Sim-Racer, realistische Rennsimulationen, sieht man in der Regel mit bodenständigen Konzepten. Egal in welcher Form der Fahrzeuge und Strecken, im Groben finden wir hierbei normalerweise reale Ideen (oder zumindest real mögliche). Doch wie würde ein Rennspiel aussehen, welches die mechanische Komplexität einer Rennsimulation bietet, doch in ferner Zukunft spielt? Eine mögliche Antwort zu dieser Frage liefert uns Exo Rally Championship von Exbleative und Future Friends Games.

Ich war überrascht
Exo Rally Championship ist eine futuristische Rennsimulation, bei der wir mit einem von vier Rovern (so wie die Dinger für den Mond) über verschiedenes unebenes Terrain auf ebenso verschiedenen Planeten fahren.
Tatsächlich war mir bei Anfrage von Exo Rally Championship nicht bewusst, dass es sich hier um einen Sim-Racer handelt. Ich bin ja deutlich eher Richtung Fun und Arcade Racer getrimmt. Da hätte ich mich wohl mehr informieren müssen. Zeigt jedoch, dass es solch ein Konzept kaum auf dem Markt gibt und ich daher kaum darüber nachgedacht habe. Ich dachte mir einfach: „Oh cool, ein Offroad Future Racer“.

Das Resultat war ein schwacher Start von Exo Rally Championship
Die Ästhetik im Hauptmenü gefiel mir direkt gut, eine atmosphärische und übersichtliche UI. Ich beginne direkt mal das vorgeschlagene Tutorial, und da bemerkte ich eben die Simulation dahinter.
Nun, in den ersten paar Rennen danach störte mich direkt, dass keine Musik innerhalb der Rennen läuft, der Rover unheimlich rutscht und ich mich um Fahrzeugschäden kümmern muss. Menüs mit Fahrzeuganpassungen haben mich hier förmlich erschlagen und habe ich daher erst einmal ignoriert.
Ebenso auffällig: Man fährt immer ein fixes Fahrzeug. Es gibt vier verschiedene Rover im Spiel, die man je nach Event über mehrere Etappen fährt. Keine optischen Alternativen, keine optischen Anpassungen, nur die reinen komplex simulierten Gameplay-Modifikationen.

Ein Lichtblick – Nette Szenerie und Check-Points
Positiv fiel mir jedoch auf, dass die Umgebungen so offroad sind, wie ich mir das vorgestellt habe. Man fährt hier nicht über feste Strecken, sondern über ein sehr großes Gelände und muss dabei Check-Points abfahren.
Diese Check-Points haben mich sehr unerwartet überrascht. Denn man hat nicht einfach nur simple kleine Tore, durch die man durchfährt, sondern einzelne Punkte mit einer unendlichen Wand in eine Richtung. Klingt simpel, das Prinzip ändert sich dadurch jedoch stark, da man hier viel mehr Luft hat, den Punkt zu umfahren.
Und es gibt noch eine Variante! Die dritte Art von Check-Point muss man umkreisen, während die Wand sich hierbei mitdreht, bis man den Punkt einmal umrundet hat. Diese Idee fand ich wirklich sehr witzig und so nebenbei: Die Check-Points sehen mit ihren leuchtenden Green Dots echt hübsch aus.
Die Gebiete selbst sind ein wenig ein Hin und Her. Generell sind die zwar alle relativ kahl, wenn auch mit etwas Flora hier und da, jedoch sind die Gebiete durch Wetterverhältnisse ganz unterschiedlich. Bei dem einen regnet es oft, und der Regen sieht leider einfach richtig schlecht aus. Hingegen hat der Mond mich optisch sehr überzeugen können. Im Gameplay bieten die fünf Gebiete unterschiedliche Gefahren, Untergründe und Schwerkräfte.

