Ghost of Yōtei Complete Edition (Review)

Fast genau vor einem Jahr ist Ghost of Yōtei erschienen. Nun ist die Ghost of Yōtei Complete Edition mit zusätzlichen Inhalten verfügbar. Echoes of Sekigahara bringt neue Storyinhalte, der „Most Wanted“-Modus eine Art Rogue-Lite-Erlebnis. Bisherige Updates sind natürlich enthalten, außerdem zusätzliche Inhalte wie die der ursprünglichen Deluxe-Edition. Ich bin gerne erneut mit Atsu durch Ezo gereist.

Ghost of Yōtei

Das Grundspiel selbst ist der Nachfolger von Ghost of Tsushima. Da Zeit, Schauplatz und Personen neu sind, ist er gut unabhängig spielbar. Nachdem die Protagonistin Atsu in ihrer Kindheit durch die gesetzlosen Yōtei Six ihre Familie verlor, hatte sie eine Zeit lang ihre Heimat verlassen. In den turbulenten Kriegswirren der Sengoku-Zeit hat sie viel über das Kämpfen gelernt. Im Jahr 1603 kehrt sie schließlich nach Ezo, dem heutigen Hokkaido zurück. Dort sind die Yōtei Six eine Plage für Land und Leute, aber Atsu hat es vor allem aus Rache auf sie abgesehen.

Eine genauere Betrachtung des Grundspiels findet ihr hier.

Per Updates kamen ein New Game +, der Legends Co-op-Modus und der Modus Beauty of Yōtei dazu. Das New Game + bietet neue kosmetische Möglichkeiten und Rüstungen. In Beauty of Yōtei werden einzelne Orte mit langsamer Kamerafahrt und Musik gezeigt. Außer dem Wechsel in den Fotomodus ist scheinbar keine Interaktion möglich, nicht einmal ein Ortswechsel. Das finde ich etwas schade.

Der Legends Co-Op-Modus hat einen fantastischeren Einschlag.

Der Legends Co-op-Modus ist weniger für mich geeignet, da ich lieber alleine spiele. Theoretisch kann man einen großen Teil davon zwar auch alleine spielen, Balancing und manche Mechaniken sind aber eher für kooperatives Spiel gemacht.

Vier Klassen stehen zur Verfügung, die man unabhängig auflevelt. Durch erfolgreiche Abschnitte erhält man zufällige Ausrüstung. Das durchschnittliche Ki-Level der Ausrüstung ist dann wichtig für zugefügten und erlittenen Schaden. Mit verschiedenen Währungen kann man Ausrüstung auch verstärken oder zufällige Boni wechseln. Bei einem Bogen, der automatisch zielt aber nur Körper trifft, bringt zusätzlicher Kopfschussschaden zum Beispiel wenig.

Vier Dämonen als Ziele gilt es zu besiegen. Dabei sind bei jedem erst mal drei Missionen abzuschließen, die ein bis zwei Spieler über das Internet ermöglichen. Anschließend wird die Incursion für bis zu vier Spieler freigeschaltet, wo schließlich der Boss das Ziel ist. Zusätzlich kam auch noch ein zweiteiliger Raid für vier Spieler, der länger und anspruchsvoller sein soll.

Aus dem neuen Storyinhalt Echoes of Sekigahara.

Echoes of Sekigahara

Mit meinem alten Spielstand habe ich mich sogleich dem neuen Storyinhalt der Ghost of Yōtei Complete Edition gewidmet. In Sekigahara fand im Jahr 1600 eine große Schlacht statt, die aus Sicht von vielen ein bedeutsamer Schritt zum Ende der Sengoku-Zeit war. Auch Atsu hat dort gekämpft. Allerdings sehen wir von der Zeit dort nur vereinzelte Abschnitte in Erinnerungssequenzen. Diese beziehen sich aber mehr auf Atsus Erfahrungen mit einem Mann namens Nagato.

Auf eben diesen Nagato ist ein Kopfgeld ausgesetzt. Mit gemischten Gefühlen geht Atsu der Sache nach. Die Geschichte findet dann in den Ashoro Foothills statt, einer neuen Gegend auf Ezo. Dort terrorisieren die Vipern das Volk. Nach dem Tod ihres Anführers, der Schlange, sind sie nur noch brutaler geworden. Die Schlange als Mitglied der Yōtei Six fand in der Hauptgeschichte von Ghost of Yōtei schon im Tutorial ihr Ende. In Echoes of Sekigahara erfahren wir nun etwas mehr über sie.

Nagato ist nämlich nicht wegen Atsu nach Ezo gereist. Er ist hinter dem Vermögen her, das die Schlange versteckt hat. Dieses sollte auch der Finanzierung der Machenschaften der Yōtei Six dienen. Deshalb ist es auch in Atsus Interesse, es nicht dem Feind zu lassen. Gemeinsam untersuchen die beiden die Sache. Allzu tiefgründig wird es nicht, und es rückt die Hauptgeschichte auch nicht plötzlich in ein ganz anderes Licht.

Die Ashoro Foothills.

Echoes of Sekigahara ist kein allzu ausschweifendes Erlebnis. Einschließlich der Erkundung der Gegend und diversen Nebenaufgaben habe ich rund 12 Stunden gerne in den Ashoro Foothills verbracht. Ich habe hauptsächlich auf Schwer gespielt und nicht das Gefühl gehabt, das meine schon maximierte Ausrüstung zu stark sei.

