Doloc Town (Review)

Doloc Town Artwork

Vor etwas mehr als einem Jahr ist Doloc Town in den Early Access gestartet. Nun folgt der 1.0-Release der vertikalen Farmsimulation im postapokalyptischen Doloc-Tal.

Viel hat sich getan, seitdem ich zum ersten Mal im sauren Regen stand und meine Preview geschrieben habe. Farmtiere, Fischzucht, Feste, Freundschaftsstorys, Fraktionen für den Handel, … Mit dem Vollrelease kommt nun eine komplett neue Region hinzu, die zum Erforschen einlädt und Gegenstände und Gegner mitbringt. Außerdem lässt sich der Farmalltag nun stark automatisieren. Nicht zuletzt findet auch die Handlung nun ihr Ende. Einzig hätte ich mich noch über ein Update gefreut, das mir einen direkten Überblick über gewünschte Materialien für Aufträge gibt, ohne am Hafen nachschauen zu müssen.

Weiterhin greifen Setting und Gameplay gut ineinander. Aufgesammelter Müll wird wiederaufbereitet, der Umweltzustand sorgt für sauren Regen, auf den ich den Hof vorbereite. Strom gewinne ich mal aus Müll und Kohle, mal aus der Sonne, und Brunnen führen jahreszeitenabhängig Wasser. Lagerregale mit Pappkartons sind zu Beginn eine gute Aufbewahrungsmethode. Mit Drohnen wehre ich mich gegen Monster und Maschinen in der Wildnis.

In der Natur auf aufgehängten Stahlträgern.
Rückkehr nach Doloc Town

Um zu sehen, ob sich am Anfang etwas getan hat, habe ich einen neuen Speicherstand begonnen. Weiterhin kehrt meine Spielfigur nach Jahren in die Stadt zurück, um nach Edens Vermächtnis zu suchen und herauszufinden, was mit dem ehemaligen Bürgermeister Ponka geschehen ist. Viel hat sich nicht getan und auch das Tutorial ist weiterhin eingängig, lediglich ein Nomade kam sehr früh vorbei, um mir die Tierhaltung näherzubringen.

Was auffällig neu ist, sind die neuen Beta-Sprachen (die noch weiter überarbeitet werden), darunter auch Deutsch. Es fällt im Moment durchaus auf, dass die Texte noch einige Schwächen haben, gerade kürzere Textzeilen, doch die deutschen Texte sind jetzt schon ausreichend verständlich. 

So habe ich mich schnell wieder eingefunden in den vertikalen Farmalltag. Plattformen aufzustellen, um Pflanztöpfe übereinander zu platzieren, funktioniert weiterhin mit Maus und Tastatur wesentlich besser als mit Controller. Daher habe ich auch jetzt wieder den Controller auf die Seite gelegt und die automatische Feuerfunktion meiner Kampfdrohne ausgenutzt. Bei den Platforming-Abschnitten in der Umgebung kam ich mit den Doppelsprüngen gut zurecht. Die Taste für den Sprint habe ich allerdings geändert, um die Sprintrichtung in der Luft angenehmer zu lenken.

Die Hofarbeit baut auf den genrebekannten Systemen auf, ersetzt das Bestellen von Land jedoch durch die Herstellung von Pflanztöpfen unterschiedlicher Haltbarkeit. Gegen sauren Regen und die trockene Sommerhitze bedecke ich bepflanzte Töpfe mit Folie. Bewässerung erfolgt entweder manuell mit Gießkanne oder händisch bedienbaren Sprinklern oder automatisch über stromgesteuerte Sprinkler. Ähnlich wie in Petunia’s Purgatory verschiedene Pflanzen verschiedene Erde benötigen, brauchen Strauchpflanzen in Doloc Town besondere Pflanztöpfe. 

Nachdem ich meine Plattformen gestapelt, Sprinkler und Verbrennungsöfen für Strom aufgestellt sowie Pflanztöpfe verteilt und bepflanzt habe, kann ich mich bis zur Erntezeit also anderen Dingen zuwenden. Sobald ich einen Stall habe, kann ich Tierfutter auf Vorrat platzieren und Produkte wie Eier oder den Dung später abholen.

Eines der Farmtiere in Doloc Town, als grasendes, lamaartiges Tier in der Stadt.
Edens Vermächtnis und Ponkas Verschwinden

Auch wenn die Automatisierung erst deutlich später richtig losgeht, wenn ich beispielsweise Drohnen besorge, die sich um Farmarbeiten kümmern, habe ich auch im kleineren Rahmen schon mehr freie Luft für die Dinge, die mich nach Doloc Town gezogen haben. Schließlich möchte ich wissen, was Edens Vermächtnis ist, das hier zu finden sein soll. Oder wohin Ponka verschwunden ist. Zudem finde ich im Wald eine Maschine, die es zu reparieren gilt. 

