Servant of the Lake (Review)

Servant of the Lake Artwork

Ich habe einen neuen Job. Als Dienstbote in einem Anwesen am Rusty Lake des Hausherrn und seines Besuchs. Das Point-and-Click-Adventure Servant of the Lake ist der neuste Titel im Rusty Lake-Universum und spielt einige Jahrzehnte in der Vergangenheit.

Trotz der Reihenzugehörigkeit lässt sich Servant of the Lake problemlos als eigenständiger Titel spielen. Ein Moment zeigt zwar deutlich, dass hinter dem Anwesen am See eine größere Welt steckt, doch alles andere funktioniert in sich geschlossen als einzelnes Erlebnis.

Innerhalb von viereinhalb Stunden habe ich drei Tage im Anwesen von Aldous Vanderboom verbracht. Habe Frühstück zubereitet, die Wäsche gewaschen, die Katze gestreichelt und alles erledigt, was Aldous und die ihn besuchenden Geschwister sich gewünscht haben.

Ein oranger kater sitzt auf einem roten Sessel und putzt seine Vorderpfote.
Frühsport

Jeder Tag in Servant of the Lake ist in mehrere Kapitel eingeteilt, die von Titelkarten wie in einem Stummfilm eingeteilt sind. Zu Beginn ist alles noch ganz harmlos, auch wenn die Skurrilität meiner Aufgaben schnell erste Einblicke darauf gibt, was mich noch erwarten wird.

Ich komme in einer Kutsche an, muss aber erst einmal Geld finden, um den Kutscher zu bezahlen. Und einen Schlüssel, um das Haus zu betreten (auch wenn ich mich natürlich fragen könnte, warum ich nicht einfach anklopfe). Womit ich interagieren kann, wird nicht weiter hervorgehoben, was dazu verleiten kann, wild auf dem Bildschirm herumzuklicken. Den einen oder anderen Gegenstand sammle ich ein und stecke ihn in die großzügige Gegenstandsleiste am Bildschirmrand.

Anschließend kann ich Objekte aus der Leiste auswählen und dort einsetzen, wo sie passen. 

Um das Frühstück für Aldous Vanderboom vorzubereiten, benötige ich Hilfe von der Katze, die mich in den nächsten Tagen häufiger unterstützen wird. Aldous ist mit seinem Haferbrei zuerst nicht ganz zufrieden. Die Lösung ist eher unkonventionell und beinhält auch die Hilfe eines anderen Tieres. Bei genauerer Betrachtung stellt sich die Frage, wie das überhaupt funktionieren kann. Aber das ist nur einer von vielen Momenten, in denen das, was ich mache, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen, sehr absurd ist. Solange ich verstehe, was ich mache, sollte ich vermutlich nicht hinterfragen, wie es möglich sein kann, dass die Umstände so zusammenkommen.

Zu Aldous Vanderbooms Morgenroutine gehört auch ein wenig Frühsport. Hier kann ich ihn mehrere Einzelübungen nacheinander durchführen lassen, und ich habe etwas zu lange benötigt, um zu verstehen, dass er eine bestimmte Abfolge haben möchte. Dann habe ich mich daran erinnert, dass ich beim Umsehen schon etwas Ähnliches entdeckt hatte. 

Ein Wecker.
Wann sollte ich Aldous Vanderboom noch gleich wecken?
Kopfnüsse

Rätsel mit Reihenfolgen oder Kombinationen gibt es noch einige, die so komplex sind, dass stumpfes Ausprobieren kaum zielführend ist. Bei Abfolgen muss ich zumeist verstehen, wo Hinweise für die Folge zu finden sind. Bei Zahlenschlössern und dergleichen könnte ich zwar teilweise Rätselabschnitte überspringen, sobald ich ausreichend Zahlen kenne. Aber es gibt nur wenige Fälle, in denen nach der ersten Teillösung unklar ist, wo weitere Teillösungen zu finden sind. Gleichzeitig gibt es allerdings auch kein Feedback für falsche Lösungen, das darüber hinausgeht, dass schlicht nichts passiert.