Neues im Osten Ezos

Das ein oder andere neue Feature ist natürlich vorhanden. Als etwas problematisch habe ich die vergifteten Pfeile der Gegner empfunden. Diese blockieren die Nutzung von Spirit, also auch der Heilung. Und das Herausziehen ist langsam. Da ich auf Schwer gespielt habe, waren die Gegner auch eher rücksichtslos und unterbrechen dabei gerne. Immerhin sind die Schüsse weiterhin vorangekündigt und als unblockbar markiert. Theoretisch könnte man eine neue Fertigkeit nutzen und mit gutem Timing die Pfeile fangen und zurückschießen. Ich bin lieber ausgewichen, da das Risiko zu groß schien.

Die Vipern benutzen auch gerne Fallen, aber mit etwas Aufmerksamkeit sind diese in aller Regel zu vermeiden.

Spürt ihr die Spannung?

In gewisser Weise könnte man auch sagen, dass eine neue Waffenart verfügbar ist, die massiven Waffen. Allerdings sind diese ein Mittelding von Atsus Waffen und den Waffen, die man nur aufheben und werfen kann. Denn mit massiven Waffen kann Atsu mehrfach stark angreifen, aber leider gehen sie schnell kaputt. So ganz hat sie den Umgang damit also nicht gelernt.

Most Wanted

Ebenfalls neu ist der „Most Wanted“-Modus. Für diesen wird empfohlen, das Hauptspiel schon gespielt zu haben. Gebiete, normale Gegner und Bosse stammen nämlich aus dem Hauptspiel oder Echoes of Sekigahara. Elemente, die man auch aus Rogue-Lites kennt, sind vorhanden. Für die einzelnen Runs wählt man ein Mitglied der Yōtei Six als Ziel aus, wobei spätere erst durch Abschluss von genug anderen freigeschaltet werden.

In einem Run bestreitet man dann eine lineare Abfolge von Kämpfen gegen normale Gegner, Minibosse und schließlich dem gewählten Mitglied. Zu Beginn und nach jedem Kampf außer dem letzten erhält man jeweils die bekannte Auswahl von drei Perks, aus denen man einen auswählt. Manche Perks lösen zum Beispiel Zusatzeffekte aus, wenn man mit der entsprechenden Waffe oft genug trifft oder genug Gegner besiegt. Manche sind abhängig davon, ob der getroffene Gegner vom Spiel markiert wurde. Ich habe gerne durch Perks Blitze einschlagen lassen.

Im Idealfall wählt man Perks mit Synergien. Außerdem kann man in einem Run eine zusätzliche Nahkampfwaffenart per Perk freischalten. Nach Minibossen hat man zudem die Wahl zwischen zusätzlicher Währung oder einem Vorteil für den Run. Das kann nötige Heilung von Lebenspunkten oder Spirit sein, aber auch die Erhöhung des Maximums.

Der Anfang ist kompakt mit sechs Kämpfen.

Obwohl wir Atsu spielen können, kann sie hier nicht einfach alle Nahkampfwaffen nutzen. Zudem können wir drei weitere spielbare Charaktere freischalten, die mit anderen Waffen und Werkzeugen starten. Neben Oyuki aus der Hauptgeschichte und Nagato aus Echoes of Sekigahara können wir auch Jin Sakai aus dem Vorgänger spielen. Dieser hat den Vorteil, dass er die vier Haltungen aus seinem Spiel nutzen kann. Somit kann er mit seinem Schwert Vorteile gegen die meisten Gegner nutzen. Neu kann er hier per Perk auch den Speer nutzen, um besser gegen Sichelnutzer zu kämpfen. Die Charaktere haben dann auch exklusive Perks, die ihre Eigenheiten etwas mehr herausheben können. Nur bei Atsu zum Beispiel können Wölfe helfen.

Fortschritt jenseits des Runs

Jeder gewonnene Kampf bringt uns Geld. Ein besiegter Boss bringt uns einmalig einen neuen Talisman. Mit Geld können wir Techniken lernen und somit stärker werden. Ein Händler verkauft weitere Talismane und Essen, das uns Boni für den nächsten Run bringt. Schon bald können wir auch Waffen permanent verstärken. Manche Talismane können wir verbessern, indem wir in Runs bestimmte Aufgaben erfüllen, während wir sie ausgerüstet haben. Bis zu drei Talismane können wir gleichzeitig nutzen.

Mehr Sake bitte!

Da die Schwierigkeit der einzelnen Ziele ansteigt, sind die Verstärkungsmöglichkeiten natürlich empfehlenswert. Allerdings können wir auch hier den Schwierigkeitsgrad anpassen. Auf niedrigem Schwierigkeitsgrad ist es weniger wichtig, unsere permanenten Verbesserungen zu maximieren und gute Perks zu wählen.

Durch das Besiegen von Bossen werden teils auch ihre Rüstungen als alternativer Look für das Hauptspiel verfügbar. Dafür müssen wir beim Händler spezielle Münzen nutzen, die für das erneute Besiegen von Bossen vergeben werden. Allzu viel Wiederholung ist aber nicht nötig. Auch andere Rüstungslooks, inspiriert von diversen Spielen von Sony, werden schließlich verfügbar. Und nicht nur kosmetisch können wir die Rüstung von Jin Sakai für das Hauptspiel freischaltenn.

Für ein paar Stunden fand ich den Modus unterhaltsam und auch das Freischalten der kosmetischen Inhalte für das Hauptspiel geht angenehm schnell, bevor sich der Modus abnutzt.

Jin im Standoff.

Fazit

Die Ghost of Yōtei Complete Edition bietet viele Stunden Unterhaltung. Schon das Grundspiel wusste zu überzeugen. Der kostenlos hinzugefügte Legends Co-Op Modus ist für mich als Einzelspieler zwar eher weniger gedacht. Dafür gibt es jetzt aber mit Echoes of Sekigahara und Most Wanted auch für Einzelspieler noch zusätzliche Unterhaltung. Ich bin gerne nach Ezo zurückgekehrt.

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf PlayStation 5.