Lange haben Crazy Taxi-Fans düsten müssen. Binnen weniger Jahre hat die Reihe es auf immerhin drei Teile gebracht, seither ist es aber, abseits von gelegentlichen Ports des Erstlings, still um das Anarcho-Arcade-Spiel geworden. Im Zuge von Segas Live-Service-Kampagne basierend auf etablierten Sega-Marken sollte Crazy Taxi in World Tour wiederbelebt werden. Die Live-Service-Kampagne wurde seither beendet und Crazy Taxi: World Tour zu einem eher traditionellen Nachfolger – zum Glück für Fans der Reihe, wie es aussieht, denn auf der Gamescom konnte World Tour abseits einiger technischer Unfeinheiten überzeugen.
Die Gamescom-Demo zu Crazy Taxi: World Tour spielt – vermutlich nicht zufällig – in Deutschland. Wie der Name bereits verrät, wird es in Crazy Taxi: World Tour eine ganze Reihe von Schauplätzen aus aller Welt geben, statt sich wie die ersten drei Teile auf US-Amerikanische Städte zu beschränken. Die einzelnen Arelae des World Tour Modus ist im Grunde genommen ähnlich aufgebaut wie moderne Open World-Spiele, das heißt, dass man sich in dem jeweiligen Stadt-Areal ohne Zeitlimit frei bewegen kann. Ein Richtungspfeil zeigt stets an, wo die nächste Story-Mission ist, man kann allerdings auch unterwegs jederzeit eine der Nebenmissionen angehen.

Der prominenteste Missionstyp entspricht im Grunde dem klassischen Arcade-Modus aus Crazy Taxi 1-3, das heißt, dass man in einem gegebenen Zeitlimit möglichst viele Kunden auflesen und an ihr jeweiliges Ziel fahren muss. Dem ersten Eindruck nach ist das allerdings leider kein vollständiger Ersatz für einen klassischen Arcade-Modus, da die Passagiere weniger planvoll platziert sind und man keine nennenswerte Extrazeit für erfolgreichen Personentransport bekommt. Für einen kurzen Crazy Taxi-Geschmackstest sind diese Missionstypen gut geeignet, aber es steht zu hoffen, dass das Spiel auch noch einen ähnlich durchdesignten Arcade-Modus wie die drei Vorgänger erhalten wird.
Neben diesem klassischen Missionstyp gibt es aber noch eine ganze Reihe weiterer Aufgabentypen. So muss man beispielsweise in einer Mission der Gamescom-Demo einen Passagier noch zu einem bereits startenden Flugzeug bringen, einen irren Adrenalinjunkie mit einer heftigen Bremsung möglichst weit aus dem Taxi schleudern oder mit möglichst schönen Drifts schnell Papiermüll beseitigen. Die Missionen in der Gamescom-Demo sind nicht allzu schwierig, allerdings kommt jede Storymission mit drei Zusatzaufgaben daher, die ich nur selten alle im ersten Durchlauf erledigen konnte.

Crazy Taxi: World Tour steht und fällt natürlich mit Spielmechanik und Leveldesign und in beiderlei Hinsicht konnte die Demo mich überzeugen. Die Spielmechanik ist eng an das Originalspiel angelehnt, bringt aber ein neues Crazy-Move-System mit. Wenn man den B-Knopf antippt und anschließend den Gasknopf betätigt, legt man einen kleinen Boost hin und wenn man nach Antippen des B-Knopfes bremst, wird eine radikale Vollbremsung ausgelöst. Die Möglichkeit, mit einem sauberen Rhythmus aus B und RT einen hohen Combo-Counter aufzubauen, während man sich situativ einen möglichst kurzen, aber spektakulären Weg zum Ziel überlegen muss, war auf jeden Fall packend und hat das Potenzial, Crazy Taxi: World Tour zu tragen. Das verwinkelte Stadt-Design voller halsbrecherischer Abkürzungen und Hindernisse hat zudem dafür gesorgt, dass in der Demo jederzeit Action war.
Allerdings sind die Ladezeiten zu Beginn und zum Ende einer Mission derzeit noch etwas zu lang. Tatsächlich wäre in Anbetracht des Spielkonzeptes eigentlich wünschenswert, dass gar keine sichtbaren Ladezeiten zwischen den Missionen stehen, tatsächlich muss das Spiel aber immer wieder einige Sekunden laden, was den Spielfluss durchaus hemmen kann. Außerdem ist die Framrate zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht stabil, allerdings erscheint Crazy Taxi: World Tour auch erst im kommenden Jahr. Ein wenig Optimierungsarbeit sollte an beiden Stellen aber noch investiert werden.