Finde ich Karten mit Anweisungen, greife ich bei Bedarf im Menü auf diese zurück. So kann ich einfach überprüfen, ob ich alle nötigen Schritte für eine Aufgabe erledigt habe. Daneben kann ich im Menü auch eigene Notizen machen. Diese auszuradieren, ist ein wenig aufwendig, und Schreiben und Zeichnen mit Maus liegt mir nicht. Aber die Rätsel sind in der Regel auch nicht so komplex, dass ich mir Dinge aufschreiben müsste. Nur für einen besonders komplexen Rätselabschnitt mit verschiedenen Zeichen habe ich den gesamten Notizbereich einmal benutzt. Dafür war die Funktion dann sehr praktisch.

Zusätzlich gibt es in jedem Abschnitt auch eine geheime Aufgabe, für die ich einen Stern im Menü erhalte. Vor dem Durchspielen habe ich ein paar davon zufällig erledigt. Anschließend kann ich in jedes Kapitel zurückkehren und einen kleinen Hinweis lesen, worin die Aufgabe besteht. Leider hatte ich damit trotzdem schon beim allerersten Abschnitt meine Probleme.

Ein detailliertes Gemälde von Aldous Vanderboom, Herr des Hauses. Er hält eine Taschenuhr in der Hand.
Familie Vanderboom

Dreh- und Angelpunkt der Geschehnisse im Anwesen ist Familie Vanderboom. Aldous, der Hausherr, lädt seine Geschwister William und Alexandra zu einem jährlichen Treffen einlädt. Letztere wird in diesem Spiel neu eingeführt, während William und Aldous Spielenden aus anderen Rusty-Lake-Spielen bereits ein Begriff sein könnten. Alexandra bringt zudem ihr Baby James mit. Der schreit zwar viel, äußert aber immerhin keine anspruchsvollen Wünsche.

So kümmere ich mich bald schon nicht mehr nur um die Essenszubereitung, helfe beim Ankleiden und Rasieren, sondern kümmere mich auch um Sonderwünsche. Spätestens, als William heimliche Unterstützung bei einem seiner Vorhaben verlangt, weiß ich, dass ich komplett in die Familiengeschehnisse verwickelt bin. Dass die Vorwarnungen des Hausmädchens, die Familie sei schwierig, eine Untertreibung ist. Dabei hatte ich mich noch gefreut, dass Aldous es mir nicht übel nahm, dass ich ihn beim Rasieren übel geschnitten habe. Zugegeben, kurz darauf wurde die Erleichterung durch ein wenig Ekel ersetzt, wenn auch vor allem konzeptionell und nicht optisch dank der stark stilisierten Grafik.

Später wird Servant of the Lake nicht nur auf der Jagd noch grotesker. Das leitet über in den makabren Humor, der zur teils düsteren Geschichte passt.

Hautnah erlebe ich die Spannungen zwischen den Geschwistern mit, die sich zwar jährlich treffen, aber darüber hinaus auch ihre eigenen Ziele haben und das auch wissen. Komme den Geheimnissen des Anwesens näher. Und hoffe, dass ich für die Strapazen großzügig entlohnt werde, falls ich das Ganze überstehe.

Die drei Geschwister und alle anderen Charaktere in Servant of the Lake sind komplett vertont. Mit distinktiven Stimmen und gut eingesetzten kurzen Textzeilen tragen sie sehr zur skurrilen Atmosphäre bei.

Über die drei Tage hinweg nehme ich auch immer wieder Veränderungen im Anwesen und bei den drei Geschwistern wahr. Auch darauf bauen Rätsel auf, beispielsweise im Zusammenhang mit den detailreichen Portäts und Gemälden an den Wänden.

Alexandra mit James auf dem Arm. "Psst. James schläft."
Fazit

Das Point-and-Click-Adventure Servant of the Lake überzeugt mit makabrem Humor und zunehmend skurrilen Rätseln. Ebenso wird die Geschichte rund um die Geschwister Vanderboom zunehmend düster. Mir gefällt insbesondere die Verbindung aus Momenten, in denen ich das Geheimis ergründe, und der bis zum Schluss aufrecht erhaltenen Fassade eines Familientreffens. Wenn Haushaltsmomente auf die geheimen Ziele treffen und ich mich um beides zugleich kümmere. Mein Wochenendjob als Diener bei den Vanderbooms hat sich also gelohnt.

Herzlichen Dank an Rusty Lake für die Bereitstellung des Testmusters. Familiengeheimnisse ergründet auf PC via Steam.