geeigneten Kombination aus leicht verfügbaren Medaillen aber ebenfalls zum Erfolg gelangen können. Für Leute, die gerne an der Konfiguration der Charaktere tüfteln, bietet das Medaillensystem aber auf jeden Fall eine Menge Kombinationsmöglichkeiten, die es zu durchdenken gilt.

Die Spielwelt selbst wird in sieben Kapiteln erkundet, die sich in ihrem grundsätzlichen Aufbau ähneln. Man sucht zunächst den Zugang zu einem neuen Oberweltgebiet, das man dann ausgiebig erkundet und dabei auf eine ganze Reihe neuer kleiner Gegner trifft. Hat man die Erkundungsaufgaben in dem Oberweltabschnitt abgeschlossen, findet man den Zugang zu einem Dungeon. Der Dungeon ist meist etwas linearer aufgebaut als die Oberwelt und bietet eine Reihe nicht allzu schwerer, aber doch einfallsreicher Rätsel, die einen durchdachten Einsatz der individuellen Fähigkeiten aller drei Spielfiguren bedarf. Abgeschlossen werden Dungeon und Kapitel dann mit einem intensiven Endgegnerkampf.

Bug Fables hat eine hohe Spieldichte und viele gute Ideen, sowohl was das Rätsel-, als auch das Weltendesign anbelangt. Die Geschichte hat einige starke Momente, auch wenn der Hauptplot simpel bleibt. Alle drei Hauptfiguren sowie einige Nebenfiguren haben interessante Hintergrundgeschichten, die man teilweise optional, teilweise notwendigerweise im Zuge der Hauptgeschichte, erkundet. Der optische Stil erinnert natürlich stark an Paper Mario, weiß aber durch ein starkes Figurendesign und abwechslungsreiche Gebietdesigns zu überzeugen. Für alle Fans klassischer Paper Mario-Spiele oder auch einfach für Freunde von Rollenspielen japanischer Machart ist Bug Fables eine erstklassige Wahl, die vor allem ohne nennenswerte Längen auskommt.

Getestet auf Xbox Series X.