Meine Suche nach Antworten schickt mich an verschiedenste Orte. Dort finde ich nicht nur Erkenntnisse, sondern auch neue Monster, Maschinen, Mineralien und Materielien. Fische nicht zu vergessen, wobei ich das Angelminispiel bei Bedarf auch vereinfachen kann (einzelne Fische sind wirklich schwer zu fangen). Vielleicht auch alte Samen, die ich analysieren kann, um neue Pflanzen auf der Farm anzubauen.

Innerhalb der Regionen belohnt die Erkundung mit versteckten Wegen, Abkürzungen und all den Ressourcen, die ich auf der Farm und für die Storyfortschritte benötige. Schließlich muss ich immer wieder auch Maschinen oder Gegenstände herstellen, um voranzukommen. 

So führt mich meine Suche durch Wälder, Sümpfe und Höhlen (aber keine genretypischen Minen!) und schließlich auch in die neuen antiken Ruinen. Letztere sind sehr deutlich ein spätes Gebiet, besonders verwinkelt und komplex, mit neuen Storyerkenntnissen und verschiedenen NPCs. In der verlassenen Stadt habe ich mehr als einen der Schlafsäcke benutzt, mit denen eine Übernachtung außerhalb der Farm möglich wird. Mit sehr lustiger Einschlafanimation.

Ich habe mich vielleicht ein wenig länger in den antiken Ruinen verirrt, als nötig gewesen wäre, aber das liegt vor allem an meinem schlechten Orientierungssinn und tut meinem Spaß keinen Abbruch. Hier hat sich das Warten auf jeden Fall gelohnt.

Auch wenn natürlich der Weg zum finalen Gebiet und hindurch bis zum Abspann deutlich glatter läuft, wenn ich vorher schon viele Ressourcen und Geld angesammelt habe.

Alchemy erzählt von einem kürzlichen Erdrutsch, bei dem Eden-Schöpfungen zum Vorschein kamen.
Feste und Freundschaften

Das Jahr in Doloc Town ist in vier Jahreszeiten aufgeteilt, die in unterschiedlicher Intensität entweder regnerisch oder trocken sind. Jahreszeitenabhängig sind auch die Feste in der Stadt. Dabei gibt es zwar festbezogene Aufträge für mich, doch abseits davon sind die Feste kaum dialoglastig. Stattdessen geht es zumeist darum, dass ich allein oder im Wettbewerb mit anderen etwas erledige. Etwa, innerhalb von wenigen Tagen möglichst viele Lachse zu fangen oder Pilze zu sammeln. Letztere sammeln sich fast nebenbei, während ich außerhalb der Stadt Ressourcen suche. Manchmal fühlt sich das weniger nach einem gemeinsamen Fest an, aber dafür habe ich immer etwas zu tun und klappere nicht nur Leute ab, um mit ihnen zu reden.

Leider konnte ich das Fest zum Jahreswechsel einmal nicht abschließen, da die Person, der ich ein Gericht für das Buffet überreichen sollte, nicht da war. Doch da ich kurz zuvor noch mit einem Nickerchen die Zeit hatte verstreichen lassen und ich eingestellt habe, dass auch bei Nickerchen gespeichert wird, musste ich keinen kompletten Tag wiederholen. Zusätzlich kann ich auch an jeder Sitzgelegenheit in der Stadt speichern. Weitere Bugs sind mir nicht untergekommen.

Romantische Beziehungen bietet Doloc Town nicht, dafür jedoch 13 Charakterstorys mit verschiedenen NPCs aus der Umgebung. Diese kann ich auch beschenken, um die Freundschaft zu stärken. Oder ich erfülle Aufträge vom schwarzen Brett, bei denen ich häufig bestimmte Fische fangen oder Pflanzen liefern muss. So lerne ich die Leute besser kennen, bekomme aber auch ein paar nützliche oder dekorative Gegenstände. Leider sind die Dialoge abseits von Szenen nicht sehr variantenreich.

Daneben gibt es am Hafen auch mehrere Fraktionen an Händlern von außerhalb, die ich erwerben kann, dauerhaft Handel zu betreiben. Dafür erledige ich verschiedene Aufträge für sie, um sie vom Wert einer Zusammenarbeit zu überzeugen.

Lightman: "Ab dem 25ten bis zum 27ten sind sie überall außer im flachen Wasser. Es ist der Erntetag nur für uns Fischer. Wir nennen es das Lachsfest hier im Tal."
Fazit

Die vertikale Farmingsim Doloc Town verlässt den Early Access erfolgreich. Die Hofarbeit mit Pflanzen und Tieren ist in der seitlichen Perspektive überzeugend umgesetzt. Die NPCs laden abseits von Szenen zwar kaum zu Dialogen ein, doch dafür bietet die Umgebung außerhalb der Stadt viel zum Erkunden und Entdecken. Die Handlung findet nun ein rundes Ende und das neue Gebiet ist ein echtes Highlight geworden. 

Herzlichen Dank an RedSaw Games Studio für die Bereitstellung des Testmusters. Gefarmt, gehüpft und geforscht auf PC via Steam.