Gute Modi-Auswahl, aber eigentlich alles nur Zeitrennen
Exo Rally Championship hat eine Einzelspielerkampagne, neutrale Zeitrennen, nochmal extra einen Modus namens „Events“, tägliche Herausforderungen, freies Fahren und einen Online-Modus.
Bei den Events, der Kampagne und dem Online-Modus fahren wir normalerweise mehrere Etappen hintereinander. Meist mit demselben Fahrzeug, online kann man jedoch einen Mix bei Fahrzeugen und Gebieten einstellen.
Gleichzeitig mit anderen Fahrern fahren wir jedoch nie, da alles auf einem Zeitrenn-System basiert. In der Kampagne wird das recht deutlich, wenn man seine Zeit fährt und einfach nur je Check-Point angezeigt wird, wie man nun aktuell zu den anderen steht. In der freien Fahrt kann man im Übrigen die Gebiete komplett frei erkunden.
Besonders hervorheben, wenn auch eigentlich recht simpel gemacht, möchte ich noch den Editor-Modus. Hierbei platziert man lediglich eigene Check-Points auf einer gewählten Karte und fügt noch ein paar Einstellungen wie Wetter hinzu. Dies funktioniert jedoch sehr einfach, was durchaus motiviert. Außerdem scheint man diese sogar einfach mit einem „Seed-Code“ teilen zu können.

Zum Schluss – eine weitere Überraschung
Wie gesagt war ich da eher ernüchtert, einfach weil es eine Simulation ist. Doch mit der Spielzeit konnte ich irgendwie meinen Spaß dran finden. Dann kam das Besondere: Ich habe das dritte und vierte Fahrzeug freigeschaltet. Das erste viel schneller, das zweite förmlich ein Laster. Auf einmal war die Variation einfach witzig.
Ebenso fielen mir nach und nach viele kleine Details auf, die mich trotz der Fun/Arcade-Affinität irgendwie gefreut haben: Am Anfang muss man vor der Ziellinie manuell halten. Es gibt vor den Rennen eine Drohne, mit der man das Gebiet anschauen und Punkte sowie Gefahren markieren kann. Bei Rennende wird man von einem Raumschiff mit Magnet abgeholt und muss dafür aktiv stehen bleiben.
Es sind viele Kleinigkeiten, die in der Tat ziemlich immersiv sind, und das hat mich dann doch, selbst als Simulations-Muffel, recht beeindruckt. Und hierbei habe ich noch gar nicht von dem Triebwerks-System geredet, mit dem man sich logisch in der Luft drehen kann, seinen Fall abbremsen oder beschleunigen kann. Auf dem Mond fand ich das besonders witzig, weil ich mich mit dem Triebwerk bewusst an den Boden gedrückt habe, um mehr Grip zu bekommen.
Und das Witzigste überhaupt: Mitten im Rennen kann man die Reifen mit einer Tastenkombination wechseln. Hierfür kommt dann eine Drohne angeflogen und wechselt die Reifen einfach mitten in der Fahrt.

Fazit – Exo Rally Championship gefällt mir, trotz Sim-Racer
Ja, ich wurde hier gegen Ende wirklich überrascht. Es dauerte 2–3 Stunden Spielzeit, doch dann hat es ein bisschen Klick gemacht.
Würde mir das Spiel als Arcade-Racer ohne technisch komplexe Einstellungen und mit konstanter Musik besser gefallen? Aber sicher, sogar deutlich! Doch ich kann durchaus behaupten, dass dies der beste Sim-Racer ist, den ich bisher (an)gespielt habe.
Letzten Endes sollte vor allem betont werden, dass solch ein Konzept wirklich sehr ungewöhnlich ist. Auch wenn es daher nur eine kleine Nische bedienen mag, sollte es für Sim-Racer-Fans definitiv einen Blick wert sein.

Mag ich
– Triebwerk-Mechanik
– Umsetzung der Check-Points
– Menü-Gestaltung
– Der Mond
– Sehr interessante Details
– Vier verschiedene Rover
Mag ich nicht
– Keine durchgehende Musik in den Rennen
– Sehr komplexe Fahrzeugmodifikationen (von denen ich keine Ahnung habe, wie wichtig die sind)
– Eigentlich nur Zeitrennen
Regen sieht richtig schlecht aus
Vielen Dank an Exbleative und Future Friends Games für die Bereitstellung des Testmusters. Gespielt auf PC/Steam.