Sunny Cafe (Review)

Wann habt ihr euch zuletzt Gedanken darüber gemacht, welchen Kaffee ihr gern mögt? Schmeckt er euch überhaupt? Die Visual Novel Sunny Cafe zeigt, wie vielfältig Kaffee sein kann, angefangen mit verschiedenen Bohnensorten und Zubereitungsarten. Der Titel gibt dabei kleine Einblicke in die Geschichte der taiwanesischen Kaffeekultur.

Zwischen College und Arbeitsplatz

Protagonist Bowen ist ein College-Student und Sohn von Cafébetreibenden. Auch wenn naheliegt, dass er das Café einmal übernehmen wird, weil es eben seinen Eltern gehört, bereitet er doch mit Begeisterung verschiedenste Kaffees zu. Ein wenig hadert er dennoch mit seiner Identität und damit, ob er sich von seinen Eltern emanzipieren kann. 

Sunny Cafe-Screenshot: A-Rang bei der Kaffeezubereitung.

In seinem Bestreben, besser zu werden und mit neuen Kaffeespezialitäten neue Kundschaft zu erreichen, unterstützen ihn die anderen Mitarbeitenden und neue Freundinnen. Zufallsbegegnung Kathy übersetzt für ihn Bücher aus dem Englischen, während Bella mit ihrer Social Media-Präsenz Aufmerksamkeit generiert. Freundschaften und Romanzen entwickeln.

Zwischendurch gibt es zwar keine obligatorische Strandepisode, aber dafür einen Vergnügungspark. Das Setting ist zwar insgesamt nicht ganz typisch Slice of Life, aber Sunny Cafe kennt eben doch ein paar Tropen.

Bowen beschreibt Kathy.
Perspektiven

Sunny Cafe ist in einer Mischung aus erster und dritter Person geschrieben. Die dritte Person ist für einzelne Momente wichtig, in denen Bowen nicht dabei ist. Allerdings wechselt die Person ständig innerhalb von Szenen, selbst wenn Bowen weiterhin beteiligt ist. Dadurch lässt sich die Geschichte an vielen Stellen leider nicht flüssig lesen. Besonders schade ist das deshalb, weil die Charaktere durch den deskriptiven Schreibstil, der viele Mimiken und Gesten zeigt, eigentlich sehr lebendig wirken. Daneben sind die englischen Texte weitgehend fehlerfrei.

Die Zubereitung von Kaffee ist eine Kunst

Doch ich bin nicht nur damit beschäftigt, Texte zu lesen, Entscheidungen zu treffen und der Sprachausgabe zu lauschen, die ich leider nicht verstehe. Daneben koche ich hin und wieder auch noch Kaffee. Mal für zukünftige Stammgäste, mal für Freunde oder Kolleg:innen. Dafür gibt es verschiedene Minispiele, bei denen ein guter Rang nicht besonders schwierig zu erzielen ist.

Dennoch fühlen sich die Minispiele auf Nintendo Switch teilweise nicht gut an. Geht es darum, Wasser aufzugießen, muss man eine Linie nachfahren, dafür ist die Steuerung jedoch kaum präzise genug. Glücklicherweise lässt sich der Cursor etwas verlangsamen, aber auch damit lässt es sich kaum vermeiden, Wasser daneben zu vergießen. Auch ein simples Memory ist dabei.

Am interessantesten fand ich allerdings, wenn ich die Kaffeesorte aussuchen durfte. Die Person, für die der Kaffee ist, beschreibt den Geschmack, den sie haben möchte. Anschließend vergleiche ich das mit den Geschmacksnoten, die die verschiedenen Sorten bieten. Dabei gibt es auch kleine Hinweise, ob die Sorte gefällt, manchmal sind diese aber nicht ganz eindeutig. Dabei gibt es beispielsweise beerige oder nussige Geschmacksnuancen, aber auch verschiedene allgemeine Parameter wie die enthaltene Säure. Letztlich habe ich alle Sorten richtig ausgesucht, aber das Überlegen brauchte schon ein bisschen Hirnschmalz.

Das Memory in Sunny Cafe.
Fazit

Sunny Cafe ist eine Visual Novel mit ansprechendem Café-Setting. Große Überraschungen sind nicht dabei, aber die Charaktere sind unterhaltsam. Leider wechselt die Perspektive, aus der geschrieben wird, immer wieder abrupt, was leicht aus dem Lesefluss reicht. Daher kann ich nur eine eingeschränkte Empfehlung für Sunny Cafe aussprechen.

Herzlichen Dank an eastasiasoft für die Bereitstellung des Testmusters. Gebraut auf Nintendo Switch.